
Der Entwurf für diesen Post lag seit fast zwei Wochen brach, weil ich die ganze Zeit so unsicher war ob ich das hier teilen möchte oder nicht.
Ich habe Angst, dass es sich wie jammern auf (mittel)hohem Niveau anfühlt, aber andererseits auch das Bedürfnis meinen Gefühlen Raum zu geben.
Wer mir schon länger folgt, weiß, dass ich seit ich 2011 angefangen habe professionell zu kochen und meine Arbeit öffentlich zu teilen, immer wieder Anfragen für TV-/ Bewegtbildformate kamen.
So viele, dass ich sie gar nicht mehr zählen kann.
Meist von Produktionsfirmen, oft bereits mit einer Idee für ein konkretes Projekt, von Kochshow über Reportage über Doku alles dabei.
Eines haben all diese Anfragen gemeinsam:
In fast 15 Jahren ist nie ein Projekt zustande gekommen.
Das stimmt nicht ganz:
2015 habe ich einen (Knebel)Vertrag mit Universal über einen YouTube Kanal (Si apre in una nuova finestra)unterschrieben, der anfangs mit fetter Produktion gepusht wurde und man mich anschließend aufgrund anderer Prioritäten am langen Arm. verhungern ließ.
2022 drehte ich eine Doku für die ARD Mediathek über meine Arbeit und meine Küchenphilosophie, die bis heute online zu sehen ist (Si apre in una nuova finestra).
Für unzählige TV- und Online Formate durfte ich vor der Kamera sprechen und kochen, nur keines der oben genannten Projekte wurde je Realität.




Entweder ich wurde komplett geghostet (wie etwa von der Produktionsfirma von Bettina Böttinger nachdem ich Bettina sogar bei mir zuhause bekocht hatte) oder mir wurde erklärt mein Ansatz wäre “zu vegan/ radikal/ mit dem erhobenen Zeigefinger”.
Ich finde das unendlich traurig, denn es macht mir großen Spaß vor der Kamera zu stehen und ich würde behaupten, dass ich das nach 10+ Jahren sehr routiniert mache, eigentlich bekomme ich bei jedem Dreh sehr positives Feedback für meine Professionalität, man nennt mich auch One Take ;)
Nun kam vor einigen Monaten wieder eine solche Anfrage:
Ein zweiteiliges Doku-Format für einen öffentlich-rechtlichen Sender, die Produktion wollte mich als Moderatorin platzieren.
Die Themen passten unfassbar gut zu mir, es ging um “Die Zukunft des Geschmacks”, Lebensmittel-Innovationen und Lebensmittelgerechtigkeit. Schon beim ersten Zoom Call konnte ich mich auch redaktionell perfekt einbringen und investierte viel Zeit zusätzlich zur Recherche beizutragen.
Mir wurde versichert, dass die Entscheidung natürlich am Sender hinge, aber man sehr zuversichtlich sei, dass sie mich durchwinken würden.
Aufgrund meiner Erfahrung versuchte ich mir nicht zu viel Hoffnung zu machen und abzuwarten.
Und erst nachdem ich nochmal nachhakte, kam vor zwei Wochen die Absage:
“Um es kurz zu machen, sie haben sich für eine Lösung mit einer Reporterin entschieden, um mehr journalistische Einordnung zu gewährleisten. Köchinnen als Host fallen damit leider durchs Format-Raster. Allerdings sind wir natürlich, da es ums Essen und auch das Zubereiten geht, immer wieder auf Koch-Profis angewiesen…”
Jetzt kann man natürlich sagen - fair enough - wenn der Sender so entscheidet, kann man halt nichts machen.
Aber was mich wirklich ärgert an der Absage ist, dass ich als Expertin, Autorin (und Köchin) angefragt und dann im Nachhinein darauf reduziert wurde.
Eine Entscheidung, die mir so schwer fällt nachzuvollziehen, da ich ja sowohl einen journalistischen Background, mehrere Bücher geschrieben habe, die genauso Sachbücher wie Kochbücher sind, darunter einen Beitrag über klimafreundliche Ernährung in einem Spiegel Bestseller (Si apre in una nuova finestra) UND eine Community (Si apre in una nuova finestra) und eine gewisse Bekanntheit mitbringe, die auch sicherlich in die Einschaltquote mit einzahlt.
Mich (nur) als Köchin einzuordnen ist denke ich auch in dem Kontext sehr eng gedacht.
Ich denke gerade UM solche Themen einem breiteren Publikum schmackhaft zu machen, müsste man auch mal aus begrenzten Denkschemata ausbrechen, ob das wohl irgendwann mal passieren wird bei den Öffentlich-Rechtlichen?
kleiner Reminder - Anthony Bourdain war auch „nur ein Koch“.
Ich würde mir so sehr wünschen, dass jemand mein Potenzial nicht nur erkennt (denn das ist ganz offensichtlich schon dutzende Male passiert), sondern mir einfach mal die Chance gibt zu beweisen, dass ich das richtig gut kann.
Wenn ihr das aus dem beruflichen Kontext kennt oder euch das auch schon zum Hindernis geworden ist, sprecht mir nach:
Ich bin viel und ich lasse mich nicht in eine Schublade stecken.
Meine Stärke ist meine Vielseitigkeit und Expertise.