Jeden Mittwoch schicke ich dir einen Impuls für mehr Rhythmus im Leben. Heute: Wie die Hummel durch den Winter kommt.
(Si apre in una nuova finestra)Bis März muss der Vorrat noch reichen. Doch dann sind die Energiereserven der Hummelkönigin so ziemlich aufgebraucht. Denn bereits im frühen Herbst oder sogar späten Sommer hat sie sich zum Winterschlaf zurückgezogen. Im Frühling wacht die Königin auf und fliegt in den ersten wärmenden Sonnenstrahlen umher. Sie sucht nach Futterquellen – blühenden Krokussen, Winterlingen, Blausternen und Traubenhyazinthen – und nach einem geeigneten Nistplatz, um ihr eigenes Hummelvolk zu gründen.
Wo verbringt die Hummel den Winter? Wie kommt sie so lange ohne Nahrung aus? Und wie sieht ein hummelfreundlicher Garten aus?
Wo die Hummel überwintert
Nur die jungen Hummelköniginnen überleben den Winter. Die 50 bis 500 Arbeiterinnen (Si apre in una nuova finestra), die Drohnen und die alte Königin eines Volkes sterben im Herbst, wenn die Temperaturen sinken.
Die befruchteten jungen Königinnen hingegen suchen sich einen Platz zur Überwinterung. Der liegt meist in der Nähe ihres alten Nestes. Ideal in lockerem sandigem Boden, auf abschüssigem Gelände und immer schattig, nordseitig gelegen. Würde die Sonne auf das Winterversteck scheinen – die Hummel gräbt sich einige Zentimeter tief in den Erdboden ein –, bestünde die Gefahr, dass sie sich zu zeitig im Frühjahr auf den Weg macht. Wenn noch nichts blüht, stirbt die Hummel.
Wie die Hummel den Winter überlebt
Eine einzige Hummelkönigin kann vor dem Winterschlaf mehr als 200 Milligramm Nektar (Si apre in una nuova finestra) in ihrem Magen speichern. Das ist etwa ein Viertel ihres Körpergewichts. Im Frühling ist davon, wenn überhaupt, noch etwa ein Zehntel übrig.
Hummeln können bis über sechs Monate bei minimalem Nahrungsverbrauch überleben, weil sie (wie andere Winterschläfer auch) ihren Stoffwechsel auf zwei bis vier Prozent (Si apre in una nuova finestra) des normalen Umsatzes herunterfahren. Außerdem liegt ihre Körpertemperatur meist nur wenige Grad Celsius über der Umgebungstemperatur. Eingelagertes Fett und Frostschutzmittel wie Glycerin, Sorbit und Trehalose schützen das Gewebe der Insekten vor Schäden durch die eisigen Temperaturen.
In der Winterruhe atmen die Hummeln nur unregelmäßig. Der Gasaustausch findet über so genannte Stigmen statt, die das Insekt über längere Zeit geschlossen halten kann und nur hin und wieder öffnet.
Wegen der winzig kleinen Stigmenöffnungen ist es den Tieren wohl auch möglich, bis zu einer Woche unter Wasser zu überleben (Si apre in una nuova finestra). Hummelköniginnen, die sich in Überschwemmungsregionen vergraben haben, sind also nicht chancenlos, im Frühling ein neues Volk zu gründen.
Neustart im Frühling
Während andere Wildbienen Temperaturen von über 10 Grad für ihre ersten Ausflüge benötigen, reichen vielen Hummelarten bereits Bodentemperaturen von fünf bis neun Grad, um wieder in Gang zu kommen. Die Hummel zählt daher häufig zu den ersten Gästen im Garten, die ab Ende Februar bis Anfang März auftauchen. Kühle Temperaturen zu überstehen, gelingt durch den für Hummeln typischen „Pelz“ und ihre Fähigkeit, „ihre Brustmuskeln vibrieren zu lassen und sich warm zu schütteln“, schreibt der NABU (Si apre in una nuova finestra).
Forschende aus London (Si apre in una nuova finestra) haben Hummelköniginnen mit winzigen Antennen ausgestattet, um deren Flugverhalten nach der Winterruhe zu beobachten. Viel geht da noch nicht: Flugphasen von zehn bis 20 Sekunden wechseln sich mit bis zu 20-minütigen Pausen ab, in denen sich die Hummeln unter Laub verstecken. Dann geht es weiter, auf der Suche nach Nektar, Pollen und einem geeigneten Nistplatz.
Den finden die Hummeln, je nach Art (allein in Deutschland gibt es mehr als 40 verschiedene Arten) manchmal auch in verlassenen Nagetierhöhlen. Die Menge der Nahrung, die die Königin zu diesem Zeitpunkt sammelt, bestimmt, wie groß schließlich ihr Volk wird. Nach der Eiablage schlüpfen die ersten Arbeiterinnen. Sie übernehmen nun die Aufgabe der Nahrungssuche. Die Königin bleibt im Nest und legt weitere Eier. Gegen Ende des Sommers sind es schließlich solche, aus denen sich die männlichen Drohnen und die neuen Königinnen entwickeln. Der Lebenszyklus schließt sich und ein neuer beginnt.
https://www.youtube.com/watch?v=GNPtBKvw7TA (Si apre in una nuova finestra)Problem Klimawandel
Wegen der Klimaerwärmung kommen Hummeln in Europa im Vergleich zur Jahrtausendwende heute etwa fünf Tage früher (Si apre in una nuova finestra) aus dem Winterschlaf. Bei bestimmten Hummelarten in Nordamerika hat sich die Winterruhe in den letzten 130 Jahren aus demselben Grund um rund 10 Tage verkürzt. Auch die Erscheinungs- und Blütezeiten der Nahrungspflanzen haben sich den Temperaturen angepasst. Problematisch wird es, wenn sich die Zeitplanung von Pflanze und bestäubendem Insekt nicht im perfekten Gleichtakt verschiebt. Dann können die Insekten leer ausgehen und auch die Bestäubung der Pflanzen ist nicht garantiert.
Der hummelfreundliche Garten
Hummeln hilft, wer Laub (unter den Hecken) liegen lässt, Kompost- , Reisig und Totholz im Garten bewahrt, unordentliche Bereiche mit längerem Gras und Moos belässt. Hummeln freuen sich über Blütenpflanzen wie Krokusse, Winterlinge, Schlüsselblumen, Hornklee, Malve, Glockenblume, Katzenminze, Pfefferminze, Klatschmohn, Löwenzahn und viele andere (Si apre in una nuova finestra).
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