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Wie, da war noch was? – Die Bonusszene aus »Brewing Tension«

Auf Instagram habe ich schon mal darüber berichtet, wie viele Wörter bei Brewing Tension im Rahmen der Überarbeitung aus dem Manuskript geflogen sind. Eben habe ich noch mal nachgesehen – es waren 11.467. On top kam noch eine Szene, die ich (schweren Herzens) ebenfalls gekürzt habe, die aber in einem gesonderten Dokument gelandet ist.

Dabei hat mir gerade die unglaublich viel Spaß gemacht beim Schreiben. Das Problem war nur: Die Szene hatte mit dem eigentlichen Plot denkbar wenig zu tun.

Auf Anraten meiner Lektorin (Spoiler: Lektor*innen haben meistens recht.) habe ich sie dann stark zusammengestrichen. Doch dass ich die ausführliche Pen-and-Paper-Sequenz von Caitlin und Charlotte noch veröffentlichen möchte, stand für mich damals schon fest.

Für alle, die von Pen-and-Paper noch gar nichts gehört haben, hier eine kurze Erklärung: Dabei handelt es sich um ein Spiel, bei dem die Teilnehmenden fiktive Rollen einnehmen und ein erzähltes Abenteuer erleben. Die Rollen sind in Charakterbögen verschriftlicht, auf denen auch Zahlenwerte für bestimmte Fähigkeiten notiert sind. In wichtigen Entscheidungssituationen muss auf das Gelingen der Handlung gewürfelt werden. Hierbei kommen Würfel mit bis zu 100 Seiten zum Einsatz (W100).

Wer das Buch noch nicht gelesen hat und sich nicht spoilern lassen will (wobei die Szene eigentlich keine großen Spoiler enthält, siehe der Hinweis oben, dass sie nicht mit dem Plot zusammenhängt), kann es übrigens hier bestellen:

Ansonsten bleibt mir hier und heute nur noch, euch ganz viel Spaß beim Lesen zu wünschen :)

Cheers

Stevie x

»Und du hältst wirklich dicht, Lottie?«, fragte Addison und blickte in den Rückspiegel.

Den Reverend davon zu überzeugen, Lottie übergangsweise zu ihrer Pen-and-Paper-Runde mitzunehmen, war ein leichtes Spiel gewesen. Dass die allerdings darauf bestanden hatte, im Dorf zu erzählen, dass sie Addison zum Bibelkreis begleiten wollte, hatte ihn dann doch unruhig werden lassen. Caitlin hatte den Eindruck, dass Lottie ihn nur wegen seiner Heimlichtuerei aufziehen wollte, und sie gönnte ihr das kleine Vergnügen.

»Wieso, fahren wir denn nicht zum Bibelkreis?«, entgegnete Lottie gespielt entrüstet.

Addison sah Caitlin verwirrt an. »Hast du …?« Er ließ die Frage unvollendet, weil Caitlin bereits den Kopf in den Nacken gelegt hatte und aus vollem Hals lachte.

Jetzt war es Lottie, die verwirrt dreinblickte. »Hab ich … hab ich echt mal jemanden drangekriegt?«

»Sieht ganz so aus«, brachte Caitlin hervor, bevor sie erneut in hemmungsloses Kichern ausbrach.

»Ihr seid mir ja welche«, bemerkte Addison und schüttelte den Kopf. »Aber ich mag das. Ich glaube, das wird eine sehr spaßige Runde.«

Caitlin drehte sich zu Lottie um, die versonnen lächelte und dabei aus dem Autofenster schaute. Caitlin folgte ihrem Blick und versuchte, ihre Heimat auf die Art und Weise zu sehen, wie sie Lottie erscheinen musste: saftige, tiefgrüne Wiesen und Felder, die sich fast bis zum Horizont erstreckten, an dem sich die Fluten des Firth als glitzerndes Band entlangzogen. Wunderschön und friedlich, wenn man nicht wusste, wie rau und unwirtlich es hier in der Gegend bisweilen werden konnte.

 ***

Nach zwanzig Minuten in einvernehmlicher Stille parkte Addison den Wagen vor dem Haus, in dem Collins wohnte. Der Spielleiter teilte sich die Miete mit Aedh, der ebenfalls hier lebte – wenn er sich nicht gerade um seine Familie in Glasgow kümmerte.

