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SEXYER ÄNGSTIGEN

FILM-KRITIK (Si apre in una nuova finestra)

Jeweils sexy und manipulativ: Will (Alex Roe) in BONE LAKE; © Busch Media Group / Bleecker Street and LD Entertainment // Dracula (Caleb Landry Jones) in DRACULA - DIE AUFERSTEHUNG; © PHOTO SHANNA BESSON © 2025 LBP - EUROPACORP - TF1 FILMS PRODUCTION - SND/ LEONINE Studios
Jeweils sexy und manipulativ: Will (Alex Roe) in BONE LAKE; © Busch Media Group / Bleecker Street and LD Entertainment // Dracula (Caleb Landry Jones) in DRACULA - DIE AUFERSTEHUNG; © PHOTO SHANNA BESSON © 2025 LBP - EUROPACORP - TF1 FILMS PRODUCTION - SND/ LEONINE Studios

[UPDATE, Januar 2026: Beide Filme sind nun auch im Home Entertainment verfügbar. Details unter den Filmplakaten.]

ZAUBERHAFT BISSIG

Manchmal frage ich mich bei ins Deutsche übertragenen Film- wie Buchtiteln schlicht: Warum?!? Dass mensch sich dachte, den französischen Weihnachtsfilm statt „Ein Bär im Jura“ mit dem englischen Titel How To Make A Killing ins Kino zu bringen, geschenkt. Eventuell verfängt das ja mehr (wobei der eingedeutschte Originaltitel Un Ours dans le Jura weit besser zum Ton des Films gepasst hätte (Si apre in una nuova finestra)). Doch wieso, weshalb, warum wird Luc Bessons neuer Film und erster Grusel-Streich Dracula: A Love Tale hierzulande von Leonine Studios als Dracula – Die Auferstehung ins Kino gebracht?

Auferstanden in Ruine: Dracula (Caleb Landry Jones) herrscht über sein Reich // © PHOTO SHANNA BESSON © 2025 LBP - EUROPACORP - TF1 FILMS PRODUCTION - SND/ LEONINE Studios
Auferstanden in Ruine: Dracula (Caleb Landry Jones) herrscht über sein Reich // © PHOTO SHANNA BESSON © 2025 LBP - EUROPACORP - TF1 FILMS PRODUCTION - SND/ LEONINE Studios

„Die Auferstehung“ klingt a) irgendwie nach einer Fortsetzung und b) als träfe Alien (oder Predator) auf 30 Days of Night. Dabei orientiert Besson, der auch das Drehbuch schrieb, sich eher an den klassisch-romantischen Aspekten des als Vorlage dienenden Schauer-Gothic-Kults Dracula von Bram Stoker. Die Titel-Unterzeile vermittelt also schon einmal einen völlig falschen Eindruck vom Film, was zu einer ungünstigen Erwartungshaltung und schlussendlich zu Enttäuschung führen könnte.

Da mir der Film als die blutig-schwelgerische Love Tale unterkam, die er ist, konnte das hier nicht passieren. Zumal mich ein Caleb Landry Jones, der nach dem unterschätzten Dogman ein zweites Mal mit Besson arbeitet, ohnehin kaum wird enttäuschen können. Als titelgebender, vornehm blasser und herrlich schlagfertiger Prinz Vladimir von Wallachia aka Dracula trägt er den größten Teil des Films. Alles beginnt mit dem Kampf gegen die Osmanen. (Eigentlich beginnen wir mit Sex, aber dann geht es direkt zum Kampf). Obwohl Vlad „seinen“ Kardinal (Haymon Maria Buttinger) inständig ersucht hat, dass Gott gefälligst seine Gattin Elisabeta (Zoë Bleu) verschonen soll („Don't pray – tell him.“), wird daraus nichts. Die Wege Gottes, yada, yada, yada...

Durch Maria (Matilda De Angelis) lernt Dracula (Caleb Landry Jones) Mina (Zoë Bleu) in Paris kennen // © PHOTO SHANNA BESSON © 2025 LBP - EUROPACORP - TF1 FILMS PRODUCTION - SND/ LEONINE Studios
Durch Maria (Matilda De Angelis) lernt Dracula (Caleb Landry Jones) Mina (Zoë Bleu) in Paris kennen // © PHOTO SHANNA BESSON © 2025 LBP - EUROPACORP - TF1 FILMS PRODUCTION - SND/ LEONINE Studios

Vlad beendet an dieser Stelle seinen Weg mit Gott und denkt sich auch auf den schwatzenden Kardinal bezogen: Geh mit Gott, aber geh (blutend - siehe Bild oben). Der Prinz der Walachei schwört Gott ab und wendet sich der vermeintlichen Dunkelheit zu. In den folgenden 400 Jahren immerfort auf der Suche nach der Reinkarnation Elisabetas (in diesem Zusammenhang ließe sich die Auferstehung verstehen, ist aber doch... nicht so treffend und lädt zu Missverständnissen ein). Mit Hilfe von Kommissar Zufall in Figur von Jonathan Harker (Ewens Abid) glaubt er nun, diese in Person von Mina Murray (Bleu) gefunden zu haben.

