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#22 | November 25: Wenn junge Männer sich mit Hammer ins Gesicht schlagen…

👋 Hallo ihr Lieben,

Letztens hab ich eine Werkstatt besucht. Es war ein Arbeits-Termin. Und was hing da? 🍑 Ein Nacktkalender. 😱
Ich war total penlich berührt, irritiert und natürlich wütend. Ich werde darüber in mein Wut-Tagebuch schreiben und euch ne Folge einsprechen – oder seh ich das zu eng?

Parallel arbeite ich an einer feministischen Filmanalyse von 🧜‍♀️Arielle – Die kleine Meerjungfrau (der allererste Kinofilm, den ich gesehen habe und mein Lieblings-Disneyfilm).

Außerdem plane ich eine Folge über das 🙅‍♀️ Adults-Only-Phänomen, denn ich wurde jetzt schon mehrmals nicht mit Kind in verschiedene Thermen reingelassen. Warst du auch schon mit Adults-Only-Zutrittsbeschränkungen konfrontiert?

📢 Bitte schreib mir an verbittert-mail@web.de (Si apre in una nuova finestra) was dich am meisten interssiert. Ich muss priorisieren – welche Folge soll ich zuerst fertig machen?

🍑 Pirelli-Kalender im Wut-Tagebuch
🧜‍♀️ Arielle unpacked
🙅‍♀️ Adults Only & Adultismus

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Hier sind meine Feministischen Tipps des Monats:

01

Im letzten Monat habe ich Mit Männern leben von Manon Garcia gelesen. Sie hat den Prozess in Avignon um die Vergewaltigung von Gisèle Pelicot verfolgt und denkt in diesem Buch über Mythen des Begehrens, Männlichkeitskonstruktionen und fundamentale Schwierigkeiten beim Verständnis von Vergewaltigung nach.

Ich brauchte dieses Buch. Vor allem, weil es eben nicht um True Crime geht. Es gibt keinerlei reißerische Schilderungen der Taten oder der Videos. Sondern die Autorin befasst sich vor allem mit der Frage, ob diese Männer, die im Prozess angeklagt waren, ob sie nun „normal“ sind oder krank. Wenn diese Verbrechen auf so breiter Ebene durch alle sozialen Schichten passieren und von Männern gedeckt werden, wenn sie sich massenhaft über Telegram oder Webforen über Vergewaltigungsfantasien austauschen, können wir dieses Verhalten dann pathologisieren? Und was meinen wir mit „normal“, wenn der feministsiche Diskurs längst davon ausgeht, dass Menschen durch brutale Rollenmuster so zugerichtet werden, die sie in ein System aus Dominanz und selbstgewählter Unterwerfung drängt.

Manon Garcia denkt aber auch intensiv über hartnäckige Mythen in Bezug auf unser Verständnis von Zustimmung nach oder was im juristischen Sinne als Vergewaltigung gewertet wird. Sie erklärt Hintergründe zum Justizsystem, die es so schwierig machen Prozesse gegen Vergewaltigung zu führen und die verständlich machen, warum die Höchstrafe in diesem Prozess bei 25 Jahren lag.

„In dieser Hinsicht ist es auffällig, dass sich einige Richter über die Unfähigkeit bestimmter Angeklagter wundern, auf den Videos eine Erektion zu bekommen: Niemand scheint es eher beruhigend zu finden, dass der Anblick der sedierten Gisèle Pelicot der Erregung im Wege steht. “ (S. 63)

02
The Myth of the Alpha Male - YouTube

Hast du schon die ARD Doku Shut up, Bitch – über die Manosphere (Si apre in una nuova finestra) in den Sozialen Medien und ihren Einfluss auf Teenager und junge Männer gesehen? Mir fehlt dabei die Einordnung zur sozialen Konstruktion von Männlichkeiten bzw. Gender. Ich bin nicht damit einverstanden, dass der Politikberater Johannes Hillje wieder das alte Lied singt von: „Junge Männer brauchen eine besondere Ansprache durch Partein.“ (00:37:40)

Damit wird immer wieder eine Art Sonder-Status von Männlichkeit legitimiert. Dabei ist genau dieser Anspruch auf männliche Privilegien das Problem.

Die ZDF Doku Looksmaxing (Si apre in una nuova finestra) zeig, wie die junge Generation mit immer rigideren Vorstellungen von Männlichkeit zugeballert wird – und wie sich traditionelle Rollenmuster mit Kapitalismus paaren.
Nun unterwerfen sich auch junge Männer dem Anpassungsdruck von Schönheitsidealen und Genderkonformität, indem sie kaufen, sich optimieren und leiden sollen.

Der Begriff Looksmaxing (dt. „das Aussehen verbessern“) stammt aus der Incel-Szene und basiert auf dem Irrglauben, dass Cis-Frauen nur auf gutaussehende „Alpha-Typen“ stehen und daher der männliche Erfolg unmittelbar mit Körpergröße, ausgeprägter Kieferpartie, Dominanz und Muskeln zusammenhängt.
In der Doku werden Jungen interviewt, die sich mit dem Hammer ins Gesicht schlagen, um ihre Knochenstruktur zu verändern, die Beta-Blocker zur Fettreduktion einnehmen, all ihr Geld in Fitness-Coaches/Influencer investieren – und deren Männlichkeitsbild das Tor zu massivem Frauenhass öffnet.

Wenn sich junge Männer mit einem Hammer ins Gesicht schlagen, um auszusehen wie Alpha-Männer, dann ist das die logische Konsequenz eines Systems, das Männlichkeit mit Macht verbindet.

Deswegen gehören heterobinäre Genderstereotype zur rechten Agenda – und sie müssen immer wieder verlernt, widersprochen und widerlegt werden.

Im Videoessay The Myth of the Alpha Male (Si apre in una nuova finestra)meines Lieblings-Youtube-Kanals @PopCultureDetective (Si apre in una nuova finestra) wird mit filmischen Belegen kompakt zusammengefasst, wie der Mythos des Alpha-Manns kulturell konstruiert ist – und mit biologistischen Theorien aufgeräumt.

3
DIE UNBEUGSAMEN 2 – GUTEN MORGEN IHR SCHÖNEN! – LILIE2A PR

In dem Dokufilm Die Unbeugsamen (Si apre in una nuova finestra) hat der Regisseur Torsten Körner den Sexismus im Bonner Bundestag thematisiert und mit erschreckenden Bildern belegt. Jetzt, im zweiten Teil, widmet er sich der Perspektive auf Frauen in der DDR – Die Unbeugsamen 2: Guten Morgen ihr Schönen. (Si apre in una nuova finestra)

Mich haben die Protagonistinnen sehr bewegt – vor allem, weil sich die Frau in der DDR zwischen Glorifizierung und Mythenbildung bewegt.

Einerseits spricht man den Arbeiterinnen im Sozialismus mehr Gleichberechtigung zu, als es im kapitalistischen Westen denkbar war – und noch heute ist das an der Infrastruktur von Kitas spürbar. Andererseits zeigt der Film, dass Frauen zwar in männlich konnotierten Berufsfeldern wie Landwirtschaft oder Maschinenbau Aufstiegschancen hatten, die gläserne Decke aber spätestens bei politischen Ämtern die Gleichberechtigung unterlief. Darüber hinaus berichten viele der Protagonistinnen von der ungleich verteilten Care-Arbeit, die auch trotz Ganztags-Kita an ihnen hängen blieb.

Beide Teile sind aktuell in der ZDF Mediathek verfügbar.

Bonus-Tipp
Anasyrma (Apotropaic Vulva Magic) is Making a Comeback | by Yvonne Owens,  PhD | Medium

Der kurze Beitrag von ARTE Flick Flack: Warum macht die Vulva Angst (Si apre in una nuova finestra) geht leider nur 5 Minuten. Ich hätte mir ne ganze Doku-Serie dazu angucken können, welche kulturhistorische Bedeutung das Entblößen der Vulva hat; warum sie als so angsteinflößend gilt und wie darin die Macht des Widerstands entdeckt werden kann.

Ich fand das Wort Vulva früher super-ekelig und dachte immer, das ist alles so kompliziert da unten und unübersichtlich. Dieser Ekel vor dem eigenen Genital dient aber eben auch der Unterdrückung. Und so sollten wir uns mit der Vulva anfreunden. Je mehr ich das Wort benutze und mich über das Organ informiere, (Si apre in una nuova finestra) desto mehr nutzt sich das Tabu darum ab.

Anasyrma (altgriechisch: sich die Kleider hochziehen, sich entblößen) bezeichnet das Entblößen des Genitals oder des Hinterns, um Lachen zu erregen oder in einem kultisch-magischen Zusammenhang, insbesondere als apotropäische Handlung (Si apre in una nuova finestra). So herrscht in den Mythologien zahlreicher Kulturkreise der Glaube vor, dass durch das selbstbestimmte Enthüllen der Vulva Unheil abgewendet werden kann.[1] (Si apre in una nuova finestra) Heutzutage hat ein Anasyrma vor allem eine politisch-ermächtigende Wirkung.

Bleibt unbequem. Eure Susi!

Alle Folgen nach dem Thema in Spotify-Playlists sortiert zum orientieren, weiterleiten und empfehlen 👉

🎙️ Wut & Widerstand (Si apre in una nuova finestra)

🎙️ Care-Arbeit & Mutterschaft (Si apre in una nuova finestra)

🎙️ Popkultur & Patriarchat (Si apre in una nuova finestra)

🎙️ Toxische Männlichkeit (Si apre in una nuova finestra)

🎧 Die nächste Folge von VERBITTERT TALENTLOS erscheint am Do 13. Nov 25

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