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Moderne Zeiten: Was das alles heißt

»Der Hingucker« ist ein Videonewsletter über moderne Architektur. Aber was heißt eigentlich modern? Ursprünglich wollte ich einfach ein kleines Textposting schreiben, das ein paar vage Vokabeln definiert; über die Monate ist daraus ein ausgewachsenes Glossar entstanden.

A

Amsterdamer Schule ist eine 1916 aufgekommene Bezeichnung für eine Gruppe mehr oder minder expressionistischer Architekten, die um 1913 aufkam und ihre Hochphase in den darauffolgenden zehn Jahren hatte. Insbesondere, wie schon der Name sagt, in Amsterdam brachte sie großangelegte architektonische und städtebauliche Entwürfe hervor, die skulptural, ausdrucksvoll und dynamisch sind. Die klassische Moderne hat sich von der Amsterdamer Schule zunächst eher distanziert. Spätestens mit der Postmoderne und mit dem neu erwachten Interesse an älteren Traditionen des Städtebaus kam das Interesse zurück.

Art déco (von »art décoratif«, dekorative Kunst) ist eine Architektur- und Design-Stilgruppe der Zwischenkriegszeit, die vereinfacht gesagt Aspekte von Jugendstil (Leichtigkeit, Dekorativität, organische Motive) und Moderne (Monumentalität, Klarheit, neuartige Materialien) zusammenbringt. Die Edelstahl-Zierate an der Spitze klassischer Wolkenkratzer oder die präkolumbianisch inspirierten Ornamente amerikanischer Kunststoff-Radios der 30er Jahre sind typische Beispiele. Ganz platt gesagt: Art déco ist der »Batman-Stil«.

B

Das Bauhaus war eine ungeheuer einflussreiche deutsche Kunst-, Kunstgewerbe- und Bauhochschule, die zwischen 1919 und 1933 existierte und u.a. eine ganze Reihe herausragender moderner Architekten hervorgebracht hat. Es gab aber natürlich noch moderne Architektur jenseits des Bauhauses. Einen spezifischen »Bauhausstil« gibt es streng genommen nicht: In der Frühphase war der Expressionismus einflussreich, danach dominierte zunehmend das, was man heute Klassische Moderne nennt. Doch es gibt eine ganze Reihe von Merkmalen, die viele Entwürfe von Bauhaus-Architekten gemeinsam haben, so dass auch mir das Wort regelmäßig herausrutscht.

Brutalismus ist ein Begriff, der um 1955 aufkommt und mit »béton brut«, also rohem Sichtbeton, zu tun haben kann, aber nicht muss. Es gibt auch Backstein- und Glas-Stahl-Brutalismus. In der Regel versteht man unter brutalistischen Gebäuden große bis riesige Objekte mit großflächig unverkleidet freiliegenden Baustoffen, die etwas ausdrucksvoller und geometrisch komplexer sind als die Quader-Anordnungen des International Style. Die allermeisten heute als brutalistisch geltenden Gebäude zeigen daher viel Sichtbeton und nicht-rechtwinklige Elemente – also spitze oder stumpfe Winkel, Rundungen, Wölbungen. Damit, dass ein Gebäude besonders »brutal« aussieht, insbesondere im städtebaulichen Kontext, hat der Begriff Brutalismus nichts zu tun, obwohl heute aus diesem Fehlschluss heraus ständig Gebäude als brutalistisch beschimpft werden, die es nicht sind.

D

Dekonstruktion oder Dekonstruktivismus ist ein auf den Mainstream der Moderne (International Style, Brutalismus) und die Postmoderne reagierender Baustil, der um 1980 aufkommt. Charakteristisch ist ein Verständnis von Architektur, das nicht Harmonie und Einheitlichkeit sucht, sondern die Aufgaben des Bauens als Probleme behandeln und diese Probleme nach außen exponieren will. Die Dekonstruktion stand zumindest anfänglich in begrenztem Umfang im Dialog mit der gleichnamigen (wesentlich älteren) philosophischen Strömung, die Bezüge sind aber oberflächlich. Wichtige Vertreter sind Coop Himmelb(l)au, Frank Gehry, Zaha Hadid und Daniel Libeskind.

E

Expressionismus in der Architektur ist eine Stilgruppe, die vor dem Ersten Weltkrieg aufkommt und ihre Blütezeit in den 20er Jahren hat. Sie ist durch ausdrucksvolle, oft geschwungene oder gezackte Formen, aufwändige kunsthandwerkliche Ausgestaltung und – ähnlich wie der Expressionismus in anderen Kunstdisziplinen – durch einen überschwänglichen Gestus und schillernde politische Radikalität gekennzeichnet. Das Bauhaus hatte ganz zu Anfang eine kurze expressionistische Phase. Die bekannteste Ausprägung ist der norddeutsche und nordwestdeutsche Backsteinexpressionismus, es gibt aber auch expressionistische Bauten in Putz oder Sichtbeton.

