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ORN #59 Stressfrei YouTube-Videos herunterladen

Hey und willkommen zur 59. Ausgabe des Online-Recherche Newsletters!

Wie oft wolltest du schon ein YouTube-Video herunterladen – und bist auf der Suche nach einem Downloader auf dubiosen Seiten gelandet, voller Pop-ups und Captchas? In diesem Newsletter stelle ich dir das ultimative Tool vor: Es speichert Videos, Untertitel oder Kommentare – kostenlos, quelloffen und werbefrei.

Im Werkstatt-Interview habe ich etwas über Pragmatismus gelernt. Als die Epstein Files vor ein paar Monaten im Netz landeten, fühlte ich mich überfordert. Millionen Dokumente, wo soll man da anfangen? Am Ende habe ich darin nicht recherchiert. Null. Im Gegensatz zu Daniel Laufer von Paper Trail Media. Er hat sich eine Bresche durch das Konvolut geschlagen – mit einem smarten Ansatz.

Viel Spaß beim Lesen!

Belege sichern: YouTube-Videos herunterladen

🔑 Wofür braucht man das? YouTube-Videos können wichtige Belege für eine Recherche liefern. Zum Beispiel, wenn Influencer*innen mal wieder ihre eigenen Straftaten filmen oder windige Unternehmen ihre Geschäfte in Imagefilmen anpreisen. Das Werkzeug yt-dlp (Si apre in una nuova finestra) kann solche Belege sichern, bevor sie jemand offline nimmt.

⚙️ Wie funktioniert das? yt-dlp ist kostenlos, werbefrei und quelloffen. Das macht die Software verlässlicher als Browser-Tools, die Nutzer*innen oftmals Werbung, Abos oder Schadsoftware unterjubeln wollen. Primär wurde es für YouTube entwickelt; es kann inzwischen aber auch von Hunderten weiteren Seiten Videos speichern. Der Download-Befehl für eine gewünschte URL lautet: yt-dlp "URL“

📌 Was muss man beachten? Sobald eine Plattform am Quellcode schraubt, müssen auch die Entwickler*innen das Tool nachbessern. Es kann also sein, dass yt-dlp nicht immer zuverlässig funktioniert. Eine schicke, grafische Oberfläche hat yt-dlp nicht. Man muss es über Textbefehle per Konsole bedienen. Wenn es hakt, kann ein großes Sprachmodell wie Mistral oder ChatGPT weiterhelfen.

Transkripte durchsuchen: YouTube-Untertitel sichern

🔑 Wofür braucht man das? Manchmal verstecken sich nützliche Zitate in langen Videos. Beim Abhören geht eine Menge Zeit drauf. Aber für viele YouTube-Videos gibt es auch eine Textversion, die sich bequem nach Stichworten durchsuchen lässt – nämlich die Untertitel. Mit yt-dlp lassen die sich einfach herunterladen.

⚙️ Wie funktioniert das? Zunächst kann yt-dlp prüfen, welche Untertitel vorliegen. Manche Uploader*innen laden selbst erstellte und redigierte Untertitel hoch („subs“); zur Not tun es auch die von YouTube automatisch erzeugten Untertitel („auto-subs“). In solche maschinell erzeugten Transkripte können sich jedoch Fehler schleichen, gerade bei Namen und Fachbegriffen. Der Download-Befehl für Untertitel einer URL lautet: yt-dlp --skip-download --write-subs --write-auto-subs "URL"

📌 Was muss man beachten? Video-Untertitel wurden nicht fürs menschliche Auge optimiert. Der Text ist in Häppchen aufgeteilt und mit Zeitmarken versehen. Lesegenuss sieht anders aus. Trotzdem lassen sich spannende Stellen eines Videos rasch mit Strg+F finden, um sie im Original zu hören.

❤️ Teilen macht Spaß: Leite diesen Newsletter an eine Person weiter, die einen guten YouTube-Downloader gebrauchen kann! 📬

Resonanz erforschen: YouTube-Kommentare absaugen


🔑 Wofür braucht man das? Videos sind nicht alles auf YouTube. Oft liefern die Kommentarspalten wertvolle Hinweise: Lob, Kritik und Rückfragen erlauben Rückschlüsse auf das Publikum eines Kanals. Manchmal melden sich Uploader*innen selbst zu Wort. Mit yt-dlp lassen sich Kommentare lokal sichern und nach Stichworten durchsuchen.