»Ich hab uns Futter von Leslie organisiert«, verkündete Collins anstelle einer Begrüßung.

»Der Herr sei gepriesen!«, rief Addison und machte ein Kreuzzeichen.

»Der oben oder der unten?« Caitlin schlug bei Collins ein, der ihr die Hand zum High Five hinhielt.

»Caitie!«, ermahnte Addison sie, während Charlotte leise kicherte.

»Ist doch wahr. Wir sind gerade in dieser eigenartigen Sphäre zwischen Realität und Pen-and-Paper-Welt, da frage ich lieber noch mal nach. Übrigens, das ist Lottie. Ich hab dir ja schon erzählt, dass sie gern mal ’ne Runde mitspielen würde.« Sie wandte sich um und zog Lottie in die Wohnung. Die schien aus dem Staunen gar nicht mehr herauszukommen.

»Sorry, ich hab nicht aufgeräumt.« Collins wirkte mit einem Mal richtig verlegen. Vermutlich kam es nicht so häufig vor, dass sich ein anderes weibliches Wesen als Caitlin in seine Nerdbude verirrte. Und die war wohl auch der Grund für Lotties große Augen. Collins rühmte sich damit, Sammlerstücke aus mehr als zwanzig Fandoms zu besitzen. Gerade betrachtete Lottie das Filmplakat des ersten Star-Wars-Films von 1977 mit den Unterschriften von Mark Hamill und Carrie Fisher.

»Ich bin Collins.« Er hielt ihr seine Hand hin und Lottie schüttelte sie, den Blick auf die Sturmtruppler-Uniform in der Ecke des Flurs gerichtet.

»Also, entweder bist du von all dem ziemlich beeindruckt. Oder abgeschreckt.«

»Wie wär’s mit: Caitlin hat sie lobotomisiert, damit sie mitkommt?«, warf Addison ein.

»Oi!« Sie schnippte ihm gegen die Schulter.

»Der war für den Spruch mit dem Herrn vorhin«, konterte Addison.

»Das wäre dann wohl der richtige Zeitpunkt, um mit der Runde zu beginnen«, schaltete Collins sich wieder ein. Vermutlich wäre der Schlagabtausch zwischen Addison und Caitlin sonst eskaliert. Bei den Rollenspiel-Runden tat er das immer – schließlich waren ihre Charaktere nicht sonderlich kompatibel. Vor allem nach Aedhs Ausscheiden, der als Halbelf zwischen den beiden vermittelt hatte, drohten die Dinge aus dem Ruder zu laufen.

»Außerdem essen wir heute in time«, verkündete Collins und klopfte Addison auf die Finger, der sich bereits über die Takeaway-Tüten hermachen wollte.

»Unsere Charaktere essen heute auch, während wir mampfen«, sagte Caitlin, als sie Lotties fragenden Blick bemerkte.

»Also«, begann er und setzte sich ebenfalls. »Beim letzten Mal habt ihr, Barde Corvinus« – er sah zu Addison – »und du, Paladin Garric« – er wies auf Caitlin – »das Verschwinden eures Freundes, des Waldläufers Vaelis, feststellen müssen. Bei Sonnenaufgang war dieser plötzlich verschwunden und sein dürftiges Reisegepäck mit ihm.«

Während er die letzten Sitzungen für Lottie ein wenig ausführlicher zusammenfasste, beobachtete Caitlin sie. Bei jedem zweiten Satz von Collins nickte sie und stellte hin und wieder Rückfragen, als er ihr die Spielregeln und den Szenenaufbau auf dem Tisch erklärte.

»Normalerweise hat jeder Spieler eigene Würfel«, sagte er gerade und Lottie sah betreten auf das leere Stück Holzplatte vor sich.

»Du kannst meine mit benutzen«, bot Caitlin an, fing sich aber sofort einen rügenden Blick von Addison aka Corvinus ein.

»Und unser Glück herausfordern? Hast du deinem Gott nun auch noch den letzten Rest deines dürftigen Hirns geopfert, Paladin?« Er spielte die Rolle des Tiefling-Barden mit einer solchen Inbrunst, dass Caitlin sich fragte, wie er das mit seiner Berufung als Priester vereinbaren konnte. Wenn jemand Gegensätze aushalten konnte, dann war es Addison.