F

Funktionalismus ist ein Begriff, unter den man große Teile der modernen Architektur einordnen könnte, wenn man wollte, da die Orientierung des Bauens an der Funktion von unzähligen Architekten aller möglichen Stile beansprucht wurde. Spricht man aber nur von funktionalistischer Architektur ohne irgendwelche anderen Qualifikationen, ist oft eine Spielart der frühen Moderne in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit gemeint.

H

Heimatschutzstil, auch verkürzt Heimatstil, nennt sich eine Strömung gemäßigt modernen, regional beeinflussten Bauens ab kurz nach 1900. Ihre letzten Ausläufer enden in den 60er Jahren. Man kann die Heimatschutzarchitektur als eine konservative Alternative zu klassischer Moderne und Expressionismus betrachten. Ihre Bauten sind im Vergleich zum vorausgehenden Historismus viel einfacher und schmuckloser, wollen nationale und regionale Traditionen aufnehmen und produzieren damit am Ende auch wieder eine »erfundene Vergangenheit«. Für heutige Augen sind Heimatschutz-Neubauten von nach Kriegszerstörung vereinfacht wiederhergestellten Altbauten kaum zu unterscheiden, Wohnhäuser sehen oft aus wie sehr groß geratene Nachkriegs-Einfamilienhäuser. Nicht zu verwechseln ist der Heimatschutzstil mit dem Heimatstil des ausgehenden 19. Jahrhunderts, der schnörkelig und mit viel Laubsägearbeit dekorierte Kurhotels hervorbrachte, außerdem Altstadthäuser mit Fachwerk in fantasievollen, statisch unsinnigen Formen, die man gerne viel älter schätzt.

Historismus heißt eine Gruppe von Architekturstilen des 19. Jahrhunderts, die Anregungen und Formen von Stilen der Vergangenheit aufgreifen, oft, um große, techniklastige Gebäude auszugestalten, die in ihrer Struktur recht modern sind. Typisch für den Historismus sind die großen Bahnhöfe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts: Eine recht nüchterne, technisch hochmoderne Gleishalle in Eisenbauweise wird kombiniert mit einem Empfangsgebäude im historistischen Dekor – angelehnt an Antike, Spätantike, Renaissance, Gotik, Romanik, mesopotamische Vorgeschichte oder alles zugleich. Die Tendenz des Historismus, riesige, oft wahllose, überladene Zusammenstellungen von Dekorelementen verschiedenster Herkunft zu produzieren, führte zu Gegenbewegungen und diese mündeten letztlich in der Moderne. Moderne Architektur ist in ihren Anfängen nur zu verstehen, wenn man weiß, wovon sie sich abgrenzt.

I

Der Begriff International Style oder internationaler Stil wurde durch eine Ausstellung im Jahre 1932 über modernes Bauen der vorangegangenen zehn Jahre geprägt. Er bezeichnet eine Ausprägung der klassischen Moderne, die sich in der Nachkriegszeit als eine Art Konsensstil etabliert hat und bis in die 60er Jahre einflussreich geblieben ist.

J

Jugendstil, benannt nach der Zeitschrift Jugend, anderswo meist Art nouveau, ist ein ca. 1895 aufkommendes Bündel von Reformbewegungen in sämtlichen Künsten und Kunstgewerben, das eine durchgreifende Erneuerung anstrebt. Kennzeichen sind die bekannten dynamisch-geschwungenen, pflanzlichen Ornamente, aber auch ein insgesamt entlasteter, »heiterer«, weniger historische Repräsentationsarchitektur nachahmender Baustil. Schon nach gut zehn Jahren beginnt der Jugendstil wieder auszulaufen; er hält sich im Design noch eine ganze Weile und geht tendenziell ins Art déco über, in der Architektur wird er v.a. von der Reformarchitektur abgelöst, die die Moderne vorbereitet.

K

»klassisch« ohne weitere Bestimmung ist im Diskurs gegen moderne Architektur ein polemischer Kampfbegriff und das Gegenteil von »modernistisch«. »Klassisch« werden v.a. Baustile genannt, die es entweder vor der Industrialisierung gab oder die Stile aus dieser Zeit imitieren: also Romanik, Gotik, Barock, Klassizismus und alle historistischen Stile, gerne aber auch Expressionismus, Reduktionsklassizismus usw.

