Leute, ich habe endlich einen neuen Blogpost für euch! Ich stelle ihn dieses Mal nicht als Audio-Datei zur Verfügung, da meine Stimme immer noch heiser und unzuverlässig ist aufgrund meiner Intubierung. Ich freue mich aber sehr, wenn du ein Abo (Abre numa nova janela) da lässt. Die nächsten Woche habe ich viel Zeit zum Schreiben, es wird also noch einiges folgen.
(Abre numa nova janela)Die Tür geht auf, eine junge Frau mit Kopftuch und schönem Makeup tritt ins Zimmer.
Sie trägt ein Tablett mit Spritzen und Kanülen.
"Guten Morgen Frau Smoor, ich bin hier, um Ihnen Blut abzunehmen."
Ich stöhne innerlich auf. Nadeln in meinem Körper sind mein Endgegner. Schon aus diesem Grund hätte es nie zu einer Junkie-Karriere gereicht. Auch nach dem 100. Mal Blutabnehmen kann ich mich nicht daran gewöhnen. Ich kämpfe doch schon damit, dass ich in jedem Handrücken einen Zugang und im Bauch eine Drainage liegen habe!
Die junge Frau nimmt routiniert meinen rechten Arm, klopft ihn ab und fragt: "Was bedeutet denn ihr Tattoo?"
Sie sticht in meinen Arm, in meinem Herzen sticht es auch.
Ich erzähle mit zusammengebissenen Zähnen. Dass ich es mir nach dem Tod meines Vaters stechen ließ. Dass der Hut sein Markenzeichen war. Und dass seine letzten Worte an mich so lauteten: Gott behüte dich.
Die junge Frau schaut auf, ihre Augen schimmern.
"Oh wie schön! Aber auch so schwer. Es tut mir sehr leid. Mein Vater ist vor vier Jahren gestorben."
Ich rechne schnell nach. Da müsste sie ungefähr Anfang 20 gewesen sein.
"Mir tut es auch leid. Sie hatten ihn sehr gern." Das ist keine Frage, sondern eine Feststellung. Ich sehe ihr die enge Verbindung zu ihrem Vater an.
"Ja. Die Trauer ist immer noch schlimm. Sie wird zwar leichter, aber ich vermisse ihn jeden Tag."
Sie zieht die Kanüle aus dem Arm, klebt ein Pflaster auf die Einstichstelle. Ein kleiner blauer Fleck wird zurückbleiben.
Am nächsten Tag gehe ich nach Hause. Werde vorzeitig entlassen, weil ich so ein verdammter Overachiever bin.
Ich sehe die junge Pflegerin mit Kopftuch nicht wieder.
Ich bin operiert worden, zum zweiten Mal in diesem Jahr, das ich mir eigentlich ganz anders vorgestellt hatte. Aber so ist es ja oft: Du machst Pläne und das Leben grätscht dazwischen.
(Abre numa nova janela)