Der Assistent Simon (Raphael Luce), der Priester (Christoph Waltz) und Doktor Dumont (Guillaume de Tonquédec) mit Vampirin Maria (Matilda De Angelis) // © PHOTO SHANNA BESSON © 2025 LBP - EUROPACORP - TF1 FILMS PRODUCTION - SND/ LEONINE Studios
Der Assistent Simon (Raphael Luce), der Priester (Christoph Waltz) und Doktor Dumont (Guillaume de Tonquédec) mit Vampirin Maria (Matilda De Angelis) // © PHOTO SHANNA BESSON © 2025 LBP - EUROPACORP - TF1 FILMS PRODUCTION - SND/ LEONINE Studios

Derweil kümmern sich ein namenloser Priester in bester Van Helsing-Manier (Christoph Waltz), Doktor Dumont (Guillaume de Tonquédec) und Assistent Simon (Raphael Luce) um die entweder verrückte oder besessene Maria (Matilda De Angelis). Diese fiel auf der geplanten Hochzeit/Verlobungsfeier mit Henry Spencer (David Shields) über einen Geistlichen her:

„[a]nd at the sight of the clergyman the bride was seized with hysteria and a sexual appetite beyond comprehension.“ - „Appetites can be a sign of very good health, can they not, doctor?“

Besson nimmt sich einige Freiheiten in seiner Story. So geht es etwa nach Paris und die Gründe, aus denen Dracula so unwiderstehlich wirkt, werden mit einer ganz neuen Form von Manipulation erläutert, die jedenfalls recht wissenschaftlich daherkommt. Die Inszenierung ist primär große Klasse, die Bilder, die Colin Wandersman schafft und die im Schnitt von Lucas Fabiani teils episch verdichtet werden, wirken enorm. An mancher Stelle arbeiten Skript wie Bild und Darstellende mit deutlichem Augenzwinkern. In anderen Momenten ist diese Gothic Romance voller Ernsthaftigkeit romantisch. Dann wieder gleicht dieser Dracula einer Oper („The Dance“), einem Kaleidoskop anregender Fantasie. Der Film wirkt, als wären Dario Argento und Joe Wright aufeinandergetroffen, Blood-Camp auf Edel-Grusel.

Dracula (Caleb Landry Jones) gerät in die Feierlichkeiten zur Hundertjahrfeier der Französischen Revolution // © PHOTO SHANNA BESSON © 2025 LBP - EUROPACORP - TF1 FILMS PRODUCTION - SND/ LEONINE Studios
Dracula (Caleb Landry Jones) gerät in die Feierlichkeiten zur Hundertjahrfeier der Französischen Revolution // © PHOTO SHANNA BESSON © 2025 LBP - EUROPACORP - TF1 FILMS PRODUCTION - SND/ LEONINE Studios

Besonders hervorzuheben ist neben den Schau- und Spielwerten dieses etwas anderen Dracula-Films vor allem der melancholisch-orchestrale Score von Danny Elfman, der mit dem Budapest Scoring Symphonic Orchestra aufgenommen wurde. Verträumt und kräftig, mit eingängigem Hauptthema („Music Box“), das immer wieder in verschiedenen Variationen aufgegriffen wird. Passend zum Film geht es geheimnisvoll bis märchenhaft, schwungvoll bis schlagend zu. Natürlich denken wir hier und da an Wojciech Kilars Musik zu Bram Stoker’s Dracula von Francis Ford Coppola sowie manch andere Grusel-Romantik, nicht zuletzt von Elfman selbst.

https://www.youtube.com/watch?v=5l4pPHsVDv8 (Si apre in una nuova finestra)

Film wie Musik sind schaurig-schön, unterhalten gut, nehmen sich Freiheiten, bleiben dabei aber der Kraft des Originals eng verbunden. Dennoch ist dieser Dracula sicher nichts für alle. Der Wunsch, eine frische Interpretation mit Pomp und passendem Kitsch zum Blutcocktail zu bekommen, sollte gegeben sein.