Klassische Moderne nennt man eine einflussreiche, definitive Gruppe moderner Stile in der Zwischenkriegszeit: das, was man gerne als »Bauhausstil« bezeichnet, obwohl das nicht alles abdeckt.

Konstruktivismus ist bekanntlich ein schillernder Begriff, in der Architektur bezieht er sich vor allem auf einen bedeutenden frühmodernen Stil in Sowjetrussland bzw. später der Sowjetunion. Die Gebäude zeichnen sich durch radikal funktionale Konzeption aus und, wie so viele Stile der Epoche, durch eine hochideologische theoretische Rhetorik. Für das Laienauge ist die Abgrenzung zu anderen Stilen der Zeit und insbesondere zum zeitgleichen, konkurrierenden sowjetischen Rationalismus durchaus schwierig.

Kritischer Regionalismus nennt man den Versuch, moderne Architektur zu machen, die sich, vereinfacht ausgedrückt, an einen Ort, eine Region, eine Tradition anpasst, ohne Kinkerlitzchen zu veranstalten. (Im Gegensatz zur gleichzeitig entstehenden Postmoderne, die im Prinzip darauf beruht, ohne schlechtes Gewissen so viele Kinkerlitzchen zu veranstalten wie möglich.) Der Begriff kommt Mitte der 70er auf, lässt sich aber auf Bauten seit der Nachkriegszeit beziehen. Hochburgen sind die Schweiz, Italien und die nordischen Länder.

Kubismus in der Architektur hat, anders als man vielleicht erwarten würde, mit dem gleichnamigen einflussreichen Stil der bildenden Künste wenig zu tun. Es handelt sich um einen regional auf die Tschechoslowakei und ihre Vorgängergebiete beschränkten Stil irgendwo zwischen Expressionismus und früher klassischer Moderne, der nach dem Ersten Weltkrieg relativ bald in den Rondokubismus übergeht.

M

Metabolismus ist eine in Japan ab 1960 aufkommende Bewegung von Architekten, die Gebäude und Städte als flexible, veränderungsfähige, modulare Systeme konzipierten. Die wenigen realisierten Gebäude sind ikonisch, jedoch zum Teil schon wieder abgerissen; das Konzept z.B. von Wohn- oder Büromodulen, die austauschbar an einem zentralen Kern angehängt werden, ist wirkungsmächtig geblieben, wenn auch selten konsequent umgesetzt.

Mid-century modern ist ein Begriff, der nachträglich (ab den 80er Jahren) eingeführt wurde, um das klassisch gewordene Design der Mitte des 20. Jahrhunderts zu bezeichnen, vor allem bei Möbeln. Darunter fallen Objekte aus ganz unterschiedlichen Stilen wie der Eiermann-Schreibtisch, der Eames-Sessel oder Regalsysteme wie String und 606. In Erweiterung wird inzwischen alles als »mid-century« bezeichnet, was sich nicht dagegen wehrt, von organischer Architektur der Nachkriegszeit bis hin zu Farbflächenmalerei oder nostalgischen Elektrogeräten.

»Minimalismus« ist im Architekturzusammenhang keine eingeführte Stilbezeichnung, sondern wird eher von außen an Bauten herangetragen. Modernes Bauen ist oft in gewissem Sinne minimalistisch, man spricht tendenziell aber eher davon, dass etwas »reduziert« ist.

Moderne ist ganz grob gesagt das, was nach dem Historismus kommt, also Architektur, die sich vom Imitieren historischer Stile losgelöst hat. Die Übergänge sind natürlich fließend und es gibt auch »moderne« Stile aus vormoderner Zeit, aber so ganz grob geht es mit der Moderne zwischen 1900 und 1910 los.

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»modernistisch« ist ein schwieriges Wort. Im Englischen heißt »modernist architecture« einfach »moderne Architektur«, aber im Deutschen hat »modernistisch« einen dezent herabwürdigenden Klang. Das hat u.a. damit zu tun, dass »Modernismus« ab dem 19. Jahrhundert lange Zeit eine Vokabel der katholischen Kirche war, um bestimmte rational-wissenschaftliche Entwicklungen zu bezeichnen, die die Amtskirche seinerzeit energisch bekämpfte. Vertreter einer konservativen bis reaktionären Architekturauffassung z.B. in sozialen Medien haben die Tendenz, alles Mögliche als »modernistisch« zu bezeichnen und es damit abwerten zu wollen. Gegenstück in dieser Polemik ist »klassisch«.

