
Anfangs eine spontane Idee von fünf Australiern, sind PARKWAY DRIVE heute Ikonen des modernen Metal – und feiern 2025 ihr 20-jähriges Bandbestehen. Wir wollen von Sänger Winston McCall wissen, was es braucht, um solch eine Langzeitbeziehung unter Musikern aufrechtzuerhalten.

Foto: Karo Schäfer / cateyephotography.com
Anfang des Monats habt ihr „Sacred“ veröffentlicht, als ersten Vorgeschmack auf neues Material. Der Song ist sehr ermutigend und motivierend. Wird sich diese Stimmung auch auf dem kommenden Album fortsetzen?
Du sagst „kommendes Album“, als hätten wir schon eins! Wir arbeiten zwar an neuem Material, aber ein fertiges Album gibt’s noch nicht. Und wir setzen uns auch nicht unter Druck – wir veröffentlichen erst etwas, wenn wir wirklich bereit sind. Die heutige Technologie macht’s möglich. Früher war der Prozess viel aufwändiger: Jahre des Schreibens, Monate im Studio, dann monatelanges Warten bis zur Veröffentlichung – dann viel Stress, alles auf einmal. Heute läuft es anders: Wir schreiben einen Song, nehmen ihn auf und bringen ihn direkt raus. Das verändert nicht nur unser Schreiben, sondern auch, wie die Leute unsere Musik erleben – sie bekommen regelmäßig neue Einblicke, statt lange auf ein großes Gesamtwerk zu warten. So machen wir’s gerade – und wir lieben diesen Prozess. Natürlich ändert sich dadurch auch der Vibe von Song zu Song. Ich muss keine zehn Lieder aufeinander abstimmen. Jeder Track kann für sich stehen – wie dieser hier, der sehr positiv ist. Ich wollte etwas machen, das genau zu meinem Gefühl passt. Auch wenn unsere Musik oft wütend klingt, es ist eine positive Wut.
Ich sage „motivierend“, du nennst es „positive Wut“ – Motivation durch Wut?
Ja, es fühlt sich fast wie eine kleine Verschwörung an, im besten Sinne. Ich glaube, das ist einer der positivsten Songs, den wir je rausgebracht haben, vielleicht neben „Wishing wells“. Beim Schreiben wollte ich bewusst etwas schaffen, das verbindet – in einer Welt voller Negativität, Gewalt und Spaltung. Es sollte öffnen, nicht trennen. Und genau dieses Gefühl zieht sich auch sonst durch das neue Material. Gerade auf der 20-Jahre-Tour wurde deutlich, wie stark dieser verbindende Faktor wirkt: Tausende Menschen kommen zusammen, um die Musik zu feiern. Das zeigt mir, dass PARKWAY DRIVE zu einer Kraft geworden sind, die Menschen verbindet – und das ist etwas Besonderes.
https://youtu.be/8v4oxxvs8iY?si=p1ijPQR0LVXFT7HY (Abre numa nova janela)Als ihr „Sacred“ angeteasert habt, enthielten die dazugehörigen Visuals einige kryptische Symbole. Wie kann ich diese interpretieren und inwiefern geben sie einen ersten Einblick in das, was in Zukunft kommen kann?
Da müsstest du den verantwortlichen Künstler fragen. Er hat uns das gezeigt, und wir meinten sofort: „Ja, das nehmen wir, großartig.“ Zum Hintergrund: Ein Freund von uns arbeitet daran, seine eigene Sprache, seinen eigenen Code zu entwickeln – eine völlig neue Form der Kommunikation, was wir richtig spannend finden. Als wir bei ihm waren und er uns Einblick darin gab, dachte ich: „Perfekt, das passt total zu dem, wo wir gerade stehen.“ Es ist eine kreative, ästhetisch starke Idee und wir haben definitiv noch mehr damit vor.
Also wird diese neu erfundene Sprache auch in Zukunft bei PARKWAY DRIVE eine Rolle spielen?
