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Gaza und Libanon: Die Unterlassung der Medien

Ich habe mich dazu entschlossen, dieses Social Media Posting auch auf dieser Seite hürdenfrei zu veröffentlichen.

Aufgrund einiger aktueller Diskussionen auf meinem X-Profil möchte ich das Problem der Medien im Bezug auf Palästina bzw. den islamistischen Terrorismus nochmal für Laien erklären.

„Journalist“ ist in Deutschland kein geschützter Begriff. Ein Journalist ist jeder, der Informationen aufbereitet, veröffentlicht und das nicht nur hobbymäßig betreibt.
Ob jemand wirklich Journalist ist, findet eine Redaktion beispielsweise dadurch heraus, dass er Mitglied in einem Verband ist, er sich öffentlich so präsentiert (LinkedIn o.ä.) oder ob, was und wo er bereits veröffentlicht hat.
Ein Journalist sollte bestimmten Standards genügen, beispielsweise indem er Informationen neutral darstellt (nicht indem er ohne Meinung ist!) oder indem er selber möglichst unbeeinflusst arbeitet. Das ist auch die Erwartungshaltung an den Journalisten in unserer Gesellschaft.

Die öffentliche Vorstellung davon, was ein Journalist ist, ist aber falsch. Im größten Verband DJV können beispielsweise auch Ton-Ingenieure Mitglied werden. Und in einem Krieg kann natürlich jeder Bilder – heutzutage mit seinem Handy – machen und sie als „Foto-Journalist“ über Stock-Datenbanken verkaufen.

Die Lobby der Medien möchte aber dieses Bild des Journalisten in der Öffentlichkeit hochhalten. Wogegen ja nichts zu sagen ist. Es ist halt nur nicht unbedingt zutreffend.
Das tut sie u.a. auch dadurch, dass beispielsweise auch freie Zubringer als „unsere Mitarbeiter“ bezeichnet werden. Oder indem Lobby-Verbände gerne von „getöteten Journalisten“ sprechen, ohne überhaupt zu wissen, ob diese Getöteten tatsächlich Journalisten nach unserem Verständnis waren.
Es gibt also automatisch eine Diskrepanz zwischen der Erwartungshaltung unserer Gesellschaft und der Realität.

Vor dem Krieg gab es im Gazastreifen 12 Hochschulen. Was sehr viel ist für die Bevölkerung und den gesellschaftlichen Stand, da sie häufig durch das Ausland finanziert wurden. Alle diese Hochschulen wurden offiziell durch die Hamas geleitet. Die Hamas entschied auch darüber, wer einen Studienplatz erhält und wer nicht. Was vor dem Hintergrund von einer Arbeitslosigkeit von über 45% nochmal eine ganz andere Dimension bekommt.

An fünf dieser zwölf Hochschulen wurden Ausbildung im Bereich Journalismus und Medien angeboten.
Das bedeutet nichts anderes, als dass die Hamas sich seit 20 Jahren einen Stab für Public Relations heranzüchten konnte. Denn alle diese Menschen mussten sich mindestens gut mit der Hamas stellen. Und ihnen wird auf die Finger geschaut. Es gibt inzwischen viele Beispiele davon, was mit Menschen passierte, die etwas Unliebsames veröffentlichten.

Die unwillkürliche Reaktion vieler im „Westen“, Israel solle freie Journalisten in den Gazastreifen lassen, ist noch naiver. Auch, oder gerade, weil viele Lobby-Verbände der Medien das ja immer wieder eigennützig als Aufhänger verwenden.
Nicht nur, weil keine Streitkraft weltweit seit dem Vietnamkrieg Journalisten frei an einer Front herumlaufen lässt. Und der Gazastreifen ist genau das. Sondern weil dadurch so getan wird, als könnten westliche, wirklich freie Journalisten (nach unserem Verständnis) sich wirklich frei im Gazastreifen bewegen. Wenn Israel sie nur ließe.

Das hätten sie nicht nur bis zum Mai 2024 tun können. Denn erst dann hat Israel den Grenzübergang nach Ägypten besetzt. Der ja auch gerne ignoriert wird. Auch vor dem Krieg mussten Journalisten zunächst bei einem Vertreter der Hamas in Ost-Jerusalem abknien. Und dann durften sie in Begleitung aus dem Gazastreifen berichten. Das haben mir inzwischen mehrere Journalisten in persönlichen Gesprächen auch genau so bestätigt.

