Saltar para o conteúdo principal

LebensSpuren #13: Hitzefrei

Oma (101) und Emi (95) beim 26 Grad kühle Luft fächern im Keller.
Zum anhören


Vorletzte Woche noch Langarmshirt. Bochum, Düsseldorf, Bremen, knapp zweistellige Temperaturen.

Dann die Heimfahrt. Und dieser Moment kurz nach der Ankunft zu Hause, in dem man denkt: War das hier schon immer so heiß?

Dabei kommt mir der Song in den Kopf:

„36 Grad und es wird noch heißer …“

Vom norddeutschen Nieselregen also direkt in die erste große Hitzewelle des Jahres. Noch bevor der Körper Zeit hatte, sich umzustellen.

Wobei ich ehrlich zugeben muss: Selbst mit der halben Lebenserfahrung von Oma macht mir das schon zu schaffen.

Was machen 36 Grad erst mit 101 und 95 Jahren?

Das Erste, was wir ändern, ist der Aufenthaltsort.

Oma ist in diesen Tagen beinahe jeden Tag bei uns im Haus. Emis Wohnung im zweiten Stock hat als Tageszentrum weitgehend ausgedient. Stattdessen ziehen die beiden gemeinsam in die Sommerküche um.

Emi unterwegs in die kühle Sommerküche im Keller.
Emi unterwegs in die kühle Sommerküche im Keller.

Sie liegt im Keller, ein Teil der Außenmauern steckt im Erdreich. Während es draußen flimmert, hält sie sich bei angenehmen 26 Grad.

Oma zieht dort sogar wieder ihre Weste an.

Am Samstag haben wir ihr den Gottesdienst auf K-TV über das iPad laufen lassen. Sie saß zufrieden vor dem Bildschirm, als hätte die Hitze draußen nichts mit ihr zu tun.

Für ein paar Stunden stimmt das sogar.

Im Alter lässt das Durstgefühl häufig nach. Gleichzeitig kann der Körper seine Temperatur nicht mehr so gut regulieren wie früher. Vorerkrankungen, bestimmte Medikamente, eingeschränkte Mobilität oder Demenz erhöhen das Risiko zusätzlich.

Flüssigkeitsmangel kann Schwindel, Schwäche oder Verwirrtheit auslösen. Symptome, die bei sehr alten Menschen nicht immer sofort mit der Hitze in Verbindung gebracht werden.

Deshalb reicht es nicht, einfach ein Glas Wasser hinzustellen. Oma lehnt das angebotene Glas gerne ab. Den Tee, sagt sie, hat sie sich zu Hause schon gemacht und möchte ihn später noch trinken.

Vielleicht stimmt das. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Weg zur Toilette im ersten Stock weit ist, Kraft kostet und Unterstützung braucht. Und daran, dass Oma auch mit ihren 101 Jahren niemandem zur Last fallen möchte.

Dann braucht es die richtigen Worte. Etwas Geduld. Manchmal ein Gespräch, bei dem das Glas ganz nebenbei leer wird.

Nicht mahnen. Nicht drängen. Einfach dableiben.

Auch beim Abkühlen hat jede ihren eigenen Kopf.

Oma stellt ihre Füße inzwischen bereitwillig in eine Wanne mit kühlem Wasser.

Kühle Füße, kurze Pause. Was einfach aussieht, macht an heißen Tagen einen spürbaren Unterschied.
Kühle Füße, kurze Pause. Was einfach aussieht, macht an heißen Tagen einen spürbaren Unterschied.

Emi hingegen meidet kühles Wasser wie der Teufel das Weihwasser.

Sobald sich ein feuchtes Tuch nähert, schaut sie uns an, als hätten wir etwas ausgesprochen Fragwürdiges mit ihr vor. Also beginnen wir vorsichtig. Ein feuchtes Tuch auf den Unterarmen. Kurz über die Stirn. Vielleicht später noch einmal über den Nacken.

Nicht jede gute Idee fühlt sich für den Menschen, dem sie helfen soll, sofort gut an.

Auch das gehört dazu.

Am Wochenende kam unser Paketbote um die Mittagszeit ums Eck. Er kennt inzwischen den Weg in die Sommerküche, wenn nach dem Klingeln an der Haustür niemand öffnet.

Wenn wir da sind, wartet besonders an heißen Tagen eine kühle Fritz Kola auf ihn.

