Hi! Hier schreibt Laura. Am 25. November ist der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Aber kennt ihr die Geschichte dahinter? Und wisst ihr, wie ihr euch an diesem Tag engagieren könnt?
CN: Gewalt gegen Frauen
Gewalt gegen Frauen ist Alltag – weltweit. Fast jede dritte Frau erlebt mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt. Insgesamt geht die Weltgesundheitsorganisation von rund 840 Millionen Betroffenen aus. Das geht aus einem Bericht hervor, den die WHO kürzlich veröffentlicht hat (🔗 WHO (Abre numa nova janela))
Der Bericht zeigt außerdem: Obwohl Länder inzwischen mehr Daten sammeln, hat sich seit dem Jahr 2000 nur sehr wenig verbessert. Gewalt gegen Frauen bis 2030 zu stoppen, ist eines der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Dieses Ziel ist realistisch nicht mehr erreichbar.
Die Lage ist also weiterhin sehr ernst und es bleibt wichtig, auf dieses strukturelle Problem hinzuweisen. 1999 führte die UN-Generalversammlung den Aktionstag zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen ein. Aber warum eigentlich ausgerechnet am 25. November?
https://youtu.be/sq3q7QT7ilk?si=vS5X5gCZ_NlNkW_c (Abre numa nova janela)Das Datum geht auf die Ermordung der Schwestern Mirabal zurück. Am 25. November 1960 wurden sie in der Dominikanischen Republik vom Geheimdienst getötet, weil sie dem Widerstand gegen Diktator Rafael Trujillo angehörten. (🔗 bpb (Abre numa nova janela)) Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, warum gerade diese Morde zu einem internationalen Gedenk- und Aktionstag geführt haben, empfehlen wir euch dieses Video von TED-Ed (Abre numa nova janela).
Am 25. November finden an vielen Orten Deutschlands Demonstrationen und Protestveranstaltungen statt. Vielleicht ja auch bei euch? Ich möchte euch heute ein Projekt aus Berlin vorstellen.
We Want Us Alive
Am Abend des 25. Novembers wird es in Berlin-Neukölln unter dem Titel We Want Us Alive einen Trauermarsch geben. Ich durfte den Menschen hinter dem Projekt ein paar Fragen für den Newsletter stellen.

Wer seid ihr und was ist We Want Us Alive?
Wir sind Hanna Plass, Paula Thielecke, Jasna Witkoski und Jenny Ramor. We Want Us Alive ist ein größerer Zusammenschluss aus Künstlerinnen, Aktivistinnen und Feministinnen. We Want Us Alive schafft einen Ort der Sichtbarkeit, der Trauer, des Widerstands, der Hoffnung, der Kraft, des Zusammenseins und des kollektiven Erinnerns. Einen Ort für Solidarität, Community, Freude und Auseinandersetzung. Femizide sind keine Einzelfälle, kein privates Drama und schon gar kein Unfall. Sie sind Ausdruck eines Systems, das Frauenleben nicht schützt und Gewalt gegen Frauen als Kollateralschaden hinnimmt.
Was habt ihr vor und warum?
Am 25. November (dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen*) organisieren wir in Berlin einen Trauermarsch vom Hermannplatz zur Genezarethkirche und im Anschluss ein umfangreiches Programm aus Redebeiträgen, Performances, Musik und gemeinschaftlichem Gedenken. 2023 wurden in Deutschland 360 Frauen ermordet. Es gibt kaum Erinnerungsorte, kaum politische Konsequenzen und kaum Schutz. Die Femizide werden brutaler, sichtbarer und häufiger. Die Istanbul-Konvention ist in Deutschland bis heute nicht vollständig umgesetzt. Prävention wird ignoriert, Schutzräume fehlen, Forschung wird vernachlässigt. Das neue Gewalthilfegesetz tritt erst 2032 in Kraft und bedeutet, dass bis dahin voraussichtlich mehr als 2.500 weitere Frauen sterben werden. Gewalt gegen Frauen kostet jährlich 53 Milliarden Euro. Gleichzeitig fehlen Unterkünfte, Hilfsangebote, verbindliche Definitionen, Personal, Schulungen, Gedenkorte und funktionierende Verfahren. Wir veranstalten diesen Trauermarsch, weil dieser Zustand uns nicht gleichgültig sein kann und weil jedes getötete Leben zählt.
Wie kam euch die Idee zu einem Trauermarsch?
