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Wie ich auszog, den Putlitzer Preis zu gewinnen

Hast du auch erst was anderes gelesen? Wenn ja, ging es dir wie mir. “Was??”, dachte ich, als ich letzten Herbst den Aufruf im Newsletter der Autorenwelt sah. “Ich kann mich mit einem Text um den Pulitzer Preis bewerben? Wie kann das sein?" Ich setzte die Brille auf. “Aah, Putlitzer (Abre numa nova janela)!”. Kleines t, großer Unterschied. Trotzdem war meine Neugier geweckt.

Ich ging der Sache nach und fand eine Ausschreibung unter dem Motto Sollbruchstelle (Abre numa nova janela). Die war ja wie für mich gemacht! Sogar humorvoll durften die eingereichten Texte sein, was bei Wettbewerben nicht allzu oft vorkam meiner bescheidenen Erfahrung nach. Humor und literarischer Anspruch schienen sich aus mir unerfindlichen Gründen in der Regel auszuschließen. Umso mehr wollte ich hier mitmachen.

Das Brainstorming begann. Was hatte eine Sollbruchstelle? Wie konnte ich das Wort humorvoll, vielleicht sogar doppeldeutig auslegen? Als Job vielleicht? Das war die Idee! Und die Gelegenheit, mal augenzwinkernd über Texte zu schreiben, die oft viel sagten, aber selten konkret wurden.

Dunkle und weiße Schokolade übereinander gestapelt. Foto von Christine Piontek für die Piontextchen.
Hat nicht nur eine, sondern ganz viele Sollbruchstellen: Schokolade

In 999 von 1.000 erlaubten Wörtern machte ich einen Vorschlag, wie es besser gehen konnte. Schrieb eine Geschichte, in der sich Schokoladen-Chef Fiedler Gedanken über eine Stellenanzeige macht, die mehr zu bieten hatte als Wasser und einen Obstkorb. (Was beim Fachkräftemangel echt wichtig ist!)

Ich schickte die Geschichte ab. Dann widmete ich mich den Logfiles von Osiris (Abre numa nova janela) und veröffentlichte mein zweites Buch. Herr Fiedler geriet in Vergessenheit.

Erst im April fiel mir der Wettbewerb wieder ein. Und tatsächlich: Die Shortlist war mittlerweile veröffentlicht worden. Leider war Herr Fiedler nicht dabei. Schade! Aber ich kann nun wohl mit Fug und Recht behaupten, dass ich noch nie näher dran war am Pu(t)litzer Preis. 😉

Ich werde dieses Jahr einfach wieder mitmachen, wenn ich kann. Denn ich liebe es, auf ein Stichwort hin zu schreiben – wie du an den Piontextchen gemerkt haben dürftest. Deshalb finde ich auch, dass meine Geschichte gut hierhin passt. Nachdem der Beitrag wegen der Teilnahmebedingungen bis einschließlich Juni unter Verschluss gehalten werden musste, darf ich ihn nämlich jetzt veröffentlichen. Und weil ich Geburtstag habe, schmeiße ich ne Runde und schenke ihn meinen Mitgliedern als Piontextchen außer der Reihe.

Also, machen wir’s wie Herr Fiedler:

Herr Fiedler lässt es krachen

Herr Fiedler presste Daumen und Mittelfinger an die Nasenwurzel, kniff die müden Augen zusammen und atmete tief ein. „Frau Schreiber!“, hörte er sich selbst rufen. Kurz darauf erschien seine Sekretärin im Türrahmen.

„Frau Schreiber, Sie haben mir hier den Entwurf der neuen Stellenanzeige aus der Personalabteilung vorgelegt.“ Herr Fiedler kam direkt zum Punkt. „Würden Sie sich bewerben? Bitte seien Sie ehrlich!“ Frau Schreiber zuckte mit den Schultern. „Nun ja, ich ...“

„Frau Schreiber, das liest doch kein Mensch!“, fiel Herr Fiedler ihr ins Wort. „Und wenn, dann juckt es keinen. Sonst hätten sie uns doch nach dem letzten Inserat die Bude eingerannt!“ Herr Fiedler machte eine kurze Pause, überflog die Zeilen und griff sich an den Kopf. „Hier: ‚Seit 50 Jahren setzen wir Maßstäbe in der Herstellung geschmacksvollendeter Premium-Schokoladenerzeugnisse, die sich rund um den Globus größter Beliebtheit erfreuen. Unsere vielfach ausgezeichneten Pralinen bestechen durch höchste Qualität. Bei der Fertigung von Hand durch unsere erfahrenen Mitarbeiter*innen kommen nur edelste Rohstoffe zum Einsatz.‘ Und so weiter und so fort. Wen soll das ansprechen? Mir selbst ist ja beim Lesen fast der Kopp auf die Tischplatte geknallt, und ich liebe diese Firma!“

Tópico Piontextchen

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