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Schreibblockade? Lass den inneren Kritiker mal Pause machen

„Wenn bloß dieses blöde Gedankenkarussell nicht wäre!“, schimpfte kürzlich eine Klientin und sprach damit etwas aus, mit dem viele kreative Köpfe kämpfen. Der innere Kritiker ist oft der lauteste Gast auf unserer mentalen Party, aber auch er hat eine berechtigte Entstehungsgeschichte und – ob man es glaubt oder nicht – sogar eine positive Absicht.

Wozu brauchen wir diesen inneren Zensor und wie entsteht er?

So nervig er auch manchmal ist: Dieser „innere Kritiker“ ist im Grunde ein fehlgeleiteter Schutzmechanismus. Er entsteht in der Regel in unserer Kindheit oder Jugend, denn wir alle wollen dazugehören und natürlich geliebt werden.

Wir verinnerlichen die stetigen Warnungen, Verbote und auch die Kritik von unseren Geschwistern, Eltern, Lehrern und natürlich der Gesellschaft. Wir hören Sätze wie: „Hör auf so anzugeben!“, „Das kannst du sowieso nicht.“, oder auch „Mach keine Fehler“. Aus all diesen äußeren Stimmen wird irgendwann eine innere Stimme, die mehr oder weniger ungefiltert den Part der Menschen um uns herum übernimmt.

Sein eigentlicher Job ist: Er will uns in Sicherheit wiegen. Er will uns eigentlich vor weiterer Ablehnung, Peinlichkeit, Scheitern und dem Gefühl der Wertlosigkeit beschützen.

Er denkt sich vielleicht so etwas wie: „Wenn ich dich vorher schon runtermache und blockiere, dann versuchst du es erst gar nicht – und dann kann dich da draußen auch niemand verletzen.“

Er benimmt sich in seinem Bestreben um Schutz wie ein überfürsorglicher, völlig panischer Bodyguard. Immer in Hab-Acht-Stellung, die Waffen – kleinmachende Gedanken – immer schussbereit.

Wir können unser inneres Erleben aber nicht von uns selbst trennen. Die Folge: Blockaden und destruktive Glaubenssätze nisten sich ein.

 

Warum sind wir oft blockiert, ehe wir überhaupt anfangen?

Die Blockade vor dem ersten Schritt – egal ob es das leere Blatt, das ungeöffnete Dokument oder ein einfaches „Hallo“ an einen unbekannten Menschen ist – ist ein klassischer Vermeidungsmechanismus, der oft etwas mit unserem Perfektionsanspruch zu tun hat.

Bevor wir anfangen, ist die Idee in unserem Kopf vielleicht noch toll und perfekt. Es wäre so toll, einen Roman zu schreiben oder den gutaussehenden Single von nebenan zu begrüßen. Aber sobald wir das erste Wort schreiben oder den ersten Schritt wagen, wird es real und damit potenziell „fehlerhaft“ und der innere Kritiker kann zuschlagen. Die Angst, dass das potentielle Ergebnis nicht mit unserer inneren Vision mithalten kann, lähmt uns – und das in vielen Fällen noch BEVOR irgendwas, egal ob gut oder vermeintlich schlecht, passiert ist.

Das ist ein sogenannter „antizipierter Schmerz“, ein vorweggenommener Schmerz, den unser Gehirn gedanklich vorhersieht. Ein Fall, den wir im Vorfeld bereits erahnen, so dass wir uns gedanklich darauf einstellen können. Ob es sich als richtig herausstellt oder eben nicht.

Unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen einer realen körperlichen Gefahr – beispielsweise, wenn ein Säbelzahntiger plötzlich vor unserer Haustür steht – und einer „sozialen Gefahr“ bspw. der Ablehnung unseres tollen Nachbarn, der nichts mit uns zu tun haben möchte oder einem echten Versagen während einer Prüfung. Allein die bloße Vorstellung, dass ein Projekt scheitern könnte, löst im Gehirn echten Stress aus! Und die entstehende Blockade ist der irrige Versuch des Gehirns, genau diesen Stress zu vermeiden. Fatal, oder?

 

Warum haben uns diese Ängste denn oft so fest im Griff?

Das liegt zu einem sehr großen Teil an unserer Biologie und unserer evolutionären Programmierung, denn unser Gehirn ist evolutionär darauf getrimmt, Gefahren und Negativem viel mehr Aufmerksamkeit zu schenken als Positivem.

Dabei fällt mir immer wieder eine Szene aus dem Film „Pretty Woman“ mit Julia Roberts ein. Der Schönling Richard Gere macht ihr ein Kompliment und sie erzählt, dass es für sie viel einfacher ist, negatives anzunehmen, statt sich über ein Lob zu freuen.

