Dieser Beitrag wurde inspiriert durch ein Interview des evangelischen Bischof Stäblein von Berlin / Brandenburg mit dem Architekten Van Bo Le-Mentzel.
https://youtu.be/GDukCMSjTKk?si=e4xh75DtXyLXecr8 (Abre numa nova janela)In dem Gespräch über Gott und die Welt bin ich auf die Frage gestoßen, was der äußere Raum mit unserem inneren Raum zu tun hat.
Innere Räume stehen für Selbstreflexion und Orientierung. Sie können bewusst genutzt werden, um Balance zu finden und das eigene Leben aktiv zu gestalten.
Der Wunsch nach räumlicher Veränderung ist oft eine Sehnsucht nach einem Neuanfang im Leben oder der Erfüllung eines Lebenstraumes.
Hierzu drei Ansätze für den Diskurs:
a) Viele betrachten die Teilnahme an einem Wohnprojekt als Chance, in eine neue Lebensphase zu starten, in der alles auf Null gesetzt werden kann. Dabei wird jedoch häufig übersehen, dass jede Person ihre eigene Persönlichkeit und Biografie an jeden Ort mitnimmt. Man wird nicht zu einem anderen Menschen, nur weil man in ein Wohnprojekt einzieht. Jemand, der mit sich unzufrieden ist, kann zwar zunächst zurückhaltend sein und aktiv mitwirken. Doch wenn seine oder ihre Wünsche und Anregungen von der Gruppe überstimmt werden, besteht die Gefahr, dass er oder sie in alte Muster der Unzufriedenheit zurückfällt.
Auch sollten die wechselseitigen Erwartung erklärt sein. Geht es um “do, ut des” / “ich gebe, damit! du gibst oder sind andere Werte wichtiger.
Auffällig ist, dass insbesondere Gründerinnen und besonders aktive Personen nach einer gewissen Zeit das Wohnprojekt verlassen. Könnte es sein, dass je aktiver man im Wohnprojekt engagiert ist, desto weniger setzt man sich mit sich selbst auseinander? Nach der Fertigstellung folgt oft eine Ruhephase, in der die alte Unzufriedenheit wieder auftritt und diese wird häufig den anderen Mitbewohnern angelastet.
b) Macht das Einfamilienhaus per se glücklich? In den vergangenen Jahrzehnten wurde es gezielt als Ort der Selbstverwirklichung gefördert – Bau- und Gartenmärkte 🧱🌻 lassen grüßen. Hier soll sich die klassische 👨👩👧👦 Familie geborgen fühlen, während das Einfamilienhaus zugleich als sichere Altersvorsorge 💰 gepriesen wird.
c) Macht das Tinyhaus glücklicher, da es ein Gefühl von Freiheit 🚂 und Unabhängigkeit 🐎 vermittelt?
Würde es unserer Gesellschaft insgesamt nicht guttun, wenn wir mehr meditieren und unseren inneren Raum erkunden? Wäre es nicht sinnvoller, eine Auszeit von den sozialen Medien in der Natur oder in einem Kloster zu verbringen? Vielleicht würden wir dann auch in unseren komplexen Fragestellungen eine bessere Orientierung finden.
Unter den Akteuren für Wohnprojekte und der Transformationswissenschaft wird das Thema Wohnen vorrangig an einzelnen Überlegungen festgemacht:
Preiswerter Wohnraum ohne Gewinnoptimierung
Mehr Mieterschutz
Barrierefreier Wohnraum
Wohnen plus als Alternative zu stationären Einrichtungen
Suffizienz für Ressourcenschutz
Wohnraumverteilung als soziale Gerechtigkeit
Diese Aspekte sind zweifellos wichtig und richtig, aber sie sind immer nur Teilaspekte.
Müssten wir nicht, eine offene gesellschaftspolitische Diskussion über Werte im Allgemeinen und die Bedeutung eigener persönlicher Werte initiieren?
Dazu gehört sicherlich auch die Bewertung unserer westeuropäischen Lebensweise1. In Tokio, einer Stadt mit 37 Millionen Einwohnern, ist es ganz normal, auf nur 20 m² zu leben. Das stellt jedoch kein Problem dar, da sich Grundrisse, Möbel und Lebensstil entsprechend angepasst haben.
(Abre numa nova janela)Bei allen Detailfragen, wie wir wohnen möchten, ist es wichtig, immer zu betonen, dass jeder Mensch einen Ort der Geborgenheit benötigt.
In Deutschland gibt es Orte, an denen Wohnungslosigkeit verbreitet ist und viele Menschen von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) (Abre numa nova janela) hat berechnet, dass bis 2030 jährlich rund 320.000 Neubauwohnungen gebraucht werden. Eine Deutschlandkarte zeigt, wie viele Wohnungen pro Landkreis fehlen.
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Not-oder-Uberschuss-So-viele-Wohnungen-fehlen-in-Ihrem-Landkreis-article25643612.html (Abre numa nova janela)Gerade die vulnerablen Gruppen haben keine Chance auf dem normalen Wohnungsmarkt. Ihnen fehlt der Ort der Geborgenheit. Ohne diesen Raum im Außen fällt es schwer, das eigene Leben aktiv zu gestalten. Diesen Ansatz hat HOUSING FIRST2.
Dabei gibt es ein individuelles (einklagbares) Recht auf Wohnen3. Dieses Recht ist leider im Alltag ähnlich zahnlos wie die UN-Behindertenkonvention.
Die Solidarität mit den Schwächsten - auch beim Thema Wohnen - sollte ein zentraler Wert sein. Dafür ist nicht DER STAAT zuständig, sondern JEDE:R muss Verantwortung übernehmen. Dies kläre ich in meinem inneren Raum, um im Raum außen zu wirken.
Ich hoffe, dass diese heutigen philosophischen Überlegungen, liebe Leserschaft, Ihr Interesse geweckt haben und Sie nicht gelangweilt sind. Dieser Blog hilft mir, Gedanken zu ordnen und in einen größeren Kontext zu stellen.
Feedback ist immer erwünscht.
Angelika Majchrzak-Rummel
Rechtsanwältin, Projektberaterin
der “better life index” der OECD
https://www.oecdbetterlifeindex.org/de/topics/housing-de/ (Abre numa nova janela)
↩Housing first in Nürnberg
https://hf-nuernberg.de/konzept (Abre numa nova janela)/
↩die unbekannte UN-Sozialcharta
https://steadyhq.com/de/projekt-wohnen/posts/c3012f8b-1a7f-4e53-9c4a-bd7abc2f7469 (Abre numa nova janela)