⚙️ Wie funktioniert das? Das Werkzeug schnappt sich die Kommentare unter einem Video und die Spitznamen der Verfasser*innen und gießt alles in ein Textdokument. Bei Hunderten bis Tausenden Kommentaren kann die Abfrage eine Weile dauern. Der Befehl zum Speichern der Kommentare einer URL lautet: yt-dlp --write-comments --skip-download "URL"

📌 Was muss man beachten? YouTube-Kommentare machen in der Regel eine laute Minderheit sichtbar, während ein Großteil des Publikums nichts kommentiert. Unerwünschte Kommentare können Kanalbetreiber*innen löschen. Eine Kommentarspalte ist also nicht repräsentativ – aber oftmals die beste verfügbare Quelle, um zu erkunden, wie ein Video ankommt.

Interview: Recherchieren in den Epstein Files

Porträt von Daniel Laufer
Daniel-Laufer | Credit: Simon Veith

Millionen Akten aus den Ermittlungen gegen den verstorbenen Multi-Millionär Jeffrey Epstein hat das US-Justizministerium im Netz veröffentlicht. Mit den Epstein Files begann ein internationaler Recherche-Marathon. Welche brisanten Verbindungen hatte der im Jahr 2008 verurteilte Sexualstraftäter Epstein, der 2019 erneut verhaftet wurde – und in seiner Gefängniszelle starb?

Für Paper Trail Media hat Daniel Laufer mit seinem Kollegen Jonas Halbe den Aktenberg erkundet; die Ergebnisse sind bei ZDF (Si apre in una nuova finestra) und Spiegel (Si apre in una nuova finestra) erschienen. Im Interview erklärt er, was es heißt, wenn ein prominenter Name in den Akten auftaucht, und wie man Nadeln im Heuhaufen findet.

ORN: Daniel Laufer, warum stürzen sich alle auf die Epstein Files?

Daniel Laufer: Das öffentliche Interesse ist groß, weil es in den Akten mutmaßliche Belege gibt, die Personen in hohen Stellungen schwer belasten. Etwa den ehemaligen britischen Prinzen Andrew. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals eine so umfangreiche Veröffentlichung von Ermittlungsakten gegeben hätte. In der EU wäre so etwas mit Blick auf Datenschutz kaum denkbar. Jetzt kann jede Privatperson zuhause mit dem Handy in den Akten wühlen, parallel zu Newsrooms auf der ganzen Welt.

„Die Akten lassen eine voyeuristische True-Crime-Fantasie real werden.“

ORN: Ist so ein Aktenberg nicht primär frustrierend?

Daniel: Für viele ist der erste Zugang die Stichwortsuche auf der Website des US-Justizministeriums. Man gibt einen Begriff ein und lässt sich überraschen, wozu es Treffer gibt. Alle, die wollen, können quasi durchs Schlüsselloch in die Welt der Reichen und Mächtigen schauen. Es lässt sich beobachten, wie sie sich austauschen, wenn sie denken, dass niemand mitliest. Die Akten lassen sozusagen eine voyeuristische True-Crime-Fantasie real werden.

Hinzu kommt, dass die Bedeutung der Akten gerade in den USA enorm aufgeladen ist. Der Streit um die Veröffentlichung war Teil des Wahlkampfs von Donald Trump. Zuerst hatte er gefordert, dass die Epstein Files veröffentlicht werden; dann versuchte er, das zu verhindern. Es gibt Anknüpfungspunkte zu mächtigen Verschwörungserzählungen rund um QAnon.

ORN: Viele Stunden hast du schon mit den Epstein-Files verbracht?

Daniel: Oh je...

ORN: Verstehe. Was für Dateien sind das eigentlich?