Ein Fehler oder eine Ablehnung bedrohte früher das Überleben unseres Stammes – wir mussten also wachsam und auf der Hut sein. Deshalb wiegen Versagensängste psychologisch viel schwerer als die Vorfreude auf einen (ebenfalls noch in den Sternen stehenden) Erfolg.

Wenn wir nicht achtsam mit uns und unseren Gedanken umgehen, dann identifizieren wir uns letztlich damit. Wir glauben oft ungefiltert, was wir denken. Und wenn dann die Angst flüstert: „Das wird sowieso nichts“, nehmen wir das als unumstößliche Wahrheit und nicht als das, was es ist: nur ein vorübergehendes Gefühl und ein Gedanke – und keine feststehende Tatsache!

 

Wie können wir also dem inneren Kritiker eine kurze Verschnaufpause verschaffen?

Wir können wahrscheinlich den inneren Kritiker nur extrem selten ganz abschalten, schließlich ist er kein Radio, auch wenn es sich vielleicht manchmal im Kopf so anfühlt. Aber wir können natürlich seine Lautstärke herunterdrehen. Es gibt ein paar Dinge, die sehr gut helfen und über die man auch sehr gut in kurzen Schreibübungen reflektieren kann.

Wechsle mal die Perspektive! Gib deinem inneren Kritiker einmal einen Namen oder eine Gestalt, mache ihn zu einer Figur aus deinem nächsten Kopfkino. Also erschaffe beispielsweise einen griesgrämigen Gnom oder auch einen strengen Beamten, der mit dem spitzen Bleistift durch die Gegend läuft. Mein innerer Schweinehund heißt Norbert und hat einen hübschen, bunten Stall mit vielen bunten Blumen an den Wänden ...

Wenn der Kritiker dann mal wieder anfängt zu meckern, glaubst du ihm nicht mehr dieses „Ich bin nicht gut genug“, sondern bleibst achtsam: „Aha, da meldet sich wieder der Gnom Fridolin und hat mal wieder Angst. Sowas ... Ich helfe dem kleinen Kerlchen jetzt mal und erzähle ihm, dass er heute die Angst beiseitelassen kann.“ Das schafft psychologische Distanz.

 

Du darfst dir selbst die Erlaubnis geben, Müll zu produzieren.

Beim Schreiben auf dem Weg in die Freiheit geht es nicht darum, sofort den Weltbestseller zu Papier zu bringen. Es geht darum, dir selbst die Erlaubnis zu erteilen, einfach mal ausdrücken, was dich WIRKLICH bewegt.

Nimm dem nervigen Kritiker in deinem Inneren schon im Vorwege das Futter, indem du ganz bewusst und gewollt Perfektion von vornherein ausschließt. Sage zu dir selbst sowas wie: „Ich schreibe jetzt ganz bewusst die allerschlechteste erste Fassung der Welt. Niemand wird sie je zu Gesicht bekommen.“

Korrigieren kann man ja nur, was sichtbar ist, was existiert. Ein leeres Blatt kann man nicht verbessern, es ist und bleibt ein leeres Blatt. Aber das ist wahrscheinlich nicht das, was du wirklich möchtest. Du darfst dir aber holen oder erschaffen, was du möchtest!

 

Auch das „Freie Schreiben“ (Freewriting) kann dir hier helfen.

Stell dir einen Timer (Handy-App oder Wecker) auf 5 oder bestenfalls 10 Minuten ein. Schreib dir zu deinem Thema einfach alles auf, was dir gerade durch den Kopf geht, ohne den Stift abzusetzen oder die Tastatur loszulassen. Wenn dir nichts einfällt, schreibst du einfach auf „Mir fällt gerade nichts ein.“. Das überlistet die Zensurinstanz, weil das Tempo zu hoch für sie ist und du hast die Chance aufzuschreiben, was du wirklich denkst und fühlst.

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Schick den inneren Kritiker freundlich aber bestimmt in den Urlaub.

Da er uns ja eigentlich nur beschützen will, hilft sehr oft ein innerer Dialog: „Danke, dass du mich vor Fehlern bewahren willst. Ich weiß, du meinst es gut. Aber für die nächsten zwei Stunden habe ich alles im Griff. Du darfst dich jetzt auf die Couch setzen und dich ausruhen.“

Deine heutige Schreib-Übung:

Gib deinem inneren Kritiker eine Gestalt, ein Umfeld und einen Namen und schreibe ihm einen kurzen „Abschiedsbrief“. Erzähle ihm eindrücklich, dass er heute Pause hat.

Viel Spaß und viel „Freiheit durch Schreiben“ wünscht Dir,

Gudrun

P.S. Dieser Artikel [ © Gudrun Anders ] ist Teil des E-Mail-Kurses aus meinen Projekt “Freiheit durch Schreiben”.

https://gudrun-anders.tentary.com/freiheit-durch-schreiben (Si apre in una nuova finestra)

Argomento Schreiben & Übungen

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