»Die Würfel anderer Spieler zu benutzen, bringt Unglück«, erklärte Caitlin einer immer verwirrter dreinblickenden Lottie.

»Deshalb habe ich als treusorgender Dungeonmaster immer Ersatzwürfel bei mir«, verkündete Collins und zog eine Schublade unter der Tischplatte auf. Hunderte bunter Würfel in allen erdenklichen Farben und Designs lagen darin.

»Ein W20 sollte dir für die Sitzung heute Abend reichen.« Collin wies auf die oberste rechte Ecke der Schublade. »Such dir einen aus.«

Lottie entschied sich für einen regenbogenfarbenen Würfel und drehte ihn immer wieder zwischen Daumen und Zeigefinger hin und her, während Collins bereits weitersprach.

»Corvinus und Sir Garric, ihr erreicht bei eurem nächsten Tagesmarsch ein kleines, unscheinbares Bergdorf. Es regnet in Strömen, keine Seele auf den Straßen unterwegs und ihr …«

»… folgt dem Geruch von Bratenfett und Bierdunst in die örtliche Taverne!«, fiel Corvinus ihm ins Wort.

»Was der Tiefling sagt.« Caitlin nickte. Auch sie bekam langsam Hunger und schließlich hatte Collins angekündigt, dass er dieses Mal das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden würde.

»So sei es denn.« Collins nickte. »Ihr betretet also die Taverne und sogleich beäugen euch Dutzende neugierige Augenpaare. Darunter auch das der Feuermagierin Maelra, einer Menschenfrau.« Nun sah er zu Lottie und schob ihr einen Charakterbogen und eine Spielfigur zu. »Der Charakter ist schon vorgefertigt, ich erkläre dir im Lauf des Spiels alles, was du wissen musst.«

Dann wandte er sich wieder an Caitlin und Addison. »Ihr beide, was tut ihr?«

»Ich winke zum Tresen und bestelle das beste Essen, das sie haben«, meinte Addison-Corvinus.

»Die Kellnerin ist heute nicht gut drauf, du musst leider deinen Charme spielen lassen.« Collins grinste süffisant. Er wusste genau, dass das weder Addisons noch Corvinus’ Stärke war.

Addison stieß genervt die Luft aus. »Ich ziehe meine Leier hervor und trällere ein Liedchen.«

»Dann würfle doch mal auf Charisma«, forderte Collins.

Caitlin musste Addison nur ansehen, um zu wissen, dass er heute kein besonders großes Würfelglück hatte. »Zwei«, sagte er kleinlaut.

»Zwei plus dein Wert von sieben. Tja, mit ’ner Neun kommst du nicht weit.« Collins schnalzte mit der Zunge und imitierte die Stimme der Kellnerin. »Schnauze, das Geklimper ging mir schon immer auf die Eier.«

»Ähm, Entschuldigung«, mischte sich nun Lottie ein. »Ich glaube, diese beiden Herrschaften sind sehr hungrig und würden Ihnen sicherlich einen besonders guten Preis zahlen.« Sie nahm ihre Spielfigur und platzierte sie auf dem Plan neben der kleinen Taverne, wo auch Corvinus’ und Sir Garrics Miniaturen standen.

»Und wer zum Henker bist du?«, wandte Corvinus sich an Maelra.

Sie stellte sich mit Namen vor, verriet aber nichts weiter über ihre Herkunft oder ihre Absichten.

»So, so. Und du zahlst unser Essen, habe ich gehört?« Corvinus rieb sich grinsend die Hände.

»Wenn ihr mich dafür mit euch ziehen lasst. Ihr und euer Gefährte.« Sie wies auf Sir Garric, der bereits an einem der Tische im hinteren Bereich des Raumes Platz genommen hatte.

»Ich habe zwar nicht die geringste Ahnung, warum ihr euch ausgerechnet uns anschließen wollt, aber bitte, nur zu.« Corvinus zuckte mit den Schultern und winkte sie mit sich.

»Essen kommt sofort!«, verkündete die Kellnerin und stellte gleich darauf ein gutes Dutzend Boxen in den unterschiedlichsten Größen auf den Tisch. »Köstlichkeiten aus den fernen Landen im Osten, der Chef hat einen neuen Koch eingestellt.« Sie wirkte, als würde sie das alles nur Maelra erzählen und lächelte dabei.

