Passa al contenuto principale

Warum spielt »Brewing Tension« eigentlich in Schottland? Eine Liebeserklärung.

Jemand muss mir nur die ersten Takte von »Will Ye Go, Lassie, Go« oder vom »Skye Boat Song« vorspielen und mir werden ziemlich sicher Tränen der Rührung in die Augen steigen.

Ich spiele mit dem Gedanken, bei der nächsten Frauen-Fußball-WM 2027, sollte Schottland sich qualifizieren, zu einem der Vorrunden-Spiele zu fahren, nur um einmal »Flower of Scotland« im Stadion mitsingen zu können.

Seit über 200 Tagen lerne ich Gälisch auf Duolingo. Ich benenne meine Monatsplaylists auf Deezer nach den gälischen Monaten (wichtig: schottisches Gälisch!), ich habe ein Disteltattoo am rechten Unterarm und über den Ellbogen »halò« und »tìoraidh« stehen (»Hallo« und »Tschüss« auf Deutsch und ja, es ist auch eine Anspielung auf Klaus aus Umbrella Academy). Meine Lektüren suche ich mir oft danach aus, ob sie in Schottland spielen. Und wenn nicht, dann zumindest irgendwo auf den Britischen Inseln.

Das alles könnte man als einen sehr lange andauernden Hyperfokus bezeichnen, der irgendwann sein Ende finden wird.

Davor, dass dieser Punkt irgendwann kommt, habe ich mich sehr, sehr lange gefürchtet. Inzwischen bin ich mir sicher: das wird nicht passieren. Denn mit Schottland bin ich über die erste Verliebtheitsphase lange hinaus und die tiefe Liebe, die ich für dieses Land empfinde, hält nun schon so viele Jahre an, dass sie wohl nie ganz vergehen wird.

Und dabei habe ich noch niemals in meinem Leben einen Fuß auf schottischen Grund und Boden gesetzt. Und irgendwie habe ich davor sogar ein bisschen Angst. Nicht vor dem Moment, in dem ich dort ankomme - sondern vor dem Moment, in dem ich wieder gehen muss.

Denn ich glaube, das würde mir verdammt schwerfallen.

Für stand es zu keinem Zeitpunkt zur Debatte, »Brewing Tension« nicht in Schottland spielen zu lassen. Doch gefragt habe ich mich schon, woher denn diese tiefe Liebe überhaupt kommt, warum es denn ausgerechnet Schottland sein musste. Oder wenn, dann zumindest die Britischen Inseln.

Ein wenig habe ich Harry Potter (bleibt bei mir, ein paar Worte zur Autorin folgen!) im Verdacht, weil die Bücher und Filme auch einen immensen Teil meiner Kindheit ausgemacht haben. Die Landschaftsaufnahmen, der großartige Cast britischer Schauspieler*innen - vieles davon hat sich in mein Herz gebrannt und lange waren diese Bücher und Filme für mich der Inbegriff von Nostalgie.

Tja. Bis JKR begann, online transfeindliche Kommentare abzulassen und sich mit ihrem Vermögen dafür einzusetzen, die Rechte von trans* Menschen einzuschränken. Damit war Harry Potter für mich Geschichte, ich habe mittlerweile sämtliche Bücher und jeglichen Merch aus meiner Wohnung verbannt und kann mich für nichts mehr erwärmen, das damit in Zusammenhang steht. Denn jemandem, der sich mit dieser großen Reichweite dafür einsetzt, die Lebensbedingungen von ohnehin schon marginalisierten Personen noch weiter zu verschlechtern, möchte ich keinen einzigen Cent in die Kasse spülen. Wer dazu mehr lesen möchte: Ich habe am Ende des Artikels ein paar Quellen aufgeführt.

Ich glaube, seitdem habe ich umso stärker versucht, mir die Nostalgie von damals zurückzuholen und sie den Händen dieser furchtbaren Frau zu entreißen.

Und die Britischen Inseln haben es mir so leicht gemacht. Ob es die britischen Eigenarten sind (Shoutout an dieser Stelle an die Reels von @verybritishproblems - wenn ihr die noch nicht kennt, schaut auf jeden Fall rein!), die Literatur (und da ist abseits vom Mainstream noch ziemlich viel zu entdecken!), die Kultur und Geschichte (entdecke ich gerade meine witchy Seite über alte keltische Traditionen? Mayyyybeee).

Schottland ist über die Jahre für mich zum Inbegriff von Zuhause geworden. Und ich denke, ich nehme nicht zu viel aus »Brewing Tension« vorweg, wenn ich sage, dass ich das auch meiner Protagonistin Charlotte mit auf den Weg geben wollte – nur ob sie dann tatsächlich ein dauerhaftes Zuhause im beschaulichen Portkilnoch findet, das lasse ich hier offen :)

Einmal mehr bin ich dankbar für das Schreiben und – so ganz pauschal – für das Internet, die es mir möglich machen, mich zu jeder Tages- und Nachtzeit auf die Britischen Inseln zu beamen und dort meine Geschichten zu entwickeln.

Eine richtige Erklärung, warum ich diese Ecke der Welt so liebe, war das jetzt nicht. Aber wie es eben so ist mit der Liebe: Ihre Wege sind unergründlich und meistens können wir ja auch gar nicht richtig erklären, warum wir uns jetzt in diese oder jene Person verliebt haben. Und eigentlich müssen wir das auch gar nicht. Vor allem sollten wir diese Liebe einfach genießen.

Cheers

Stevie

x

Dir gefallen diese Texte und du möchtest mich gern mit einem monatlichen Beitrag unterstützen? Dann schau gerne mal hier vorbei:

Quelle: Unsplash

Quellen und weiterführende Links:

https://taz.de/J-K-Rowlings-transfeindliche-Tweets/!5687871/ (Si apre in una nuova finestra)

https://www.watson.ch/international/leben/587634933-j-k-rowling-und-ihre-skandale-eine-chronologie (Si apre in una nuova finestra)

https://www.spiegel.de/kultur/grossbritannien-j-k-rowling-feiert-gerichtsurteil-ueber-trans-menschen-a-bf0a9893-25c8-45fe-bd9b-70c7f66d276f (Si apre in una nuova finestra)

Argomento Autorinnenleben

0 commenti

Vuoi essere la prima persona a commentare?
Abbonati a Stevie Jo e avvia una conversazione.
Sostieni