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Update: Igel-Bestand unbekannt?

Igelschutz fängt bereits im Garten an und ist gar nicht so schwer. Viel schwerer ist es, genaue Zahlen über den Bestand der Stacheltiere zu erhalten.

Wer sich für die Natur interessiert, kommt am Igel kaum vorbei. Doch wie viele der Tiere stromern hierzulande wirklich umher? Das versucht die Wissenschaft zu erforschen, BürgerwissenschaftlerInnen können beim Monitoring helfen.

Braunbrustigel im braunen Waldlaub vor einem Baumstamm sitzend. Dieser ist mit grünem Moos bewachsen.
Bildquelle: Hrald, Papa Lima Whiskey (edit), CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Igel sind beliebt, keine Frage. Vor einiger Zeit wurde unsere heimische Art, der Braunbrustigel, sogar zum Tier des Jahres 2024 (Abre numa nova janela) gewählt. Im Laufe der Evolution haben sich die putzigen Insektenfresser einige Lebensräume erobert. Dazu gehören mittlerweile Gärten, städtische Parks, Magerwiesen und der Wald. Trotzdem scheint ihre Zahl in den letzten Jahren abzunehmen. Die internationale „Rote Liste“ (IUCN) stufte den europäischen Braunbrust- oder Westigel (Erinaceus europaeus) im Jahr 2024 sogar als potenziell gefährdet (Abre numa nova janela) ein. Auch in Deutschland steht die Art auf der Vorwarnliste. Aber wie kam es dazu?

Warum gibt es weniger Igel?

Die Liste der menschengemachten Probleme ist lang. Dazu gehören chemische Insektenschutzmittel, Steingärten und Mähroboter, die zur besten Wanderzeit in der Dämmerung oder nachts durch den Garten kurven. Außerdem sind viele Zäune und Mauern für Igel unpassierbar geworden (Tipps für einen igelfreundlichen Garten findest du im Artikel Igel im Winter: Dickes Fettpolster als Überlebensprinzip (Abre numa nova janela)).

Auf unseren dicht befahrenen Straßen kommen ebenfalls viele Igel zu Tode. Selbst der Klimawandel macht den Stacheltieren zu schaffen: Jahres- und Blühzeiten verschieben sich, es gibt mehr warme Winterwochen, die Sommer sind extrem heiß und/oder trocken, die Zahl der Insekten nimmt immer weiter ab. Erschwerend kommt hinzu, dass Igel pro Jahr meist nur einmal Junge bekommen. Verluste können also nur schwer ausgeglichen werden.

Datenquelle: Totfund

Aber wie viele Braunbrustigel gibt es denn nun wirklich? Eine bundesweite Bestandserfassung fehlt meines Wissens aktuell. Die Nabu Naturgucker wollen dies mit dem Citizen-Science-Projekt Deutschland sucht Igel und Maulwurf ändern. Die Zählung (Link unten) begann im Jahr 2023, um wirklich valide Aussagen zu treffen, sind jedoch noch mehr Beobachtungsrunden nötig. So behilft man sich bisher – in der Wissenschaft üblich – mit anderen repräsentativen Datenquellen. In Bayern war dies laut Rote-Liste-Zentrum (Abre numa nova janela) die Zahl der überfahrenen Igel auf den Straßen, welche in den letzten 40 Jahren deutlich zurückging. Die Schlussfolgerung: Weniger Totfunde bedeuten weniger Igel.

Ein Uhu im Geäst. Gut zu sehen das schwarz-gelbbraun-weiße Federkleid. Ein Auge ist geschlossen.
Uhus können Igel tatsächlich erbeuten. WissenschaftlerInnen untersuchen daher ihre Hinterlassenschaften: Haben die Eulenvögel einen Igel gefressen, lässt sich das nachweisen.

Eine etwas morbide Datengrundlagen, gebe ich zu. Doch durchaus relevant. Denn in Thüringen untersuchten ForscherInnen die Hinterlassenschaften von Greifvögeln und kamen zu einem ähnlichen Schluss.

Vielleicht gibt es einfach nicht mehr so viele tierische Verkehrsopfer, könnten Optimisten (zu denen ich normalerweise auch zähle) einwenden. Doch die Zahl der motorisierten Fahrzeuge auf bundesdeutschen Straßen (und damit der Verkehr) nimmt kontinuierlich zu. Für das Jahr 2025 vermeldet das Portal Statista einen Rekord: Über 61 Millionen angemeldete Kraftfahrzeuge (Abre numa nova janela) soll es demnach in Deutschland geben. Das Risiko für einen Igelunfall müsste also steigen, nicht sinken.

Datensammlung am lebenden Objekt

WissenschaftlerInnen versuchen ebenfalls, die Datenlücken zu füllen. So untersucht das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), wie sich Igel an ihren städtischen Lebensraum anpassen und wie man sie besser schützen kann. Auch der Fachbereich Biologie meiner Lieblingsuniversität Hamburg (UH) hat sich mit dem Bewegungsmuster der Stacheltiere beschäftigt.

Zudem gibt es viele Citizen-Science-Projekte zum Igelmonitoring, welche die Datenlage verbessern könnten. Drei Beispiele habe ich exemplarisch herausgesucht. Wer mag, meldet Funde über die folgenden Portale:

Wer ein anderes Projekt kennt: Ich würde mich über einen Tipp freuen und leite den Link auch gerne an die Tierisch-Vielfältig-Community weiter!

Einige Wochen dauert es noch, bis die ersten Stachelkugeln aus dem Winterschlaf aufwachen. Vielleicht hast du dann Lust und Gelegenheit, beim Monitoring mitzumachen.

Viel Spaß mit der Vielfalt,

Deine Kerstin

Ausblick

In der nächsten Ausgabe dreht sich wieder alles um spannende News aus dem Ticker (Abre numa nova janela) (für Mitglieder). Und Ende März wird es um den Lebensraum Glockenblume (Abre numa nova janela) gehen.

Feedback willkommen

Du hast einen Tipp, Wunsch oder Verbesserungsvorschlag? Ich freue mich auf deine Email oder über eine Nachricht auf Social-Media:

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https://steady.page/de/backend/publications/7a53356b-5a96-4791-ad1e-a85d9dc2837f/posts/0cbf07ca-2f71-409f-b4de-1fc6d5f04340/edit (Abre numa nova janela)
Tópico Lebensräume

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