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ZUHAUSE IST'S DOCH AM SCHLIMMSTEN

FILM-KRITIK (Si apre in una nuova finestra)

Weihnachten nähert sich, wir merken es am Kinoprogramm: Ob Frau mit Mann im Holzhaus (Si apre in una nuova finestra), Ärger in Grün und Pink (Si apre in una nuova finestra), Monster-Kitsch (Si apre in una nuova finestra), Kinder-Grauen mal zwei oder in zwei Wochen mit einem sehr tödlichen, sehr sexy semi-beefy Santa-Remake: Der Horror ist im Haus (Si apre in una nuova finestra)! Und bald für manche auch zu Hause, wenn es dann heißt: WELCOME HOME BABY. So auch der Titel des österreichisch-deutschen Films, mit dem sich Andreas Prochaska (In 3 Tagen bist du tot 1 + 2, Das Boot, Das Netz, Love Sucks) nach gut zehn Jahren wieder im Kino zurückmeldet. Was allein, doch nicht nur, aufgrund der düster-tristen Natur-Schauwerte (Si apre in una nuova finestra) in einem österreichischen Kaff wunderbar ist.

Judith (Julia Franz Richter) sitzt schwanger und aufrecht im Bett im geerbten Haus // © Lotus Filmproduktion / Senator Film Produktion/Petro Domenigg
Is' komisch hier, ne Judith (Julia Franz Richter)? // © Lotus Filmproduktion / Senator Film Produktion/Petro Domenigg

Ein Haus zu erben, mag zunächst einmal gut klingen. Für die Berliner Notärztin Judith (Julia Franz Richter mit neumodischer Mia-Farrow-Gedenkfrisur), die als Kind von ihren Eltern weggegeben wurde, eher weniger. Nur widerwillig fährt sie mit ihrem Partner Ryan (Reinout Scholten van Aschat) in das Dorf, um das Erbe zu besichtigen und zu veräußern. Empfangen wird sie dort von zwei zugewandten, resoluten und eher undurchsichtigen Frauen: Tante Paula (Gerti Drassl, Vorstadtweiber) und Judith (Maria Hofstätter, Des Teufels Bad). Diese herzen und knuddeln Judith, die sichtlich überfordert ist. Schließlich hat sie keine Ahnung, wer die guten Damen sind.

Die Dorfgemeinschaft in WELCOME HOME BABY // © Lotus Filmproduktion /Senator Film Produktion
„Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“ // © Lotus Filmproduktion /Senator Film Produktion

Im ausladenden Haus mitsamt der örtlichen Arztpraxis versucht Judith ein wenig zu erkunden, warum die Eltern sie zur Adoption freigegeben haben, denn „am Geld kann es ja nicht gelegen haben.“ Derweil sind „Tante Paula“, Judith und weitere Frauen des Dorfes nicht nur bemüht, Judith zum Bleiben, sondern auch zu einem Kind mit Ryan zu überreden. Mehr und mehr verliert Judith Halt und Kontrolle und vor allem die Orientierung. Als sich noch Raum und Zeit auflösen zu beginnen scheinen, Feuer und Wasser, Höhlen und Grotten dafür immer präsenter werden, merkt sie, dass dieses Dorf (wie?) ein Albtraum ist...

Die Frauen des Dorfes stehen im Wasser der Grotte // © Lotus Filmproduktion / Senator Film Produktion/Petro Domenigg
In the Grotto... // © Lotus Filmproduktion / Senator Film Produktion/Petro Domenigg

Andreas Prochaska, der gemeinsam mit Constantin Lieb (Drehbuchadaption von Maxim Leos Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße (Si apre in una nuova finestra)) und Daniela Baumgärtl auch das Drehbuch verantwortete, spielt im optisch aufregenden Psycho-Horror mit diversen Genre-Motiven. Erzählt also nicht diesen einen Horrorfilm. Er mixt Psychothriller mit Science-Fiction-Elementen, klassischen Grusel mit etwas Blut, viel religiöse Symbolik mit einer Home-Invasion-Note. Vor allem aber erzeugt der Film, auch dank der ganz grandiosen, düsteren Bildkompositionen Carmen Treichls, eine durchgehend ungemütliche, bedrängende Atmosphäre.

Fotograf Ryan (Reinout Scholten van Aschat) spielt wie alle Männer nur eine untergeordnete Rolle, steht vor dem Wohnhaus und starrt ins Leere // © Lotus Filmproduktion / Senator Film Produktion
Fotograf Ryan (Reinout Scholten van Aschat) spielt wie alle Männer nur eine untergeordnete Rolle // © Lotus Filmproduktion / Senator Film Produktion

Was Welcome Home Baby, der quasi zwischen Rosemary's Baby, Longlegs und in der Tat Des Teufels Bad changiert, nicht ganz gelingen will, ist es, nicht nur die Löcher in der Zeit, sondern auch in der eigenen Logik zu erläutern. So zieht die grausige Atmosphäre uns zwar prompt in ihren Bann, die Darsteller*innen sowieso (neben den Genannten u. a. noch Eismayer Gerhard Liebmann oder Linde Prelog), die Neugierde bleibt erhalten, wird schlussendlich aber nur für jene belohnt, die es mögen, wenn nicht nur viel im Vagen, sondern auch im Unbegreiflichen respektive Unfassbaren bleibt.

https://www.youtube.com/watch?v=II-T_SZgHiI (Si apre in una nuova finestra)

Soll bedeuten: Wir müssen einfach erfassen, was uns gegeben wird. Die Frage, ob Auslassung nun Stilmittel oder Unaufmerksamkeit des Films ist, mag sich manchen am Ende stellen. Die Mystik hinter der Sache bleibt vor allem mystisch, Motivationen können nur vermutet und der Grund für die Auflösung des Ganzen lediglich erahnt werden. Ein einzelner Satz zu Stärke reicht hier kaum aus. Dessen unbenommen ist Welcome Home Baby ein herrlich unangenehmer, abgründiger, bildgewaltiger Trip, der zu unterhalten und verunsichern versteht. Perfekt also für den dunklen Winter (Si apre in una nuova finestra)!

AS

PS: Äußerst authentisch ausgestattet ist das Grauen zudem. Siehe etwa das Kaffeegeschirr, das sich vermutlich nicht nur in jedem zweiten Alpenhaushalt findet.

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WELCOME HOME BABY startet am 27. November 2025 im Kino.

WELCOME HOME BABY; Österreich, Deutschland 2025; Regie: Andreas Prochaska; Drehbuch: Constantin Lieb, Daniela Baumgärtl, Andreas Prochaska; Bildgestaltung: Carmen Treichl; Schnitt: Karin Hartusch; Musik: Karwan Marouf; Darsteller*innen: Julia Franz Richter, Reinout Scholten van Aschat, Gerti Drassl, Maria Hofstätter, Gerhard Liebmann, u. v. a.; Laufzeit ca. 115 Minuten; FSK: 16; im Verleih von Wild Bunch Germany im Kino

https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/d192a536-019b-41a1-9e52-3ea30e405e92 (Si apre in una nuova finestra)
Argomento Film & Serie

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