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Wenn Blüte und Bestäuber aus dem Takt geraten

Temperaturanstieg und Hitze verändern Blühzeiten von Pflanzen und Lebenszyklen von Insekten.

Mohnblüten und eine Biene.
(Foto: Wolfgang Bussler)
🎼

Vor zwei Jahren habe ich im Garten einen kleinen Jostabeerenstrauch gepflanzt – in sonniger Lage, recht dicht am Gartenhäuschen. Im letzten Frühjahr entdeckte ich so ziemlich genau eine Blüte. In diesem Jahr hat sich das Sträuchlein zu einem Strauch entwickelt. Er lehnt seine Zweige lässig an die Holzwand der Hütte und blüht! Es sind so viele Blüten, ich habe mit dem Zählen aufgehört.

Auch die Insekten haben das neue Gewächs entdeckt. Bienen, Schwebfliegen und vor allem Hummeln kamen zu Besuch. Es könnte in diesem Sommer etwas werden mit ein paar Früchten für das Müsli. Vielleicht reichen die Beeren sogar aus, um einen Kuchen damit zu backen.

Eine Blütenpflanze kann nur Frucht und Samen bilden, sich also vermehren, wenn die Pollen (männlich) auf die Narbe, das weibliche Organ einer Blüte, gelangen. Die Übertragung von Pollen geschieht zum Beispiel durch den Wind oder durch Tiere: Bei der Tierbestäubung übertragen Insekten, Vögel oder auch Säugetiere die Pollen, während sie selber Nahrung sammeln.

Eine Zeichnung, alt, schwarz-weiß, eines Insekts, einer Biene, die gerade in einer Blüte Nektar trinkt. (Abre numa nova janela)
(Abbildung: Robert Brown, 1899, British Library)

Damit Bienen, Hummeln (Abre numa nova janela) und andere Insekten diesen wichtigen Auftrag erfüllen können, müssen die Blühzeit und die Aktivität der Tiere zeitlich zusammenfallen. Blüht die Pflanze schon, wenn die Bestäuber noch im Winterschlaf sind, klappt das nicht. Genauso schwierig wird es, wenn die Bienen und Hummeln umherfliegen, die Pflanze aber noch nicht blüht.

Bei der Jostabeere und dem benachbarten Apfelbäumchen, das etwas später blühte, kam es in diesem Jahr recht gut hin. Doch wegen des Klimawandels – mit einem Anstieg der Durchschnittstemperaturen, mehr Hitzetagen, milderen Wintern, weniger regenreichen Sommern, dafür einem erhöhten Risiko für starke Regengüsse – verschieben sich die Lebenszyklen von Pflanze und Tier.

Einige Pflanzen blühen früher im Jahreslauf. So hat sich die Apfelblüte bei uns seit 1960 bis heute im Mittel um 21 Tage, die Schneeglöckchenblüte um 22 Tage und die Forsythienblüte um knapp 20 Tage nach vorne verschoben.

(Abre numa nova janela)
Veränderungen der jahreszeitlichen Entwicklungsphasen bei Pflanzen (Umweltbundesamt)

Durch diese Veränderungen kann ein seit Jahrtausenden aufeinander abgestimmter Rhythmus zwischen Pflanze und Bestäubern aus dem Takt geraten. Neben dem eben schon erwähnten zeitlichen Problem – die Hummel ist schon aus dem Winterschlaf erwacht, aber ihre Futterpflanzen blühen noch gar nicht – gibt es mindestens noch drei verschiedene andere Schwierigkeiten.

Da wäre zum einen die räumliche Dimension: Wenn die Temperaturen steigen, kann sich das Verbreitungsgebiet der Pflanze und zum Beispiel auch von Insekten verändern – etwa weiter in Richtung Norden oder auch bis in höhere Lagen. Wenn beide aufeinander eingespielte Arten diese Ortsveränderungen durchmachen, sollte es kein Problem geben. Schwierig wird es dagegen, wenn nur die Pflanze oder nur das bestäubende Tier weiter Richtung Norden zieht.

Unter dem Einfluss von Klimaveränderungen kann sich auch die Gestalt von Tier und Pflanze verändern. Bei starker Hitze bilden manche Pflanzen zum Beispiel kleinere Blüten. Doch Insekt und Blüte sind mit ihren Organen und Instrumentarien exakt aufeinander abgestimmt.

Vor zehn Jahren beobachteten (Abre numa nova janela) Forschende der University of Missouri bei zwei alpinen Hummelarten, dass sich ihre Rüssel im Laufe der letzten 40 Jahre wegen der Klimaerwärmung verkürzt hatten. Diese Hummeln können nun Pflanzen mit längeren Blütenröhren nicht mehr bestäuben.

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Höhere Temperaturen können die Kommunikation zwischen Blüte und Bestäuber stören. Die Menge und auch die Art an Duftstoffen, mit denen die Blüte lockt, können unter Einfluss von Hitze irritierend anders ausfallen. Hitze kann sich außerdem auch hemmend auf den Geruchsinn der Insekten auswirken. Insgesamt könnten die Insekten selbst bei einem erfolgreichen Besuch der Blüte hungrig wegfliegen, weil unter Hitze die Qualität der Pollen, der Zuckergehalt und die Menge des Nektars abnehmen können.

Wichtig noch zu erwähnen: Bei den bestäubenden Insekten unterscheidet man Spezialisten und Generalisten. Generalisten besuchen eine breite Palette an Blütenpflanzen. Spezialisten hingegen sind auf bestimmte Pflanzenfamilien, manchmal sogar auf nur eine einzige Art angewiesen.

Wusstest du, dass es die Glockenblumen-Scherenbiene gibt? Wie der Name schon erahnen lässt, ist diese Wildbiene auf Glockenblumen spezialisiert. Sie fliegt bei uns von Mai bis August und sammelt Pollen sowie Nektar allein an Glockenblumen. Außerdem sucht sie bei Regen und in der Nacht Schutz direkt in den glockenförmigen Blüten.

Fachleute befürchten, dass es zukünftig vor allem die Spezialisten unter den Bestäubern sein werden, die unter den Klimaveränderungen leiden und möglicherweise in bestimmten Regionen aussterben. Der Glockenblumen-Scherenbiene geht es laut NABU (Abre numa nova janela) aktuell gut: Da die Glockenblume recht häufig in der Natur vorkomme, sei diese Wildbiene weit verbreitet.

Text: Dr. Ulrike Gebhardt

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Tópico Natur + Rhythmus

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