N

Neohistorismus ist ein Oberbegriff für Neubauten aus der Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg bis heute, die sich eines ähnlichen Repertoires historischer Formen bedienen wie der Historismus, die aber keine verlorenen Gebäude rekonstruieren. Was Gegner des modernen Bauens heute gerne als »traditionelle« oder »klassische« Architektur bezeichnen, ist in der Regel neohistoristisch, wenn es keine Rekonstruktion ist.

Neue Sachlichkeit kennen wir aus der Literatur und der bildenden Kunst der Zeit vor allem zwischen den Weltkriegen. In der Architektur der Zeit bezeichnet man damit grob gesagt das, was kein Expressionismus ist, aber auch nicht den eher traditionalistischen Stilen wie dem Heimatschutzstil zugehört.

Neues Bauen ist ein Schlagwort für die Klassische Moderne in Deutschland und drumherum, insbesondere in ihrem Charakter als Bewegung, die große neue Wohnsiedlungen hervorbrachte. Das Neue Bauen ist geprägt durch Bauhaus, De Stijl und den Werkbund. Es grenzt sich von Stilen ab, die klar an die Tradition anschließen, vor allem von der Heimatschutzarchitektur. »Neue Sachlichkeit« und »Neues Bauen« sind sehr ähnliche Begriffe; »Neues Bauen« als Schlagwort hat eine starke Assoziation zur politischen Sozialdemokratie.

NS-Architektur gibt es als einheitlichen Stil nicht, weil im Dritten Reich je nach Bauaufgabe unterschiedliche Ansätze favorisiert wurden. Am stärksten mit dem Nationalsozialismus verbunden wird ein maßlos aufgeblasener Reduktionsklassizismus. Es wurden aber z.B. auch Bauten im Heimatschutzstil errichtet, während der Industriebau sich nie von der Moderne abwandte.

O

Organische Architektur ist ein schillernder Ausdruck, der ganz verschiedenartige Baustile umfasst. Sie haben alle ein Denken gemeinsam, das das Gebäude als analog zu einem lebenden Organismus begreift. Das kann entweder recht abstrakt bedeuten, dass verschiedene Komponenten entsprechend ihrer Funktion zu einer »organischen« Einheit zusammengeordnet sind; oder aber, dass das Gebäude und seine Eigenschaften miteinander und der Umgebung »organisch« zusammenspielen sollen; oder aber auch an die Natur angelehnte (oft gekrümmte) Formen. Ein früher und wichtiger Vertreter der organischen Architektur v.a. im ersten und zweiten Sinne ist Frank Lloyd Wright. Seine asymmetrischen, in die Landschaft eingepassten Grundrisse und Formen inspirierten die Klassische Moderne.

Ostmoderne ist eine nachträglich (ab ca. 2000) geprägte Sammelbezeichnung für die Architektur der DDR und anderer realsozialistischer Länder. Es gibt keinen einheitlichen oder auch nur einen typischen »ostmodernen« Architekturstil.

P

Die Postmoderne ist in der Architektur eine ab Anfang/Mitte der 70er Jahre einsetzende und bis Anfang des 21. Jahrhunderts anhaltende stilistische Strömung, die sich gegen alle Formen von strengem Funktionalismus wendet. Ihr zugrunde liegen verschiedene theoretische Überlegungen, z.B., dass die klassische Moderne es bei aller Mühe nicht hinreichend geschafft hat, ihren Anspruch einzulösen, Gebäude zu schaffen, bei denen Form und Funktion zwangsläufig und sichtbar miteinander verbunden sind; oder auch, dass Gebäude ruhig zwei Sachen auf einmal sein können, z.B. oberflächlich »cool« und gleichzeitig voller Anspielungen, die nur Profis verstehen. Die Postmoderne macht alles, was man vorher nicht durfte, sie ist dekorativ, bunt, voller funktionsloser Elemente, greift Versatzstücke aus allen Epochen auf und versucht generell, unterhaltsam und ansprechend zu sein. Bis heute scheiden sich an dieser Architektur die Geister. Viele bedeutende Werke der Postmoderne, die man in Geschichtsbüchern findet, sind bereits wieder zerstört. Andere sind ikonische Wahrzeichen geworden, z.B. der Frankfurter Messeturm oder der Neubau der Stuttgarter Staatsgalerie.

