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Schwesternwunde

Es gibt eine Wunde zwischen uns Frauen, über die selten gesprochen wird – obwohl viele von uns sie kennen. Es ist das schmerzende Gefühl, wenn Frauen andere Frauen bewerten, einschränken oder korrigieren. Oft wird das als „Dynamik unter Frauen“ belächelt. Doch das ist zu einfach abgetan. Denn es gibt ein gesellschaftliches Regelwerk, das uns alle geprägt hat und das im Hintergrund immer mitläuft, vor allem in Umfeldern, in denen Anerkennung, Einfluss und Raum begrenzt sind.

Die Schwesternwunde ist kein individuelles Problem. Sie ist an ein Muster geknüpft. Sie klafft in unterschiedlichen Bereichen, in diesem Beitrag beleuchte ich sie anhand eines Beispiels im Arbeitskontext.

 

 Es war einer dieser Abende, die man in Agenturen „Family Night“ oder „Friends Circle“ nennt, obwohl man weder miteinander verwandt ist noch mit den meisten befreundet. Wie das Format bei der Content Marketing Agentur C3 damals wirklich hieß? Keine Ahnung mehr. Der Burda Ableger saß jedenfalls in diesem schicken Glasbau in Mitte, direkt neben dem Aquarium, das Jahre später spektakulär geplatzt ist. Dreieinhalb Jahre lang ging ich dort ein und aus.

Der Abend selbst liegt rund elf Jahre zurück, hat sich aber in mein Gedächtnis eingebrannt wie ein Kupferstich. Langer Tisch, Platz für dreißig Leute, raumhohe Fenster, draußen Segway-Tourist:innen auf Sightseeing-Mission, drinnen Feierabendbier. Nach 17 Uhr wurde es an solchen Abenden voller, lauter, lockerer.

Gemeinsam mit meinem Chef stand ich vorne und präsentierte Ideen, die wir für einen großen Pitch für ein international tätiges deutsches Fashion-Label entwickelt hatten – absoluter Traumkunde. Entsprechend haben wir alles gegeben: Die Köpfe standortübergreifend mit Kolleg:innen aus London zusammengesteckt, Wochen im Tunnel, Urlaub verschoben, Parallelbetrieb mit dem Tagesgeschäft, Abende, Wochenenden – das ganze Agentur-Klischee.

Das ganze Team hatte alles gegeben – und verloren. Präsentiert wurde trotzdem, weil die Ideen ja gut waren und man das in Agenturen so macht. Auch fürs eigene Image.

Die Geschäftsführung war da, viele Kolleg:innen, alle Plätze besetzt und genau so viele standen. Inhaltlich ging es um das „little black dress“ (LBD), also das „Kleine Schwarze“. Wir hatten uns Videoformate zu nächtlichen Streifzügen durch Metropolen mit Szeneleuten (Influencer:innen gab es da noch nicht) ausgedacht und noch andere überraschende Formate.

Als die Präsentation gemeinsam mit meinem Deo dann durch war klopften die am Tisch saßen mit den Fingerknöcheln auf die Platte. Die ersten standen auf und pilgerten an die Bar. Ich klappte den Laptop zu und bedankte mich.

Und dann sagte einer der beiden CEOs:
„Und das nächste Mal, Yvonne, präsentierst du im „little black dress“ – und dann gewinnen wir das Ding.“

Vom Fangirl zur Anti-Feministin

Ich erstarrte. Einige im Raum lachten, andere waren still. So viel Arbeit und ich werde auf meine Optik degradiert. Again.

OK, Sexismus war jetzt kein neues Terrain für mich im Redaktions- oder Agenturleben oder generell in der Agentur. Und das nicht nur weil jeden Monat, wenn die neuen Magazine von der Burda aus München an die C3 geschickt wurden, der Playboy offen auf den Arbeitstischen der Kollegen und der männlichen Vorgesetzten, lag. Nicht versteckt. Nicht kommentiert.
Einfach da. Normal.

Doch dieser Augenblick ist nicht der, um den es hier geht. Das, was wirklich traf, kam erst danach.

