Ohne Musik, liebe Koapier-Community,
kommt die Cover-Version aus, die mich diese Woche beschäftigt - zumindest die ersten 85 Sekunden des Videos, das die Düsseldorfer Verkehrsgesellschaft zum 130sten Jubiläum in dieser Woche veröffentlicht hat (Si apre in una nuova finestra): zum Geburtstag covert die Rheinbahn die Toten Hosen.
85 Sekunden lang sprechen Fahrerinnen und Fahrer in Bussen und Bahnen den Text des Songs “An Tagen wie diesen (Si apre in una nuova finestra)” ehe der Refrain auch mit Musik eingespielt wird.
(Si apre in una nuova finestra)Mein Freund und Co-Autor Lucas von Gwinner schickte mir den Link zu dem Video als ich ihn bat für die heutige Koapier-Folge sein Lieblingscover vorzustellen. Ihm fielen nämlich viel zu viele Cover-Songs ein und er hatte offenbar einige Probleme, einen auszuwählen. Für welchen Song er sich schließlich entschieden hat, liest du weiter unten.
Lucas ist heute zu Gast, weil dieser Tage die Hörfassung unseres gemeinsamen Buchs “Macht Marke (Si apre in una nuova finestra)” erscheint, zu dem wir auch einen Newsletter haben (neue Folge am Freitag!).
In dem Buch gibt es ein Zusammenfassung dessen, was mich am Kopieren fasziniert. Weiter unten findest du den Auszug aus dem Buch.
Auf die gemeinsame Ko(a)pier-Begeisterung!
Dirk
P.S.: Der aktuell bekannteste Cover-Sänger von Tiktok (“Meine Mama hat gesagt”) hat übrigens auch eine Version von “An Tagen wie diesen” eingespielt. Mehr dazu am Ende dieses Kapitels, wo ich auch ganz aktuell das besondere Mr. Brightside-Cover ergänzt habe, das zur Amtseinführung des neuen Oberbürgermeisters der Stadt München gespielt wurde.
.png?auto=compress&w=800&fit=max&dpr=2&fm=webp)
911 (Si apre in una nuova finestra) - von Wyclef Jean in der Version von Kat Frankie und Francesco Wilking im Rahmen von TV Noir - ausgewählt von Lucas von Gwinner, Markenberater und Autor des Buchs “Macht Marke (Si apre in una nuova finestra)”
Wie (Si apre in una nuova finestra) soll (Si apre in una nuova finestra) ich (Si apre in una nuova finestra) mich (Si apre in una nuova finestra) bloß (Si apre in una nuova finestra) entscheiden (Si apre in una nuova finestra)?
Meine Lieblingscoverversion für euch ist Wyclef Jeans 911 gesungen im TVnoir Hauptquartier von Kat Frankie und Francesco Wilking (Si apre in una nuova finestra), weil sie so vieles vereint was ich liebe:
- Kat Frankies hinreißende Lässigkeit und Stimmgewalt
- Francesco Wilkings Musizierlust und Aberwitz (von seiner ‚Cover‘ Begriffsdeutung zu Beginn bis zum Beginner-Zitat am Schluss)
- diesen virtuosen Zauber des Moments, den nur Live-Musik erzeugen kann
- dass Tex mit seiner Marke TVnoir tatsächlich gelungen ist, ein Wohnzimmer der Singer/Songwriter zu bauen, dass so vielen vormals unbekannten Künstlern eine Startrampe bot und bietet
- und natürlich diese R’n’B-Ballade selbst, veröffentlicht im Jahr meines Abiturs und somit für mich auf ewig Trigger irrationaler Gefühlsduseleien.

(A1) Die Kopie ist eine historische Ungeheuerlichkeit, der digitale Urknall, der uns hilft all das zu verstehen, was wir als Digitalisierung bezeichnen. Diese Erkenntnis habe ich für das Buch Macht Marke (Si apre in una nuova finestra) so zusammengefasst:
Dass das Publikum aktiv geworden ist, ist die erste bedeutsame Veränderung dessen, was wir Digitalisierung nennen. Diese Aktivierung hat weitreichende kulturelle und gesellschaftliche Folgen, ihr Auslöser ist aber technischer Natur: Es ist die digitale Kopie.
