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Mehr als ein Hobby

Redaktion free.fem.minds Magazin

Nach Gewalt, Flucht, Verlust und Angst wieder neu anfangen. Wie geht das? Für diese Serie haben wir Frauen gefragt, welches Hobby sie in diesem Kapitel ihres Lebens aufgefangen hat, worin sie Halt gefunden haben und womit sie Kraft und Zuversicht tanken. Überraschende Einblicke in das Leben von Frauen und Gespräche über das, was Betroffene wirklich ausmacht.

Teil 1. Die Orchideenflüsterin

Ihre Liebe zu den zarten, farbenprächtigen Schönheiten hat sich die lebenslustige Frau mit dem Zuhause, das einem Gewächshaus gleicht, nie nehmen lassen. Orchideen, das ist für Marina Conle, die auf Instagram ihre Blüten und Pflanzen auf ihrem Account @orchideenkultur teilt, mehr als nur ein Hobby oder ein hübsch anzusehendes Grün. Als eine der Wenigen in Deutschland hat sie es vor Jahren geschafft, eigene Vanille aus ihren Pflanzen zu ernten. Uns erzählt sie mehr über ihre Passion.

  • Woher stammen deine Leidenschaft für Orchideen
    und dein enormer Wissensschatz?

Ich habe meine erste Orchidee zu meinem 18. Geburtstag bekommen und als ich mich mit der Pflege, Herkunft und allem Wissenswerten befasst habe, sprang der Funke über. Ich wollte mehr darüber wissen, kaufte Bücher, recherchierte lange im Internet, landete in einschlägigen Foren und lernte so die Kultivierung und verschiedenen Arten kennen.

  • Wie hast du so richtig mit der Orchideenzucht angefangen und was hat dich daran unmittelbar so begeistert, dass du nun seit 25 Jahren mit Orchideen lebst?

Angefangen habe ich mit einigen wenigen Orchideen, die man so im Gartenabteilungen der Baumärkte findet. Ich war einfach begeistert von den wunderschönen Formen und Farben der Blüten, den Züchtungen, dazu die lange Blühdauer, manche Orchideen, wie z.B. Phalaenopsis, blühen nahezu das ganze Jahr durchgehend. Andere wie Cattleya oder Cymbidium benötigen Trockenphasen oder eine Temperaturabsenkung über mehrere Wochen, um überhaupt einen Blütentrieb zu bilden. Das ist sehr spannend und selbst mit einer recht genauen Anleitung muss man herausfinden, was welche Pflanze in den vorhandenen Gegebenheiten braucht, um zu wachsen und zu blühen.
Anfangs hielt ich die Orchideen auch so, wie sie angeboten werden, in Plastiktöpfen. Doch mit der Zeit entdeckte ich spezielle Orchideengärtnereien oder regelmäßig stattdfindende Ausstellungen, wo man andere Arten als im Baumarkt,  seltene Naturformen, neue Züchtungen kaufen konnte, dann probierte ich verschiedene Kulturmethoden aus und ging dann dazu über, fast alle Arten in Glasvasen umzutopfen. Das Mikroklima in den Glasvasen erwies sich als ideal um die Pflanzen mit möglichst wenig Pflegeaufwand zu halten. 

  • Manche malen, du beschäftigst dich mit Orchideen. Wie hilft dir die Arbeit mit den Pflanzen durch stressige Phasen?

Das Kultivieren der Pflanzen ist für mich einfach sehr entspannend. Zu sehen, wie sich die Blüten entwickeln, wie sich die Pflanzen eingewöhnen, begeistert mich. Gerade, dass sie nach meinem Umzug größtenteils mit den neuen Standortbedingungen gut klarkamen und mit neuem Wachstum und Blüten zeigten, dass es immer weiter geht, war fast symbolhaft. Das hilft mir sehr durch komplizierte Zeiten. Manche meiner Orchideen sind über 20Jahre alt. Leider habe ich auch wertvolle, sehr seltene Orchideen verloren, als mir über mehrere Monate der Zugang dazu verwehrt wurde. Von über 440 Orchideen waren am Schluss noch 138 übrig. Manche glaubte ich verloren, doch sie zeigten einen starken Überlebenswillen und haben sich aus eigentlich kläglichen Resten wieder gut erholt. 

