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Marcus & Martinus über The Room, das Image als Teenager-Stars und die Europatour

Die Zwillinge Marcus & Martinus machen seit ihrer Kindheit gemeinsam Musik, die inzwischen weit über ihr Zuhause in Norwegen Wellen schlägt. Letztes Jahr holten sie mit Unforgettable beim Eurovision Song Contest für Schweden den 9. Platz und ihre Fanbase wächst weltweit unaufhörlich. Mehr als 5,4 Millionen Follower auf TikTok, 1,4 Millionen auf Instagram und circa genauso viele monatliche Hörer auf Spotify verfolgen ihren Weg. Gerade ist das neue Album The Room erschienen. 2026 gehen Marcus & Martinus auf Europa-Tour. Wir haben die beiden in Berlin getroffen.

Interview Johanna Winter Fotos Max Saeling

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Ihr hattet schon einen langen Tag, oder?
MARTINUS: Nein, es war ein ruhiger Tag. Wir haben ein paar Dinge erledigt, Interviews gegeben und so weiter. Es ist schon eine Weile her, seit wir das letzte Mal in Deutschland waren. Es ist schön, wieder hier zu sein und ein bisschen zu arbeiten.

Interviews sind offensichtlich Teil eurer Arbeit. Wie ist das für euch? Macht euch das besonders viel Spaß oder ist es einfach nur ein Teil eurer Arbeit?
MARCUS: Ich glaube, wir haben uns sehr an Interviews gewöhnt. Ich erinnere mich noch, dass wir am Anfang so ein Medientraining hatten, bei dem uns Fragen gestellt wurden und wir versucht haben, sie zu beantworten. Dann wurde uns gesagt: „Ah, das solltet ihr wahrscheinlich nicht sagen. Sagt es lieber so“. Aber jetzt gehört es einfach zum Business dazu.

MARTINUS: Es ist ganz normal.

MARCUS: Naja, es ist nicht wirklich normal, aber es fühlt sich jetzt einfacher an, in Interviews zu reden. Ich rede aber immer noch, bevor ich nachdenke und sage dann vielleicht etwas Dummes. Aber bisher läuft es ganz gut, denke ich.

Du machst das gut! Lasst uns über das Album sprechen. Was bedeutet The Room für euch?
MARTINUS: Zunächst einmal ist es ein Album, das uns viel bedeutet. The Room ist auch ein Ort, an dem unsere Fans sie selbst sein können. Sie sollen sich bei unseren Konzerten sicher fühlen und Spaß haben.

MARCUS: Es soll sie ermutigen so zu sein, wie sie sein möchten.

Die Tour heißt auch The Room, weil jede Konzertlocation ein Ort sein soll, an dem du so sein kannst, wie du bist.

Es geht durch die sozialen Medien einfach schnell, dass man jemanden sieht und auch so sein möchte, aber es ist so wichtig, man selbst zu sein. Das wollen wir auch mit diesem Album zeigen. Das ist die Musik, an der wir gearbeitet haben und wir entwickeln uns weiter. Deshalb probieren wir ein paar neue Stile aus und zeigen, wer wir sein können.

Super interessant! Wenn ihr sagt, dass ihr einen sicheren Ort bieten wollt, an dem sich jeder wohlfühlen kann, was ist ein Raum oder ein Ort, an dem ihr euch vollkommen wie ihr selbst fühlt?
MARCUS: Immer, wenn ich mit Menschen zusammen bin, die mich lieben. Das ist zum Beispiel auch bei Konzerten der Fall, wenn wir auf der Bühne stehen und mit der Band zusammen sind. Sie unterstützt uns wir unterstützen sie. Das Gleiche gilt für die Fans: Sie lieben, was wir tun und wir lieben sie so sehr. Für mich sind es also Orte, an denen wir uns gegenseitig unsere Liebe zeigen.

MARTINUS: Für mich könnte es auch einfach ein Fußballplatz sein, der mich sehr an zu Hause erinnert.

Sehr schön. Und wenn ihr über den kreativen Prozess nachdenkt, wann wusstet ihr, dass das Album fertig war?
MARTINUS: Ich hatte das Gefühl, dass es fertig war, bevor es wirklich vollendet war, weil ich es einfach veröffentlichen wollte. Den letzten Song haben wir zwei Monate vor der Veröffentlichung des Albums geschrieben. Ich weiß nie so genau, wann es vollendet ist. Ich habe dann einfach das Gefühl: Jetzt ist es bereit zum Release.

