(Abre numa nova janela)Es ist zwar schon ein paar Wochen her, doch es lohnt sich immer noch ein Blick auf die gemeinsamen KI-Richtlinien von ARD, ZDF, Deutschlandradio und Deutscher Welle.
Außerdem klären wir, wie wir die KI dazu bringen, nicht zu allem, was wir eingeben, Ja und Amen zu sagen.
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Dein Patrick

Der KI-Kodex der Öffentlich-Rechtlichen: Die wichtigsten Punkte
Die ARD, ZDF, Deutschlandradio und Deutscher Welle haben vor Kurzem einen gemeinsamen KI-Kodex veröffentlicht. Viel Neues steht dort nicht drin, dennoch lohnt sich ein Blick darauf, wo es beim Thema KI für die Öffentlich-Rechtlichen hingeht.
Was steht drin? Der Kodex fasst den Umgang mit KI in einigen Grundsätzen zusammen. Und die sind (zum Glück) nicht nur Technik-Buzzwords, sondern ziemlich nah dran an den Fragen, die wir alle gerade in Redaktionen und Kommunikationsteams haben: Was darf KI? Was soll KI? Und wer trägt am Ende die Verantwortung?
1) KI nur, wenn sie wirklich Mehrwert bringt
Der vielleicht wichtigste Satz gleich am Anfang: KI nicht zum Selbstzweck. Sondern nur dann, wenn sie hilft, den Auftrag besser zu erfüllen, z. B. Prozesse zu beschleunigen oder Zugänge zu Inhalten zu verbessern. Klingt banal, ist aber in der Praxis ein guter Filter gegen Tool-Hopping und Aktionismus (“Wir machen das jetzt auch mit KI”).
2) Personalisierung ja - aber mit Blick auf Vielfalt (und gegen Filterblasen)
Die Öffentlich-Rechtlichen koppeln Personalisierung ausdrücklich an den Anspruch, Vielfalt und den Informations- bzw. Unterhaltungswert zu stärken. Und sie nennen zugleich die Kehrseite: Filterblasen sollen vermieden werden.
3) Redaktionelle Kontrolle + Transparenz: “Human in the Loop”
Hier wird’s richtig deutlich: Die publizistische Verantwortung liegt beim Menschen, nicht beim System. Und: KI-Einsatz soll nach transparenten Regeln gekennzeichnet werden. Das ist im Grunde der Kern journalistischer KI-Governance in einem Satz: KI kann unterstützen, aber nicht “entscheiden” und nicht “unbemerkt” publizieren.
4) KI- und Datenkompetenz: Qualität beginnt bei den Daten
Ein Punkt, der oft untergeht, aber extrem wichtig ist: Die Häuser wollen auf Integrität und Qualität der Daten achten. Und sie wollen bei (Weiter-)Training/Fine-Tuning eher Modelle bevorzugen, bei denen die Trainingsdaten transparenter sind. Außerdem: Mitarbeitende sollen gezielt geschult werden. Das zeigt: “KI kann alles” ist nicht die Strategie, Kompetenzaufbau schon.
5) Austausch statt Alleingang
ARD, ZDF, DLF und DW wollen bei KI-Anwendungen gemeinsam entwickeln, bewerten und Wissen teilen und explizit auch mit Wissenschaft und anderen Partnern kooperieren. Das ist pragmatisch: KI ist teuer, schnelllebig und komplex. Niemand muss (und sollte) das Rad allein neu erfinden.
6) Nachhaltigkeit: Energieeffizienz als Kriterium
Und ja: Auch das kommt vor. Energieeffizienz soll bei Training und Einsatz eine Rolle spielen. Das ist ein kleiner Absatz aber ein wichtiges Signal, dass KI nicht nur “kann”, sondern auch “kostet” (Ressourcen, Energie, Budget).
Warum das gerade jetzt wichtig ist
Der Kodex erscheint genau in dem Moment, in dem KI in vielen Redaktionen vom Experiment zur Routine wird. Und sobald KI Routine wird, braucht es Leitplanken. Nicht weil man KI “misstraut”, sondern weil man journalistische Qualität ernst nimmt.
Was ich gut finde: Der Kodex setzt nicht nur auf “Verbote”, sondern auf Haltung + Prozess: KI darf unterstützen, aber der Mensch bleibt der Verantwortliche. Das ist realistisch - und deutlich hilfreicher als ein pauschales ja oder nein.
25.02.2026, 18–20 Uhr
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Schluss mit dem KI-Ja-Sager: So wird KI dein kritischer Sparringpartner
Viele KI-Modelle haben einen Reflex: nett sein, zustimmen, helfen. Das fühlt sich angenehm an, ist aber gefährlich, wenn du Fakten prüfen willst. Denn eine “unterwürfige” KI nimmt deine Prämissen oft einfach an, statt sie zu hinterfragen. Ergebnis: Bestätigungsfehler, und im schlimmsten Fall Halluzinationen, die sich wie ein Faktencheck anfühlen.