AS

PS: In Kürze stellen wir euch ein paar verschiedene Buchausgaben der Dracula-Geschichte vor. Derer gibt es sicherlich eben so viele wie filmische Interpretationen.

Lauter verwirrte Männer: Marias Verlobter (David Shields), Anwalt Jonathan (Ewens Abid), der Priester (Christoph Waltz) und Doktor Dumont (Guillaume de Tonquédec) werden mit unheimlichen Begebenheiten konfrontiert // © PHOTO SHANNA BESSON © 2025 LBP - EUROPACORP - TF1 FILMS PRODUCTION - SND/ LEONINE Studios
Lauter verwirrte Männer: Marias Verlobter (David Shields), Anwalt Jonathan (Ewens Abid), der Priester (Christoph Waltz) und Doktor Dumont (Guillaume de Tonquédec) werden mit unheimlichen Begebenheiten konfrontiert // © PHOTO SHANNA BESSON © 2025 LBP - EUROPACORP - TF1 FILMS PRODUCTION - SND/ LEONINE Studios

IN EIGENER SACHE: Da unser reguläres Online-Magazin noch immer nicht wieder am Start ist, veröffentlichen wir vorerst hier. Mehr dazu lest ihr in unserem Instagram-Post (Si apre in una nuova finestra) oder auf Facebook (Si apre in una nuova finestra). Außerdem freuen wir uns immer, wenn ihr uns einen Kaffee spendieren wollt (Si apre in una nuova finestra) oder uns direkt via PayPal (Mail: info_at_thelittlequeerreview.de) unterstützen mögt.

Dracula – Die Auferstehung ist seit dem 30. Oktober 2025 im Kino zu sehen; seit dem 13. Februar 2026 als DVD, Blu-Ray und 4k UHD erhältlich und auf diversen Plattformen als VoD und Co. verfügbar.

Dracula: A Love Tale; Finnland, UK, Frankreich, 2025; Regie und Drehbuch: Luc Besson; Bildgestaltung: Colin Wandersman; Schnitt: Lucas Fabiani; Musik: Danny Elfman; Darsteller*innen: Caleb Landry Jones, Zoë Bleu Sidel, Christoph Waltz, Matilda De Angelis, Ewens Abid, David Shields, Raphael Luce, Guillaume de Tonquédec, Haymon Maria Buttinger, u. a.; Laufzeit ca. 129 Minuten; FSK: 12

BONE(R) CRACKING

Weniger zauberhaft, dafür ähnlich sexpositiv und nicht minder garstig geht es in dem hochwertigen B-Movie-Slasher mit Elementen einer Farce namens BONE LAKE zu. Wer nun glaubt, der Name sei Programm, der*die liegt nicht so ganz falsch, wie es auch das zunächst nichtsahnende Paar Sage (Maddie Hasson) und Diego (Marco Pigossi) bald feststellen werden…

Jemand hat versteckte Kameras im Haus platziert, die das Paar Diego und Sage (Marco Pigossi und Maddie Hasson) zutiefst verunsichern // © Busch Media Group / Bleecker Street and LD Entertainment
Jemand hat versteckte Kameras im Haus platziert, die das Paar Diego und Sage (Marco Pigossi und Maddie Hasson) zutiefst verunsichern // © Busch Media Group / Bleecker Street and LD Entertainment

Wir hingegen wissen das schon sehr viel früher, beginnt der Film von Mercedes Bryce Morgan (Spoonful of Sugar) doch mit glattem Durchschuss (Si apre in una nuova finestra) und einer eher besonderen FKK-Erfahrung (das gilt auch für all jene, die Der Ornithologe oder Der Fremde am See gesehen haben). Ganz klassischer (Slasher-)Horror folgt auf den Wumms zu Beginn erstmal ein wenig ruhigerer Bumms (Si apre in una nuova finestra).

Sage und Diego erreichen bester Dinge ein abgelegenes Anwesen an einem See. Kryptische Romantik könnte der Stil wohl heißen. Hier jedenfalls wollen sie ein gechilltes Wochenende verbringen, ein wenig das Leben genießen, womöglich wieder Schwung in das etwas eingeschlafene Sexleben bringen, bevor Diego sich einer Full-Time-Career als angehender Autor (aha) widmen will, weswegen Sage einen Full-Time-Job als Lektorin angenommen hat. Hach ja, das Buch-Business-Leben (Si apre in una nuova finestra)!