»Das klingt fabelhaft, vielen Dank!«, erwiderte die Feuermagierin und machte sich daran, eine Box nach der anderen zu öffnen und zu verteilen.

Während sie speisten, tauschten sie sich über ihre bisherigen Erlebnisse aus und Sir Garric und Corvinus berichteten vom Verschwinden ihres Gefährten Vaelis.

»Bei Sonnenaufgang war er weg. Mit Sack und Pack. Ohne ein Wort des Abschieds. Bis heute wissen wir nicht, ob er freiwillig gegangen ist oder verzaubert oder entführt wurde. Oder beides«, fasste Sir Garric zusammen.

»Seitdem mag er keine Sonnenaufgänge mehr«, ergänzte Corvinus und schüttelte den Kopf.

»Verständlich.« Maelra nickte. »Wann wollt ihr also aufbrechen?«

»So früh wie möglich.« Corvinus schob sich eine Ladung frittierter Nudeln in den Mund.

»Vor Sonnenaufgang«, ergänzte Sir Garric.

»Ihr tauscht während des Essens weitere Belanglosigkeiten aus«, unterbrach Collins das Gespräch. »Ihr dürft natürlich weiteressen«, fügte er hinzu, als er Corvinus’ feindseligen Gesichtsausdruck bemerkte. »Sir Garric ist ja ohnehin recht schweigsam, was seine Absichten angeht, aber auch Maelra weicht euren Fragen immer wieder aus.«

»Was wiederum mich mehr als misstrauisch macht.« Sir Garric snackte eine gebratene Garnele und blickte Maelra finster an.

»Ihr geht schlafen«, ergriff Collins wieder das Wort. »Corvinus und Sir Garric, ihr fallt ins Bett und tauscht euch auch nicht mehr über das Erlebte aus, da ihr zu müde seid. Maelra, dir schiebt die Kellnerin noch eine Schriftrolle zu.«

Die Feuermagierin nahm sie entgegen und entrollte sie. Während sie las, wurden ihre Augen immer größer. Sie sah hoch, doch Collins legte mahnend einen Finger an die Lippen. »Zu niemandem ein Wort.« An alle gewandt fuhr er fort: »Mitten in der Nacht werdet ihr von lautem Geschrei und Gepolter geweckt.« Collins ruckelte am Tisch und stampfte mit den Füßen auf.

»Bei den Göttern!« Sir Garric blinzelte und rieb sich die Augen. »Was ist hier los?«

»Ich springe sofort aus dem Bett, packe meine Sachen und renne aus dem Haus.« Maelra umfasste ihre Spielfigur und bewegte sie ein Stück von der Taverne weg.

»Ich sehe in Maelras Zimmer nach, stelle fest, dass sie verschwunden ist und sehe mich in meinem Misstrauen bestätigt«, fasste Sir Garric zusammen.

»Garric, was willst du mit der Hexe? Raus hier!« Corvinus zog den Paladin am Ärmel und ebenfalls aus dem Gebäude hinaus. »Da ist sie doch!« Er zeigte auf Maelra.

»In der allgemeinen Aufregung konntet ihr euch glücklicherweise sehr schnell wiederfinden. Doch nach und nach werden Rufe laut, dass mehrere Menschen vermisst werden.

»Was ist geschehen? Weshalb der Aufruhr?«, wandte Corvinus sich an einen der Dorfbewohner.

»Meine Schwester ist weg, einfach aus ihrem Bett verschwunden. Und die Frau meines Bruders. Mein Neffe auch.« Verzweifelt rang er die Hände. »Im Nachbardorf ist vor ein paar Tagen Ähnliches passiert.«

Dann wandte Collins sich an Maelra und fiel zurück in seine Spielleiter-Stimme. »Du siehst dich um und bemerkst vereinzelt blaue Lichter hinter dem Waldrand.«

»Ich sage nichts zu den anderen, sondern seile mich unauffällig ab und gehe darauf zu.« Maelra wanderte mit der Spielfigur in Richtung Wald, während Collins ein paar blaue Glitzersteine zwischen die kleinen Bäume streute.

»Ich bemerke, was Maelra vorhat, und …«, begann Sir Garric, doch Collins fiel ihm ins Wort. »Einmal auf Wahrnehmung würfeln, bitte.«

Sir Garric tat, wie geheißen. »Achtzehn.«

»Du bemerkst, was Maelra vorhat«, bestätigte Collins und wies Garric an, fortzufahren.