Daniel: Es gibt sehr viele E-Mails aus diversen Postfächern und Unterlagen von Epsteins Bankkonten. Außerdem Unmengen an Fotos, weil die Ermittler*innen die Anwesen und Habseligkeiten von Epstein fotografiert haben, bis hin zu banalen Dingen, die wohl in irgendwelchen Schubladen lagen. Es gibt auch seltsame Videos, in denen sich Epstein etwa in den Mund hineinfilmt, vielleicht, um das einem Arzt zu schicken.

ORN: Wie viel davon ist relevant?

Daniel: Sehr wenig. Der Großteil der Daten dürfte keinerlei Belang für Ermittlungen oder journalistische Recherchen haben. Die Rede ist oft von 3,5 Millionen Dateien, aber die Zahl ist irreführend. Viele E-Mails sind mehrfach vorhanden. Manche Dateien bestehen aus nur einer Seite, manche aus Hunderten. Wir reden von Unterlagen, die Ermittlungsbehörden seit den Neunzigerjahren angehäuft haben. Da macht es vom Ansatz her fast keinen Unterschied mehr, ob es eine Million oder sechs Millionen Dateien sind: Es ist praktisch unmöglich, alles zu sichten.

ORN: Viele Medienberichte kreisen um bekannte Personen, die in den Epstein Files auftauchen. Hat das immer Nachrichtenwert?

Daniel: Es gab teils obskure Meldungen nach dem Schema: "XY in den Epstein Files". Aber nicht jeder Name, der beiläufig auftaucht, hat eine Bedeutung. Man muss sich genau anschauen, wie die Verbindung aussah: Gab es direkten Kontakt, auch über längere Zeit? Wie vertraulich war die Kommunikation? Gab es Besuche? Selbst, wenn es keine Indizien von strafrechtlicher Relevanz gibt, kann das moralische Fragen aufwerfen.

Bei Epstein geht es um einen Mann, von dem öffentlich bekannt war, dass er im Gefängnis war, nachdem er sich unter anderem schuldig bekannt hatte, eine Minderjährige zur Prostitution angeworben zu haben, und gegen den weitere schwere Vorwürfe im Raum standen. Dennoch standen ihm nach seiner Haftstrafe im Jahr 2009 anscheinend weiterhin viele Türen offen. Mein Eindruck ist, er konnte in die Gesellschaft mächtiger Personen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zurückkehren, als wäre nichts gewesen.

ORN: Was war dein bisher größter Fund in den Epstein Files?

Daniel: Die wohl prominenteste Person mit Deutschland-Bezug, über die wir berichtet haben, ist der deutsche KI-Forscher Joscha Bach. Epstein hat ihn und seine Karriere mehrere Jahre lang gefördert. Das konnten wir durch Schecks, Kontoauszüge und E-Mails aus den Epstein Files rekonstruieren. Bach könnte von Epstein mehr als eine Million US-Dollar erhalten haben.

ORN: Im Interview (Si apre in una nuova finestra) mit der ZEIT hat Bach gesagt: "Die schweren Vorwürfe, die gegen Epstein nach seiner zweiten Verhaftung erhoben wurden, haben mich sehr schockiert. Ich habe niemals einen Hinweis auf solche Straftaten oder rechtlich fragwürdiges Verhalten mitbekommen und hätte andernfalls sofort jeden Kontakt abgebrochen." – Wie seid ihr in den Epstein Files auf seine Spur gekommen?

Daniel: Das war noch am Abend, als das US-Justizministerium eine große Menge der Akten veröffentlichte.

ORN: ... also der 30. Januar 2026.

Daniel: Ein Freitag, tagsüber war ich unterwegs. Am Abend habe ich eine leere Festplatte aus der Schublade geholt und einfach mal heruntergeladen, was man zu diesem Zeitpunkt leicht runterladen konnte. Und ich habe ein paar erste Suchbegriffe mit Deutschland-Bezug ausprobiert.

ORN: Hast du an diesem Abend nach dem Wort "Bach" gesucht?

Daniel: Es war viel banaler, ich habe "Berlin" eingegeben. Dabei bin ich auf eine E-Mail gestoßen, die zu ihm geführt hat.

„Ich muss nicht alle Dokumente haben”

ORN: Hast du dir inzwischen alle Epstein Files heruntergeladen?