Etwas stimmt nicht mit dem Haus am Bone Lake – was haben die verschlossenen Räume zu verbergen? // © Busch Media Group / Bleecker Street and LD Entertainment
Etwas stimmt nicht mit dem Haus am Bone Lake – was haben die verschlossenen Räume zu verbergen? // © Busch Media Group / Bleecker Street and LD Entertainment

Sie staunen nicht schlecht, als das ebenfalls sehr attraktive und sehr extrovertierte Paar Will (Alex Roe) und Cin (Andra Nechita) eintrifft. Dieses hat das Haus ebenfalls gemietet. Hoppala! Nach einer kurzen, vielen Zuschauer*innen bekannten Debatte, wer bleibt, wer geht, wie sich alle wohlfühlen können, ist man nun zu viert. Ähnlich und doch ganz anders als in Der Vierer wird das cringe bis brutal (Si apre in una nuova finestra), lustig bis blutig (Si apre in una nuova finestra).

Morgans Regie und das Drehbuch von Joshua Friedlander zehren dabei nicht etwa von einem Who-dunnit-Szenario - wir wissen, dass Cin und Will voller Sin sind -, sondern von einem Wann-Momentum. Es beginnt mit subtilen Manipulationen, kleinen verbalen Machtspielchen. Immer wieder geraten Sage und/oder Diego wie zufällig in unangenehme Situationen (durchaus nicht ausschließlich unverschuldet und häufiger durch kleine Lügen und Halbwahrheiten), sehen sich mit dem eigenen Schamgefühl konfrontiert.

Will (Alex Roe): Wrumm Wrumm statt Boom Boom // © Busch Media Group / Bleecker Street and LD Entertainment
Will (Alex Roe): Wrumm Wrumm statt Boom Boom // © Busch Media Group / Bleecker Street and LD Entertainment

An dieser Stelle sei nicht zu viel verraten. BONE LAKE ist ein chilliger Slow-Burn mit reichlich Witz, solide smart und voller Anspielungen auf toxisches Verhalten, Unwahrheiten der Liebe (und Sicherheit) zuliebe, sehr viel Körperlichkeit - und hier wohlgemerkt einmal nicht nur weiblicher. In der Tat kann manch ein Punkt gar als feministischer Horror interpretiert werden, womit Morgan und Friedländer schaffen, was dem Film Trust nicht gelang (Si apre in una nuova finestra). Vor allem allerdings nimmt die Geschichte sich nicht so ernst, wie die optische Grundstimmung (DP: Nick Matthews) es vermuten ließe.

https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/3fc88da2-62ef-4c5c-9d1c-08cce77e0e01 (Si apre in una nuova finestra)

Die Darsteller*innen machen ihre Sache recht gut, funktionieren in dieser Kammerspiel-Form meist hervorragend mit- wie gegeneinander. Dass mit Marco Pigossi ein offen schwuler Schauspieler eine hetero-sexuelle Rolle spielt, freut umso mehr. Vor allem eben, da BONE LAKE ein (hetero-)erotischer Horrorfilm ist. (Wenn die inhärente Queerness bei Bro-Codes und Girl-Talk auch nicht immer zu verleugnen ist (Si apre in una nuova finestra), gehört halt zum Spiel.)

https://www.youtube.com/watch?v=mQy7BuW-R6c (Si apre in una nuova finestra)

Ein durch und durch unterhaltsamer Film, der nach einem überzeugenden Kennenlernen in ein feines Vorspiel geht und sich Zeit lässt, bis es zum Höhepunkt kommt. Überzeugend, garstig, sexy: So gefällt uns das Spiel mit Genre- und Gender-Klischees.

JW

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Bone Lake ist seit dem 6. November 2025 im Kino zu sehen; seit dem 15. Januar 2026 ist der Film als limitiertes Mediabook erhältlich und auf diversen Plattformen als VoD und Co. verfügbar.

Bone Lake; USA, 2024; Regie: Mercedes Bryce Morgan; Drehbuch: Joshua Friedländer; Bildgestaltung: Nick Matthews; Schnitt: Anjou Agrama; Musik: Roque Baños, Ben Cherney; Darsteller*innen: Maddie Hasson, Alex Roe, Andra Nechita, Marco Pigossi; Laufzeit ca. 95 Minuten; FSK: 18

https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/20564bc0-92b6-49f3-b52c-a1914ee055f6 (Si apre in una nuova finestra)
Argomento Film & Serie

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