Das erste Mal, an das ich mich bewusst erinnern kann, als ich einen Mann sagen hörte »Nicht alle Männer« war 2019.
Ich hörte ein Podcast Gespräch mit der Musikerin Amanda Palmer und dem Podcaster Tim Ferris.
Palmer spricht darin ausführlich über eine Fehlgeburt, die sie allein in einem Hotelzimmer erlebt hat. Sie sagt am Ende, dass sie überwältigt war von der Kraft und der Solidarität anderer Frauen. Und sie spricht darüber, dass Männer, Generationen von Männern, berauscht von ihren eigenen Heldengeschichten und Kriegsgeschichten, von dem kollektiven Schmerz, den allein Frauen kennen, keinen blassen Schimmer haben. (Das Transkript von dem Gespräch (Abre numa nova janela) kann man in voller Länge auf Tim Ferris’ Webseite nachlesen.) Sie sagt:
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Die Stärke der Frauen, seit Tausenden von Jahren mit der dunklen Seite der Mutterschaft umzugehen—mit dem echten, fleischlichen, blutigen Leben und Sterben, mit Menstruation, Totgeburten, Abtreibungen und toten Babys—das ist nicht nichts. Das ist badass. Es erfordert eine unglaubliche Standhaftigkeit und körperliche wie geistige Stärke, Erfahrungen zu machen, wie Frauen sie machen. Aber sie bekommen dafür nicht grade viel Anerkennung.
Stattdessen werden sie an jeder Ecke entmachtet, indem Männer die Deutungshoheit übernehmen, Frauen bevormunden, sie herablassend behandeln und Dinge an sich reißen, die Frauen sehr wohl selbst für sich und miteinander tun könnten—wie sie es über Jahrtausende getan haben, bis Ärzte den Raum betraten und sagten: »Treten Sie beiseite, meine Damen. Wir haben einen besseren Plan, und der wird Sie viel Geld kosten.« P.S.: Fuck capitalism!
TIM FERRIS: Ich denke, es ist wichtig—und widersprich mir gern—anzuerkennen, dass es Ausnahmen gibt—im Sinne davon, dass es nicht alle Männer sind, richtig?
AMANDA PALMER: Oh, nein, nein, nein, nein. Ich mache nur —
TIM FERRIS: Es gibt die bösen Männer, und es gibt die bösen Frauen, und bei Männern wie Frauen gibt es kein Monopol auf schlechtes Verhalten. Ich habe auf beiden Seiten schreckliches Verhalten gesehen. Männer haben sicherlich mehr als ihren fairen Anteil daran, aber teilweise—wenn ich es aus meiner Perspektive betrachte—sind das Dinge, über die ich hier mit dir sprechen wollte. Ich denke, dass ich hier aus der Perspektive von jemandem spreche, in dessen eigener Familie über diese Dinge nicht gesprochen wurde.
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Naja, und nachdem Ferris klargestellt hat, dass systemische, historische oder juristische Ungleichheiten nicht existieren, geht es dann auch sofort wieder um ihn.
Ich erinnere mich noch daran, wie stark meine körperliche Abscheureaktion auf diesen Spruch war. Wie instant meine Wut. Wie ich dachte Halt doch einfach Mal deine verdammte Fresse und lass die Frau erzählen und glaub der wenn sie davon redet was sie ihr ganzes fucking Leben erlebt hat genau wie ALLE ANDEREN FRAUEN DIE SIE JEMALS GETROFFEN HAT
Danach habe ich dann angefangen, eine Liste zu schreiben, um mit meiner Wut klarzukommen. (Listen sind offenbar meine Nummer Eins Bewältigungsstrategie.) Eine Liste der Dinge, die mir Männer in meinem eigenen, persönlichen Umfeld in persönlichen Gesprächen gesagt hatten. Die Dinge, die in mir genau diese Art von Wut ausgelöst haben. Die Liste sah ungefähr so aus: