
Plötzlich wird Schlafen zur Herausforderung: Es klappt einfach nicht mehr. Dazu kommt die Angst, wenn man wieder aufwacht und herumliegt wie NDR-Seerobbe Antje aus den 90ern. (Wer kennt sie noch?) Ein Grund kann die Perimenopause sein, an der wir einfach nicht vorbeikommen, aber auch extremer Stress. Zum Glück gibt es Expertinnen wie Anja Seitner, Sechsfach-Mama, studierte Biologin und Chemikerin, die sich erst die Pharmaindustrie ganz genau angeschaut hat, um sich dann für den ganzheitlichen Ansatz zu entscheiden. Diese Frau weiß, was in unseren Zellen passiert und sie steht uns in Sachen emotionaler und mentaler Gesundheit sowie funktionierender Biochemie zur Seite. Heute sprechen wir mal über den Schlaf und was Abhilfe schaffen kann.
Anja, ich höre das gerade überall: Frauen, häufig in der Perimenopause, sind todmüde – und schlafen trotzdem schlecht. Und das obwohl sie schon abends alle Bildschirme weglassen, also Blaulicht meiden, keine Schokolade essen und ihr Schlafzimmer kühl halten. Einschlafen geht manchmal noch, aber dann wachen sie nachts auf, Herzklopfen, Gedankenkarussell, Panik. Was passiert da eigentlich im Körper?
Das ist tatsächlich ein Zusammenspiel auf mehreren Ebenen. Hormonell beginnt es oft mit dem Progesteron. Solange davon genug da ist, wirkt es schlaffördernd, beruhigend. In der Perimenopause schwankt oder sinkt es – und dieser beruhigende Effekt fehlt plötzlich.
Gleichzeitig entsteht häufig eine Östrogendominanz. Die wiederum aktiviert Histamin. Und Histamin ist ein echter Cortisol-Treiber. Und das macht uns wiederum wach, unruhig, innerlich nervös.
Viele wachen vor allem zwischen drei und vier Uhr morgens auf. Zufall?
Nein. Cortisol und Melatonin folgen einem Rhythmus. Normalerweise sinkt nachts das Cortisol und Melatonin hält uns im Schlaf. In dieser Phase verschiebt sich das: Cortisol steigt früher an, Melatonin fällt schneller ab. Der Körper geht zu früh in den Wachmodus.
Dazu kommt, dass viele plötzlich Rotwein, Käse oder andere histaminreiche Lebensmittel nicht mehr vertragen – und dann erst recht schlecht schlafen.
Viele Frauen sagen: „Ich schlafe ja – aber ich komme innerlich nicht zur Ruhe.“ Wie passt das zusammen?
Das ist ein ganz zentraler Punkt. Schlaf heißt nicht automatisch Regeneration. Viele Menschen – Frauen wie Männer – stecken dauerhaft im Sympathikus, also im Kampf-oder-Flucht-Modus. Der Körper ist nachts zwar im Bett, aber innerlich immer noch auf Alarm.
Regeneration findet nur im Parasympathikus statt. Und da kommen viele nicht mehr hin.
Liegt das nur an den Hormonen?
Nein. Das wäre zu einfach. Viele Frauen Ende 30 Anfang 50 starten nochmal richtig durch. Beruflich, privat, mental. Sie laden sich Stress auf – oft unbewusst. Gleichzeitig wird wenig für echten Ausgleich getan.
Man scrollt häufig am Handy, anstatt zu ruhen. Man nennt das Pause, aber das Nervensystem empfindet es nicht so. Früher hat man in der Sonne gesessen und einfach nichts getan. Heute werden wir permanent bombardiert mit Reizen. Wenn man dann im Bett liegt und schläft, sinkt das Melatonin zu früh. Hinzu kommen E-Smog, Irritationen durch das W-lan (unbedingt nachts ausschalten!), und eine Zirbeldrüse, die nicht mehr rund läuft, die nicht mehr entgiftet und sich nicht mehr ums Schlafhormon kümmern kann. Die Schere zwischen Progesteron und Östrogen geht immer mehr auseinander und am Ende gewinnt das Cortisol. Dazu kommt noch eine Östrogendominanz, die wiederum zu einer Entgiftungsproblematik führt. Die Leber kommt nicht mehr hinterher, weil sich zu viele Toxine kumulieren. Und dann haben wir schnell noch einen Histaminüberschuss. Das ist der natürliche Verlauf der Dinge, was aber die wenigsten wissen. Dann kann ich noch so viele Vitalstoffe nehmen, sinnvoller wäre ein psychischer Ausgleich und ordentlich entgiften. Ich sage immer: Sonst ist mit 40 plus der Dispo des Gesundheitskonto überzogen und manche Dinge laufen einfach schief.
