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Lucifer Rising (1980)

Isis, Osiris, Horus und andere ägyptische Götter beschwören in einer magischen Zeremonie den Engel Luzifer, um ein neues Zeitalter der Freiheit und der Magick einzuleiten. Lucifer Rising nimmt die Zuschauer mit ins alte Ägypten, zu den Externsteinen im Teutoburger Wald, in dunkle Ritualkeller und knallbunte Pop-Dimensionen der Neuzeit. Luzifer wird dabei nicht als bösartiger Teufel interpretiert, sondern als Gott des Lichts und als Geist des Widerspruchs einer rebellischen Jugend im anbrechenden Wassermannzeitalter.

Kenneth Angers erster “langer” Kurzfilm wurde 1972 fertig gestellt, erschien aber erst 1980. Er ist ein okkultes Ritual, ein avantgardistischer Bilderrausch und ein obskures Meisterwerk voller Symbolik. Das Werk kommt ganz ohne gesprochenen Text aus, ist dafür aber voller magischer Bilder, die die Popkultur nachhaltig prägten.

Kenneth Anger war nicht nur selbst Okkultist, Mitglied des Ordo Templi Orientis und Thelemit, sondern auch einer der ersten offen homosexuellen amerikanischen Filmemacher und ein Vorreiter des queeren Kinos. So setzte er in Lucifer Rising auch dem bisexuellen Thelema-Gründer Aleister Crowley ein Denkmal, der neben H.P. Lovecraft einer der großen Gottväter der Pop- und Gegenkultur ist.

Die Musik in Lucifer Rising wirkt ihrer Zeit voraus und untermalt meisterhaft den okkulten Bilderreigen. Hier wird das moderne Musikvideo vorausgedacht, als dessen Geburtsstunde offiziell erst Queens "Bohemian Rhapsody" aus dem Jahr 1975 gilt. Die mystisch-modernen Klänge stammen von Bobby Beausoleil, der ursprünglich auch die Hauptrolle spielte. Die Arbeiten an einer ersten Version des Kurzfilms konnten jedoch aufgrund dessen Inhaftierung nicht fertiggestellt werden, so dass eine zweite Version - die heute bekannte - ohne Beausoleil erstellt wurde. Andere Quellen berichten, dass Anger und Beausoleil sich bereits vorher auf persönlicher Ebene überwarfen. Der Haschisch aus einer Menschenknochenpfeife rauchende Musiker war Mitglied von Charles Mansons Family, lebte von 1968 bis 1969 mit Manson, Susan Atkins, Mary Brunner und anderen auf der "Spahn Movie Ranch" und erstach auf Mansons Befehl hin Gary Hinman. Das frühe Filmmaterial mit Beausoleil in der Hauptrolle verwendete Anger für seinen Film Invocation of My Demon Brother (1969), bei dem nicht nur Mick Jagger, sondern auch der Gründer der Church of Satan Anton Szandor La Vey mitwirkten. Anger bot Jagger auch die Rolle als Lucifer in Lucifer Rissing an. Doch nach dem aufsehenerregenden Ereignissen des "Altamont Free Concert", dem Westküsten-Gegenstück zum Woodstock-Festival, im Dezember 1969 distanzierte sich Jagger von Anger. Bei einem Auftritt der Rolling Stones töteten die als Festival-Ordner angestellten Hells Angels einen bewaffneten Fan. Mick Jaggers Bruder Chris übernahm dann die Rolle als gelbgekleideter Hohepriester. In weiteren Rollen sehen wir die britische Sängerin und Schauspielerin Marianne Faithfull, Mick Jaggers damalige Freundin, den berühmten Musiker und Led Zeppelin-Gründer Jimmy Page und den schottischen Maler und Regisseur Donald Cammell.

Die Arbeiten von Kenneth Anger, allen voran Lucifer Rising, beeinflussten große Regisseure, wie Martin Scorsese, David Lynch, Roger Corman und Rainer Werner Fassbinder. Und auch in der Musikwelt fiel Lucifer Rising auf fruchtbaren Boden. Neben den bereits genannten Led Zeppelin und The Rolling Stones, inspirierte der Film auch Musikgruppen aus der Industrial-Szene wie Coil und Throbbing Gristle und Rock- und Heavy Metal-Bands wie Angel Witch, Venom und Pagan Altar. Lucifer Rising ist eine wahre Perle der Filmkunst, die eindrucksvoll die damalige Verquickung von Gegenkultur, Okkultismus, Popmusik und Film in sehr ästhetischen Bildern illustriert.

https://www.imdb.com/de/title/tt0066019/ (Abre numa nova janela)
Tópico Film