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Bezirksvertretungssitzungen sind selten Spektakel – aber sie zeigen ein Gesicht der Politik, die ja sonst nur selten vor den Vorhang geholt wird. Am 18. September tagte die Bezirksvertretung in der Inneren Stadt. Wir haben die wichtigsten Themen für dich herausgezogen.

Das erwartet dich in dieser Ausgabe:
Bezirksvertretung Innere Stadt: Budget, Fiaker und Lueger-Denkmal
Singerstraße 2–6: Anträge zu Parkplätzen und Telefonzellen
Ring-Radweg: Der Grünen-Antrag im Überblick
Bezirksvertretungstermine 22.–28. September: Uhrzeiten & Livestreams
Kulturtipps: [AR]TWALK Favoriten, SLASH Filmfestival, Kunstfestival „grundstein“
Worum geht es im 1. Bezirk?
Es heißt sparen - an allen Ecken. 274.000 Euro weniger bekommt der 1. Bezirk im kommenden Jahr – so die Rechnung von Mag. Gregor Raidl (ÖVP), Klubobmann. Er spricht von einer massiven Kürzung der ohnehin notorisch unterfinanzierten Bezirksbudgets. Schon beim dritten Dezentralisierungsschritt Ende der 1990er-Jahre hätten die Bezirke nicht das versprochene Vierfache an Mitteln bekommen, sondern nur die Hälfte. Jetzt also wieder weniger.
Die SPÖ kontert: keine Kürzung, sondern ein Einfrieren. Sprich: kein Minusbudget, sondern das Aussetzen der Inflationsanpassung. Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Lucia Grabetz, MA (SPÖ) betont, es müsse nun eben überall gespart werden, aber möglichst nicht bei Bildung, Spielplätzen oder Kindergärten. Es gehe darum, gemeinsam zu priorisieren und Verantwortung zu tragen.
Im Großen und Ganzen verläuft die Sitzung freundlich – hier und da ein Schmunzeln über Missverständnisse, aber die Fronten bleiben klar. Kommen wir zu den Themen.
Vom Stepp- zum Turnschuh – nur für Pferde

Ein Vorschlag zur Einsparung kam von ÖVP, Grünen und NEOS: Fiaker ohne Kunststoffhufe sollen künftig nicht mehr am Stephansplatz oder Michaelerplatz stehen dürfen. Begründung: Das Eisen beschädigt das historische Pflaster, die jährlichen Sanierungen kosten Hunderttausende.
Die FPÖ dagegen: Tierwohl vor Pflastersteinen. Kunststoffhufe müssten öfter erneuert werden, das sei eine Belastung für die Tiere.
Grüne ergänzen: Eigentlich gehöre die Frage anders gestellt – was haben Fiaker überhaupt noch im Zentrum einer Großstadt verloren?
Mag. Gregor Raidl (ÖVP) verwies auf Studien der Veterinärmedizinischen Universität: Kunststoffhufe seien für Pferde keineswegs schlechter, teils sogar gelenkschonender. Außerdem gebe es seit Jahren eine Förderung für Fiaker, die auf Kunststoffhufe umstellen wollen – nur werde sie kaum genutzt.
Bemerkenswert: Die Förderung existiert (Si apre in una nuova finestra), doch im Netz führt der Link zum Antragsformular ins Leere. 404.

Der Antrag wurde angenommen – gegen die Stimmen der SPÖ, die einen Verweis in die Kommission gefordert hatte, und gegen die FPÖ.
Lueger-Denkmal: FPÖ will Kippung verbieten – Grüne kontern scharf

Kaum ein Symbol spaltet Wien so sehr wie das Denkmal für den antisemitischen Bürgermeister am gleichnamigen Platz. Die FPÖ brachte einen Antrag ein, der die „Kippung“ des Denkmals per Beschluss verbieten sollte. Im Antrag selbst war auch von der „politischen Willkür der Grünen“ die Rede. Begründung: Denkmäler seien Kunstwerke und dürften nicht für politische Zwecke missbraucht werden.
Die Grünen reagierten scharf. Alexander Hirschenhauser, Klubvorsitzender GRÜNE, stellte klar: Von „politischer Willkür“ könne keine Rede sein – schließlich seien die Grünen im Bund, in der Stadt und im Bezirk gar nicht in Regierungsverantwortung. „Wie sollen wir also Willkür ausüben?“ fragte er und hängte nach: „Warum macht ihr das?“. Es war eine rhetorische Frage, die im Saal nachhallte.
Die FPÖ hielt dagegen: Man sehe das eben so. Dass die Grünen nicht zustimmen würden, sei ohnehin klar gewesen.
Die Abstimmung fiel deutlich aus: Nur die FPÖ stimmte zu, alle anderen Fraktionen lehnten ab.