Ich stand noch immer da, während meine Gedanken rasten. Einer davon brach durch, direkt an den CEO gerichtet. Ich verpackte ihn in ein sarkastisches Lächeln, um die Situation nicht zu eskalieren:
„Sei froh, dass wir hier keine Frauenbeauftragte haben.“

Und dann kam der eigentliche Schlag. Von ihr. Einer Frau, die ich bis zu diesem Tag bewundert hatte.

Sie war gerade erst nach Berlin zu uns gekommen. In einem anderen Bereich tätig als ich, zwei Ebenen über mir, direkt an den CEOs angebunden. Sie machte eine „toughen“ Eindruck, war
groß und immer skandinavisch androgyn gekleidet.

In ihrer ersten Woche war sie mit mir lunchen und wir haben uns gut verstanden. Wir plauderten über Berlin und die Herausforderungen, die Frauen im Agenturumfeld. Ich sah in ihr eine echte Inspiration. 

Bis zu diesem Abend, als sie nach meinem Konter laut über den Tisch rief: „Ach, Yvonne. Nicht jetzt dieser Feminismus Kram, bitte. Das war ein Kompliment.“

Stützerinnen des Systems


Was geht in Frauen vor, die andere Frauen so kompromisslos abstrafen? Woher rührt dieses Verhalten? Und warum ausgerechnet dann, wenn die Chance bestünde, sich wenigstens für einen kurzen Moment zu verbünden und gemeinsam etwas zu schaffen, das das Verhalten der Männer verändern könnte?

Leider gibt es viele Beispiele dieser Art, nicht nur im beruflichen Kontext. Häufig zeigt sich dabei ein ähnliches Muster unter Frauen: Kommentare werden relativiert, problematische Aussagen abgeschwächt oder sogar verteidigt. Statt Widerspruch folgt Zustimmung. Oder Stille, so wie bei jenen Frauen am Tisch an diesem Abend.

*Zu diesem Thema gibt es einen passenden Beitrag hier auf meinem Steday Profil: Bist Du ein „Boys’ girl“ oder ein „Girls’ girl“?


Und gerade das irritiert noch mehr. Denn wenn ein Mann einen solchen Kommentar äußert, sind wir Frauen darauf vorbereitet. Nicht, weil es akzeptabel wäre, sondern weil es erwartbar ist. Man kann es einordnen, weiß um das Muster.

Die Aussage des CEOs ist nicht ungewöhnlich. Solche Aussagen sind uns vertraut. Doch der Satz der Frau, der direkt danach kommt, macht die Situation komplizierter:

Denn die Irritation der vom Sexismus Betroffenen wird heruntergespielt. Die Situation wird von einer anderen Frau komplett neu bewertet. Nicht dass sich der ursprüngliche Kommentar dadurch verändern würde, sondern die Art und Weise wie man ihn interpretiert verändert sich.

Die Kollegin erklärte, wie der Kommentar zu verstehen sei und stellt damit die Gefühle und Wahrnehmung der Betroffenen infrage. Zudem wird die Verantwortung verschoben.  

Die Schuld liegt plötzlich bei derjenigen, die sich am Sexismus stört. Denn sie hat den Satz einfach falsch verstanden. Ihre Wahrnehmung ist falsch. Sie ist das Problem. Nicht der sexistische Kommentar.

Während die Betroffene selbst noch versucht zu verstehen, was sich gerade falsch angefühlt hat, steht bereits eine zweite, bequemere Deutung im Raum. Eine, die unproblematischer ist. Die eigene Irritation wirkt plötzlich überzogen. Die andere Frau deeskaliert die Situation für den Verursacher. Sie stellt sich auf die Seite des Mannes.

Die innere Frauenfeindin


Für dieses Verhalten gibt es einen Begriff: internalisierte Misogynie.

„Misogynie“ bezeichnet – vereinfacht gesagt – Frauenfeindlichkeit, also die Abwertung oder Geringschätzung von Frauen. „Internalisiert“ bedeutet, dass solche Denkmuster von außen übernommen und dann verinnerlicht werden – geprägt durch Gesellschaft, Familie oder das eigene Umfeld.