Wer bei solchen Temperaturen draußen arbeitet, braucht mehr als unser Verständnis. Ein Getränk kostet fast nichts. Für den Menschen, der es entgegennimmt, kann es trotzdem viel bedeuten.

Ein paar Dinge haben sich in diesen Tagen bei uns bewährt.

Die Tagesmenge an Getränken stellen wir morgens bereit und verteilen sie dort, wo Oma und Emi sich aufhalten. So bleibt sichtbar, wie viel bereits getrunken wurde. Und das nächste Glas ist nie weit entfernt.

Wasser und ungesüßter Tee sind eine gute Grundlage. Bei Emi funktioniert eine dünne Apfelschorle besser.

Zum Abkühlen helfen feuchte Tücher auf Stirn, Nacken, Armen oder Beinen. Auch ein kühles Fußbad kann angenehm sein, sofern der Mensch es mag. Was bei Oma funktioniert, muss bei Emi noch lange nicht funktionieren.

Die Wohnung lüften wir frühmorgens und spätabends. Tagsüber bleiben Rollläden und Vorhänge geschlossen. Körperlich anstrengende Dinge verschieben wir in die kühleren Stunden.

Und dann ist da unsere Sommerküche.

Was einmal als zusätzlicher Raum für größere Runden gedacht war, ist inzwischen der angenehmste Ort im Haus.

Trotz aller kleinen Lösungen bleibt es wichtig, genau hinzuschauen.

Plötzliche Verwirrtheit, ungewöhnliche Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, eine erhöhte Körpertemperatur oder auffällig wenig Urin können Warnzeichen sein.

Bei deutlicher Benommenheit, Bewusstseinsstörungen oder einer starken Verschlechterung sollte umgehend medizinische Hilfe geholt werden.

Gerade bei Demenz ist Aufmerksamkeit besonders wichtig. Denn wer nicht sagen kann, dass ihm schwindelig ist oder der Kopf schmerzt, zeigt es vielleicht auf eine andere Weise.

Durch Unruhe. Durch Rückzug. Oder dadurch, dass plötzlich etwas nicht mehr so funktioniert wie am Tag zuvor.

Was bleibt

Oma sitzt mit dünner Decke in der Sommerküche und schaut dem Gottesdienst zu.

Emi beobachtet das Ganze und macht deutlich, dass für sie heute kein Fußbad vorgesehen ist.

Sommerküche mit Blick nach draußen
Draußen flimmert der Garten. Drinnen wird die Sommerküche zum kühlsten Ort im Haus.
Draußen flimmert der Garten. Drinnen wird die Sommerküche zum kühlsten Ort im Haus.

Der Paketbote nimmt dankend die Fritz Kola entgegen und ist froh, wenn sich seine Tagestour dem Ende nähert.

Es ist ein heißer Sommer. Und wir sind mitten in der ersten großen Hitzewelle des Jahres.

Was hilft, sind oft erstaunlich einfache Dinge.

Die Wanne fürs Fußbad. Das zusätzliche Glas Wasser. Das feuchte Tuch im Nacken. Oder umgekehrt die Weste in der 26 Grad kühlen Sommerküche, weil Oma dort längst wieder friert.

Kleine Entscheidungen, die jemand aufmerksam treffen muss, weil Oma oder Emi sie vielleicht nicht mehr selbst treffen können.

Es wirkt nicht spektakulär. Und doch macht genau diese Aufmerksamkeit den Unterschied.

Newsletter

Wenn dir diese Geschichte etwas gegeben hat, begleite uns gerne weiter. LebensSpuren erscheint alle paar Wochen. Immer dann, wenn etwas erzählt werden will.

Den Newsletter gibt es kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Quellen und Hinweise

Die gesundheitlichen Hinweise orientieren sich an den Informationen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit:

„Was tun bei Hitze? Wichtige Tipps für Menschen ab 65 und Angehörige“ (Abre numa nova janela)

„Gesundheitsrisiken von Hitze“ (Abre numa nova janela)

Die Hinweise ersetzen keine individuelle medizinische Beratung. Insbesondere bei Herz- und Nierenerkrankungen sowie bei der Einnahme bestimmter Medikamente sollten Trinkmenge und Hitzeschutz ärztlich abgestimmt werden.

Tópico Leben im Alter