Das war die Idee. Es geht weniger um neue Wörter, sondern um Glyphen, also neue Zeichen für Buchstaben. Ich fand es beeindruckend, dass jemand einfach sagt: Ich erfinde das jetzt. Als es bei mir klickte und ich die Logik hinter den Formen verstanden habe, ergab plötzlich alles Sinn, es ist ein starkes Konzept.
Wirklich beeindruckend ist, dass ihr nach 20 Jahren Bandgeschichte immer noch nahezu in Originalbesetzung seid – nicht viele Bands schaffen das. Was ist euer Geheimnis, gerade während kreativer Prozesse, in denen die Meinungen oft auseinandergehen?
Kommunikation. Anfangs war es nur reine Widerstandsfähigkeit, aber irgendwann muss man lernen, wirklich miteinander zu reden. Zum Glück haben wir das alle begriffen. Mit der Zeit kam auch das Verständnis: Jeder wächst anders, als Mensch und als Künstler. Auch wenn wir gemeinsam angefangen haben, haben sich über 20 Jahre individuelle Wege entwickelt – verschiedene Instrumente, unterschiedliche kreative Ansätze – und trotzdem bleibt es ein gemeinsames Projekt: PARKWAY DRIVE. Der Schlüssel ist, dass jeder offen sagen kann, was er will und braucht. Nur so lässt sich herausfinden, wie unsere Stärken am besten zusammenwirken. Das braucht Zeit, Interesse am anderen, echte Kommunikation. Heute sind wir an einem richtig guten Punkt. Hätten wir das früher gelernt, hätte uns das viel erspart. Irgendwann war das fast unser Ende. Aber wir haben die Kurve gekriegt.
Man brennt komplett aus und hofft, dass wieder etwas Neues kommt. Früher machte mir das Angst. Heute weiß ich: Es kommt zurück.
Gab es für dich Momente, nicht nur am Anfang, sondern auch nachdem die Band bereits Popularität erlangt hatte, in denen du darüber nachgedacht hast, etwas anderes zu machen oder ganz aufzuhören?
Die ersten zehn Jahre dachten wir ständig: Irgendwann muss das platzen. Nicht weil wir daran glaubten, sondern weil wir nicht verstehen konnten, warum uns die Leute wirklich mochten. Trotz wachsender Popularität blieben Zweifel, besonders bis „Ire“. Keine cleanen Melodien, keine Sicherheit. Wir erwarteten ständig den Knick, den Moment, wo Langeweile einsetzt und sich alle abwenden. Der kam nie – aber es dauerte, das zu akzeptieren. Wir hatten alle schlechte Backup-Pläne, weil wir nie dachten, dass es wirklich langfristig funktioniert. Nach zehn Jahren war klar: Es läuft. Und doch, nach „Darker Still“ gab es erstmals echte Zweifel – nicht an der Musik, sondern wegen fehlender Kommunikation und des Drucks. Einige sagten: Ich liebe unser Projekt, aber vielleicht kann ich so nicht weitermachen. Wir waren alle an diesem Punkt, wussten aber nicht, wie wir es ansprechen sollten. Trotzdem habe ich nie bereut, das gemacht zu haben. Nach jedem Album fühlt es sich an, als wäre alles raus. Man brennt komplett aus und hofft, dass wieder etwas Neues kommt. Früher machte mir das Angst. Heute weiß ich: Es kommt zurück. Immer. Und es passiert schneller. PARKWAY DRIVE gehen nicht unter, wenn ich mal Pause brauche. Ich weiß jetzt: Da ist mehr in mir. Ich kann und werde mehr machen.
Wenn ich fragen darf: Was war dein Backup-Plan?
Das war, Pilot zu werden. Eine Lizenz machen, vielleicht für Fluggesellschaften zu arbeiten – einfach weil ich Flugzeuge liebe.
Hast du eine private Pilotenlizenz?
Nein, die habe ich nie gemacht. Aber ich habe gelernt, wie man fliegt. Es gibt sogar ein altes Video von uns. Jeff meinte damals, er würde nach fünf Jahren anfangen, Gitarrenpedale reparieren. Ich sagte, ich werde Pilot. Luke – keine Ahnung mehr, was er gesagt hat. Aber Ben, der als Letzter zur Band kam, sagte: „In fünf Jahren gibt’s PARKWAY DRIVE immer noch. Wir touren und haben Spaß.“ Kein Backup-Plan. Und er hatte recht. Wenn’s funktioniert, braucht man keinen Plan B.