So entstehen Überzeugungen, wie Frauen sich zum Beispiel zu verhalten haben, die schließlich von Frauen selbst weitergetragen werden – gegen andere Frauen oder sogar gegen sich selbst gerichtet.

Auch wenn die Misogynie in dem Fachbegriff steckt, ist damit nicht gemeint, dass Frauen gezielt gegen andere Frauen vorgehen oder die Absicht haben, anderen Frauen wirklich zu schaden. Es läuft eher unbewusst ab und hat mit der nicht hinterfragten Verinnerlichung sexistischer Rollenbilder und deren Verteidigung zu tun.

Von vorne: Die Vorstellungen davon, wie Frauen sich verhalten, aussehen und wirken sollen, sind nicht einfach so im luftleeren Raum bei uns allen entstanden. Sie sind das Ergebnis von vielen Jahrhunderten patriarchaler Prägung. Schon im Kindesalter bekommen wir Erwartungen und Bewertungen für zwei Geschlechter mit.
(*Hinweis: Es gibt mehr Geschlechter, hier geht es aber um die traditionelle gesellschaftliche Prägung in Deutschland).

Und weil sich diese Bilder und Narrative im Laufe unseres Lebens ständig wiederholen, fühlen sie sich irgendwann wie „normal“ oder echt an. Das ist keine bewusste Überzeugung, sondern ein Ergebnis des Regelwerks, das im Hintergrund immer leise mitläuft.

Der Anpassungsmechanismus greift. Die verinnerlichten Muster werden verteidigt, weil Abweichungen davon negative Konsequenzen mit sich bringen könnten. Und jetzt wird es interessant: Denn, wenn ich mich zum Beispiel als Frau gegen das Regelwerk wehre, dann habe ich dadurch Nachteile. Und das vor allem beruflich in der von Männern geprägten Arbeitswelt.

Catfight vs. Konflikt

Studien (die am Ende dieses Beitrags aufgelistet sind) aus dem Arbeitskontext zeigen, dass Frauen in stark wettbewerbsorientierten Arbeitsumfeldern andere Frauen häufiger als direkte Konkurrenz wahrnehmen. Man könnte jetzt sagen, das ist bei Männern nicht anders. Der Unterschied ist jedoch, dass es bei Frauen vorschnell als persönliches Verhalten gelesen wird. Als „schwierige Dynamik unter Frauen“.

Begriffe wie Zickenkrieg, Stutenbissigkeit oder eine zeitgenössische Form wie „Catfight“ werden nur bei Konflikten unter Frauen verwendet. Für vergleichbare Situationen unter Männern gibt es keine gleich verbreiteten, abwertenden Worte. Genau darin liegt das Problem: Diese Worte stellen Auseinandersetzungen unter Frauen als etwas typisch Weibliches – und damit auch als irrational, emotional oder lächerlich dar. Was bei Männern als „Konflikt“, „Machtkampf“ oder „harte Verhandlung“ gilt, wird bei Frauen schneller personalisiert und abgewertet.

Doch aus der Forschung wird klar, dass es bei Frauen weniger um individuelle Eigenschaften geht, als um strukturelle Bedingungen. In vielen Organisationen gibt es nach wie vor nur wenige Positionen, in denen Frauen sichtbar Macht ausüben. Wer eine dieser Positionen erreicht, bleibt oft die Ausnahme. Und Ausnahmen stehen selten entspannt nebeneinander.

Kommt dann noch ein Aspekt hinzu, der auch in meinem Beispiel eine wichtige Rolle spielt, schnappt die Erwartungsfalle noch einmal richtig zu:

Frauen, die klare Grenzen setzen, Ungleichbehandlung benennen oder sich gegen Sexismus positionieren, werden im Arbeitsumfeld strenger bewertet als jene, die sich anpassen und „mitspielen“.