Und dann kommen Panik, Herzklopfen, Angst vorm Einschlafen. Das macht vielen richtig Angst.
Weil es sich bedrohlich anfühlt. Biochemisch ist das ein Cortisol- und Adrenalin-Feuerwerk. Der Körper denkt: Gefahr. Obwohl keine da ist. Das Nervensystem hat verlernt, zwischen echter Bedrohung und innerem Stress zu unterscheiden. Denn Stress ist eigentlich okay, wenn er uns in den Kämpfermodus versetzt. Er muss uns eigentlich Energie geben. Uns fehlt heute das Schutzschild, weil wir immer im Sympathikus statt im Parasympathikus sind. Es fühlt sich nur destruktiv an. Das löst die Grunderschöpfung aus. Dann fühlt sich sogar Mediation stressig an.
Was können Frauen konkret tun? Nicht theoretisch – sondern im echten Leben.
Das Wichtigste ist: Regulieren statt optimieren. Viele tracken sich den ganzen Tag, messen alles, wollen alles „richtig“ machen. Das stresst zusätzlich. Man braucht Methoden, die das Nervensystem runterfahren. Und die sind individuell.
Ein unterschätzter Hebel ist die Atmung. Viele atmen flach, ohne Bauchatmung. Das hält Cortisol dauerhaft hoch. Schon einfache Atemübungen – vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus – mehrmals täglich, können viel bewirken. Oder joggen gehen, denn da ist man gezwungen, tief zu atmen. Das Problem ist, dass bei vielen die Grundbeweglichkeit verloren gegangen ist und die verkürzte Brustmuskulatur macht was mit dem Zwerchfell. Atmen üben sollte auf dem Plan stehen.
Auch gezielte Vagusnerv-Stimulation kann unterstützen, zum Beispiel über spezielle Geräte wie Nurosym für Menschen, die mit Meditation nichts anfangen können oder davon sogar gestresst werden. Ich bin ein Fan davon.

Und Nahrung? Da gibt es ja tausend Meinungen.
Abends essen viele genau das Falsche. Zu viel Protein aktiviert nämlich. Schnell verfügbare Kohlenhydrate führen nachts in den Unterzucker – und zack, das Cortisol geht hoch.
Manchmal funktionieren ganz klassische Dinge erstaunlich gut: Sauerteig-Vollkornbrot mit Butter, dazu warme Milch mit etwas Honig. Klingt nach Oma-Kost, aber das ist nicht verkehrt und sogar physiologisch sinnvoll, weil Tryptophan, Fette und langsame Kohlenhydrate den Schlaf fördern können.
Viele hoffen auf Supplemente. GABA, Safran & Co sollen helfen …
Manche profitieren, viele merken nichts. Es ist extrem individuell. Safran und Ashwagandha spüren viele gar nicht. Glycin kann man sich abends wie Zucker in den Tee geben. Oft ist das Fass einfach voll. Dann hilft kein weiteres Mittel, sondern nur echte Entlastung.
Stress ist der größte Schlafräuber überhaupt. Und er wirkt sogar epigenetisch: Gene werden regelrecht „stummgeschaltet“, solange der Körper im Dauerstress ist. Da passiert epigenetisch ganz viel, da werden Gene deaktiviert. Die kriegen quasi ein Mützchen auf und werden nicht abgelesen. Das kann man sich so vorstellen: Wenn die Mülltonnen falsch stehen, werden sie nicht abgeholt. Das passiert auch bei uns im Körper. Regeneration – und damit guter Schlaf – passiert nur, wenn wieder Sicherheit da ist.
Wenn du einen Satz an die Leserin hättest, die nachts wachliegt und denkt, sie macht alles falsch?
Du bist nicht kaputt. Dein Körper ist klug. Er zieht die Notbremse. Und er braucht jetzt nicht mehr Druck – sondern weniger.
Wer einen Termin bei Anja Seitner buchen möchte, findet Sie hier:
https://www.anjaseitner-bodytuning.de/ (Si apre in una nuova finestra)Und wie immer gilt der Haftungsausschluss: Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachkräfte. Für Schäden oder Folgen aus der Anwendung der Inhalte wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen Fragen wendet euch bitte an eine medizinische Fachperson. Für Inhalte externer Webseiten, auf die wir verlinken, übernehmen wir keine Haftung. Für diese Inhalte sind ausschließlich die jeweiligen Betreiber verantwortlich. Bei Kenntnis rechtswidriger Inhalte entfernen wir entsprechende Links nach Hinweis umgehend.