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#17 | Juli 25: Ästhetisierung von Unterwerfung

👋 Hallo ihr Lieben,

Nicht mehr lange und es erscheint die 50. Folge Verbittert Talentlos. 🎉 Ein Riesen-Meilenstein für mich und weil beständig neue Hörer:innen dazu kommen, habe ich alle Folgen nach thematischen Playlists in Spotify sortiert . Ein kleiner Service zum orientieren, weiterleiten und empfehlen

👉 Ab sofort: Wut & Widerstand (Si apre in una nuova finestra)/ Care-Arbeit & Mutterschaft (Si apre in una nuova finestra)/ Popkultur & Patriarchat (Si apre in una nuova finestra)/ Toxische Männlichkeit (Si apre in una nuova finestra)

Ansonsten arbeite ich gerad an einer Folge ßber die globale Megaseller-Drachreiter-Buchreihe von Rebecca Yarros. Eine Freundin hatte mir davon erzählt und fährt voll drauf ab. Ich frag mich, warum trifft Romantasy aktuell so einen Nerv? Lässt sich das feministisch lesen und wie werden hier Gender dargestellt? Und werden eigentlich nur juicy Romane als Smud bezeichnet, wenn sie von Autorinnen geschrieben wurden?

Die Folge kommt im Herbst, du kannst also noch auf den Zug aufspringen und dir die kanpp 800 Seiten Fourth Wing mit den Urlaub nehmen. 🧐

📢 Hast du schon was von dem Phänomen mitbekommen oder liest du selbst begeistert oder kritisch die Drachenreiterreihe? Was erwartest du von der Dragon-Smud-Folge im Verbittert Podcast? Schreib mir gern an: verbittert-mail@web.de (Si apre in una nuova finestra)

Hilf mir, Verbittert Talentlos noch besser zu machen!

Hast du Lust, Verbittert Talentlos mitzugestalten? Teile mir in 5 Minuten dein Feedback mit und hilf mir, den Podcast weiterzuentwickeln! 👉 Hier geht's zur Umfrage (Si apre in una nuova finestra). Danke dir! ❤️

Hier sind meine FLINTA-Highlights des Monats:

01

Wenn dir die 🎙️ Folge über Postfeminimus (Si apre in una nuova finestra) gefallen hat, dann wird dich auch dieses Buch interessieren.

In Girl vs. Girl geht die Autorin Sophie Gilbert chronologisch und sehr detailliert durch die popkulturellen Meilensteine von den 90ern bis heute. Anhand medialer Frauenbilder – etwa in American Pie, The Simple Life oder Popstars – zeigt sie, was sich in unsere Teenagerseelen eingeschrieben hat, woran wir uns orientiert haben und wie internalisierte Misogynie in uns eingesickert ist.

Wie so oft ärgere ich mich, dass ich dieses Buch erst nach meiner Folge gelesen habe, weil der Aspekt der Sexualisierung von „Girls“ nicht nur problematische Schönheitsideale produziert und den Fokus auf männliches Begehren richtet, sondern – wie Sophie Gilbert schreibt – auch die „Kultur des Begehrens beeinflusst“ . (S.192)

Der englische Originaltitel des Buches lautet Girl on Girl – ein kaum merkbarer, aber bedeutungsvoller Unterschied. Denn dieser Ausdruck heißt nicht nur „Mädchen gegen Mädchen“, sondern ist auch eine gängige Pornokategorie. Gilbert untersucht in ihrem Buch, wie sich Pornografie und Mainstream wechselseitig beeinflussen. Wenn Blockbuster wie Hostel (2005) plötzlich Splatter, Horror und Erotik verbinden, müssen sich Pornos davon abgrenzen – indem sie noch extremer in der Verbindung von Gewalt und Sex werden, was sich dann wiederrum normalisiert und in der Popkultur ästhetisiert wird, wie aktuell auch an dem Albumcover von Sabrina Carpenter (Si apre in una nuova finestra) zu sehen.

Dass Demütigung, Dominanz und Gewalt gegenüber Frauen mit Sex und Begehren verknüpft wird, ist doch kein Kink. Wir sehen das überall und ständig. Für Frauen entsteht daraus ein Widerspruch: begehrlich zu sein, indem sie sich unterordnen, jedoch ohne dabei als Schlampe stigmatisiert zu werden. Die Ästhetik der Unterwürfigkeit (Si apre in una nuova finestra) folgt immer einer männlich geprägten Bild- und Kulturtradition.

