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Von klugen Meisen und rollenden Eiern

Tiere sind ausschließlich instinktgesteuert. Lernen, Fühlen, Trauern können sie nicht! Heute ruft diese Aussage heftiges Kopfschütteln hervor, früher war sie wissenschaftlicher Konsens.

Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde Intelligenz einzig dem Menschen zugesprochen. Auch ich habe dies noch während meines Studiums so gelernt. Doch sogar kleine Meisen beweisen das Gegenteil.

Bannerbild mit dunkelgrünem Hintergrund. Links eine hellgrüne Eulen-Grafik mit dem Text: Biodiversität im Fokus. Rechts steht in Weiß: Tierisch Vielfältig! Der Newsletter.

Bis Ende Mai wohnte dem gegenüberliegenden Balkon ein Zauber inne. Nicht, weil dort ein gutaussehender Nachbar Wäsche aufhing oder die Blumenpracht bombastisch war. Nein, der eigentliche Grund hatte Flügel, war mit 11 bis 12 Gramm Körpergewicht etwa so leicht wie eine 20-Cent-Münze und eine echte Kämpfernatur. Genauer gesagt ging es um zwei kleine Meisen. Zumindest lassen das ihr Gesang und die wellenförmige Flugbahn vermuten (später ergänzt durch das folgende, leider unscharfe Beweisfoto).

Eine Meise mit schwarzem Augenstreif sitzt an einem Fensterahmen unter einem Balkon. Dort ist das Nest.

Die beiden bildeten wohl ein Pärchen, hatten gegenüber an der Hausfassade ein Nest gebaut. Und zwar in einer kleinen Nische, die zwischen einem Fensterrahmen und dem Balkon darüber liegt. Man sah es nicht, doch das Nest war da. Sonst hätten sich die beiden knuffigen Vögel wohl kaum die Mühe gemacht, etwa drei Mai-Wochen lang dort mehrmals täglich ein- und auszufliegen. Und hier kommen wir zum Zauber.

Auf geradem Wege ging es nicht

Noch im März hüpfte eines der Tiere mit schöner Regelmäßigkeit im Baum vor dem späteren Nest umher, flog aufgeregt von Ast zu Ast, versuchte manchmal den Anflug in die Mauernische, drehte mittendrin ab oder landete auf einem Balkon, der zwei Stockwerke über/unter dem eigentlichen Ziel lag. Es hatte offenbar ein optisches Problem. Doch das emsige Tier versuchte es immer wieder.

Das andere Tier gab die Partnerschaft trotzdem nicht auf, flog immer wieder auf direktem Wege zum Ziel, landete, zwitscherte laut – und flog postwendend wieder zurück. In meiner Vorstellung glich dieses Verhalten einer Aufforderung. Denn das andere Tier folgte dieser einige Male, versuchte den Anflug erneut, bis es wohl einfach nicht mehr konnte. Dann zwitscherte es seinerseits, flog mitten im Versuch einen anderen Baum an und gab vorerst auf. Doch nur, um es in den nächsten Tagen noch einmal zu versuchen. So ging das wochenlang (vermutlich gab es längere Pausen, ich sitze ja nicht stunden- und tagelang auf dem Balkon 😉).

Anfang Mai dann die Überraschung!

Nach vielen Versuchen hatten die Federknäuel, scheinbar noch rechtzeitig zur Brutsaison, eine Lösung gefunden, sich durch „Trial and Error“ an die Situation angepasst. Reines Wunschdenken meinerseits? Nein. Die Unterschiede ließen sich gut beobachten, da beide Vögel manchmal gleichzeitig auf Futtersuche waren.

Tópico Verhaltensvielfalt

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