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Juni 2026

(Abre numa nova janela)

In diesem Newsletter:

– Es geht los! Ein erster Blick ins Programm vom Reporter:innen-Workshop am 25./26. September 2026

– Philipp Daum darüber, wie man fast gleichzeitig Stern- und Reporter:innen-Preis gewinnen kann

– Alexandra Berlin in der Reporterfabrik

– Robert Hofmann über die Anstrengungen des Netzwerkens

Liebe Leute,

statistisch gesehen dürften wir uns nicht kennen. Rund 5000 Menschen haben diesen Newsletter abonniert, auf Instagram (Abre numa nova janela) folgen mir deutlich weniger Menschen. Um euch alle zu kennen, müsste ich vor allem: netzwerken.

Das Wort klingt nach überdrehten Linkedin-Posts und langweiligem Smalltalk. Natürlich sind Kontakte im Journalismus wichtig. Manchmal öffnen sie Türen. Problematisch wird Netzwerken, wenn Erfolg nicht mehr davon abhängt, wie gut jemand arbeitet, sondern wer wen kennt. Und wenn die Branche so tut, als wären schlechte Honorare oder fehlende Chancen ein Problem mangelnder Social-Media-Entblößung oder Kaffee-Dates mit Ressortleiter:innen.

Umso schöner, wenn Netzwerken keine Pflicht bedeutet, sondern Bier, Debatte, und Leute, die auch mit kleinem Kater am nächsten Morgen noch Lust auf unseren Wahnsinn haben.

Also: Das beste Branchentreffen des Jahres steht vor der Tür.

Der Reporter:innen-Workshop findet dieses Jahr am 25. und 26. September in Hamburg beim SPIEGEL statt.

Die Anmeldung beginnt am 13. Juli um 12 Uhr.

Am Programm arbeiten wir gerade noch, ein kleiner Leckerbissen grüßt aber bereits aus der Küche:

Barbara Hardinghaus (Spiegel), Nicola Meier (SZ-Magazin): Warum wir mehr Sozialreportagen brauchen – und sie nichts mit Arm und Reich zu tun haben

Till Eckert (Correctiv): Wie du Faktenchecks verlässlich mit KI machst

Wolfgang Bauer (Zeit), Timm Klotzek (SZ-Magazin): Nützt oder schadet der Online-Journalismus den Longreads? Ein Streitgespräch

Eva Schulz (Deutschland 3000): Vom Smalltalk zum Gespräch – wie du ehrliche Fragen stellst.

Kommt voll gern!

Und das Beste daran: Wir könnten uns endlich kennenlernen.

Allerherzlichst,

Robert Hofmann

Wie arbeitest du, Philipp Daum?

Philipp Daum ist Redakteur im Ressort X der ZEIT. Vorher war er Textchef bei Krautreporter und Redakteur bei der Wochenendausgabe der taz. Er hat politische Theorie und Geschichte in München und Santiago de Compostela studiert. 

Foto: Michael Pfister

 Gratulation; du hast in diesem Jahr den Kisch-Preis und davor den Reporter:innen-Preis gewonnen, für eine Kulturreportage, für die du dich in einige Orchideenfächer eingeschrieben hast. Wie schwer ist das, im durchgetakteten Alltag von Online?

Mein Alltag ist nicht durchgetaktet. Ich habe das Glück, in einem Ressort zu arbeiten, in dem es Zeit für Recherchen gibt, intensiv an Texten gearbeitet wird und wir den Raum haben, länger über Themen und Geschichten nachzudenken. In diesem Fall habe ich in vier verschiedene Studienfächer reinrecherchiert und bin dabei auf die Hethiter gestoßen, ein fast vergessenes Volk aus der Bronzezeit, das mich endlos fasziniert hat. 

Wie schaffst du es, Qualität und Abozahlen für dich zu verbinden? Ist es nicht manchmal verlockend, einfach für Abos zu schreiben?