Sie bildet die Grundlage all dessen, was wir Digitalisierung nennen. Um alle Aspekte des digitalen Wandels überblicken zu können, solltest du zunächst die digitale Kopie verstehen – also die Möglichkeit, erstmals in der Menschheitsgeschichte Inhalte quasi kostenfrei duplizieren zu können. Diese Veränderung hat nicht nur das Publikum zum Sender gemacht, es hat quasi nebenbei zentrale Geschäftsmodelle der Kultur- und Medienindustrie auf den Kopf gestellt. Der Inhalt wurde von seinem Träger gelöst und dabei sozusagen verflüssigt. Die digitale Kopie hat den Unterschied zwischen Vorlage und Vervielfältigung und das darauf basierende Geschäftsmodell zerstört. Die digitale Kopie hat aus der kulturellen Ausnahme eine alltägliche Selbstverständlichkeit gemacht. Den Kommunikations-Psychologen Paul Watzlawick kopierend, kann man sagen: Man kann nicht nicht kopieren.
Daraus folgen nicht nur völlig neue Perspektiven auf alle Ideen von Kreativität und Genialität, auch die Debatte über alles, was wir als Original oder originelle Marke verstehen wollen, wird um interessante neue Aspekte bereichert.
Das neue Ökosystem, das auf Basis der digitalen Kopie entsteht, ist unserer Einschätzung nach bisher nur in Ansätzen vermessen. Viele Bereiche dessen, was durch die digitale Kopie möglich wäre, sind bisher noch kaum realisiert. Wie Wissen auf diese Weise unabhängig vom Datenträger geteilt und damit vermehrt werden kann, siehst du auf Wikipedia. Die Enzyklopädie wäre ohne die digitale Kopie nicht möglich, sie basiert auf der Teilhabe der Vielen und ist ein sehr gutes Beispiel für die Vielzahl der Optionen, die sich aus der digitalen Kopie ergeben.
Um Marke auf gegenwärtige und vor allem zukunftsfähige Weise zu machen und zu führen, sollten alle Implikationen mitgedacht werden, die sich aus der digitalen Kopie und deren Folgen ergeben. Denn die Öffentlichkeiten und alle beteiligten Akteurinnen und Akteure befinden sich in einem durch die Digitalisierung beschleunigten Veränderungsprozess. Auf der Suche nach Orientierung in diesem Veränderungsprozess kann die Marke als Leuchtturm sehr hilfreich sein. Allerdings nur, wenn sich deine Marke in ihrer Kommunikation auch den Gegebenheiten anpasst, die die digitale Kopie im neuen Ökosystem der vielen Öffentlichkeiten ausgelöst hat.
Wer Antworten auf diese Fragen sucht, muss nicht jedem neuerlichen digitalen Hype hinterher hecheln, sondern kann grundlegende Entwicklungslinien erkennen – und diese bewerten. Wenn wir von der historischen Ungeheuerlichkeit der digitalen Kopie sprechen, wollen wir damit genau diese Dimension der Transformation beschreiben: die durch die Kopie ausgelöste Demokratisierung der Publikationsmittel hat eine neue Form der Kommunikationsgesellschaft eröffnet, die Read-Write-Society genannt wird. Diese neue Form der Öffentlichkeit gibt es nur im Plural. Sie hat ein anderes Bild von dem, was man als Inhalt oder Content bezeichnen kann. Das gilt übrigens für die Schlagworte ‘Metaverse’ oder ‘Künstliche Intelligenz’ genauso wie für die schon länger befeuerten Hypes wie ‘Social-Media’ oder ‘Beteiligungskultur’. All diese Trends (und ihre Folgen für unsere Idee der Öffentlichkeit) basieren auf der Idee der Kopie. Bevor wir diese Veränderungen im Detail beschreiben, müssen wir uns von zwei Ideen verabschieden, die eine gestaltende Haltung zur Zukunft der Kommunikation blockieren: Reklame und Kontrolle.
Mehr dazu im Buch Macht Marke (Si apre in una nuova finestra), das gerade auch als Hörbuch erschienen ist.

…der Tiktok-Account von @philliptheesfeld (Si apre in una nuova finestra) begeistert die deutschsprachige Netzkultur seit ein paar Tagen mit einer Cover-Version des Songs “Mama hat gesagt (Si apre in una nuova finestra)” (von Sido, SDP und Esther Graf). Über 10 Millionen Aufrufe hat seine Fassung bereits (Si apre in una nuova finestra) - und auch Esther Graf hat schon drauf (Si apre in una nuova finestra) reagiert.
Und um den Rahmen zum Anfang zu schließen: Phillip hat auch ein Cover von “An Tagen wie diesen (Si apre in una nuova finestra)” eingespielt.
Und unbedingt empfehlen will ich noch die Streicher-Version des Killers-Songs “Mr. Brightside” (Si apre in una nuova finestra), das bei der Amtseinführung von Dominik Krause als neuem Oberbürgermeister der Stadt München gespielt wurde - auf Wunsch von Krauses Lebensgefährten von dem Streicher:innen-Quartett der Münchner Philharmoniker.