Meine Lieblingspodcasts und warum die alle auf Englisch sind
Für mich ist einen Podcast machen ein ganz normaler Teil des Lebens. Ich habe meinen (Abre numa nova janela) seit über fünf Jahren, ein Großteil meiner Bekannten hat einen, Tom hat sogar schon seit sechs Jahren einen (Abre numa nova janela). (Das gute daran ist, dass wir einen Deal haben, dass wir in unseren Podcasts übereinander reden können.) Wenn ich meinen Podcast irgendwann nicht mehr machen sollte, dann werde ich wahrscheinlich einen anderen machen. Ich fantasiere aktuell sehr davon, einen zweiten zu starten und muss mich immer mit Gewalt davon abhalten, weil ich dafür eigentlich gar keine Zeit habe.
Podcasts haben mir sehr dabei geholfen, sober zu werden. Der HOME Podcast wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.
Ich habe aufgehört, sober Podcasts zu hören, aber höre natürlich immer noch permanent Podcasts. Ich werde oft gefragt, ob ich Podcast Tipps habe. Und ja, ich habe welche, aber ich habe festgestellt, dass die Podcasts, die ich regelmäßig höre, ausnahmslos englischsprachig sind.

Podcasts aus Deutschland interessieren mich irgendwie nicht so sehr.
Die Podcastlandschaft in Deutschland finde ich ein bisschen traurig. Sicher, es gibt super recherchierte Reportage Podcasts, wie beispielsweise Deutsches Denken: Rechte Intellektuelle in der BRD, den ich gerade angefangen habe. Es gibt ein paar gute Interviewpodcasts—Hotel Matze, Alles Gesagt, Hörbar Rust. Früher habe ich Fest und Flauschig gehört, das mache ich jetzt nicht mehr weil ich die Broigkeit von zwei männlichen Podcast Hosts satt habe. Früher habe ich manchmal Besser als Sex gehört, aber ich habe irgendwann die Cool Girligkeit nicht mehr ausgehalten. Ich höre gerne Feuer und Brot, aber die machen nur einmal im Monat eine richtige Folge. Ich habe früher manchmal Kanakische Welle gehört, manchmal Piratensender Powerplay, die gibt es beide nicht mehr.
Gelegentlich höre ich mal einen ZEIT Podcast, meistens Die sogenannte Gegenwart. ZEIT Podcasts gehen aber wirklich nur in geringen Dosen, denn eine Voraussetzung für eine ZEIT Podcast Moderation scheint zu sein, Begriffe wie hegemonial und Vibe Shift in einem Satz zu verbinden und eine Aura zu haben, als würde man jeden einzelnen kompletten Wocheneinkauf für die vierköpfige Familie in der LPG machen, die dort gekauften Produkte ausschließlich in nudefarbenen Fjällräven-Rucksäcken nach Hause tragen und sich—obwohl man an Weihnachten in einem Kreuzberger Stuckaltbau sitzt und mit den Kindern (Noah und Frieda) und 30 Euro Plätzchenförmchen von Manufactum zuckerfreien Dinkelteig aussticht—immer noch seelenruhig für Mittelschicht halten.
Was ich aktuell von Podcasts will, ist deepe Popkultur. Ich will ein bisschen Spaß zu meinen klugen Gedanken. Und ich habe das Gefühl, die Deutschen haben irgendwie ein Problem mit deeper Popkultur. Ich habe das Gefühl, die erfolgreichsten deutschen Podcasts sind zu 80 Prozent True Crime (habe ich, genau wie die Obsession der Deutschen mit Krimis, nie verstanden) und zu 20 Prozent zwei Männer, die zusammen rumbroen. (Ist mir ein komplettes Rätsel, dass eine wandelnde Red Flag wie Felix toxic Lobrecht ein Mädchenschwarm sein kann.)
Deswegen sind alle meine Lieblingspodcasts aktuell englischsprachig.
Ich weiß nicht ganz genau, warum ich mich von englischsprachigen Podcasts mehr angezogen fühle. Wenn es einen Grund gibt, den ich identifizieren kann, dann ist das der Humor. Das Leichte und das Schwere, das Glitzernde und das Düstere, das Private und das Politische verbinden, das haben die Deutschen irgendwie weniger drauf als Amerikanerinnen und Briten. Die Grenzen zwischen High und Low werden in anderen Ländern insgesamt weniger wichtig gefunden. Man schert sich insgesamt wenig um Anerkennung vom Bildungsbürgertum oder von den Gatekeepern (Feuilleton). In den USA verliert man nicht unbedingt Glaubwürdigkeit, wenn man unterhaltsam UND publikumsorientiert ist. In Deutschland trennen wir gerne klug/ernst/politisch und lustig/leicht/privat voneinander. Vielleicht liegt es daran, dass der Podcast Markt kleiner ist und in kleinen Märkten weniger Raum für seltsame Nischen ist. Vielleicht liegt es daran, dass weniger unabhängige Künstler:innen Podcasts produzieren, weil es weniger Selbstständige gibt und deswegen weniger Leute, die ihr eigenes Content Marketing machen.
Vielleicht ist es, weil wir eine Kultur sind, die Probleme mit der klug/lustig Combo hat, weil sie vor 90 Jahren entschieden hat, viele kluge und lustige Leute umzubringen.