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Diese Orte auf Rügen überraschen mich jedes Mal

Leuchturm von Sassnitz

Hi, da bin ich wieder. Ich hatte mich letzte Woche mal kurz verkrümelt. Es war meine Geburtstagswoche, ich bin 53 geworden und ich brauchte eine kleine Pause. Es war doch ein sehr anstrengendes erstes Quartal und es geht jetzt weiter so mit dem straffen Programm. Bevor ich wieder am Schreibtisch versacke, ging es in den paar Tagen die Strände hoch und runter.

Rügen ist seit sehr vielen Jahren der beste Ort für uns um runter zu kommen. Wir haben vor fast 22 Jahren dort geheiratet, so verbunden fühlen wir uns mit der Insel. Dieses Mal hatten wir uns die Altstadt von Sassnitz ausgesucht. Wir entdecken immer wieder Neues in diesem entspannten Ort mit viel Geschichte.

Ich hab viele Hühnergötter gefunden und einen Kerzenleuchterstein.

In diesem Newsletter kommt aber auch wieder ein wenig Natur für euch. Ich berichte über meinen Lieblingswald auf Rügen.

Ich war viel draußen, vor allem in meinem Lieblingswald auf der “Schaabe” auf Rügen, den ich jedes Jahr besuche. Ein guter Ort, um genau hinzuschauen. Die Zeit in der Natur ist für mich mehr als nur ein Rückzug. Sie schärft den Blick, macht den Kopf klar und bringt mich wieder näher an das, worum es mir in meiner Arbeit eigentlich geht. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass ich heute, mit fast Mitte fünfzig, noch einmal ganz anders arbeite als früher. Ich bin klarer, entscheide immer noch oft aus dem Bauch heraus, habe aber ein gewachsenes Vertrauen in meine eigenen Entscheidungen. Ich habe das Gefühl, jetzt wirklich bei dem angekommen zu sein, was ich machen möchte. Und genau daraus entsteht eine neue Energie.

Ich nehme euch mal mit, lasst die Fotos auf euch wirken. Die Sonne kam nach einem Regentag raus und stand schon tief als wir am Strand nach dem Spaziergang durch den Wald ankamen.

Die Schaabe auf Rügen ist eine der eindrucksvollsten Küsten-landschaften der Ostsee und verbindet auf einzigartige Weise Naturgeschichte mit landschaftlicher Schönheit. Entstanden ist diese schmale Landzunge über Jahrtausende durch die Ablagerung von Sand, den Meeresströmungen zwischen der Halbinsel Wittow und der Jasmund-Halbinsel transportierten. So wuchs allmählich ein feiner, mehrere Kilometer langer Strand, der heute von dichten Kiefernwäldern gesäumt wird. Besonders faszinierend ist das Zusammenspiel aus windgeformten Dünen, ursprünglichem Wald und der weiten, fast unberührten Küstenlinie. Die Schaabe auf Rügen ist botanisch besonders interessant, weil hier mehrere Lebensräume direkt ineinandergreifen. Durch den nährstoffarmen, sandigen Boden und den Einfluss von Wind und Salz haben sich hoch spezialisierte Pflanzen angesiedelt.

Das Besondere an der Schaabe ist die klare Zonierung der Pflanzenwelt, vom offenen Strand über die Dünen bis hin zum Wald. Jede Zone ist ein eigenes kleines Ökosystem, perfekt angepasst an Wind, Salz und Nährstoffarmut. Genau dieses Nebeneinander macht die Landschaft nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch außergewöhnlich vielfältig. Hier wachsen Kiefern, die mit trockenen, sandigen Böden gut zurechtkommen. Außerdem Heidekraut, das im Spätsommer blüht. Und viele Moose und Flechten, die den Waldboden bedecken.

Ich hab auch Anschauungsmaterial gesammelt. Im letzten Jahr habe ich für den BUND Naturschutz Bayern Blätter, Blüten und Früchte von 14 Laubbäumen gezeichnet. Jetzt geht es weiter. Ab heute arbeite ich im Auftrag der Bundesgeschäftsstelle des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. an zehn weiteren Laub- und Nadelbäumen und kann diese Reihe vervollständigen. Für mich fühlte sich diese Beauftragung wie ein Geburtstagsgeschenk an und sie zeigt mir auch: Analoge Zeichnung hat nach wie vor ihren Platz. Ich freue mich sehr über diese Wertschätzung meiner Arbeit und darüber, dass man sich bewusst für diese Form der Darstellung entscheidet.

Am Ende dieses Weges durch den Kiefernwald mit viel Heidekraut, Weißmoos und kleinen Hügeln erreicht man den Strand.

Zu meinen Lieblingsorten auf Rügen gehört auch das nördliche Ende des Sandstrandes von Binz. Dort, wo der weite Strand allmählich schmaler wird und schließlich der Wald beginnt, entsteht ein spürbarer Übergang in eine andere, fast ursprüngliche Welt. Mit jedem Schritt entfernt man sich vom offenen Küstenraum und taucht tiefer in den Nationalpark Jasmund ein.

Hier prägen alte Buchenwälder das Bild, deren dichtes Blätterdach das Licht filtert und eine fast geheimnisvolle Atmosphäre schafft. Der Boden ist von Laub, Moosen und Totholz bedeckt, wodurch ein natürlicher Kreislauf sichtbar wird, der im Nationalpark bewusst sich selbst überlassen bleibt. Besonders eindrucksvoll ist dieser Ort, weil sich hier zwei sehr unterschiedliche Landschaften begegnen. Die offene, vom Wind geformte Küste und der geschützte, urwaldartige Wald. Genau dieses Zusammenspiel macht den Übergang so einzigartig und lässt ihn zu einem der eindrucksvollsten Naturerlebnisse der Insel werden.

Vielleicht ist es genau dieses Zusammenspiel aus Bewegung und Beständigkeit, das Rügen für mich so besonders macht. Orte wie die Schaabe oder der Übergang bei Binz zeigen, wie viel Kraft in der Natur liegen kann und wie wohltuend es ist, sich einfach treiben zu lassen.

Vorschau auf den Mitgliedernewsletter

Im Newsletter für Mitglieder zeige ich euch Fotos von Lost Places in Sassnitz und Umgebung. Wir haben einen unglaublich verwunschenen Ort entdeckt und die Fotos dazu sind toll geworden. Im Sommer wäre alles von Blättern verdeckt worden. Ihr dürft gespannt sein.

Wenn dich solche Orte begeistern, kannst du meine Arbeit für nur 5,50 € im Monat unterstützen.

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Vielen Dank fürs Dranbleiben bis zum Schluss.

Tópico Naturkolumne

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