TV-KRITIK (Abre numa nova janela)
Ein wenig Shakespeares Romeo und Julia geht immer: Ob als klassisches Reclam-Heftchen oder kunstvoll illustriert von Kat Menschik bei Galiani Berlin, als (moderne) Verfilmung oder als Musical im Theater des Westens, wo Conchita Wurst noch bis zum 15. November als Starcast den Todesengel gibt. Natürlich immer als Zitat wie Andeutung, etwa zuletzt im Tatort: Erika Mustermann aus Berlin (Abre numa nova janela) – und nun im aktuellen Tatort aus Ludwigshafen, der, beinahe schon wie eine Ankündigung, Mike & Nisha betitelt ist.

Spoiler: Es geht um zwei star-crossed lovers, Liebende unter einem unheilvollen Stern, unglückliche Liebende, ...namens Mike (Jeremias Meyer, Der Greif, Tschappel) und Nisha (Amina Merai). Die selbst für Ludwigshafener Tatort-Verhältnisse speziellen Eltern Mikes, Gustav (Bruno Cathomas) und Emilia Schaub (Judith Hofmann), sind gegen die Beziehung der zwei jungen Turteltauben. Vor allem der Vater tut sich mit seiner Ablehnung hervor. Ein Treffen eskaliert und kurz darauf liegen im Schaub'schen Wohnzimmer zwei Leichen (das erinnert an einen Weihnachts-Krimi - mehr in Kürze).
Die Mittzwanziger Mike und Nisha entschließen sich, sich der teil-elterlichen Leichen zu entledigen. Der Lärm und die Aufregung allerdings bleiben in dem ruhigen Vorortviertel nicht verborgen. Nachbarin Gerlinde Wagner (klasse: Anna Stieblich) ruft die Polizei und auch „Selbstverwalter“ Erwin Ramthor (perfekt penetrant: Wolf Bachofner) widmet sich der Dinge eingehend. Als schließlich Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) auftauchen, scheint klar: Hier ist etwas passiert.

Das Jungvolk allerdings behauptet, die Eltern wären wie geplant im Urlaub. Sie passten nun auf das Haus auf und hätten noch fix vor, einen Teich anzulegen... Doch es ist nicht zu verbergen, dass sich hinter der zunehmenden Nervosität des jungen Paars ein Geheimnis verbirgt. Je mehr Hinweise die Kommissarinnen mit Hilfe von Mara (Davina Chanel Fox) und Nico (Johannes Scheidweiler) zusammentragen, desto angespannter werden Mike und Nisha.

Joar, so ist das alles. Es werden ein, zwei überraschende und weniger überraschende Dinge enthüllt. Die Täter*innen sind uns bekannt, so spielt das Katz-und-Maus-Spiel eine größere Rolle und manch eine Absurdität, zu der dies führt. Ansonsten ist vieles wie gewohnt: Odenthal poltert entgegen aller Vorschriften und Höflichkeiten durch den Film, nur um dann den Nachwuchs zu ermahnen, nicht die gleichen Fehler wie sie „früher“ zu machen. Quasi zwei Szenen zuvor...

Darüber hinaus finden sich allerdings doch auch ein paar freiwillige One-Liner im Drehbuch von Annette Lober, das den Fall, dessen Ende nicht nur geübte Tatort-Zuschauer*innen lange kommen sehen dürften, durchaus kurzweilig erscheinen lässt. Allein die Figuren Ramthor und Wagner sind herrlich und lohnen einen Blick auf diese Vorortfiguren. Die Inszenierung von Didi Danquart überzeugt vor allem zu Beginn mit manch einem feinen Kniff, wird zum Ende hin immer routinierter, was folgerichtig ebenfalls für die Kamera Conny Janssens gilt.

Ein solider, durchweg gut gespielter Unterhaltungs-Tatort, der nach vielen super-relevanten Sozialthemen mal wieder ein wenig geläufigere Krimikost mit Twist serviert.
AS
PS: Im Anschluss zeigt das Erste das Doku-Drama Nürnberg 45 u. a. mit Jonathan Berlin und Katharina Stark in den Hauptrollen.
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Das Erste zeigt den Tatort: Mike & Nisha am Sonntag, 9. November 2025, um 20:15 Uhr, one um 21:45 Uhr; anschließend ist der Film für zwölf Monate in der ARD-Mediathek verfügbar (Abre numa nova janela).
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