Die gute Nachricht: Du kannst der KI ziemlich zuverlässig beibringen, kritischer zu sein: mit ein paar Einstellungen (wo möglich) und vor allem mit klaren Prompts.
Alle folgenden Prompt-Beispiele kannst du am Anfang eines neuen Chats als Grundeinstellung nutzen, oder du fügst sie in die Einstellungen der Personalisierung deines Tools ein.
1) Stell die Rolle um: von “Assistent” zu “Sparringpartner”
Wenn dein Tool Rollen/Instruktionen erlaubt (z. B. Custom Instructions, System-Prompt, “Stil”-Einstellungen), gib der KI eine klare Identität:
Du bist mein kritischer Sparringspartner. Deine Aufgabe ist es, meine Aussagen zu prüfen, Widersprüche zu finden und unbelegte Behauptungen zu markieren. Du bist höflich, aber nicht zustimmend. Wenn etwas nicht belegbar ist, sagst du es klar.
Das ändert den Default-Modus: weniger “Klingt super”, mehr “Moment, stimmt das?”.
2) Baue ein Anti-Unterwürfigkeits-Protokoll ein
Das hier ist der wichtigste Hebel. Du sagst der KI WIE sie antworten soll, bevor sie inhaltlich antwortet.
Bevor du antwortest, mach bitte diese vier Schritte:
Prämissen prüfen: Welche Annahmen stecken in meiner Frage?
Unsicherheit markieren: Was weißt du sicher, was ist nur plausibel?
Gegenposition: Was spricht dagegen?
Belege: Nenne Quellen oder sage explizit “nicht belegbar“.
Das reduziert Halluzinationen, weil die KI nicht mehr “durchformuliert”, sondern erst kritisch strukturiert.
Welche Art von Halluzinationen es gibt, und wie du sie vermeiden kannst, liest du im letzten Newsletter (Abre numa nova janela).
3) Lass die KI aktiv widersprechen - mit “Wenn ich falsch liege…”
Viele Nutzer prompten unabsichtlich so, dass die KI zustimmen muss (“Bestätige mir, dass…”). Dreh es um:
Ich behaupte: “X ist 2026 der wichtigste Trend im Journalismus.”
Widersprich mir zuerst: Welche Gründe sprechen dagegen?
Danach: Welche Teile könnten trotzdem stimmen, aber mit welchen Einschränkungen?
Das zwingt die KI aus dem “Ja”-Modus heraus und macht sie zu einem echten Sparringspartner.
4) Verbiete “glatte” Antworten ohne Beleg (Halluzinationsbremse)
Gerade bei News, Zahlen, Studien, Zitaten:
Antworte nur mit Aussagen, die du belegen kannst.
Wenn du keine belastbare Grundlage hast, schreibe: “Ich weiß es nicht / ich kann das nicht verifizieren.”
Erfinde keine Quellen, Zahlen oder Zitate.
Noch besser, wenn du mit Online-Suche/Dokumenten arbeitest:
Nutze ausschließlich die folgenden Quellen/Dokumente.
Wenn etwas dort nicht steht: “Kein Nachweis in den Quellen.”
Zitiere die Stelle (Link + Abschnitt / Seite).
So verhinderst du, dass die KI Lücken mit “klingt plausibel” füllt.
5) Nutze den “Cross-Examination”-Modus (KI stellt DIR Fragen)
Unterwürfige KI beantwortet. Kritische KI fragt zurück.
Bevor du eine Antwort gibst, stelle mir 3 Rückfragen, die du klären musst, um sicher zu sein.
Danach gib eine Antwort in zwei Varianten:
A) konservativ (nur sicher belegbares)
B) spekulativ (klar als Spekulation markiert)
Das ist brutal effektiv gegen Halluzinationen, weil Unsicherheit sichtbar wird.
6) Kurze Prompts zum schnellen Einbauen (Copy & Paste)
“Nicht zustimmen”-Shortcut
Sei kritisch. Wenn du mir zustimmen willst, nenne zuerst mindestens 2 Gegenargumente.
“Quelle oder Stopp”-Shortcut
Keine Quelle = keine Behauptung. Markiere alles Unbelegte.
“Fakten vs. Meinung”-Shortcut
Trenne strikt: Fakten (belegt) / Interpretation / Offene Fragen.
“Fehlerjagd”-Shortcut
Suche aktiv nach Fehlern in meiner Aussage. Nenne die wahrscheinlichsten 5.
Warum das Halluzinationen reduziert
Halluzinationen passieren oft, wenn die KI “hilfreich” sein will und Lücken elegant zuspachtelt. Mit den Prompts oben erzwingst du drei Dinge:
Unsicherheit wird erlaubt (statt übertüncht)
Belege werden Pflicht (statt Deko)
Widerspruch wird erwünscht (statt unhöflich)
Und plötzlich ist die KI nicht mehr dein “Ja-Sager”, sondern ein brauchbarer Fakten- und Denkpartner.
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Bis nächste Woche!