R

Rationalismus ist ganz allgemein eine Bezeichnung für den Anspruch, aus der Vernunft allein (und z.B. ohne Berücksichtigung von Traditionen oder Emotionen) zu einem Schluss zu kommen. In der Architektur gab es mit dem italienischen Rationalismus (Razionalismo) und dem sowjetischen Rationalismus zwei frühmoderne Strömungen, die sich so nannten. Der italienische Rationalismus war faktisch die offizielle Architektur des italienischen Faschismus, ist aber dennoch bis heute höchst einflussreich. Ganz ehrlich könnte man an viele der Schlüsselbauten des Razionalismo auch dranschreiben, sie seien aus den 2010er Jahren, und es würde einen nicht wundern.

Reduktionsklassizismus ist eine Architektur, die sich an klassizistische Formen anlehnt (das heißt v.a.: Säulen), aber diese stilisiert und vereinfacht, oft in monumentalem Maßstab. Der Stil etabliert sich kurz vor dem Ersten Weltkrieg und wird in der Zwischenkriegszeit zum gängigen Stil des öffentlichen Bauens in vielen Ländern, und das für lange Zeit: In den USA hält er sich z.B. bis in die 1960er Jahre. Ein sehr groß aufgeblasener Reduktionsklassizismus ist der architektonische Stil, der heute am stärksten mit dem Nationalsozialismus assoziiert wird; der Umkehrschluss ist jedoch eben nicht möglich, weil jahrzehntelang quasi überall so gebaut wurde.

Reformarchitektur ist ein Oberbegriff für die Versuche, sich von den als überladen, schwülstig und theoretisch fehlschlüssig empfundenen Baustile der Zeit um 1900, insbesondere dem Historismus, zu emanzipieren. Typisch ist z.B., dass die Fassaden anfangen, flacher zu werden, mit weniger Gesimsen und Zierrat um die Fenster, auch wenn die sonstige Formensprache immer noch recht hergebracht ist.

Rondokubismus ist ein Baustil, der runde und eckige Elemente zu irgendwie gleichzeitig verspielten und groben Gebäuden zusammenbringt. Er war der Nationalstil der jungen Tschechoslowakei nach dem Ersten Weltkrieg.

S

De Stijl war eine niederländische Künstlervereinigung, noch etwas früher entstanden als das Bauhaus, aus der heraus ebenfalls modern gebaut wurde.

Strukturalismus ist eine der Gegenbewegungen zum Funktionalismus ab ca. den 70er Jahren. Obwohl strukturalistische und poststrukturalistische Philosophie in der Architekturtheorie durchaus rezipiert wurden, gibt es hier tendenziell eher keinen direkten Bezug. Strukturalistische Bauten bestehen oft aus Zusammenordnungen von Modulen und sollen den Nutzenden in irgendeiner Weise Freiheit einräumen, aus den Räumen das zu machen, was sie für richtig halten. Der wichtigste strukturalistische Bau Deutschlands ist sicher der Komplex Rost- und Silberlaube der Freien Universität Berlin. Viele andere modulare Hochschulbauten haben auch strukturalistische Elemente.

W

Weiße Moderne ist ein Oberbegriff für geometrische, strahlend weiße, ornamentlose Architektur, ursprünglich inspiriert vom traditionell weißgetünchten Bauen im Mittelmeerraum. Darunter fallen viele Gebäude der Klassischen Moderne. Manchmal wird mit »Weiße Moderne« spezifisch das dominante moderne Bauen im heutigen Israel in der Zwischenkriegszeit bezeichnet, wo sich die weltweit größten Ansammlungen moderner Gebäude dieser Epoche befinden. Es gibt bis heute Gebäude in der Tradition der Weißen Moderne. Insbesondere der Name Richard Meier verbindet sich damit.

Der Deutsche Werkbund war eine Initiative von Kunst und Wirtschaft zu Verbesserung der Gestaltung und Qualität so ziemlich aller Produkte überhaupt (Gebäude eingeschlossen). Er wurde 1907 gegründet und gilt als Wegbereiter für eine ganze Reihe moderner Entwicklungen, u.a. für das Bauhaus.

Z

Zackenstil, Zickzackstil oder auch Zickzackmoderne nennt man insbesondere in Deutschland Gebäude der 1920er Jahre, die zwischen Expressionismus, Reduktionsklassizismus und Art déco stehen: relativ schlichte Großformen, die mit gezackten und gebrochenen Details und Ornamenten verziert sind. Die Übergänge zu anderen Stilen sind wie immer fließend. Der bekannteste Großbau im Zackenstil dürfte das Grassi-Museum in Leipzig sein. In Marburg war zeitweilig ein eigener »Marburger Zackenstil« ausgeprägt; größtes Beispiel ist das Kunstgebäude der Universität.

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