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Glossar

Redaktion free.fem.minds MAGAZIN

D wie DARVO

DARVO bezeichnet ein Tätermuster, das eine Schuldumkehr und Attacke gegen das Opfer zum Ziel hat. Täter-Opfer-Umkehr, wie
aus dem Lehrbuch. DARVO steht als Abkürzung für die englischen Begriffe: „Deny – Attack – Reverse Victim and Offender.“ Darvo lässt sich immer dann beobachten, wenn Straftäter versuchen, die Schuld umzukehren. Im Pelicot Prozess konnte man so etwa verfolgen, wie Täteranwälte versuchten, das Bild einer aufreizend gekleideten Gisèle Pelicot zu zeichnen, die angeblich perfide am eigenen inszenierten Missbrauch beteiligt war.

Die Taktik: Um Täter zu schützen, muss das Opfer selbst zum Täter erklärt werden. Das passiert in Vergewaltigungsprozessen beinahe regelmäßig und liegt schon allein unserer Rechtsprechung zugrunde. Nein heißt nein. Doch, was, wenn sie nicht (deutlich genug) nein gesagt hat. Was wenn ihr nein nur gespielt war? Geziert? Decoding für Täter, Framing gegen Betroffene. Bei Gewalt gegen Frauen liegt die Deutungshoheit selten beim Opfer. Die Schlagzeilen sind voll von Szenarien, wo Opfer zu Täterinnen erklärt wurden, indem die immer gleiche Strategie zur Anwendung kam. 

Deny – die Schuld abstreiten

Attack – das Opfer angreifen

Reverse Victim and Offender – Opfer und Täter umdrehen

DARVO passiert im Privaten, wie auch im Gericht. Im Kleinen, wie auch im Großen. „Eigentlich bist du es, die mir XYZ angetan hat“. „Der Angeklagte weist die Beschuldigung zurück und erstattet selbst Anzeige“. DARVO folgt dem immer gleichen Muster und DARVO ist extrem erfolgreich. Das gilt insbesondere für Taten wie sexuellen Missbrauch und häusliche Gewalt, also Taten, die im Verborgenen stattfinden und in einer Welt, in der eine Unschuldsvermutung für Täter gilt und die Idee, ein Opfer verfolge mit einer Anzeige immer den wahrhaftig zugrundeliegenden, eigennützigen Zweck, dem (eigentlich unschuldigen) Täter zu schaden. (Siehe auch den Text im Glossar zu Belastungseifer, free.fem.minds Magazin, 1/26)

DARVO im Familenrecht

DARVO ist ebenfalls eine Strategie, die Täteranwälte gegen Gewaltbetroffene im Familiengericht anwenden und damit häufig Erfolg haben. Die Mutter äußert Missbrauchsvorwürfe. Der Täter sagt aus, die Mutter wolle ihm mit ihrem Vorwurf lediglich das Kind entziehen. (Vorwurf der Parantal Alienation PAS) Mangels ausgebildeter Mitarbeiter, die Gewalt und Missbrauch erkennen könnten, gehen Familiengerichte und Verfahrensbeistände auf diesen Vorwurf ein. Der Konsens beider Eltern gilt als oberstes Ziel der Einigung im Sinne des Kindeswohls. Die Mutter benennt Gewalt. Damit gilt also die Mutter, als diejenige, die „eine friedliche Einigung stört“. Sie wird attackiert und infolgedessen zur Täterin erklärt. Bundesweit. In so gut wie jedem Fall. Psychologische Gutachter sind in Fällen wie diesen bisher sehr schnell darin, Müttern die Erziehungsfähigkeit abzusprechen, die Kinder dem anderen Elternteil zuzuteilen oder eine Heimunterbringung zu empfehlen. Unglaublich? Nein? Seltene Einzelfälle? Leider ebenfalls nicht. Das Prinzip wird gegen Frauen nach häuslicher Gewalt oder Missbrauch am Kind durch den Vater so häufig als eine schwere Form der Nachtrennungsgewalt eingesetzt, dass dies Untersuchungen auf Menschenrechtsverletzungen in Deutschland auf den Plan rief. 

Tópico Gewalt gegen Frauen

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