Daniel: Nein, schon nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass das zu viel Aufwand wäre. Nur mit der Browser-Suchmaske zu arbeiten, wäre aber auch nicht sinnvoll gewesen. Man muss sich umständlich durch die einzelnen Suchergebnisse klicken. Und man kann sich nicht darauf verlassen, dass das Ministerium manche Dokumente nicht später wieder offline nimmt.

ORN: Lass mich raten: Du hast dir ein Tool gebaut.

Daniel: Richtig. Meine Herangehensweise war: Ich muss nicht alle Dokumente haben. Dafür würde einem niemand eine Medaille anheften. Es genügt, wenn ich mich auf das konzentriere, was ich wissen will. Ich habe also ein Tool programmiert, das automatisch Dokumente zu für mich relevanten Stichworten abfragt und herunterlädt, zum Beispiel "Berlin" oder "Deutsche Bank".

ORN: Wie bastelt man so ein Tool?

Daniel: Ich habe mir zuerst angeschaut, was passiert, wenn ich die Epstein Files auf der Website durchsuche. Dafür kann man im Browser die sogenannten Entwicklertools öffnen und den Netzwerkverkehr beobachten. Dort lässt sich ablesen, welche genauen Abfragen die Website an den Server schickt, auf dem die Dateien liegen, und vor allem, mit welchen Daten der Server antwortet. Ein Python-Skript, das direkt diese Schnittstelle anspricht, habe ich mir – der Einfachheit halber – dann von ChatGPT programmieren lassen.

Das Skript tut, als wäre es selbst ein Browser, dabei kommt das Werkzeug Selenium zu Einsatz. Es ruft die Suchergebnisse zu einem bestimmten Begriff ab, navigiert sich automatisch durch alle Suchergebnisse und speichert die Dateien.

ORN: Muss man da noch selbst programmieren können?

Daniel: Es hilft sehr, wenn man Code versteht, denn man muss sozusagen Regie führen und ChatGPT kleinteilige Anleitungen geben, um Hindernisse zu überwinden. Zum Beispiel musste ich auf die Altersabfragen der Website reagieren. Dort muss man regelmäßig anklicken, dass man schon über 18 Jahre alt ist. Mein Skript kam da zunächst nicht weiter. Mir ist aber aufgefallen, dass sich diese Abfragen umgehen lassen, wenn das Skript den Parameter "justiceGovAgeVerified=true" an die URL hängt.

ORN: Wie hast du die gespeicherten Dateien gesichtet?

Daniel: Dafür habe ich das kostenpflichtige Tool DevonThink (Si apre in una nuova finestra) genutzt, davon bin ich großer Fan. Du kannst damit in vielen Dateien auf einmal nach Kombinationen von Stichwörtern durchsuchen, zum Beispiel: Alle Dateien, in denen die genaue Wortfolge "Deutsche Bank" vorkommt und eine der Jahreszahlen 2015 oder 2016. Damit lassen sich große Mengen an Dokumenten schnell filtern.

ORN: Wie lange wirst du noch weiter graben?

Daniel: Da bin ich mir nicht sicher. Es gibt aber noch diverse Fährten, die nicht zu Ende recherchiert sind.

✨ Das war’s für diese Ausgabe. Auf Mastodon (Si apre in una nuova finestra), Bluesky (Si apre in una nuova finestra) und LinkedIn (Si apre in una nuova finestra) poste ich regelmäßig zu meinen aktuellen Recherchen rund um Netzpolitik, Alterskontrollen, Databroker oder digitale Gewalt – schau gern vorbei!

Vor der Online-Veröffentlichung erscheint dieser Newsletter zuerst und teils gekürzt im Medium Magazin (Si apre in una nuova finestra). Für deinen Recherche-Alltag habe ich ein verschlagwortetes Online-Archiv aller Beiträge (Si apre in una nuova finestra) zusammengestellt und eine Linkliste mit noch mehr Tools (Si apre in una nuova finestra).

Danke fürs Lesen, viel Erfolg bei der Recherche und bis zum nächsten Mal!

Sebastian