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Die Besten der Besten der Besten

Was für ein Monat. Es ging auf und ab und wieder auf. Es wurde nass, dann heiß, dann stürmisch dann alles, und all das nicht etwa in Wuppertal, sondern in Otterndorf. 

Wenn ihr diesen Newsletter verfolgt, dann wisst ihr, dass ich am 01.06. das Literaturstipendium „Gartenhaus am Süderwall“ angetreten hab. (Für die unter euch, die das nicht wissen, weil sie neu dazugekommen sind: Willkommen! Schön, dass ihr da seid.) Seitdem ist eine Menge passiert. Einiges kann ich euch schon erzählen, anderes wartet in der Box auf den Startschuss, aber fangen wir einfach an.

Vlog des Monats

Fünf Monate werde ich insgesamt in Otterndorf sein. Mit Erscheinen dieses Newsletters sind es nur noch vier. Ich bin sehr dankbar für diese Zeit und nutze sie für das, was ich am liebsten mache: an der Literatur arbeiten, aktiv wie passiv. Aktiv, indem ich an einem neuen Roman arbeite, passiv, indem ich draußen sitze, Menschen und ihre Verhaltensweisen studiere, notiere, lese, mir die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt ansehe und versuche, meinen Anforderungen an das Leben eines Schriftstellers so gut ich kann, gerecht zu werden. (Wozu auch gehört, einzelne Sätze nicht zu weit ausschweifen zu lassen, aber naja.) 

Jetzt gehört zu so einem Aufenthaltsstipendium aber auch, dass ich über Monate aus meinem sozialen Umfeld herausgerissen bin. (Das bisschen Sozialleben, das ich hab.) Und auch, damit ich meinen Leuten nicht immer alles einzeln erzählen und zeigen muss – so wohn ich, das mach ich, so ist das Wetter, da scheißen die Hunde auf die Wiese – hab ich einen Stadtschreiber-Vlog gestartet, in der Otterndorf Edition. Alle zwei Wochen bekommt ihr hier ein Update über das Leben als Schriftsteller im Allgemeinen und das als Stadtschreiber in Otterndorf im Speziellen. Die ersten zwei Folgen sind schon online, ihr findet sie hier.

Folge 1: https://www.youtube.com/watch?v=oDMOzXxgV4E&t=30s (Abre numa nova janela)

Folge 2: https://www.youtube.com/watch?v=-CVbCWsxfOM&t=9s (Abre numa nova janela)

Diese Reihe geht bis zum Ende meines Stipendiums. Ich hoffe, ihr habt so viel Spaß mit dem Vlog, wie ich beim Erleben der Dinge, die ich dort mit euch teile. Und wenn ihr den YouTube-Kanal abonniert, verpasst ihr keine Folge.

Shortstory des Monats

Im Zuge der Arbeit an meinem Roman Gorbach haben es einige Kapitel seinerzeit nicht ins gedruckte Buch geschafft, aus den verschiedensten Gründen. Eines dieser Kapitel könnt ihr ab sofort in der aktuellen Ausgabe des Literaturmagazins Kassiber lesen, es trägt den Titel Die Sicherheitsunterweisung. Der Kassiber kostet 10 Euro und ist über diese E-Mail-Adresse bestellbar: kassiber.redaktion@proton.me (Abre numa nova janela). Viel Spaß euch mit dem Gorbach-Hidden-Track.

Buch des Monats

Ein Buch, das mich im letzten Monat wirklich nicht mehr losgelassen hat, war Die Rache der Polly McClusky, von Jordan Harper, und das gleich aus mehreren Gründen. (Über einen dieser Gründe erzähle ich in meinem Instagram-Format Sonntag ist Buchempfehlungstag, den Link findet ihr hier: https://www.instagram.com/p/DZ2xrgXPGJf/ (Abre numa nova janela)

In dem Roman wird Nate McClusky aus einem kalifornischen Gefängnis entlassen. Er kommt aus dem Bau, klaut ein Auto und entführt seine Tochter, Polly, die er Jahre nicht mehr gesehen hat. Er fährt zu ihrer Schule, schmeißt sie ins Auto, flieht aus der Stadt und ins nächste Motel. Und während Nate seiner Tochter beibringt, wie man jemanden am schnellsten erwürgt, erfährt Polly in den Nachrichten vom gewaltsamen Tod ihrer Mutter. 

Immer wieder saß ich da beim Lesen und dachte: Ich kenn das. Ich hab das Buch hier noch nicht in Händen gehabt, aber ich kenn die Geschichte! Und nach kurzer Recherche fand ich heraus: Es gibt eine Verfilmung. Die kannte ich, und ich erinnerte mich, wie ich beim Ansehen des Films die ganze Zeit dachte: Was für eine krasse Geschichte ist das denn bitte?

Cover des Buchs Die Rache der Polly McClusky. Von Jordan Herper.
Buch des Monats: "Die Rache der Polly McClusky". Von Jordan Herper.

Die Rache der Polly McClusky ist eine Art Neo-Hard-Boiled-Noir-Roadtrip unter der Sonne Kaliforniens. Und wer die Bücher von Donald Ray Pollock (Knockemstiff) oder Ryan David Jahn (Der Cop) gemocht hat, der wird die Geschichte um Nate und Polly lieben, ich hab das getan. Auch weil ich schon sehr lange nicht mehr so eine Stimmung in einem Buch gefunden hab: dunkel, erdig, ätzend bitter. 

Inspiration des Monats

Und dann ist da noch Tommy Lee. Der Schlagzeuger von Mötley Crüe hat von Haus aus schon einen Hang zu theatralischen, pompösen und völlig aus dem Ruder laufenden Auftritten. Aber das, was er da im Staples Center in Los Angeles abliefert, diesen Superlativ eines Schlagzeugsolos, das lässt mich immer und immer wieder mit weit aufgerissenem Mund und breitem Grinsen zurück. Und das Faszinierende: Es verliert niemals an Strahlkraft. Wenn ich bei einer Idee, egal aus welchem Bereich, an den Punkt komme, an dem ich denke: Das geht nicht. Unmöglich. Dann seh ich mir dieses Video an, staune und denke: Alles klar, ich hab’s verstanden, geht nicht gibt’s nicht. Und selbst wenn ich mit der Idee scheitere, ist das völlig egal, weil selbst Tommy Lee scheitert hier. Und macht das die Show schlechter? Nein! Es macht den Typ nur menschlicher. Also gebt euch diese 15 Minuten und staunt, so wie ich es tue, immer wieder. Und denkt daran: Geht nicht gibt’s nicht: https://www.youtube.com/watch?v=Rr1VcVo_Eus (Abre numa nova janela)

Und jetzt raus mit euch, habt einen guten Sommer. Und immer auch ein Auge auf euren E-Mail-Posteingang. Denn diesen Monat kommt noch ein weiterer Newsletter, etwas Großes, Wichtiges, für euch und für mich.

Cliffhanger kann ich.

Mit freundlichen Grüßen

Hank Zerbolesch