Diese Reaktionen erfolgen nicht immer offen oder unmittelbar. Für die Betroffenen ist der Ausschluss jedoch deutlich spürbar. Anstatt sich mit diesen Frauen zu solidarisieren, entstehen oft Dynamiken, die Frauen eher trennen als verbinden. Nicht selten zeigen sich diese Dynamiken in passiv-aggressiven Verhaltensweisen: in kleinen Sticheleien, gezieltem Ausschluss aus informellen oder freundschaftlichen Netzwerken, zurückhaltender Unterstützung oder darin, dass sich andere Frauengruppen bewusst von „unbequemen“ Frauen distanzieren. Auch Allianzen können sich bilden – allerdings nicht zur Unterstützung, sondern um andere Frauen zu sanktionieren.

Diese Mechanismen spiegeln sich auch in der Sprache wider: wie über diese Frauen gesprochen wird, wie schnell sie als „schwierig“ oder als „anstrengend“ eingeordnet werden.
Ein weiteres oft verwendetes Wort in diesem Zusammenhang ist „überheblich“ – dazu folgt demnächst noch ein eigener Beitrag.

Es sind also nicht immer laute Widersprüche, so wie jener aus meinem Beispiel. Es sind sehr oft feine, aber wirksame Formen sozialer Regulierung, die Anpassung belohnen und Abweichung sanktionieren.

In der Forschung wird dieses Muster als Backlash-Effekt beschrieben (Rudman & Phelan, 2008): Frauen, die von erwarteten Rollenbildern abweichen, erfahren soziale und berufliche Nachteile – oft gerade dann, wenn sie für sich selbst einstehen.

Der Queen Bee Backlash

Von Frauen wird also gerade im Berufsleben erwartet, dass sie freundlich, kooperativ und angepasst auftreten. Studien zu dem Thema der internalisierten Misogynie gibt es mittlerweile zu genüge: Zum Beispiel dazu, dass wenn Frauen konfrontativ sind oder deutlich Grenzen setzen, wirkt das schneller unangenehm als bei Männern im gleichen Verhalten. (Role Congruity Theory, Eagly & Karau, 2002.)

Widerstand oder Kritik gegenüber solchen „nicht angepassten“ Frauen kommt dann eben nicht nur von Männern, sondern oft auch von anderen Frauen – und das selbst bei denen, die ähnliche Erfahrungen machen (Internalized Sexism; Bearman et al., 2009).

Hinzu kommt ein Mechanismus, den die Forschung als ambivalenten Sexismus beschreibt: Frauen werden meist nur dann wertgeschätzt solange sie sich innerhalb dieser Erwartungen bewegen. Wenn sie davon abweichen, bekommen sie schneller Gegenwind (Glick & Fiske, 1996).

Gerade in männerdominierten Arbeitsumfeldern stehen Frauen noch einmal stärker unter Beobachtung als im Privaten. Abweichungen fallen mehr auf. Der Druck für Frauen, sich anzupassen, ist hoch. Eine Verschwisterung mit nicht-angepassten Kolleginnen könnte also Nachteile mit sich bringen. Oder umgekehrt: Vorteile, wenn man sich auf die Seite der Männer stellt.

Auch hierzu gibt es Studien. In der Forschung wird es als das Queen-Bee-Phänomen bezeichnet: Es zeigt, dass manche Frauen in männerdominierten Umfeldern sich von anderen Frauen distanzieren oder diese sogar kritisieren, um selbst besser dazustehen. Dahinter steckt der Versuch, sich an bestehende Machtstrukturen anzupassen und die eigene Position zu sichern.

Das weibliche Echo

Vielleicht ist es Angst, die Frauen empfinden, wenn eine andere den Mut hat sich zu wehren. Wenn eine Frau klar Grenzen setzt oder sich offen gegen bestehende Machtstrukturen stellt, berührt das bei anderen Frauen sicherlich mehr als man denkt. Das Verhalten der anderen stellt unausgesprochene Regeln infrage – Regeln, nach denen viele Frauen selbst lange funktioniert haben.

Das kann unangenehm sein. Es erinnert daran, wo man selbst geschwiegen, sich angepasst oder Dinge hingenommen hat.

