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Von Vormerkern und Bestsellern (Verlagsfachsprech)

Wie in anderen Branchen auch, werden in der Verlagsbranche viele englische Begriffe benutzt: Ich bekomme häufiger „Royalties“ statt „Tantiemen“ und einige meiner Verlagsansprechpartnerinnen nennen sich „Editor“ statt „Lektorin“. Schon gewohnt klingen die „Deadline“, das „Cover“ oder der „Bestseller“, von dem ich statt des „Verkaufsschlagers“ träume. Wobei letzteres Wort schon sehr schick klingt 😁.

Ich stelle mir das gern bildlich vor, wie am Erscheinungstag („Happy Release day“) ein Fluss an Büchern aus dem Lager (ab)fließt und in die Buchhandlungen schwappt. Und wenn ordentlich vorgemerkt wurde, ist es ein schöner breiter Strom. Was “abfließen” bedeutet, ergibt sich also perfekt aus diesem Bild.

Bücherbrunnen in Innsbruck (1985)
Ob der Tiroler Künstler Michael Defner beim Bücherbrunnen in Innsbruck (1985) das Abfließen von Büchern im Sinn hatte?

Seitens der Verlage stechen zwei Begriffe heraus: (1) „Die Vormerker“. So heißen die „Vorbestellungen“. Gelegentlich heißt es auch die „Vorverkäufe“. Nie höre ich „Preorders“. Warum eigentlich nicht? Und dann wird seitens des Verlags das Buch nicht einfach verkauft. Es wird „ausgeliefert“. Das klingt fies, oder? Schöner ist, wenn das Buch (2) „abfließt“.

Vielleicht hast du gelegentlich gelesen, dass „Vormerker“ immer wichtiger werden. Die Verlage kalkulieren knapp. Je häufiger ein Buch vorbestellt wird, desto mehr Exemplare werden gedruckt. Desto größer ist theoretisch die Chance, auf die „Verkaufsschlagerliste“ zu gelangen.

Und wann wird ein Buch ein Bestseller?

Ob ein Buch ganz vorne auf der Bestsellerliste landet, ist nicht davon abhängig, ob es gut oder schlecht ist. Sondern von

  1. Den “Vormerkern”. Alle Vorbestellungen werden bis zum Erscheinungstag (ET) gesammelt. So kann es sein, dass ein gut vorgemerktes Buch direkt auf den vorderen Plätzen einsteigt. Die Filialisten wie Thalia und Hugendubel sind da besonders wichtig, denn die bestellen gleich palettenweise.

  2. Der Sichtbarkeit im VLB-TIX. Das ist das Verzeichnis der Lieferbaren Bücher. Wie bei den Suchergebnissen bei ebay oder amazon können dort gegen ein Marketingbudget Titel besonders prominent hervorgehoben werden.

  3. Der Sichtbarkeit in den Buchhandlungen. Heutzutage werden bei den großen Filialisten Plätze auf den Präsentationstischen gekauft. Wenn ein Buch mit dem Cover nach vorn präsentiert wird, steigt die Chance, dass es Aufmerksamkeit erregt. Außerdem liegen die Bücher dort stapelweise. Die Buchhandlung hat also schon kräftig eingekauft.

  4. Dem Erscheinungsmonat. Die veröffentlichungsstärksten Monate sind rund um die Termine der großen Buchmessen, also März (Frühjahrprogramm) und Oktober (Herbst). Dagegen ist der Januar traditionell unbeliebt. Das bedeutet aber, dass es mit einer recht kleinen Auflage möglich ist, auf die Bestsellerliste zu rutschen. 5000-8000 Exemplare können da schon reichen. Ob das Buch dann wirklich noch den Namen “Bestseller” verdient, ist eine andere Geschichte.

Wichtig ist dabei: Für die entscheidende (Spiegel-)Bestsellerliste werden nur Verkäufe an den stationären Buchhandel gezählt! Falls du als Autorin 2000 Exemplare deines eigenen Buches vorbestellst, freut das vielleicht den Verlag. Für den Einstieg in die Bestsellerliste nutzt das gar nichts😁.

Wenn das Buch einige Wochen im Markt angekommen ist und wahrgenommen wird, steigern sich seine Verkaufszahlen umso mehr, je sichtbarer es wird. Und es ist umso sichtbarer, je besser es verkauft wird. Wenn diese Wechselwirkung einmal in Gang ist, kann es über Wochen auf der Bestsellerliste bleiben. Je nach Genre spielen die Sozialen Medien, allen voran tiktok, aber auch Buchcommunitys wie lovelybooks eine große Rolle und sorgen für weitere Sichtbarkeit.

Die Verweilzeit eines Buchs im Markt sinkt beständig. War zu meiner Anfangszeit noch von 12-18 Monaten die Rede, die ein Buch in den Buchhandlungen sichtbar vor Ort war, sind es jetzt maximal 6 Monate, gern auch nur noch 12-18 Wochen. Für die meisten zu kurz, um ein “Longseller” für die “Backlist” zu werden. Zu diesen Begriffen später mehr.

Tópico Schreibtipp (Autorich)

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