Damit die „westlichen“ Medien also überhaupt etwas berichten können – denn militärische oder nachrichtendienstliche Kompetenzen haben sie nicht – müssen sie zwangsläufig Informationen und Bilder oder Videos aus dem Gazastreifen kaufen.
Da sie dann zumeist von „unseren Mitarbeitern“ sprechen oder beispielsweise Video-Sequenzen oder gar Interviews nicht kenntlich machen, entsteht der Eindruck, sie seien vor Ort. Sie würden – nach unserem Verständnis – frei berichten.

Und das ist der Kritikpunkt. Darum geht es.

Ich selber habe bereits viele Medienberichte auseinanderklamüsert. Von Video-Interviews bis hin zur altehrwürdigen Tagesschau. Nur um drei Beispiele zu nennen:

  • Der „Fotojournalist“ Hassan Esliah verkaufte nicht nur Bilder vom 10/7 an der Grenze zu Israel u.a. an die New York Times, CNN und die große Nachrichtenagentur AP. Die zeigten, dass er ganz vorne mit dabei war. Später tauchten auch Bilder von ihm auf, die ihn mit Yayha Sinwar und mit Ismail Haniyya auf, den Führern und den Architekten des 10/7.

  • Die BBC zeigt Videos mit dem Kinderarzt Hussam Abu Safiya, um die Lage in den Krankenhäusern zu zeigen. Diese konnten unmöglich von einem festen, westlichen Mitarbeiter der BBC stammen. Später tauchten dann Bilder auf, die Safiya in der Uniform eines Oberstleutnants der Hamas zeigten.

  • Die „Palestine Media Production“ war „langjähriger Partner des ZDF“. Als einer „Ihrer“ Mitarbeiter durch einen Luftschlag getötet wurde, lies die ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten sich zitieren, solche Angriffe seien nicht hinnehmbar. Erst in einer späteren Pressemitteilung, die kaum zur Kenntnis genommen wurde, musste das ZDF einräumen, dass der getötete „Übertragungstechniker“ tatsächlich Mitglied der Hamas war.

Ich könnte hier reihenweise Links meiner eigenen Arbeit einstellen, in denen ich solche Fälle aufgearbeitet habe.
Die Reaktion der Medien, vor allem – aber nicht ausschließlich – des ÖRR dazu: Schweigen.
Natürlich nicht Reaktion auf mich. Sondern auf die Recherche von vielen Journalisten und OSINT-Leuten weltweit. Doch da diese häufig keine Lobby oder Reichweite haben, bekommt die Öffentlichkeit wenig mit, dass Journalisten diesen Journalismus kritisieren.
Eine Branche gerät in Verruf und die, die dagegen protestieren, haben keine Stimme.

Man braucht dazu keine Nachrichtendienste, um so etwas prüfen zu können. Die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie es einfach gar nicht prüfen. Häufig würde schon ein Blick auf die Social Media Profile der Menschen reichen. Es wird ganz einfach unterlassen. Oder sogar wissentlich akzeptiert.
Das kann mehrere Gründe haben und ist meiner Meinung nach systemisch. Beispielsweise weil Menschen in den Redaktionen einen Bias haben und eher wohlwollend auf den Gazastreifen blicken. Beispielsweise weil sie sonst nichts zu berichten hätten. Beispielsweise, weil sie bei OSINT-Leuten Kontakthemmungen haben. Beispielsweise weil sie versuchen, das oben erklärte Bild von Journalismus durchzuhalten.

Und darum geht es. Um tatsächliche Transparenz.



Die Diskussion entstand diesmal durch einen von mir reposteten Kommentar von Wolfang Tietze.
Der liebe Herr Tietze ist ehemaliger Journalist (u.a. Spiegel), inzwischen Rentner, über 70 und recherchiert genau zu diesem Punkt gerade nebenbei. Noch detaillierter, als ich das als MilBlogger kann. Altes Handwerk, alte Schule.
Ich habe auch heute länger mit ihm telefoniert und ihm sehr gerne Hilfe und Plattform angeboten. Da wird demnächst sicher etwas kommen.

https://steady.page/de/u-m/posts/21149101-8161-4067-bd99-6ed4cb926afe (Si apre in una nuova finestra)
Argomento Medien und Politik

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