  • Du gewinnst eigene Vanilleschoten. Das ist in Deutschland sehr selten. Erzähl bitte, wie es dazu kam und wie du das genau machst.

Die Vanille gehört ebenfalls zu den Orchideen, und da man als Orchideensammlerin gerne exotische oder seltene Arten sucht, bestellte ich 2001 eine Vanilla planifolia, als sich die Gelegenheit dazu bot.  Es gibt über 100 Vanilla-Arten, die in allen tropischen Teilen der Welt vorkommen, doch nur zwei davon werden für die Gewürzgewinnung kultiviert. Die Vanilla planifolia ist eine Rankpflanze, die sehr lange Triebe bekommt. Das heißt, man muss den Platz dafür haben und natürlich die richtigen Bedingungen. Sie gedieh bei mir jedoch so gut, dass ich immer wieder neue Ableger machen musste, und viele Jahre zierten mehrere Töpfe mit Vanilla planifolia das Wohnzimmer nur als Grünpflanze.  Im Frühjahr 2009 erschien plötzlich ein Blütentrieb mit fast 30 Blüten und wenn man eine Vanillepflanze schon einmal so weit hat, dass sie so viele Blüten trägt, versuchte ich mich auch an der Bestäubung. Auch das gelang und die Schoten wuchsen und reiften über mehrere Monate.  Als ich sie erntete, wusste ich, dass die rohen Schoten fermentiert werden müssen, um das Vanillearoma freizusetzen. Ich recherchierte, was ich dazu finden konnte. Die Vanilla planifolia kommt ursprünglich aus Mexiko, Hauptanbaugebiete sind jedoch Mauritius und La Reunion. Reunion hieß früher Ile Bourbon, daher kommt der Name Bourbon-Vanille. In diesen tropischen Gebieten werden die Schoten vereinfacht gesagt, täglich in die Sonne gelegt, und nachts in Tücher eingepackt. Das funktioniert hier in Deutschland natürlich nicht auf die selbe Weise und so probierte ich Verschiedenes aus und tatsächlich entwickelte sich über Wochen der typische Vanilleduft.

Seit damals blühten und trugen mehrere meiner Vanille-Pflanzen regelmäßig Schoten, und mit jeder neuen Gelegenheit konnte ich die Fermentation auf verschiedene Weisen testen. So habe ich seit Jahren tatsächlich selbst angebaute Vanille. Eine Analyse meiner letzten Schoten ergab sogar einen sehr hohen Vanillingehalt von 3,8%. Handelsübliche Vanilleschoten sind bereits mit einem Vanillingehalt von 0,9-1% Top-Handelsware. Aktuell erholen sich meine Vanillepflanzen noch vom Umzug, sie wachsen jedoch wieder sehr gut und ich rechne in ein oder 2 Jahren wieder regelmäßig mit Blüten.

  • Viele sagen, sie hätten kein Händchen für Orchideen, würden sich aber trotzdem gerne darin versuchen. Hast du Tipps für Einsteiger:innen? Was sollten Hobby-Gärtner:innen beachten für den Start?

