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Türchen No 22 | Dein Adventskalender für solidarische Resilienz in belastenden Zeiten

Liebe Leser*innen,

an Tag 22 geht es um das Thema soziale Netzwerke.

Krisen werden nicht nur individuell bewältigt, sondern im sozialen Gefüge. Schon kleine Handlungen können einen Unterschied machen. Mehr als ein Viertel der Frauen und Männer in Deutschland nehmen laut der Erhebung GEDA 2014/2015-EHIS des Robert Koch-Instituts (RKI) (Abre numa nova janela)ihre soziale Unterstützung als stark wahr. Weitere 53,2 % der Frauen und 55,7 % der Männer erhalten eine mittelstarke soziale Unterstützung, schreibt das RKI.

Reflektiere deine soziale Unterstützung

Soziale Unterstützung (Abre numa nova janela)gilt in der sozial- und gesundheitspsychologischen Forschung als einer der wichtigsten Schutzfaktoren in belastenden Lebenssituationen. Gemeint ist die Erfahrung, nicht allein zu sein, sondern auf andere Menschen zählen zu können.

In der Psychologie werden meist drei zentrale Formen sozialer Unterstützung unterschieden:

  • Emotionale Unterstützung: Mitgefühl, Zuhören, Verständnis, Validierung von Gefühlen.

  • Instrumentelle Unterstützung: Konkrete Hilfe, z. B. Begleitung, Versorgung, Entlastung im Alltag.

  • Informationelle Unterstützung: Teilen von Wissen, Orientierung, Hinweise auf Ressourcen oder Handlungsmöglichkeiten.

Alle drei Formen können Belastungen reduzieren – je nach Situation auf unterschiedliche Weise. Forschung zeigt, dass Unterstützung besonders wirksam ist, wenn sie passend zur jeweiligen Stressquelle ist und nicht bevormundend erlebt wird. Entscheidend ist zudem nicht nur die Anzahl sozialer Kontakte, sondern vor allem die wahrgenommene Unterstützung.

Soziale Unterstützung ist keine Einbahnstraße. Auch das Geben von Unterstützung (Abre numa nova janela) kann stabilisierend wirken. Studien zeigen, dass prosoziales Verhalten das Gefühl von Selbstwirksamkeit stärkt und Zugehörigkeit fördert Solidarität wirkt damit auf beiden Seiten.

Soziale Unterstützung ersetzt keine strukturellen Lösungen – aber sie schafft den emotionalen und sozialen Boden, auf dem Menschen handlungsfähig bleiben. Wer sich weniger allein fühlt, kann Belastungen oft nicht nur besser ertragen, sondern auch gemeinsam verändern.

🦖 Deine Übung für Heute

Nimm Dir einen Moment Zeit, komme zur Ruhe. Mach Dir vielleicht eine Tasse Tee oder dein Lieblingssnack - und mache folgende Übung:

✏️ Zeichne einen großen Kreis und teile ihn in vier Viertel, zum Beispiel für Familie, Freund*innen, Arbeit und Hobbys.

Trage in jedes Feld die Menschen ein, mit denen du in diesem Bereich regelmäßig Kontakt hast – je näher sie dir stehen, desto weiter innen platzierst du sie. Markiere anschließend, welche dieser Beziehungen dich besonders stärken. Schau dann, wo Lücken sichtbar werden, und überlege, was du dir dort wünschen oder verändern möchtest.

Ich wünsche Dir viel Spaß mit dem Kalender,

Pia Lamberty

Hintergrundinfos
Hintergrund: Was ist ein Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten?

Die Welt ist im Wandel – und das in einer Geschwindigkeit, die viele Menschen überfordert. Gewohnte Sicherheiten brechen weg, die psychischen Belastungen nehmen zu. Verschiedene Studien zeigen, dass globale Krisen erhebliche psychische Auswirkungen haben und viele an ihre Belastungsgrenze bringen.

Viele Menschen fühlen sich aufgrund der Krisenpermanenz und zunehmenden Bedrohungslage machtlos – doch sie sind es nicht. Menschen können die Welt verändern und haben mehr Einflussmöglichkeiten als ihnen bewusst wird. Um sich zu engagieren, benötigt es aber mentale Kapazitäten und Skills, um mit Stress umzugehen. Denn: Wer keine Ressourcen übrig hat, wird sich wahrscheinlich weniger einbringen können.

Anleitung: Wie funktioniert der Adventskalender?

Dieser Adventskalender hat 24 kleine Übungen, damit Du deine Resilienz jeden Tag ein bisschen stärken kannst. Jeden Tag geht es um ein anderes Thema, um besser durch turbulente Zeiten zu navigieren.

Du kannst die Ergebnisse deiner Übungen gerne aufschreiben und immer wieder mal anschauen. Das funktioniert in der Notizen-App in deinem Handy. Oder du bastelst dir ein kleines Resilienz-Tagebuch. Jede Übung dauert nicht mehr als 15 Minuten.

Es ist auch nicht schlimm, wenn Du nicht alles schaffst oder Du Übungen nicht magst. Das Ganze soll dich stärken und kein weiterer Stresspunkt werden.

Wenn Du aktuell in Psychotherapie bist, besprich vorher mit deinem bzw. deiner Therapeut*in, ob Du aktuell solche Übungen machen solltest.

Ist Resilienz nicht nur so ein komischer Internet-Trend?

Jein. Der Begriff wird gerade auf Social Media oder bei manchen Feel-Good-Seiten ganz schön überstrapaziert und oft sehr individualistisch betrachtet. Trotzdem beschreibt er eine reale Fähigkeit: gut mit Belastungen umgehen zu können. Und diese Kompetenz brauchen wir leider gerade recht häufig. Resilienz hat natürlich auch seine Grenzen. Es ist keine Superkraft, die plötzlich alles gut macht. Dennoch ist es wichtig, um belastende Phasen besser zu überstehen.

Falls Du mich noch nicht kennst:

Ich bin Dr. Pia Lamberty und Psychologin. Mein Studium der Psychologie habe ich an der FernUniversität Hagen und der Universität Köln (Schwerpunkt Social Cognition und Medienpsychologie) absolviert. An verschiedenen Universitäten – in Köln, Mainz, Brüssel und Beer Sheva – habe ich mich intensiv mit Verschwörungsglauben beschäftigt. Darüber hinaus habe ich auch zu Erinnerungskultur, Antisemitismus und allgemeinen Vorurteilen geforscht. Wer sich für meine Forschung interessiert, kann gerne bei Google Scholar (Abre numa nova janela) vorbei schauen.

Im Jahr 2020 habe ich gemeinsam mit Katharina Nocun mein erstes Buch veröffentlich - “Fake Facts - Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen” -, das in der Coronapandemie zum Bestellter wurde. Ein Jahr später, 2021, erschien dann “True Facts - Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft” und 2023 der nächste Besteller: “Gefährlicher Glaube - Die radikale Welt der Esoterik”. Im Jahr 2021 habe ich mit anderen dann CeMAS (Abre numa nova janela)- Center für Monitoring, Analayse und Strategie gegründet und war dort bis Oktober 2025 aktiv.

Promoviert habe ich an der Sozial- und Rechtspsychologie der Universität Mainz - zur Rolle von Verschwörungserzählungen im Kontext von Gesundheitsthemen. Daneben habe ich mich durch die Deutsche Psychologenakademie zur Notfallpsychologin (Abre numa nova janela)weiterbilden lassen.

Mehr über mich findest Du auf meiner neuen Homepage.

Tópico ResilienzAdventskalender

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