Passa al contenuto principale

36 Fragen zum Verlieben #2

SodaKlub Weekly + 36 Fragen zum Verlieben #2

Mika

Ein paar Tage im Wendland, in der Pampa und Wiege der niedersächsischen Anti-Akw Bewegung. Gestern hat mich Lena in Uelzen mit dem Auto eingesammelt und auf der Fahrt vorbei an den ganzen gelben Protest-Xen, reden wir darüber, wie die Einkaufsplanung für so ein Wochenende wohl vor fünf Jahren bei so einem Wochenende gelaufen wäre. Die erste Frage wäre gewesen: Was wollen wir denn so trinken? Also: Wie viel Alkohol brauchen wir? Man würde sichergehen wollen, dass genug da ist. Man würde aber auch sichergehen wollen, dass man nicht auffällt mit der Wunschmenge. “Naja,” hätte ich wahrscheinlich gesagt. “Bring doch ‘n Kasten mit. Wird ja nicht schlecht. Sind ja mit dem Auto.” Beiläufig, sozusagen, als sei es eigentlich egal. Es wäre aber nicht egal. Diese ganze äußere und innere Logistik, der Beschaffung fällt jetzt einfach weg.

Kathi und Vlada machen am Freitagabend die Pizza, für die Lena schon den Teig vorbereitet hat. Sarah macht heute Chilli und ich bin morgen mit Curry dran. Ich schreibe an Mia, die Corona hat, dass sie fehlt.

Wir sind nochmal einkaufen und bei Edeka steht zwischen den ganzen Romanzen mit den pastellfarbenen Covern und der geschwungenen Schreibschrift auch das Buch von Kurt Krömer.  "Wahnsinn", denke ich. "Ein Buch über Depressionen im Supermarkt." Ich lege es zwischen Brokkoli und Zuccini für mein Curry. "Wahnsinn", denke ich nochmal. Buch über Depressionen kaufen, ein Wochenende mit nüchternen Frauen verbringen.

Jetzt sitze ich auf der Terasse, dick eingepackt in eine Decke, nachdem ich die ersten 50 Seiten von Kurt Krömers Buch gelesen habe. Kathi backt Karottenkuchen und redet mit Lena über Arbeit. Vlada und Sarah sind mit ihren Hündinnen unterwegs. Vorhin lag ich auf dem Sofa und hab den anderen im Halbschlaf zugehört, wie sie über irgendwas reden. Ich denke kurz, ich müsste ja jetzt eigentlich mal langsam aufstehen. Dann denke ich: Ne, wieso eigentlich. Alles ist sehr gut.

Mia

Ich hätte diesen Wochenendtrip sehr dringend nötig gehabt, denn mir geht es überhaupt nicht gut. Stattdessen stecke ich mich mit Corona an und muss alleine zuhause bleiben. Timing war selten so mies. Upside ist, dass ich nichts anderes machen kann als von morgens bis abends schreiben. Und das mache ich dann auch. Zwischendurch wische ich ein bisschen Staub, verkaufe ein Kleid bei Vinted, comfortbinge Six Feet Under oder lackiere was. 

In ihrem Interview (Si apre in una nuova finestra) bei Hotel Matze erfahre ich, dass Margarete Stokowski auch immer zwischendurch was lackiert, weil sie nicht so viele Stunden hintereinander schreiben kann (umschreiben geht). Interviews mit Autor:innen  beruhigen mich immer – scheinbar funktioniert mein Gehirn normal. 

Nachts habe ich abgefahrene Träume, die in riesigen, psychodelischen Szenerien stattfinden und aussehen wie völlig übertrieben gestaltete Videospiele.  Abgesehen davon ist Corona unspektakulär. Husten, Kopfschmerzen, matschig. Ich rauche nicht, phantasiere davon, dass jetzt einfach für immer sein zu lassen  und nutze die Quarantäne, um mir dekadent viel Essen nach Hause liefern zu lassen, was ich sonst nicht mache, obwohl ich einkaufen wirklich leidenschaftlich hasse.

36 Fragen / Teil 2

Teil zwei der 36 Fragen zum Verlieben 💙

Argomento Bonusfolgen

0 commenti

Vuoi essere la prima persona a commentare?
Abbonati a SodaKlub e avvia una conversazione.
Sostieni