Passa al contenuto principale

Im Mistral nach Sardinien

Das Boot hatte ich in St. Lucia, in der Karibik kennengelernt.  

Ein Freund hatte mich auf seine 38er Bavaria eingeladen. Die Segelreise nach Grenada stieß für mich eine neue Welt auf. Atemberaubende Natur, faszinierende Farben, scheinbar unbeschwerte Lebensfreude, segeln im stetigen, starken Passatwind. Daraus entstand die schauerliche Geschichte: »Im Paradies der Haie«.

Genau dieses Schiff übernahm ich wenig später in Fuengirola, Spanien, um es nach Salerno in Italien zu überführen. Freund Michael hatte seine ANTARES aus der Karibik herübergesegelt. Mein Bruder Konrad (61), mein Sohn Maximilian (17), sein Schulfreund Tobi (17), Andreas (16) und mein Freund Manfred (54) begleiteten mich als Crew. Flieger von München nach Madrid, Großraumlimousine 560 Autobahnkilometer nach Andalusien. Michael der Eigner, fuhr den Wagen wieder zurück nach Madrid.

Böse Überraschung. Wir waren nicht allein an Bord. So wie wir nachts das Licht im Salon anknipsten, flitzten hunderte von hellbraunen Kakerlaken ins Dunkle.  Da half auch kein Schreikrampf. Wir sind trotzdem los, Richtung Balearen.

Der Kurs führte mich erstmals an Almerimar vorbei. Aber wir zielten auf Almeria für eine Übernachtung. Es ging weiter die Küste entlang die Costa Almeria, Costa Calida und die Costa Blanca lagen oft in Sichtweite. Wir ließen Ibiza und Mallorca hinter uns und schließlich lag auch Menorca im Kielwasser und diese ANTARES war auf dem Weg nach Korsika.

Manfred ist begeisterter Amateurfunker. Damals gab es auf Kurzwelle individuelle Wetterberatung. Auf unserem Weg von Menorca nach Korsika erhielt unser Funker eine Mistralwarnung.

»Wo seid ihr?«

»Zwanzig Meilen nördlich von Menorca.«

»Wo wollt ihr hin?«

»Ajacco, Korsika.«

»Vergesst es. In zehn Minuten habt Ihr Mistral! Vergesst Korsika!«

Schon war am Horizont der schwarze Strich zu erkennen. Zehn Minuten später machte die 38er mit sehr kleingerefften Segeln zehn Knoten über Grund nach Ostnordost.

»Okay, dann gehen wir eben nach Sardinien.«

Zehn Stunden später rollten sieben Meter hohe Wellen von achtern unter dem Schiff durch. War leicht abzuschätzen: Die gischtweißen Kämme hatten die Höhe der unteren Salings erreicht. Der Dreiviertelmond brachte die beinah schneeweißen Gischtfelder zu fahlem Leuchten. Voraus, weit voraus blinkte das weiße Leuchtfeuer auf dem 186 m hohen Berg vor der Bucht Porto Conte in Nordsardinien.

Für die Positionslichter, die Instrumente und den Kühlschrank brauchte es Strom. Deshalb musste regelmäßig die Maschine gestartet werden und ein, zwei Stunden mitlaufen. Funktionierte reibungslos. Bisher.

 In dieser Nacht war alles anders.

Manfred weckte mich in meiner Koje in der Bugkabine. Kurz nach Mitternacht.

»Die Maschine spinnt.«

»Was ist los?«

»Nimmt kein Gas an. Keine Drehzahl…«

Raus aus der Koje. Erster Blick nach Achtern: Max steht am chromglänzenden Steuer, gut angeleint, hält hochkonzentriert Kurs. Hinter ihm und hoch über seinem Kopf rollt von achtern der weißgeschäumte Horizont heran. Ein riesiger Wellenberg, im fahlen Mondlicht weiß leuchtend. Das Schiff läuft unter einer winzigen Fock neun Knoten über Grund nach Osten.

Niedergang aufklappen zur Motorinspektion. Die Maschine läuft, wackelt, weniger als Leerlauf. Der Gaszug. Das Drahtseil ist ab. Mit der Hand kann ich den kleinen Hebel drehen und die Drehzahl geht sofort hoch. Das lässt sich flicken. Bis es fertig ist muss jemand in den Motorraum greifen und den Gashebel drücken. Bei sieben Meter hohen Wellen. Es gelingt.

Am frühen Morgen, aber noch in Finsternis steuerte ich das Schifflein um das Cabo Caccia hinter den Berg von Porto Conte in die Windstille. Dachte, die Geschichte wäre damit ausgestanden.

Der Berg schützt nur den Eingang in die Bucht. Nach Norden zu flacht das Land ab und die Nordwest-Böen pfeifen über die weite Wasserfläche. Wir finden einen Platz auf sechs Meter Wasser. Fünfzig Meter Kette raus. Der Anker hielt prima in der kurzen steilen Welle. Die ANTARES tanzte heftig.  

»Wir müssen hier wieder weg!« rief ich meiner erschöpften Crew zu.

»Lass uns wenigsten etwas Tee trinken und Pause machen,« bat Konrad.

»Gut. Aber macht schnell.«

Die erste Tasse war noch nicht ausgetrunken, da ließ uns ein heller Knall zusammenzucken. Das Schiff trieb sofort nach Lee ab. Noch zweihundert Meter blieben bis zu den Felsen am Ufer.

»Was…?«

»Die Kette!«

Maschine starten.

»Bleib am Ruder und fahr langsam voraus. Ich hol die Kette rein.«

Konrad stellte sich ans Rad, ich rannte zum tanzenden Bug nach vorn. Die Ankerwinsch spulte die Kette mit verdächtiger Leichtigkeit in den Ankerkasten. Da kam das Ende hoch. Nein, das Ende war es nicht. Ein rostiges Glied war durchgebrochen.

Adieu Anker.

Zurück ans Ruder.

»Los, gib Gas, raus aus der Bucht. Wir gehen nach Alghero.«

Die zauberhafte alte Stadt Alghero liegt ein paar Meilen weiter südlich. Der Mistral heulte nach wie vor in voller Stärke, aber auf der kurzen Strecke würden wir erst mal im Schutz des Cabo Caccia bleiben und ihn dann fast raumschots haben, bis wir hinter die hohe Hafenmole von Alghero gelangten. Kein Problem.

Eigentlich.

»Das Ruder. Irgendwas…« Konrad klang verzweifelt.

»Was ist mit dem Ruder?«

»Probier’s selbst mal.«

Noch befanden wir uns im Windschatten des hundertachtzig Meter hohen Berges.  

Argomento Ankergeschichten

0 commenti

Vuoi essere la prima persona a commentare?
Abbonati a Hermanns Segelabenteuer e avvia una conversazione.
Sostieni