Bei Orchideen muss man wissen, dass die Naturformen eigentlich Epiphyten, das heißt Aufsitzerpflanzen, sind. In freier Wildbahn wachsen die meisten Arten auf Bäumen, halten sich mit ihren Wurzeln am Stamm eines Baumes fest oder sitzen in Astgabeln und erhalten so nur wenig Nährstoffe. Sie sind keine Schmarotzerpflanzen, die ihrem Wirt Nährstoffe entziehen, das heißt, sie sind sie sehr genügsam und brauchen nur wenig Nährstoffe. Normaler Zimmerpflanzendünger ist ungeeignet und auch spezielle Orchideendünger sollte man eher niedriger dosieren als angegeben.  Züchtungen die etwa in Baumärkten angeboten werden, werden in sehr lockerem Substrat verkauft, das viel Luft an die Wurzeln lässt. Der häufigste Pflegefehler ist, dass man Orchideen zu viel gießt. Bei dauerhafter Nässe faulen die Wurzeln, dann werden die Blätter schlapp und die Orchidee geht ein. Besser ist es, wenn man sie, je nachdem, welches Substrat vorhanden ist, etwa einmal pro Woche mit dem Topf in Wasser taucht, so dass sich das grobe Substrat gut vollsaugen kann, und dann gießt man erst wieder, wenn das Substrat vollständig trocken ist. Ich habe daraus die Kultur in Glasvasen entwickelt, weil Glasvasen sehr dekorativ sind, standfest und man jederzeit sehen kann, wieviel Feuchtigkeit noch vorhanden ist. Auch kann man den Zustand der Wurzeln jederzeit sehen. Orchideenwurzeln werden grün, wenn sie Wasser aufgenommen haben und silbrig, wenn sie trocken sind.  In den Glasvasen bleiben die Wurzeln länger grün, da die Luftfeuchtigkeit darin erhöht ist. Am Grund der Vase fülle ich etwa zwei bis drei Zentimeter Blähton oder Kies ein und dann kommt die Orchidee mit all ihren Wurzeln hinein und die Vase wird mit mittelgrober Pinienrinde aufgefüllt.  Nun kann man entweder in der Blähtonschicht immer etwas Wasser lassen oder man füllt die Vasen einmal wöchentlich bis oben hin mit Wasser auf, lässt es über Nacht stehen und kippt am nächsten Morgen das Glas vorsichtig aus. Über Nacht kann sich die Pinienrinde gut vollsaugen und hält die Feuchtigkeit dann einige Tage. Die Pinienrinde zersetzt sich nur langsam, aber das ist meistens ausreichend für die Nährstofffreisetzung. Bilden sich Algen, hat man zu häufig gewässert.  Je nach Jahreszeit und Temperatur am Standort kann es auch ausreichend sein, nur alle 10 bis 14 Tage zu wässern. Wer keine Glasvasen verwenden möchte, nutzt einfach die durchsichtigen Plastiktöpfe, in denen Orchideen meistens verkauft werden. Auch hier empfiehlt sich das wöchentliche tauchen.

Es kommt natürlich noch darauf an, um welche Orchideen es sich handelt, aber dieser Tip funktioniert bei den handelsüblichen Orchideen wie Phalaenopsis oder Cattleya-Hybriden. Hybriden sind Züchtungen aus Naturformen, diese sind robuster als reine Naturformen. Viele Naturformen sind auch geschützt und der Handel damit ist begrenzt. Als Einsteigerin startet man aber meistens mit einer hübschen Phalaenopsis wie es sie mittlerweile auch oft bei den Discountern gibt. Orchideen sollten möglichst hell stehen und einige vertragen auch direkte Sonne.  

  • Was fasziniert dich besonders an deinen Orchideen? Was sind deine ganz persönlichen Favoriten?

Mich fasziniert die Formen- und Farbenvielfalt. Von einfarbig bis Farbverlauf, gestreift oder gepunktet ist alles möglich. Die Phalaenopsis hat ihren Namen "Falterorchidee" von der Assoziation mit Schmetterlingen, Cattleya wartet mit teils handtellergroßen Blüten auf oder es gibt die Frauenschuh-Orchideen, deren tropischen Varianten sehr ausgefallene Formen und Farben haben. Manche Orchideen duften sehr fein. Interessanterweise duftet die Blüte der Vanilla nicht besonders, und auch nicht nach Vanille. Wenn es um den Duft geht, ist meine Favoritin die sogenannte Spinnenorchidee Brassia verrucosa, die nach einer feinen Mischung aus Zitrone mit Gewürzen duftet, die imposanteste Blüte hat eine Cattleya Hybride, deren Blüte 25 Zentimeter im Durchmesser misst. Phalaenopsis zeichnen sich durch eine lange Blühdauer von bis zu zwei Jahren und eine Menge Blüten auf einmal aus. Und die Vanille ist mir besonders ans Herz gewachsen, weil ich sie tatsächlich von der Ranke bis zur Frucht kultivieren kann. Vanilleblüten halten nur einen halben Tag, dafür blühen an einem Blütentrieb bis zu 30 Blüten hintereinander. Mein Rekord waren 95 Blüten an 7 Blütentrieben, davon waren 86 Bestäubungen erfolgreich, ich hatte also 86 Vanilleschoten.

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Tópico Fabelhafte Frauen

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