MARCUS: Bei mir ist es genau umgekehrt. Ich habe nie das Gefühl, dass es fertig ist. Irgendwann wird es dann aber Zeit, es loszulassen. Das ist wie bei einer Prüfung in der Schule: Du siehst alles noch einmal durch und hast das Gefühl, dass noch irgendetwas fehlt. Aber am Ende musst du es dann trotzdem abgeben. Mit dem Album ist es genauso, aber das finde ich auch gut so, weil wir deshalb noch mehr Musik veröffentlichen können.

Ich würde gerne ein bisschen mehr über eure Geschwisterbeziehung reden, wie ihr zusammenarbeitet und ob ihr euch gegenseitig beeinflusst – oder nicht.
MARCUS: Oder nicht. Ganz genau!

Wenn ihr keine Zwillinge wärt – wärt ihr dann Freunde?
MARTINUS: Ja, wahrscheinlich schon. Wir haben die gleichen Hobbys, wir mögen dieselben Sachen. Alles, was ich mag, magst du auch.

MARCUS: Nein. Alles, was ich mag, magst du auch. Ich bin zuerst geboren.

MARTINUS: Also, ich glaube schon, dass wir Freunde wären. Wir würden zusammen abhängen.

MARCUS: Aber ich wäre wahrscheinlich nicht so ehrlich zu ihm wie ich es jetzt bin, weil ich ihn nicht verletzen wollen würde. Als Brüder können wir sehr ehrlich zueinander sein. Bei unserer Zusammenarbeit weiß er, dass ich alles, was ich sage – egal ob nett oder gemein – nur gut meine, weil ich will, dass wir das Beste aus uns rausholen.

Verstehe ich. Ich nehme an, zumindest öffentlich werdet ihr oft als Duo gesehen. Und jetzt sagt ihr selbst, dass ihr euch auch ziemlich ähnlich seid. Nervt euch das manchmal?
MARCUS: Wenn wir einzeln unterwegs sind, zum Beispiel auf einer Party, dann sagen die Leute trotzdem „Ah, da sind Marcus & Martinus“ und ich so: „Nein, nur Marcus.“ Sie sehen uns super oft als Einheit und nicht als zwei Personen. Manchmal wünsche ich mir schon, dass man uns da mehr unterscheidet.

MARTINUS: Mich stört das nicht wirklich.

MARCUS: Du sagst doch aber manchmal, dass es dich nervt.

MARTINUS: Ja, aber nicht so, dass ich denke „Ich hasse das“. Es ist nur schön, wenn Leute meinen Namen kennen und nicht automatisch beide sagen. Es passiert halt wirklich oft und ich denke mir dann immer: „Nein, das bin nur ich, aber okay.“ Für mich ist das inzwischen aber normal und es ist auch eine Art Tarnung, wenn ich allein unterwegs bin, weil man uns einzeln oft gar nicht so schnell erkennt.

Wie unterscheidet ihr euch charakterlich?
MARCUS: Ich bin sehr perfektionistisch und übernehme oft ein bisschen mehr Verantwortung.

MARTINUS: Ich glaube, ich bin etwas entspannter als du und ich bin cooler.

Okay, das ist deine Perspektive.
MARCUS: Das Stimmt. Das ist seine Meinung, aber ist schon okay. Er ist cooler.

Ihr seid super früh ins Musikbusiness gestartet und seid damit aufgewachsen. Wie war es für euch, von der Kindheit durch die Pubertät bis ins Erwachsenenleben zu gehen – und all das in der Öffentlichkeit?
MARCUS: Schwierig, kann man sagen. Vor allem in Skandinavien wurden wir lange Zeit als Teenie-Stars gesehen. Wir sind jetzt 23 und keine Teenager mehr, aber viele sehen uns immer noch als diese Kids von früher. Und du siehst ja, wie berühmte Leute wie Justin Bieber, Miley Cyrus oder Britney Spears total verrückte Sachen gemacht haben, um zu zeigen: „Hey, ich bin jetzt erwachsen.“

Wir wollen nicht irgendwelche verrückten Aktionen machen, nur um zu beweisen, dass wir älter sind. Wir wollen einfach
wir selbst bleiben und das klappt für uns auch ganz gut.

Es fügt sich gerade alles, aber vom Teenie-Image loszukommen, dauert seine Zeit.


Wir haben schon darüber geredet, dass „Räume“ im übertragenden Sinne mehr sein können als örtliche Räume. Hat in der Hinsicht jeder von euch seinen ganz persönlichen Raum, also getrennt voneinander?
MARTINUS: Ja, den haben wir. Jeder von uns braucht schon auch mal Zeit für sich allein.

