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Türchen No 23 | Dein Adventskalender für solidarische Resilienz in belastenden Zeiten

Liebe Leser*innen,

an Tag 23 geht es um das Thema Einsamkeit.

Noch ein Tag beim Adventskalender für solidarische Resilienz - morgen ist schon Weihnachten. Für viele Menschen bedeutet das “Fest der Liebe” aber nicht unbedingt Besinnlichkeit, sondern Konfrontation mit herausfordernden Familienstrukturen, Reizüberlastung oder das Gefühl von Einsamkeit. Das betrifft auch nicht unbedingt nur Menschen mit christlicher Prägung. Auch Menschen mit einer anderen oder ohne religiöse Zugehörigkeit können in solchen Zeiten noch einmal mehr mit Fragen von Zugehörigkeit konfrontiert sein.

Mittlerweile gibt es verschiedene Initiativen gegen Einsamkeit über die Feiertage. Auf der Seite der Tagesschau (Abre numa nova janela) werden verschiedene Möglichkeiten vorgestellt. Auf Utopia (Abre numa nova janela) finden sich 24 Tipps, wie man anderen Menschen eine kleine Freude machen kann.

Sei aktiv gegen Einsamkeit

Einsamkeit ist kein Randphänomen, sondern ein weit verbreitetes soziales und psychologisches Erleben. Laut einer Umfrage vom WDR (Abre numa nova janela) im Oktober 2025 fühlten sich insbesondere Menschen zwischen 18 und 34 Jahren häufiger einsam.

https://datawrapper.dwcdn.net/E3llK/5/ (Abre numa nova janela)

Sozialpsychologisch wird Einsamkeit nicht als Mangel an Kontakten verstanden, sondern als Diskrepanz zwischen gewünschten und tatsächlich erlebten sozialen Beziehungen. Menschen können von vielen anderen umgeben sein – und sich dennoch einsam fühlen.

Einsamkeit hat nicht nur individuelle, sondern auch soziale Ursachen. Krisen, Diskriminierung, Krankheit oder Armut erhöhen das Risiko, sich sozial ausgeschlossen zu fühlen. Das Gefühl von Einsamkeit kann bei manchen Menschen auch Radikalisierung befeuern.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen jugendlicher Einsamkeit und autoritären Einstellungen. Anders ausgedrückt: Der Zuspruch zu unserer Demokratie hat auch damit zu tun, wie stark sich Individuen mit der Gesellschaft verbunden fühlen.

Das Progressive Zentrum

Das Progressive Zentrum hat vor einiger Zeit eine Studie zu Einsamkeit bei Jugendlichen (Abre numa nova janela) durchgeführt. Knapp jede:r zweite Jugendliche litt zum Zeitpunkt der Befragung manchmal oder sogar immer unter emotionaler Einsamkeit. Einsame Jugendliche zeigten eine höhere Affinität zu Populismus (24,3 % ) als nicht-einsame junge Menschen (20,6 %). Einsame Jugendliche neigten auch eher zu einer Verschwörungsmentalität.

Forschung zeigt, dass aktive soziale Zuwendung Einsamkeit reduzieren kann – insbesondere dann, wenn sie niedrigschwellig, verlässlich und nicht bewertend ist. Entscheidend ist weniger das „große Gespräch“ als das Gefühl, gesehen und gemeint zu sein.

🦖 Deine Übung für Heute

Nimm Dir einen Moment Zeit, komme zur Ruhe. Mach Dir vielleicht eine Tasse Tee oder dein Lieblingssnack - und mache folgende Übung:

Denke an eine Person in deinem Umfeld, zu der du schon länger keinen Kontakt hattest. Jemand, der dir wichtig ist, von der Du länger nichts gehört hast ist oder bei dem du dich fragst, wie es ihm oder ihr gerade geht.

✏️ Sende eine kurze, persönliche Nachricht ohne Erwartungsdruck. Oder eine Postkarte. Eine Sprachnachricht.

Schon kleine Signale von Zugehörigkeit reduzieren Einsamkeit, wenn sie als authentisch erlebt werden.

Weitere Informationen

Manchmal sind Feiertage oder freie Tage für Menschen belastend. Die TelefonSeelsorge hat die App Krisenkompass (Abre numa nova janela) entwickelt. Hier gibt es Übungen und Informationen für belastete Zeiten. Auch Angehörige können sich über die App informieren.

