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Kurzgeschichte TROPES & PLACES 3/12

Das Titelbild zeigt ein aufgeschlagenes Buch. Außerdem ist zu lesen: TROPES & PLACES. Kurzgeschichte 3/12. Enemies to Lovers in Edinburgh.

Für 2026 habe ich mir vorgenommen jeden Monat eine Kurzgeschichte zu schreiben und auf meinem Steady-Account zu veröffentlichen. Das übergreifende Thema ist auch gleichzeitig der Arbeitstitel und lautet: Tropes & Places. Jede Geschichte bedient eine andere, populäre Romance-Trope. Außerdem werden 12 Sehnsuchtsorte besucht: Städte und Regionen, die man gerne entdecken möchte. Wir reisen gemeinsam hin und lernen überall ein neues Paar kennen! :)

Dieses Mal erscheint die Kurzgeschichte etwas später als angekündigt, weil ich zwischen dem bevorstehenden Release von Piper House 2 und der ebenfalls unmittelbar bevorstehenden Abreise zur Leipziger Buchmesse ein wenig in Verzug geraten bin. Dafür möchte ich mich entschuldigen!

In dieser Kurzgeschichte geht es um die Trope Enemies to Lovers. Enemies ist ein etwas starkes Wort, in den allermeisten Fällen geht es bei dieser Trope nicht um Todfeinde. Es geht eher um zwei Menschen, die zunächst eine starke Abneigung gegeneinander haben und dann doch zueinander finden. Was kann zu so einem Sinneswandel führen? Und kann man so eine Veränderung überhaupt glaubhaft in einer Kurzgeschichte abbilden. Ich versuche es heute und zwar in Edinburgh! Hier treffen wir auf Rowan, einen etwas zugeknöpften Archivar, und Shay, eine Digitalisierungsexpertin, die im sozusagen auf den Hals gejagt wird. Die beiden sind sehr gegensätzlich: Rowan hält quasi hauptberuflich an Altem fest, während Shay versucht Historisches in das digitale Zeitalter zu holen. Sie müssen zusammenarbeiten und das läuft zunächst gar nicht gut …

(Anm.: Diese Geschichte umfasst 5.302 Wörter, was ca. 20 Buchseiten entspricht. Bei einem durchschnittlichen Lesetempo, wirst du sie in etwa 20 Minuten lesen. Viel Spaß!)

Rowan & Shay: Enemies to Lovers in Edinburgh

„Mr Murray? Hallo? Mr Murray?“

Ich bin dankbar, dass die mächtigen Holzregale die Rufe dieser impertinenten Person dämpfen. Dennoch dringt die Stimme von Shay Valentine zu mir hindurch. Und zwar ganze 12 Minuten zu früh.

Man hatte mich informiert, dass heute, um 10:30 Uhr, die Digitalisierungsexpertin kommen würde. Mr Lanchier, der Verwalter der Shadbush Collection höchstpersönlich, hatte vor ein paar Tagen angerufen, um mir mitzuteilen, dass unsere ältesten und sensibelsten Stücke gescannt werden würden.

Gescannt.

Schon das Wort löst in mir ein Schaudern aus. Die Vorstellung diese historischen Schriften aus ihrer ordnungsgemäßen Verwahrung hervorzuzerren, nur damit sie anschließend mit einem grellen Licht gequält werden, behagt mir gar nicht. Noch dazu halte ich das ganze Unterfangen für komplett unnötig. Generationen von Restauratoren und Archivaren haben sich bestens um die Briefe, Bücher und Zeichnungen der Sammlung gekümmert. Jedes einzelne Objekt ist in dem besten Zustand, in dem Stücke dieses Alters sein können. Der Plan, nun zu digitalisieren, ist nichts weiter als eine fixe Idee von Mr Lanchier, um meine Nerven zu strapazieren.

Als wäre es wirklich notwendig, ein Archiv wie dieses in eine dieser furchtbaren Datenbanken zu füttern! Wir sind doch keine öffentliche Bibliothek!

Die Shadbush Collection ist eine private Sammlung, die von der Kaufmannsfamilie Shadbush für ihre ganz eigenen Zwecke angelegt wurde. Sie ist ein exklusives Zeugnis von Jahren des Handels, der Kultur und der Kunst hier in Edinburgh. Nur eine Handvoll ausgewählter Wissenschaftlerinnen, Journalisten, Autorinnen und Privatpersonen hatte bisher Zugang zu den Objekten. So kann das, wenn es nach mir geht, auch weitergehen. Ich benötige keine Anfragen von Hobby-Historikern und Geschichtsstudentinnen, mit denen ich mich dann auch noch auseinandersetzen muss. Ich bin nicht Archivar geworden, weil ich so gerne Zeit mit Menschen verbringe.

Am allerwenigsten mit Menschen wie der Person, die jetzt hinter mir den Raum betritt. Ich höre Miss Valentines Schnauben als sie mich auf der Leiter entdeckt.

„Habe ich Sie endlich gefunden!“ Sie spricht mit einem dicken schottischen Akzent. „Sie sind doch Rowan Murray? Der, bei dem ich mich melden soll?“

Widerwillig schiele ich über meine Schulter und entdecke die junge Frau etwa anderthalb Meter unter mir. „Und Sie sind?“, frage ich, obwohl ich es natürlich längst weiß. Aber ich werde nicht so tun als wäre es in Ordnung, dass sie hier einfach krakelend hereinmarschiert ist. 

„Shay Valentine von Thistle Digital Preservation.“ Sie wirft ihr wildes, rotes Haar zurück. „Wir haben einen Termin.“

„In neun Minuten“, gebe ich zu bedenken, während ich die Sprossen nach unten steige. „Unser Termin ist in neun Minuten.“ Unten angekommen, tippe ich auf meine Armbanduhr.

„Nun“, sie stemmt die Arme in die Seiten und lenkt meine Aufmerksamkeit damit unnötigerweise auf ihre Figur.

Schnell wende ich den Blick ab.

„Ich dachte, ich komme lieber zu früh als zu spät“; fährt Miss Valentine fort. „Für gewöhnlich wissen das unsere Kunden zu schätzen.“

„Betreten Sie für gewöhnlich auch einfach die Archive Ihrer Kunden, ohne hereingebeten worden zu sein?“, frage ich unwirsch.

„Na, Sie sind mir ja einer!“, entgegnet sie und nun schaue ich doch wieder in ihr verärgertes Gesicht. Mir fallen die Sommersprossen auf, mit der ihre Wangen und ihre Nase gesprenkelt sind. „Sie hätten ja einfach nach vorn an den Empfang kommen können, als Sie mich rufen gehört haben!“

Ich räuspere mich und runzele die Stirn. „Wer sagt, dass ich Sie gehört habe?“

Shay Valentine verdreht die Augen. „Mr Murray, wenn ich eine Sache über mich selbst weiß, dann, dass ich sehr schwer zu überhören bin. Also ...“ Sie sieht sich um. „Wo soll ich anfangen?“

Tópico Tropes & Places

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