LITERATUR-KRITIK (Si apre in una nuova finestra)
Von Björn Neureuter
"Ich denke, dass man das Leben nur von hinten verstehen kann."

Wer diesen Satz nicht versteht, ist vermutlich nie wirklich erwachsen geworden. Marc aus West-Berlin und Nele aus Ost-Berlin begegnen sich in dieser Novelle von Maxim Leo Ende der 80er und verlieben sich ineinander. Dabei wird der klar formulierte Handlungsstrang jeweils aus der Sicht dieser beiden jungen Menschen erzählt, die in völlig unterschiedlichen Welten groß geworden sind. Maxim Leo schafft es, aus der Banalität, dass man in das Unbekannte hineinlebt und erst rückblickend erkennt, welche Bedeutung aus zufälligen Begegnungen erwächst, eine große Geschichte zu kreieren. Das große Glück der Maueröffnung wird so zum tragischen Fanal einer Liebe, wo sonst nur Freude ist.

Die von Kat Menschik illustrierte Geschichte auf 74 Seiten ist unbedingt lesenswert für die, die sich jemals einen Gedanken um die Auswirkungen der deutschen Teilung auf die Menschen gemacht haben oder diese Zeit vielleicht sogar erlebt haben. Ein kleines Kammerstück, das erst vor dem Hintergrund der großen Weltgeschichte möglich war und die Leser*innen früh mit der Erkenntnis konfrontiert, dass diese Liebe - auf eine Lüge aufbauend - durch die Teilung erst möglich wurde und die Maueröffnung nicht oder kaum überdauern kann.
Björn Neureuter, Koblenz
PS: Die Verfilmung von Maxim Leos Roman Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße mit Charly Hübner und Christiane Paul in den Hauptrollen startet am 11. Dezember 2025 im Kino. So fällt der Start, nicht zufällig, auf den ersten Todestag von Regisseur Wolfgang Becker (Good Bye, Lenin!). Unsere Rezension zu Buch wie Film folgt.
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Eine Leseprobe findet ihr hier (Si apre in una nuova finestra).
Maxim Leo (Text), Kat Menschik (Illustrationen): Junge aus West-Berlin (Si apre in una nuova finestra) - Illustrierte Lieblingsbücher, Band 18; September 2024; 80 Seiten, durch. farb. illustriert; Hardcover, gebunden mit Lesebändchen; ISBN: 978-3-86971-304-5; Galiani Berlin; 23,00 €