Liebe Leserinnen und Leser,
wow, nun sind wir schon beim achten Tag auf dieser kleinen Reise zu mehr solidarischer Resilienz. Ich hoffe, die kleinen Übungen haben schon ein paar neue Perspektiven gebracht.
Passend dazu geht es heute darum, dass auch kleine Dinge einen Unterschied machen.
Verändere kleine Dinge
Ich erinnere mich noch, wie ich als junges Mädchen von zehn, elf mit großem Gerechtigkeitssinn unbedingt die Welt verbessern wollte. Als ich mich dann hochmotiviert - damals noch per Post - an eine Umweltschutzorganisation wandte, um meinen Beitrag zu leisten, war ich richtig enttäuscht als ich dann die Antwort bekam. Ich solle doch in meinem Ort von Tür zu Tür gehen und Unterschriften sammeln. Die Welt zu retten hatte ich mir irgendwie aufregender vorgestellt.
Kleine Veränderungen wirken auf uns oft trivial. Welchen Unterschied kann die einzelne Handlung schon machen - fragen sich viele, zumindest in frustrierten Momenten. Aber auch kleine Dinge können etwas bewirken. Sie haben auch einen psychologischen Effekt: Sie verstärken unser Gefühl von Selbstwirksamkeit und die ist eine wichtige Säule, wenn es in der Welt gerade schwierig ist. Selbstwirksamkeit ist nämlich das Gegenteil von Kontrollverlust.
Generell würde ich sagen: Wir machen oft viel mehr als uns bewusst ist. Im Alltag geht das nur schnell unter. Ich erlebe es häufig, dass Menschen in vielen Ehrenämtern aktiv sind und sich wirklich einsetzen, aber trotzdem das Gefühl haben, nichts zu tun. Oder dass Eltern viel Zeit aufbringen, ihren Kinder schon früh humanistische Werte zu vermitteln und das gar nicht als ihren Anteil an positiven Veränderungen sehen. Menschen, die sich in ihrer Nachbarschaft für ein positives Miteinander engagieren und das als selbstverständlich betrachten. Veränderung braucht Zeit und viele Menschen, die aus unterschiedlichen Perspektiven aktiv werden.
Der 10-jährigen Pia würde ich deswegen heute sagen: Auch wenn es sich klein anfühlt, kann es dennoch einen Unterschied machen. Wenn Du keine Unterschriften sammeln willst, suche dir einen anderen Weg, deine Werte auszudrücken. Aber um wirklich etwas zu verändern, brauchst Du leider ganz schön viel Geduld.
🦖 Deine Übung für Heute
Nimm Dir einen Moment Zeit, komme zur Ruhe. Mach Dir vielleicht eine Tasse Tee oder dein Lieblingssnack - und mache folgende Übung:
Ändere heute eine winzige Sache so, dass sie gerechter ist. Du kannst vielleicht einen Menschen an der Kasse vorlassen, einer Person Raum geben oder jemandem zuhören, der oft überhört wird.
🖊️ Formuliere einen Satz, der diesen Moment beschreibt.
Mini-Handlungen stärken das Gefühl, Einfluss auf soziale Mikrostrukturen zu haben und lernen Mut für Veränderung.
Es gibt Theorien, die davon ausgehen, dass eine kleine motivierte Gruppe bereits viel verändern kann. Das nennt sich soziale Kipppunkte. Der Deutschlandfunk (Abre numa nova janela) hat dazu einen Beitrag im Kontext des Klimawandels gemacht.
Ich wünsche Dir viel Spaß mit dem Kalender,
Deine
Pia Lamberty
Hintergrund: Was ist ein Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten?
Die Welt ist im Wandel – und das in einer Geschwindigkeit, die viele Menschen überfordert. Gewohnte Sicherheiten brechen weg, die psychischen Belastungen nehmen zu. Verschiedene Studien zeigen, dass globale Krisen erhebliche psychische Auswirkungen haben und viele an ihre Belastungsgrenze bringen.
Viele Menschen fühlen sich aufgrund der Krisenpermanenz und zunehmenden Bedrohungslage machtlos – doch sie sind es nicht. Menschen können die Welt verändern und haben mehr Einflussmöglichkeiten als ihnen bewusst wird. Um sich zu engagieren, benötigt es aber mentale Kapazitäten und Skills, um mit Stress umzugehen. Denn: Wer keine Ressourcen übrig hat, wird sich wahrscheinlich weniger einbringen können.
Anleitung: Wie funktioniert der Adventskalender?
Dieser Adventskalender hat 24 kleine Übungen, damit Du deine Resilienz jeden Tag ein bisschen stärken kannst. Jeden Tag geht es um ein anderes Thema, um besser durch turbulente Zeiten zu navigieren.
Du kannst die Ergebnisse deiner Übungen gerne aufschreiben und immer wieder mal anschauen. Das funktioniert in der Notizen-App in deinem Handy. Oder du bastelst dir ein kleines Resilienz-Tagebuch. Jede Übung dauert nicht mehr als 15 Minuten.
Es ist auch nicht schlimm, wenn Du nicht alles schaffst oder Du Übungen nicht magst. Das Ganze soll dich stärken und kein weiterer Stresspunkt werden.
Wenn Du aktuell in Psychotherapie bist, besprich vorher mit deinem bzw. deiner Therapeut*in, ob Du aktuell solche Übungen machen solltest.
Ist Resilienz nicht nur so ein komischer Internet-Trend?
Jein. Der Begriff wird gerade auf Social Media oder bei manchen Feel-Good-Seiten ganz schön überstrapaziert und oft sehr individualistisch betrachtet. Trotzdem beschreibt er eine reale Fähigkeit: gut mit Belastungen umgehen zu können. Und diese Kompetenz brauchen wir leider gerade recht häufig. Resilienz hat natürlich auch seine Grenzen. Es ist keine Superkraft, die plötzlich alles gut macht. Dennoch ist es wichtig, um belastende Phasen besser zu überstehen.
Falls Du mich noch nicht kennst:
Ich bin Dr. Pia Lamberty und Psychologin. Mein Studium der Psychologie habe ich an der FernUniversität Hagen und der Universität Köln (Schwerpunkt Social Cognition und Medienpsychologie) absolviert. An verschiedenen Universitäten – in Köln, Mainz, Brüssel und Beer Sheva – habe ich mich intensiv mit Verschwörungsglauben beschäftigt. Darüber hinaus habe ich auch zu Erinnerungskultur, Antisemitismus und allgemeinen Vorurteilen geforscht. Wer sich für meine Forschung interessiert, kann gerne bei Google Scholar (Abre numa nova janela) vorbei schauen.
Im Jahr 2020 habe ich gemeinsam mit Katharina Nocun mein erstes Buch veröffentlich - “Fake Facts - Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen” -, das in der Coronapandemie zum Bestellter wurde. Ein Jahr später, 2021, erschien dann “True Facts - Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft” und 2023 der nächste Besteller: “Gefährlicher Glaube - Die radikale Welt der Esoterik”. Im Jahr 2021 habe ich mit anderen dann CeMAS (Abre numa nova janela)- Center für Monitoring, Analayse und Strategie gegründet und war dort bis Oktober 2025 aktiv.
Promoviert habe ich an der Sozial- und Rechtspsychologie der Universität Mainz - zur Rolle von Verschwörungserzählungen im Kontext von Gesundheitsthemen. Daneben habe ich mich durch die Deutsche Psychologenakademie zur Notfallpsychologin (Abre numa nova janela)weiterbilden lassen.
Mehr über mich findest Du auf meiner neuen Homepage.