Ich suche mir meine Themen nicht nach Abos aus, sondern danach, was mich interessiert und was ich für relevant halte. Das Schöne daran ist, dass das unsere Leserinnen und Leser meist auch interessiert. 

Welche Incentives für Qualität gibt es im zunehmend online-geprägten Journalismus?

Viele Leute (inklusive mir) gucken zu oft auf Abos und Klickzahlen, schon weil sich diese Metriken so gut messen lassen. Ich finde es dann sehr beruhigend, dass Leserinnen und Leser uns daran erinnern, was wir tun sollten. Zumindest bedanken sie sich in den Kommentaren oft für gründliche Recherche und machen Witze über immer neue Abo-Hits über Darmgesundheit. 

 Deine Dramaturgie-Tricks, um Leser:innen zu fesseln?

Ausdrucken, durchstreichen, umstellen, kürzen. 

 Was kann Reportage heute besser als vor 15 Jahren?

Ich glaube, dass der Ton weniger breitbeinig und bescheidener geworden ist. Das Selbstbewusstsein der Branche hat ein paar Dellen bekommen, was ich gar nicht schlecht finde. Reporter dürfen in Texten außerdem häufiger „Ich“ sagen, nicht um sich aufzublasen, sondern um eine Recherche transparent zu machen. Diese deutsche Scheinobjektivität, die so tut, als wäre ein Reporter ein unsichtbarer Beobachter, hat an Macht verloren. 

Ein Recherchetrick? In Leserkommentare schauen. Da stehen manchmal wirklich gute Geschichten.  

Ein Schreibtick? Die Angst vor dem Anfangen überwinden. Erste Versionen müssen nicht gut sein, nur fertig werden.  

Auf welchen deiner Texte bist du heute stolz? Auf alle Texte, für die ich gründlich recherchiert habe und in denen sich die Protagonisten wiedergefunden haben. 

Gutes Redigieren heißt für dich? Gute Redakteure lassen Autorinnen ihren Stil, helfen ihnen dabei, das auszudrücken, was sie alleine manchmal noch nicht ausdrücken können, und unterscheiden zwischen Handwerk und Geschmack. 

Welchen Text einer anderen Autor:in hättest du gern selbst geschrieben? 

Kein Text, ein Podcast: „Things fell apart“ von Jon Ronson. Die Bandbreite ist riesig: QAnon, Evangelikale, Black Lives Matter. Er erzählt all die Themen, die Menschen gegeneinander aufbringen, mit großer Wärme und Empathie. 

Geheimtipp, der jeden Text besser macht?

Eine Schreibplaylist erstellen. Schreiben ist manchmal eine Qual, man braucht dazu eine seltsame Mischung aus Anspannung und Entspannung. Ich neige zu Anspannung. Zur Entspannung höre ich dann ganz am Ende, wenn die meiste Arbeit getan ist und ich jeden Absatz noch mal gründlich durchknete, Musik, die irgendwie zum Text passt. Was für mich immer passt: „Halt die Fresse, ich will saufen“ von Oidorno. 

Ein Buch, das dich journalistisch geprägt hat (und warum)?

„Früchte des Zorns“ von John Steinbeck. Ich habe das mit 17 gelesen und fand es komplett irre, wie man Leser emotional so packen kann. 

Dein Lieblings-Buch aus dem Bereich des erzählerischen Journalismus? 

„Pulphead“ von John Jeremiah Sullivan. Niemand kann so witzig und warmherzig über Menschen und ihre seltsamen Leben schreiben. 


Neuer Kurs der Reporterfabrik

Kriegsreportagen planen, umsetzen, verarbeiten (Alexandra Berlin, Workshop 309, 10€) (Abre numa nova janela)

Alexandra Berlin ist Kriegsreporterin für den Spiegel. Als Auslandsreporterin geriet sie mehrmals ungeplant in Kriegsgebiete und weiß daher, wie es ist, wenn man ohne explizite Vorbereitung improvisieren muss. Was sie aus diesen Situationen gelernt hat und wie sie sich heute vorbereitet, zeigt sie euch in diesem Workshop.