Neid kann dabei auch eine Rolle spielen – nicht unbedingt auf die Person selbst, sondern auf den Mut, den sie zeigt. Auf die Freiheit, Dinge auszusprechen oder abzulehnen, die man sich selbst vielleicht nie erlaubt hat.

Und Angst ist oft mit dabei: die Sorge, dass offenes Aufbegehren berufliche Konsequenzen hat. Nicht nur für die einzelne, sondern auch für die Gruppe. Denn wer aus der Reihe tanzt, bringt ein System ins Wanken, das man kennt und das deshalb auch eine gewisse Sicherheit bietet.

Leise Solidarität zählt auch

Die verinnerlichte Rollenbildromantik wirkt natürlich nicht
nur im beruflichen Kontext – auch dazu wird es noch einen Beitrag geben. Interessant ist, dass sich ähnliche Muster sogar dort zeigen, wo Männer gar nicht präsent sind. Studien legen nahe, dass auch in rein weiblichen Umfeldern die beschriebenen Dynamiken entstehen – genährt von genau jenem gesellschaftlichen Regelwerk, das im Hintergrund wirkt. Frauen beobachten einander, ordnen ein, vergleichen: Wer tritt wie auf? Wer passt sich an, wer fällt aus der Rolle?

Auffällig ist dabei, woran sich diese Bewertungen orientieren. Es geht oft weniger um die eigentliche Leistung als um die Frage, wie gut sie ins bestehende Gefüge passt. Wie anschlussfähig ihr Verhalten ist. Wie sehr sie den stillen, selten ausgesprochenen Erwartungen entspricht.

Vielleicht erklärt das auch, warum gerade in den Momenten, in denen eine Frau aus diesem Rahmen fällt, so schnell Reaktionen entstehen. Nicht als bewusster Angriff verstanden, sondern eher als Versuch, ein Gleichgewicht wiederherzustellen, das vorgegeben ist. Ein Gleichgewicht, das kaum eine Frau verteidigen würde – und das doch erstaunlich stabil bleibt.

Genau darin zeigt sich, was internalisierte Misogynie macht: sie reguliert uns Frauen.

Bevor ich an dem Abend der Präsentation den Raum verließ, um meine Sachen in meinem Büro im 2. Stock zu holen, kam eine ältere Kollegin auf mich zu. Sie nahm mich zur Seite, legte ihre Hand auf meinen Arm und sagte: „Das war ein Scheiß-Kommentar aber Du hast super reagiert. Und vergiss, was sie danach gesagt hat – sie hat es auch nicht leicht mit den Jungs.“

In dem entscheidenden Moment am Tisch blieb diese Kollegin still. Und doch hat sie mir an diesem Abend etwas mitgegeben, das lange nachwirkte: eine leise, aber spürbare Form der Unterstützung. Der support kam zwar nicht im Augenblick selbst aber danach. Am nächsten Morgen erhielt ich zwei E-Mails von anderen Kolleginnen, die mir ihren Rückhalt ausdrückten.

Das hat gutgetan. Und manchmal ist genau das schon genug. Ein offener Widerspruch am Tisch hätte etwas verändern können – doch vielleicht waren die Frauen an diesem Abend noch nicht so weit. Aktuell scheint sich da etwas zu verändern bei uns Frauen.

Aber selbst dann, wenn die laute Unterstützung nicht möglich ist, hilft es auch, diejenigen zu stärken, die vorne stehen – auch dann, wenn es leise im Hintergrund geschieht.

*Auf Instagram teile ich Stories zu feministischen Themen oder gebe Hintergrundinfos. Ich freue mich, wenn du mir hier folgst:


Hinweis der Autorin: Wenn dir meine Texte gefallen und dir vielleicht auch etwas geben – Klarheit, Wut, Einordnung oder auch das Gefühl, nicht allein zu sein – dann freue ich mich über deine leise (oder laute) Unterstützung. Ich bin zwar schon lange Journalistin aber ich starte gerade erst mit meiner freien Arbeit. Daher wäre es toll, wenn du meinen Newsletter abonnierst oder Mitglied wirst. Ich teile jede Woche per Newsletter exklusive Beiträge, gebe Hintergrundinfos oder erzähle weitere spannende Geschichten, die man dann als Member erhält: Immer mit feministischem Bezug, gespickt mit Erfahrungen aus meinem Arbeitsleben und darüber, wie wir Frauen uns unterstützen und gemeinsam gegen das Patriarchat behaupten können. Einzig, um ein erfüllteres Leben unter faireren Bedingungen für uns zu erschaffen.