Die Platane hinter dem Denkmal
Hinter dem Lueger-Denkmal steht eine mächtige Platane, geschützt als Naturdenkmal Nr. 756. Doch ob der Baum selbst geschützt ist, wenn am Fundament des Denkmals herumgeschraubt wird, weiß niemand so genau. Ein Gutachten der KÖR GmbH zu den möglichen Folgen gibt es – nur einsehen kann es bis heute niemand. Die Grünen wollen Klarheit und fordern mit ihrem Antrag, dass die zuständige Stadträtin das Gutachten dem Umweltausschuss der Stadt zur Verfügung stellt. Bis dahin bleibt unklar, ob die Arbeiten am Denkmal auch die Platane gefährden könnten.
Singerstraße 2–6: Parkplatz-Wunsch
FPÖ wollte zwischen den Hausnummern 2 und 6 zusätzliche Bewohnerparkplätze schaffen.
Gregor Raidl (ÖVP, Klubobmann) erinnerte an das gemeinsame Stellplatzkonzept und warnte vor Schnellschüssen:
„Es geht nicht so, wie sich das vielleicht manche vorstellen: Ich wohne dort oder da wohnt jemand, den ich kenne, und da wünsche ich mir jetzt Bewohnerparkplätze vor der Tür. So funktioniert das leider nicht.“
Er erklärte, dass es eine Stellplatzerhebung brauche, die nachweist, dass im Grätzel tatsächlich Bedarf besteht. Außerdem seien dort Ladezonen, Schanigärten und Radständer – einzelne Parkplätze dazwischen würden keinen Sinn machen.
Ergebnis: Der Antrag fand keine Mehrheit, die Bezirksvertretung lehnte ihn ab.