MARCUS: Wir reisen so viel zusammen, haben jahrelang dieselben Hotelzimmer geteilt. Aber inzwischen tut es mir auch gut, mal ein bisschen Freiraum für mich zu haben und nicht alles zusammen zu machen. Also in meinem persönlichen Raum...

MARTINUS: ...bin ich nicht.

MARCUS: Richtig!

Spannend! Gibt’s dann aber noch einen dritten Raum? MARTINUS: Einen, wo wir zusammen sind? Ja klar, den gibt’s. Dort mischen sich unsere Räume dann.

Und wer gehört dann im nächstgrößeren Raum dazu? MARTINUS: Familie, Freunde..

MARCUS: Familie, Freunde und die Fans.

Oh, die Fans auch schon?
MARCUS: Ja, natürlich. Sie gehören für uns zur Familie.

Was denkt ihr, wie kann man seinen eigenen Raum in dieser Welt finden, wenn man ihn noch nicht gefunden hat?
MARCUS: Gute Frage! Ja, jeder hat seinen eigenen Raum, seine eigene Komfortzone oder wie auch immer man das nennen will. Bei uns heißt es The Room, weil wir ja auch den Song dazu haben.

MARTINUS:

Ich denke, jeder hat andere Wege, um seinen Raum zu finden beziehungsweise den Ort, wo man sich gut und sicher fühlt.


MARCUS: Für mich geht es auch darum, Leute um mich zu haben, die mich so mögen, wie ich bin und mir nicht sagen, wie ich sein sollte. Dann entsteht das Gefühl, seinen Raum gefunden zu haben. Unsere Freunde, unsere Familie und unsere Fans geben uns alle irgendwie verschiedene Arten von Räumen und Komfortzonen.

Das ist bei jedem anders, aber man findet es irgendwann heraus, auch wenn das nicht leicht ist – gerade in dem Alter, in dem viele unserer Fans sind. Man verändert sich ständig und weiß oft nicht vollständig, wer man eigentlich ist. Da ist es schon schwierig herauszufinden, was einem diese Sicherheit gibt. Es muss auch nicht immer eine Freundin, ein Freund, der Vater oder die Mutter sein. Es kann so viel mehr sein, was dir ein gutes Gefühl gibt.

Für uns gibt es zum Beispiel auch einen Ort, an dem wir uns beide total sicher fühlen: In Trofors, wo wir aufgewachsen sind. Dort kann ich anziehen, was ich will und mit jedem reden, weil ich alle Leute dort kenne.

Würdet ihr euren 13-jährigen Ichs gerne etwas sagen?
MARTINUS: 100%. Ich würde sagen:

Du musst wirklich genießen, was du machst, denn die Zeit vergeht so schnell.

Ich glaube, wir waren 16 oder 17, als wir auf einer große Arena-Tour waren. Ich habe damals gar nicht richtig verstanden, was wir da eigentlich gemacht haben. Ich hatte einfach Spaß – aber ich habe es nicht wirklich genossen. Plötzlich war’s vorbei und beim nächsten Mal wieder.

Wie meinst du das – es hat dir Spaß gemacht, aber du hast es nicht genossen?
MARTINUS: Man muss manchmal einfach entspannen, sich umschauen und bewusst machen: „Niemand in meinem Alter macht gerade das, was ich mache.“ Manchmal muss man entschleunigen und sich sagen: „Wow, das mache ich gerade wirklich“ Seit Corona bin ich darin viel besser. Wenn wir jetzt ein Konzert spielen, genieße ich das viel bewusster. Das ist mir extrem wichtig geworden.

Covid scheint, als hätte es einen größeren Einfluss auf euch gehabt.
MARCUS: Covid hat alles total verändert. Es war das erste Mal, dass wir dachten, unsere Karriere geht den Bach runter. Wenn du deine ganze Kindheit, deine Mutter, deine kleine Schwester und alles vernachlässigst, um Künstler zu sein und dann plötzlich Corona kommt und alles stoppt, dann denkst du: „Hab ich das jetzt alles umsonst gemacht?“ Das war schon hart und mit viel Angst verbunden, aber wir haben es überstanden. Und ja, wie Martinus gesagt hat – genau dadurch habe ich auch realisiert, wie dankbar ich für das bin, was wir machen dürfen.

Wenn wir wieder auf Tour sind, genießen wir das jetzt viel mehr.

MARTINUS: Alles passiert aus einem Grund.

Das ist ein guter Schlusssatz. Danke Marcus und Martinus!

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