Der Trauermarsch entstand aus dem Bedürfnis, einen Raum zu schaffen, in dem kollektive Trauer über die durch männliche Gewalt getöteten Frauen möglich ist. Viele dieser Frauen verschwinden spurlos aus dem öffentlichen Gedächtnis. Wir wollen ihre Namen tragen, sichtbar und hörbar.
Wie können wir mitmachen?
Kommt selbst, bringt Freundinnen und Freunde mit, teilt die Veranstaltung auf Instagram und gebt uns Bescheid, wenn ihr Journalistinnen, Fotografen oder Medienkontakte habt. Sichtbarkeit ist ein wichtiger Teil unseres Protests. Wir suchen noch Ordnerinnen und Ordner für den Trauermarsch und Menschen, die beim Catering helfen. Wir werden das Videomaterial der Veranstaltung schneiden und freuen uns über Menschen, die Erfahrung im Editing haben und uns unterstützen möchten. Alle Informationen finden sich auf Instagram unter @we_want_us_alive.
Wie geht es nach dem 25. November weiter?
Wir planen bereits, im nächsten Jahr wieder eine Veranstaltung zu realisieren. Unsere Vision ist es, solche Formate regelmäßig stattfinden zu lassen, als wachsende Plattform für Sichtbarkeit, Austausch und politischen Druck. In diesem Jahr arbeiten wir komplett ehrenamtlich und übernehmen gleichzeitig den Job professioneller Eventplanerinnen, zusätzlich zu unseren Tätigkeiten in Kunst und Kultur. Für eine Verstetigung brauchen wir zukünftig Förderung und Unterstützung. Jede einzelne von uns und alle Sprecherinnen und Performerinnen arbeiten seit Jahren auf ihre Weise am Thema Gewalt gegen Frauen. Wir sind Feministinnen nicht aus einem Hobby heraus, sondern weil wir müssen. Wir wollen Sichtbarkeit schaffen und Räume eröffnen. In Zukunft wird es entscheidend sein, feministische Communitysi zu stärken, zusammenzuhalten und diesem Thema jede Bühne, jede Plattform und jede Form von Öffentlichkeit zu geben, die es braucht.
Ablauf
18 Uhr Versammlung auf dem Hermanplatz
18.30 Uhr Trauermarsch mit Musik
19.30 Uhr Programm in der Genezarethkirche am Herrfurthplatz
Auszug aus dem Line-up
Carolin Emcke, Bahar Haghanipour, Canto Diaspora, Magdalena Wiedenhofer, Rosa Jensen, Paula Thielecke, Reyna de la Torre, Perras Bravas, Clarer Winter, Christina Clemm, Anna McCarthy, SingSisySing, Bunte Bande Berlin, LIN und Lizzn, Brass and Drums
Der Vollständigkeit halber möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es Kritik an der Kriminalstatistik des BKA gibt, bzw. an Formulierungen wie „Fast jeden Tag ein Femizid“ (🔗 RWI (Abre numa nova janela), ZDF Magazin Royale (Abre numa nova janela)). Ich habe mich mit dem Thema noch nicht in der Tiefe beschäftigt. Ich vermute aber, dass es mit der Definition des Begriffs Femizid zu tun hat und damit, dass Frauenhass nicht immer als glasklares Tatmotiv zu erkennen ist, auch wenn er trotzdem wirkt. Würde euch das interessieren?
Den Lila Podcast gibt es mittlerweile seit zwölf Jahren. Manche Themen bearbeiten wir mehrmals, weil es immer wieder neue Aspekte zu beachten gibt, Neues zu lernen oder auch Entwicklungen zu beobachten. Daraus ist inzwischen ein richtig wertvolles Archiv gewachsen. Ich habe euch mal eine Auswahl an Episoden zum Thema Gewalt gegen Frauen zusammengestellt.
▶️ Zum Thema Gewalt an Frauen im Lila Podcast:
Wir stecken sehr viel Herzblut, Arbeit und Know-how in unseren Podcast. Leider übersteigen Aufwand und Kosten häufig das Honorar, das wir für unsere Arbeit bekommen. Das soll sich in Zukunft ändern – mit eurer Hilfe! Wenn wir es schaffen, bis Ende des Jahres die Einnahmen durch Crowdfunding um mindestens 10 Prozent zu erhöhen, dann können alle Beteiligten, die beim Lila Podcast mitmachen, fairer bezahlt werden! Helft uns dabei, diesen Podcast unter fairen Bedingungen zu produzieren. Alle Infos dazu, wie ihr uns unterstützen könnt, findet ihr hier (Abre numa nova janela).
Bis zum nächsten Mal!
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Laura