Ebenfalls von der FPÖ (Brunner-Blasek) kam der Antrag, die beiden alten Telefonzellen bei Nr. 2 der Singerstraße zu sanieren und von Unrat zu befreien.
Hier gab es keine große Debatte. Der Antrag wurde ohne Gegenrede einstimmig in die Bezirksentwicklungs- und Gestaltungskommission verwiesen, um dort weiter behandelt zu werden.
Ring-Radweg: Großbaustelle für fünf Jahre?
Die Grünen haben einen ganzen Wunschzettel für den Ring-Radweg eingebracht. Ziel: sicherer, klarer, grüner. Der Antrag liest sich fast wie eine Bauanleitung für eine bessere Stadt. Gefordert werd:
Entflechtung von Geh- und Radweg (Radler hier, Fußgänger dort – nicht alle am selben Fleck).
Nebenfahrbahnen als echte Zwei-Wege-Fahrradstraßen, notfalls baulich getrennt.
Ladezonen & Hotelzufahrten nur noch im unbedingt nötigen Ausmaß, Lieferverkehr zeitlich einschränken.
Keine Stellplätze mehr in den Nebenfahrbahnen.
Querungen für Fußgänger:innen durchgehend und sicher, mit Ampeln oder Zebrastreifen.
Bevorrangung von Öffis, Fuß- und Radverkehr durch bessere Ampelschaltungen.
Umsetzung in Etappen, am besten gleich mit anderen Baustellen mitmachen.
Fertigstellung in spätestens fünf Jahren.
Am Ende wurde der Antrag in die Verkehrs- und Wirtschaftskommission verwiesen. Ob der Ring-Radweg damit tatsächlich schneller kommt – oder einfach nur weiter diskutiert wird – bleibt offen.
Bezirksvertretungssitzungen (22.–28. September 2025)
Diese Woche stehen zahlreiche Sitzungen auf dem Programm. Wir können nicht alle im Detail begleiten. Wenn dich ein bestimmter Bezirk besonders interessiert, lass es uns wissen.
Dienstag, 23.09.2025
5. Bezirk – Margareten — 17:30 Uhr Livestream (Si apre in una nuova finestra)
Mittwoch, 24.09.2025
8. Bezirk – Josefstadt — 17 Uhr Livestream (Si apre in una nuova finestra)
9. Bezirk – Alsergrund — 17 Uhr Livestream (Si apre in una nuova finestra)
10 Bezirk – Favoriten — 17 Uhr Livestream (Si apre in una nuova finestra)
13 Bezirk – Hietzing — 18 Uhr Livestream (Si apre in una nuova finestra)
14 Bezirk – Penzing — 16 Uhr Livestream (Si apre in una nuova finestra)
22. Bezirk – Donaustadt — 16 Uhr Livestream (Si apre in una nuova finestra)
Donnerstag, 25.09.2025
4. Bezirk – Wieden — 17 Uhr Livestream (Si apre in una nuova finestra)
16. Bezirk – Ottakring — 16 Uhr Livestream (Si apre in una nuova finestra)
18. Bezirk – Währing — 16:30 Uhr Livestream (Si apre in una nuova finestra)
23. Bezirk – Liesing — 17 Uhr Livestream (Si apre in una nuova finestra)
Freitag, 26.09.2025
12. Bezirk – Meidling — 15 Uhr Livestream (Si apre in una nuova finestra)
SLASH Filmfestival 2025
Das fantastischste Festival des Fantastischen Films
Vom 18. bis 28. September verwandelt sich Wien wieder in ein Mekka für den Fantastischen Film. Das SLASH Filmfestival ist Österreichs größtes Festival dieser Art und lockt jedes Jahr rund 15.000 Besucher*innen an. Elf Tage lang gibt es über sechzig österreichische Erstaufführungen – von Independent-Produktionen bis zu Blockbustern, dazu Klassiker, Performances, internationale Gäste und detailverliebtes Festival-Design. Spielorte sind das Filmcasino, das Metro Kinokulturhaus und das Gartenbaukino, wo sich die Welt des Fantastischen Films weit über die Leinwand hinaus entfaltet.
Neben Klassikern, wie FREAKS von 1932, gibt es eine Vielzahl an neuen Horrorstories zu sehen. Wie zum Beispiel HotSpring SharkAttack.
(Si apre in una nuova finestra)[AR]TWALK Favoriten – Stadterkundung mit AR und Sound
Wie klingt ein Bezirk, wenn man genau hinhört? Der [AR]TWALK in Favoriten verbindet Hörspaziergang, Stadterkundung und virtuelle Ausstellung. Mit Smartphone und Kopfhörern erleben Besucher:innen Interviews, Beats, Operngesang und Augmented-Reality-Kunstwerke, die Straßen, Märkte und Plätze in eine begehbare Bühne verwandeln.
Hier geht es zur Anleitung, wie du den [AR]TWALK Favoriten virtuell vor Ort erleben kannst. Du findest in der Map von Artificial Museum noch viel mehr Kunst, die in ganz Wien verteilt ist.


Die Route führt vom Reumannplatz über die Favoriten- und Quellenstraße, durch den Viktor-Adler-Markt bis zur Brotfabrik und macht Stimmen von Jugendlichen, Frauen und Anrainer:innen hör- und sichtbar.

Das Projekt wurde im Rahmen des Festivals FAVORITE FALL (15.–20. September) präsentiert und bleibt auch danach dauerhaft zugänglich: Wer will, kann den Walk jederzeit individuell mit dem Handy erleben – kostenlos und ohne App, über die browserbasierte Favoriten Map.

Kunstfestival „grundstein“ – MUSAO Museum auf Abwegen Ottakring

Vom 27. September bis 11. Oktober 2025 wird die Grundsteingasse in Ottakring zur Flaniermeile für Kunst: Animation, Installation, Malerei, Sound, Skulptur, Design, Projektion, Performance, Fotografie, Film/Video und Literatur treffen hier aufeinander. Eröffnet wird am Samstag, 27. September ab 18 Uhr – die Gasse wird dafür zur Fußgängerzone, begleitet von Performances, Konzerten und Aktionen im öffentlichen Raum. Danach sind die Ausstellungen jeweils Mi–Sa von 17–20 Uhr geöffnet, die Finissage steigt am 11. Oktober ab 17 Uhr.
„grundstein“ ist eine von Künstler*innen organisierte Ausstellungsreihe, die Ateliers, Projekträume und Galerien der Grundsteingasse verbindet – von einstigem „No-Go“ bis zur lebendigen Kunstachse.
Bis nächste Woche wünsche ich dir eine gute Zeit!
Alexandra Folwarski
Herausgeberin, Wiener Flaneur