Ich wünsche Dir viel Spaß mit dem Kalender,

Pia Lamberty

Hintergrundinfos
Hintergrund: Was ist ein Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten?

Die Welt ist im Wandel – und das in einer Geschwindigkeit, die viele Menschen überfordert. Gewohnte Sicherheiten brechen weg, die psychischen Belastungen nehmen zu. Verschiedene Studien zeigen, dass globale Krisen erhebliche psychische Auswirkungen haben und viele an ihre Belastungsgrenze bringen.

Viele Menschen fühlen sich aufgrund der Krisenpermanenz und zunehmenden Bedrohungslage machtlos – doch sie sind es nicht. Menschen können die Welt verändern und haben mehr Einflussmöglichkeiten als ihnen bewusst wird. Um sich zu engagieren, benötigt es aber mentale Kapazitäten und Skills, um mit Stress umzugehen. Denn: Wer keine Ressourcen übrig hat, wird sich wahrscheinlich weniger einbringen können.

Anleitung: Wie funktioniert der Adventskalender?

Dieser Adventskalender hat 24 kleine Übungen, damit Du deine Resilienz jeden Tag ein bisschen stärken kannst. Jeden Tag geht es um ein anderes Thema, um besser durch turbulente Zeiten zu navigieren.

Du kannst die Ergebnisse deiner Übungen gerne aufschreiben und immer wieder mal anschauen. Das funktioniert in der Notizen-App in deinem Handy. Oder du bastelst dir ein kleines Resilienz-Tagebuch. Jede Übung dauert nicht mehr als 15 Minuten.

Es ist auch nicht schlimm, wenn Du nicht alles schaffst oder Du Übungen nicht magst. Das Ganze soll dich stärken und kein weiterer Stresspunkt werden.

Wenn Du aktuell in Psychotherapie bist, besprich vorher mit deinem bzw. deiner Therapeut*in, ob Du aktuell solche Übungen machen solltest.

Ist Resilienz nicht nur so ein komischer Internet-Trend?

Jein. Der Begriff wird gerade auf Social Media oder bei manchen Feel-Good-Seiten ganz schön überstrapaziert und oft sehr individualistisch betrachtet. Trotzdem beschreibt er eine reale Fähigkeit: gut mit Belastungen umgehen zu können. Und diese Kompetenz brauchen wir leider gerade recht häufig. Resilienz hat natürlich auch seine Grenzen. Es ist keine Superkraft, die plötzlich alles gut macht. Dennoch ist es wichtig, um belastende Phasen besser zu überstehen.

Falls Du mich noch nicht kennst:

Ich bin Dr. Pia Lamberty und Psychologin. Mein Studium der Psychologie habe ich an der FernUniversität Hagen und der Universität Köln (Schwerpunkt Social Cognition und Medienpsychologie) absolviert. An verschiedenen Universitäten – in Köln, Mainz, Brüssel und Beer Sheva – habe ich mich intensiv mit Verschwörungsglauben beschäftigt. Darüber hinaus habe ich auch zu Erinnerungskultur, Antisemitismus und allgemeinen Vorurteilen geforscht. Wer sich für meine Forschung interessiert, kann gerne bei Google Scholar (Abre numa nova janela) vorbei schauen.

Im Jahr 2020 habe ich gemeinsam mit Katharina Nocun mein erstes Buch veröffentlich - “Fake Facts - Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen” -, das in der Coronapandemie zum Bestellter wurde. Ein Jahr später, 2021, erschien dann “True Facts - Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft” und 2023 der nächste Besteller: “Gefährlicher Glaube - Die radikale Welt der Esoterik”. Im Jahr 2021 habe ich mit anderen dann CeMAS (Abre numa nova janela)- Center für Monitoring, Analayse und Strategie gegründet und war dort bis Oktober 2025 aktiv.

Promoviert habe ich an der Sozial- und Rechtspsychologie der Universität Mainz - zur Rolle von Verschwörungserzählungen im Kontext von Gesundheitsthemen. Daneben habe ich mich durch die Deutsche Psychologenakademie zur Notfallpsychologin (Abre numa nova janela)weiterbilden lassen.

Mehr über mich findest Du auf meiner neuen Homepage.

Tópico ResilienzAdventskalender

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