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Das Ende von 'weiter so’ als Chance und Aufgabe

"Weißmanns Fall als Chance für den ORF" (Abre numa nova janela) übertitelte Standard-Chefredakteur Gerold Riedmann seinen Kommentar zum Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann, der Anfang der Woche öffentlich gemacht worden war. Und tatsächlich ist mit dem Abgang eine Option vom Tisch, die für den ORF auf absehbare Zeit fatal gewesen wäre: die Option "weiter so".

Denn trotz des restriktiven rechtlichen Korsetts (Abre numa nova janela), das die Online-Angebote des ORF (Abre numa nova janela) übermäßig einschränkt, gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten im Rahmen der bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen, den ORF digitaler und offener zu gestalten. Das beginnt bei einem Umbau von FM4 (Abre numa nova janela) zu einem Austro-Pendant des deutschen Jugendangebots FUNK und hört bei partizipativen Live-Formaten (Abre numa nova janela) via Drittplattformen noch lange nicht auf.

Es braucht klare Priorisierungen

Voraussetzung dafür wird aber sein, nicht wie bislang Spardruck wegen stagnierender Werbe- und Beitragseinnahmen einfach nur als Haircut gleichverteilt über alle Abteilungen und Kostenstellen weiterzugeben. Die neu zu wählende ORF-Führung wird viel mehr als das in den letzten Jahr(zehnt)en der Fall war, klare Priorisierungen vornehmen müssen. Das im ORF vorherrschende 'Kastldenken' muss aufhören.

Mit dem Abgang von Weißmann ist ein Führungswechsel Gewissheit und damit wahrscheinlicher geworden, dass es zu einem grundlegenden Umbruch kommt. Umso wichtiger wird es jetzt sein, bei der Bestellung des neuen Führungsteams eine möglichst große Auswahl an kompetenten Bewerber:innen zu haben - und öffentliche Hearings vor der Bestellung eines bzw. einer neuen Generaldirektor:in.

Aufarbeitung von #MeToo im ORF

Selbst den Umständen von Weißmanns Abgang lässt sich Positives abgewinnen: Offensichtlich gibt es schon länger im ORF ein Thema mit sexueller Belästigung im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes, wie auch eine Dossier-Recherche aus 2023 (Abre numa nova janela) belegt. Mit der Ankündigung einer extern besetzten Task Force zur Aufarbeitung des aktuellen und weiterer Vorwürfe durch die neue Interims-Geschäftsführerin Ingrid Thurnher in der heutigen Sitzung des Stiftungsrates sind die Chancen größer denn je, dass sich hier wirklich etwas ändern wird.

Auch deshalb bin ich jeder Betroffenen dankbar, die sich trotz der damit verbundenen Risiken, an Compliance-Stellen oder sogar die Öffentlichkeit wendet (siehe auch mein Statement bei Puls4 "Breaking News" (Abre numa nova janela) am Dienstag diese Woche.)

https://www.youtube.com/watch?v=IznKcM5zorI (Abre numa nova janela)

Auch weitere Umstände des Weißmann-Rücktritts jenseits des #MeToo-Aspekts, wie äußerst fragwürdige Pensionsvereinbarungen (noch aus der Ära Wrabetz) und der Umgang mit diesen, bekommen jetzt die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

Zusammengefasst ist Weißmanns Fall jedenfalls eine Chance, vor allem aber auch eine Aufgabe für die neue ORF-Spitze, einen überfälligen Kulturwandel einzuleiten und einen digitalen Neuanfang zu wagen.

Tópico ORF-Stiftungsrat