Zum Thema Empowerment weiblicher Sexualität und die gleichzeitige Objektifizierung, Slutshaming und Sexismus der Postfeminismus-Ära kann ich dir diesen tollen Artikel in der ZEIT empfeheln 👇

02

Die HBO-Serie I May Destroy You ist schon fünf Jahre alt. Ich habe unzählige Empfehlungen bekommen, aber mich lange nicht herangetraut – weil es ein Schwarzes, queeres Vergewaltigungsdrama ist. Das klingt erst einmal nach schwerer Kost. Aber: Ich habe diese Serie geliebt – und zwar wegen ihrer Protagonistin Arabella.

Mit ihren Tweets über Chronicles of a Fed-Up Millennial hat es Arabella geschafft, bei einem Verlag unter Vertrag zu kommen und gilt als Stimme ihrer Generation. Arabella ist ein Party-Girl, sie nimmt zu viele Drogen, ist verliebt, lustvoll, kreativ, mutig, stark, unbequem – manchmal selbstzerstörerisch. Manchmal hasst man sie. Manchmal versteht man ihre Entscheidungen nicht. Und manchmal möchte man so sein wie sie.

Ich finde es großartig, Figuren zu sehen, die inspirierend sind und trotzdem Makel haben – keine perfekten Heldinnen, sondern komplizierte, vielschichtige, ambivalente Charaktere.

Was ich außerdem sehr geliebt habe an der Serie, ist der Wechsel zwischen lapidaren Alltagsdialogen und der literarischen Sprache, die Arabella als Autorin mitbringt.

So gibt es zum Beispiel diesen unglaublichen klugen Monolog (Episode 08) über den schmalen Grat der Übergriffigkeit (👉 @youtube) (Si apre in una nuova finestra):

„Bob denkt, das ist alles ein bisschen übertrieben, diese ganze Geschichte mit der Zustimmung geht zu weit. Und er ist von seiner Meinung überzeugt, weil er glaubt, er habe die Grenzen, über die Frauen reden, genau erkundet. Bob hat – auf seiner persönlichen Reise durch Grenzen und Körper – die Linie gefunden, die ihn trennt von allem anderen. Er hat sich die Linie genau angeschaut und geht auf Zehenspitzen auf ihr, und Bob hat herausgefunden, genau am Rand zu stehen, genau auf der Linie: weder hier noch dort, weder das eine noch das andere, und dort – in diesem grauen Raum, wo nichts ganz eindeutig ist – kann niemand wirklich Klarheit haben. An diesem schmalen Grat, wo Regeln, Klarheit und Gesetze verschwimmen wird er uns ganz genau erklären, was er meint mit: Übergriff.“

Sorry für die mittelmäßige Übersetzung. Du kannst den Originaltext 👉 hier (Si apre in una nuova finestra) lesen.

3

Bei @avelynschiebtfilme (Si apre in una nuova finestra) bin ich auf eine Rezension des Netflix-Films Straw gestoßen.

Straw ist wie eine intersektional-feministische Antwort auf Falling Down – Ein ganz normaler Tag von 1993, in dem Michael Douglas einen geschiedenen, plötzlich arbeitslosen Gutmenschen spielt, der durch eine Verkettung ungünstiger Ereignisse den schlimmsten Tag seinen Lebens durchlebt und schließlich zum Amokläufer wird.

In beiden Filmen sind die Hauptfiguren einsam, sie verlieren die ihren Job, in beiden Filmen laufen sie Amok und doch wirkt Falling Down zynisch, wenn man den Alptraum der alleinerziehenden Mutter Janiya miterlebt, die von Armut, Rassissmus und Sexismus betroffen ist, und der vom System quasi die Luft abgeschnßrt wird. Das Spiel ist so intensiv und kÜrperlich, dass wir tatsächlich das Gefßhl bekommen, die Protagonistin wßrde verzweifelt versuchen, durch einen Strohalm zu atmen. @avelynschiebtfilme (Si apre in una nuova finestra) sagt dazu:

„Die tragischen Ereignisse in diesem Film sind sehr übertrieben, doch das Reale liegt nicht in der Handlung, sondern in der Gefühlswelt, in die wir hineingezogen werden.“

Die verschiedenen Formen der Diskriminierung, die wir in diesem Film sehen, sind leider fßr viele Menschen keine Fiktion, sondern gehÜren zu ihrer Lebensrealität und sie sind Teil des Patriarchats.

Während Falling Down fragile Männlichkeit als Ausnahmezustand inszeniert und in eine bßrgerliche Gewaltfantasie ßbersetzt, verweist Straw auf einen strukturellen Erstickungsmechanismus des Patriarchats, der besonders FLINTA of Color betrifft.

Bleibt unbequem. Eure Susi!

🎧 Die nächste Folge von VERBITTERT TALENTLOS erscheint am Do 10.07.25 | 49. Gebären im Gefängnis – was der Film VENA über Misogynie erzählt

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