Ende Mai erscheint ein Journal für Frauen.



Foto von Lisa Marie Theck (Si apre in una nuova finestra)


Good to know:

*Schwesternwunde ist ein Begriff aus der Psychologie und dem modernen Feminismus, der kollektive, tiefsitzende Verletzungen im Miteinander unter Frauen beschreibt. Die Ursprünge des Begriffs liegen in der patriarchalen Prägung: Das Konzept besagt, dass die Wunde historisch durch gesellschaftliche Strukturen entstanden ist, die Frauen dazu erzog, Konkurrentinnen statt Verbündete zu sein, um in einer männlich dominierten Welt zu bestehen. Es handelt sich nicht um ein individuelles Problem, sondern um eine kollektive Erfahrung von Neid, Missgunst, Konkurrenz oder Illoyalität unter Frauen.

Studien und Forschung, auf die im Text Bezug genommen wird:

Queen-Bee-Phänomen:
Studien zeigen, dass sich Frauen in Führungspositionen teilweise von anderen Frauen distanzieren oder sie strenger bewerten. Forschung betont, dass dies häufig eine Reaktion auf strukturellen Druck und Diskriminierung ist, nicht deren Ursache. (Derks et al., 2016; https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1048984315001551 (Si apre in una nuova finestra); Reviews 2023 z. B. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/job.2691 (Si apre in una nuova finestra))

Konkurrenz unter Frauen im Arbeitskontext:
Aktuelle Studien zeigen, dass Frauen in stark kompetitiven Umfeldern andere Frauen häufiger als direkte Konkurrenz wahrnehmen. Daraus können Distanz, geringere Unterstützung und subtilere Formen von Abwertung entstehen – besonders in Kontexten mit wenigen Führungspositionen für Frauen. (Gender, Work & Organization, 2024)

Dynamiken auch in rein weiblichen Umfeldern:
Forschung zeigt, dass Konkurrenz und Bewertung unter Frauen auch ohne direkte männliche Präsenz entstehen. Dabei orientieren sich Bewertungen häufig an bestehenden Normen und Erwartungen. Internalisierte Misogynie steht in Zusammenhang mit Anpassung an Hierarchien und Konkurrenzverhalten. (Hochschulstudie, 2025; siehe auch: https://www.researchgate.net/publication/396840247 (Si apre in una nuova finestra))

Bewertung „unangepassten“ Verhaltens:
Die Role Congruity Theory beschreibt, dass Frauen negativer bewertet werden, wenn ihr Verhalten nicht stereotypen Erwartungen entspricht – etwa wenn sie besonders durchsetzungsstark oder konfrontativ auftreten. (Eagly & Karau, 2002; https://psycnet.apa.org/record/2002-01540-001 (Si apre in una nuova finestra))

Aktuelle Forschung zu Wettbewerb und Bias:
Neuere Studien bestätigen, dass Konkurrenzverhalten und kritische Bewertungen unter Frauen besonders in hierarchischen und kompetitiven Kontexten zunehmen. (Baykal, 2025; Galsanjigmed, 2023; z. B. https://www.mdpi.com/2673-8104/3/2/21 (Si apre in una nuova finestra))

Wahrnehmung von Konflikten & Normabweichung:
Forschung zeigt, dass Konflikte zwischen Frauen häufiger abgewertet werden als vergleichbare Konflikte unter Männern. Gleichzeitig werden Personen, die von Gruppennormen abweichen, besonders streng bewertet (Black-Sheep-Effekt; Überblick: https://en.wikipedia.org/wiki/Black_sheep_effect (Si apre in una nuova finestra))

 

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