»Ich gebe Corvinus ein Zeichen und folge der Feuermagierin, rufe sie beim Namen und versuche, sie aufzuhalten.«

»Maelra, du nimmst die Rufe zwar wahr, merkst, als du reagieren willst, aber, dass dich die blauen Lichter wie magisch anziehen und du weiterlaufen musst, immer weiter.«

»Ich kann auch nicht schreien?« Maelras Blick wirkte in der Tat leicht panisch.

»Würfle einmal auf Willensstärke.«

»Fünfzehn.«

»Ihr habt aber heute auch ein Glück.« Collins schnalzte mit der Zunge. »Du kannst dich dem Zauber zumindest soweit entziehen, dass du dich verständlich machen kannst.«

»Ich will ja etwas tun, aber ich kann nicht!«, ließ Maelra ihre neuen Gefährten wissen.

»Ich springe ihr in den Weg und halte ihr die Augen zu«, klinkte Corvinus sich wieder ins Geschehen ein.

»Das ging schneller als gedacht.« Collins klatschte in die Hände. »Corvinus’ schnelle Reaktion zeigt euch, dass es der intensive Blickkontakt mit dem blauen Leuchten ist, der Maelra und möglicherweise auch die anderen in die Wälder geführt hat.«

»Wir müssen die Leute da rausholen. Wer weiß schon, was am Ende dieses Leuchtens ist. Und vielleicht finden wir so auch Vaelis wieder.« Zuversicht spülte durch Sir Garrics Adern und der altbekannte Tatendrang kehrte zurück.

»Tolle Idee.« Corvinus lachte, doch es klang nicht besonders fröhlich. »Und wie machen wir das, ohne selbst von dem blauen Leuchten in den Bann gezogen zu werden?«

»Kann ich mit meiner Feuermagie etwas bewirken?«, wandte Maelra sich an Collins.

»Hast du nicht einen Hinweis bekommen?«, fragte er und stellte sein Pokerface zur Schau.

Maelra überlegte, dann hellte sich ihre Miene auf. »Die Nachricht von der Kellnerin! Feuer bannt Eis, Licht bannt Dunkel, eine Magie tilgt die andere! Ich kann einen Gegenzauber wirken!«

»Das würfelst du aber bitte erst aus. Wer weiß schon, ob deine Magie stark genug ist.«

Maelra folgte seiner Anordnung und grinste. »Zwanzig.«

»Sieh an, sieh an, ein kritischer Erfolg! Ist das dieses Anfängerglück, von dem immer alle reden?« Collins lachte. »Mithilfe von Maelras Magie könnt ihr euch sehenden Auges durch den Wald schlagen.«

Je weiter sie kamen, desto deutlicher wurde auch die Quelle des blauen Leuchtens. Hin und wieder wurden sie von kleineren Wesen oder Hindernissen aufgehalten, doch mit gegenseitiger Hilfe und geradezu absurdem Würfelglück meisterten sie jede Herausforderung, die Collins ihnen in den Weg warf.

»Schließlich kommt ihr an einer Klippe an, unter euch tost das Meer und der Boden beginnt erneut zu beben.« Wieder ruckelte Collins am Tisch und es war Corvinus’ beherztem Eingreifen zu verdanken, dass Maelras Figur – und damit auch sie selbst – nicht in die Tiefe stürzte.

»Hinter euch teilt sich der Boden und wieder tritt blaues Licht aus. Selbst Maelras Feuermagie kann euch nicht retten, denn das Leuchten ist zu kräftig und zu stark. Dichter Nebel hüllt euch ein und ihr könnt nur schwach eine Gestalt erkennen, die aus dem Felsspalt hervorsteigt.«

Collins stellte eine weitere Figur dazu, die Garric an einen Hütergeist denken ließ.

»Sieh an, Corvinus«, sprach der Geist. »So früh habe ich dich gar nicht erwartet. Und doch hast du es geschafft, zu spät zu sein …«

»Hä?«, machte Corvinus wenig eloquent.

Mit einem lauten Klatschen ließ Collins seine Notizmappe zuschnappen und grinste in die Runde. »Und hier setzen wir unseren heutigen Cut!«

Tópico Autorinnenleben

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