Wuthering Heights
Ich habe mir das Plakat (Abre numa nova janela) von »Wuthering Heights« in A1 bei Etsy bestellt und werde es über meinen Schreibtisch hängen. Es ist sowas von das Covergoal für den Romantik Code (Arbeitstitel für Buch 2). Die gelbe Spitzen-Schrift mitten im Bild, der schwülstige Kuss, die glitschige Kitschigkeit der Softporno-Groschenromane, die man früher am Bahnhof kaufen konnte! Es war immer ein angestrengt aussehender Pirat/Arbeiter/Holzhacker darauf zu sehen, der eine in ekstatischer Landschaft zurückgelehnte Frau mit entblößter Kehle umklammert, deren Brüste aus dem zu knapp geschnittenen Kleid rausfallen (die Film Garderobe (Abre numa nova janela) von Sydney Sweeney funktioniert nach einem ganz ähnlichen Prinzip).

Und das war offenbar auch die Inspiration für den Film. »Wuthering Heights« hat quasi nichts mit der Romanvorlage zu tun. Die Anführungsstriche sind so eine Art Trigger Warnung für Leute, für die getriggert sein zum Identitätskonzept gehört, und die sind dann auch planmäßig erschienen und haben angeprangert, dass Heathcliff im Buch nicht weiß sei, im Film aber schon. Es ist eine von diesen elitären Symboldebatten, die mich mittlerweile so langweilen, dass ich sie in diesem Text einfach härter wegignorieren werde als DiCaprio die Witze über 25jährige Freundinnen.
Die Regisseurin Emerald Fennell, deren Haupt Vergehen darin besteht, nicht zu verschleiern, aus gutem Hause zu sein, hat etwas, das Triggerwarnungs-Debatten nicht haben: Sinn für Humor. Obwohl ihre drei bisherigen Filme zeitweise sehr düster (Date Rape), eklig (Badewasser) und schockierend (Sex mit Grab) sind, obwohl sie sich immer kritisch mit Klasse, Gewalt und Sex auseinandergesetzt hat: Sie vergisst darüber niemals den Spaß, und niemals den Style.