Gibt es einen Moment mit PARKWAY DRIVE, in dem du dich wirklich glücklich gefühlt hast, als wäre alles genau so, wie es sein soll? Vielleicht eine Erinnerung, bei der sich einfach alles richtig anfühlt.
Das ist vielleicht eine naheliegende Antwort, weil’s noch so frisch ist, aber die 20-Jahre-Jubiläumstour war so ein Moment. Einige Teile des Sets haben wir sehr persönlich und intim gestaltet. Obwohl wir in Arenen spielen, stehen wir eng beieinander, spielen kleine Songs, die wir einst geschrieben haben. Ich schaue meine Freunde an, sehe ihre Gesichter, ihr Lächeln und denke: Es ist so simpel, was wir tun. Genau wie am Anfang. Dann schaue ich mich um und merke, wie groß es geworden ist. Etwas so Kleines ist plötzlich riesig – für so viele Menschen. Und das macht mich einfach glücklich.
PARKWAY DRIVE gehören heute zu den prägenden Namen der Szene. Ist euch bewusst, welchen Einfluss ihr auf die Zukunft der Heavy-Musik habt? Und seid ihr schon jungen Bands begegnet, die euch als Vorbild sehen?
In Australien ist unser Einfluss klar spürbar. Jede australische Band, die heute in Deutschland spielt, wird dir sagen, was PARKWAY DRIVE für sie bedeutet hat. Es ist immer noch surreal, aber wir standen am Anfang vieler Entwicklungen. Auch international kommen Bands auf uns zu, holen sich Rat oder lassen sich inspirieren. Es ist schön, sagen zu können: „Finde deinen eigenen Weg – so haben wir’s auch gemacht.“ Als wir starteten, war die Szene klein: Pubs ab 18, Fokus auf Alkohol, nichts für Jüngere. Also organisierten wir eigene Shows in Jugendzentren, ohne Security, ohne Alkohol – einfach Musik für alle. Wir waren oft die erste Band, die Kids mit 13 oder 14 live gesehen haben. Das hat viele dazu gebracht, selbst eine Band zu gründen. So entstanden Gruppen wie POLARIS, IN HEARTS WAKE oder ALPHA WOLF. Oft war es ein Konzert während der „Killing With A Smile“- oder „Horizons“-Phase, das den Anstoß gab – nicht weil wir Idole waren, sondern weil plötzlich alles möglich schien. Heute ist Australien ein echtes Powerhouse für Heavy Music, früher kannte man außerhalb von AC/DC kaum australische Bands. Als wir erstmals in Europa spielten, waren viele überrascht, dass es so was bei uns gibt. Heute stehen australische Acts auf großen Festivalplakaten und wir sagen: „Ja, wir sind Teil davon.“ Und wenn wir das heute betrachten, denken wir, genau da gehören die Australier hin.

Foto: Karo Schäfer / cateyephotography.com
PARKWAY DRIVE sind bekannt für große Live-Shows – mit dramatischen Intros, Rauch, Flammen und Pyro. Was dürfen wir bei der Jubiläumstour im Herbst erwarten? Gib uns einen kleinen Vorgeschmack!
Selbst wenn du unsere Shows online gesehen hast – du kannst nicht wirklich begreifen, was da passiert. Am besten lässt es sich so beschreiben: Wir haben unsere gesamte Karriere gebraucht, um das Ganze zu lernen – und genau das stecken wir jetzt in diese eine Show. Es ist unsere komplette Vision, endlich vollständig umgesetzt. Keine kleinen Änderungen, sondern eine Show im Arena-Format. Dabei geht es nicht nur um visuelle Effekte oder Pyro, wir wollten etwas schaffen, das gleichzeitig intim und monumental ist. Du sollst das Gefühl haben, wieder in diesem kleinen, verschwitzten Club zu stehen, in dem du uns zum ersten Mal gesehen hast – und gleichzeitig erlebst du das visuell Extremste, was wir je gemacht haben. Es ist beides gleichzeitig: Hardcore-Wurzeln und große Show. Mit vielen durchdachten Momenten, Übergängen und Szenen, die dich näher heranholen, persönlich berühren oder komplett deine Perspektive auf uns verändern. Alles auf einem neuen Level.
Wenn wir über Live-Shows sprechen – Touren mit Feuer und Effekten verursachen natürlich enorm viele CO₂-Emissionen. Einige große Bands achten bewusst darauf, nachhaltiger zu touren. Soweit ich weiß, seid auch ihr sehr naturverbunden. Habt ihr Ideen, wie sich große Shows und Touren umweltfreundlicher gestalten lassen?
Es ist verdammt schwierig, das Thema wirklich umzusetzen. Am Ende entstehen die meisten CO₂-Emissionen durch Transport und Energieverbrauch, genau die Dinge, auf die man als Band am wenigsten direkten Einfluss hat. Klar, wir können bei Materialien oder Abläufen auf Nachhaltigkeit achten, aber der große Unterschied kommt durch Infrastruktur. Es gibt längst die Technologie: elektrische Tourbusse, Strom aus erneuerbaren Quellen. Aber wir sind auf Systeme angewiesen, die wir nicht selbst steuern können. Ich fahre ein E-Auto, aber zeig mir einen E-Tourbus, der einen Trailer ziehen kann, und Städte mit grünem Strom – dann sind wir sofort dabei. Es ist frustrierend, weil wir als Band zwar unseren Teil tun können, aber die wirklich großen Hebel liegen bei Industrie und Politik. Und wenn sich dort etwas bewegt, geht es viel schneller – und wirkungsvoller.
https://youtu.be/XhSgUTKoHmg?si=G_sIMvlkHRjqOF6t (Abre numa nova janela)Im Juni spielt ihr mit einem Orchester im Sydney Opera House – das klingt unglaublich! Würdest du sagen, dass das der beeindruckendste oder bedeutendste Ort ist, an dem ihr je gespielt habt? Und wenn nicht, welcher war es für dich?
Diese Show ist ein Meilenstein in unserer Karriere. Das Sydney Opera House ist nicht nur das bekannteste Gebäude Australiens, sondern einer der legendärsten Orte der Welt – atemberaubend und voller Bedeutung. Dort mit einem 67-köpfigen Orchester und Gästen aufzutreten, ist für uns mehr als ein Konzert – es ist ein künstlerisches Statement zu unserer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wir haben diesen Auftritt mit größter Sorgfalt konzipiert, fernab einer typischen Parkway-Show. Es ist etwas komplett Eigenes: PARKWAY DRIVE, wie man sie noch nie erlebt hat. Die Show ist exklusiv, nur rund 2.000 Leute werden dabei sein. Menschen reisen aus aller Welt an – und wir sind stolz, das für unser Land machen zu dürfen. Nicht jeder bekommt die Chance, im Sydney Opera House zu spielen. Aber wenn doch, dann heißt es nur noch: Brennt es bloß nicht ab!
Philip Zimmermann
Verlosung:
„Closer than ever“ heißt es am 17. September 2025, wenn die Metal-Legenden Parkway Drive ein exklusives Pre-Tour-Konzert in intimer Club-Atmosphäre im Metropol Berlin spielen. Tickets gibt es nur für Telekom Kund*innen über Magenta Moments in der MeinMagenta App zu gewinnen. Gemeinsam mit der Telekom verlosen wir hier 2 × 2 Tickets für die FUZE-Community. Wer diesmal kein Glück hat, kann das Event kostenlos im Livestream auf MagentaMusik, den Social-Media-Kanälen oder bei MagentaTV schauen.
Schreibt einfach Mail mit dem Betreff “Closer than ever” an office@fuze-magazine.de (Abre numa nova janela) und mit etwas Glück seid ihr dabei! Einsendeschluss ist der 08.09.2025 um 12 Uhr. Die AGB gelten. (Abre numa nova janela)