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Sommer, Sonne, Sommerpause

Logo »TITANIC-Wochenrückblick. Der endgültige Newsletter«

Liebe Leser*innen,

endlich Ferien – Kabinett und Bundestag genießen die Sommerpause: Karin Prien gönnt sich jeden Tag eine Kugel Vanilleeis von dem Geld, das sie durch die Streichung des Unterhaltsvorschusses gespart hat, Stefanie Hubig hat sich im Bundestag einschließen lassen, um endlich in Ruhe die Ablage zu machen, und Thorsten Frei ist heute Morgen spontan in die USA gereist. Laut Vertrauten soll er hektisch gewirkt und irgendwas von »schnell noch abtreiben lassen« gemurmelt haben. Währenddessen lässt es sich der Finanzminister in Antalya gut gehen und bastelt an seinem Image:

Titel der Augustausgabe: Fotomontage von Lars Klingbeil mit dem Mund und den Zähnen von Jürgen Klopp und einer Red-Bull-Kappe. Dazu der Text: "Lars 'Klingo' Klingbeil: Macht er so die SPD wieder fit?" (Abre numa nova janela)

Ab Samstag in allen Kaderschmieden, jetzt schon im Onlineshop (Print (Abre numa nova janela) oder PDF (Abre numa nova janela) oder in der App (Abre numa nova janela)) – oder am besten: im Abo! (Abre numa nova janela)

Bilder der letzten drei TITANIC-Ausgaben. 
Text: Printabo testen. 3 Monate für nur 13,50. 
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Merz ist derweil etwas enttäuscht, dass die anderen Mitglieder der Bundesregierung sich die Sonne auf die Zähne scheinen lassen, während er hart im Sommerinterview ackert. Lesen Sie den SPIEGEL-Faktencheck zu den Aussagen des Kanzlers:

Friedrich Merz mit Hut und Sonnenbrille.

Deutschland hat einen der höchsten Krankenstände Europas.

STIMMT

Da hat der Kanzler die Wahrheit gesagt. Streng genommen hat Deutschland sogar einen der höchsten Krankenstände der Welt. Das lässt sich nur leider nicht so einfach belegen, weil es frei erfunden und für die Wirtschaft nahezu irrelevant ist. Aber ist das wirklich so wichtig, wenn man damit nur eine Person dazu bewegt, sich mit Husten zur Arbeit zu schleppen und nach Kräften das halbe Büro anzustecken?

Arbeiten Schweizer wirklich 200 Stunden mehr im Jahr?

Hier hat der Kanzler voll recht!

Zeit ist Geld, und das ist in der Schweiz viel mehr wert als in Deutschland. Jede deutsche Stunde lässt sich so in ca. 1,08 Schweizer Stunden übersetzen. Das ist simple Mathematik und lässt sich ganz einfach mit einem Bleistift und einem Bierdeckel beweisen.



Die Produktivität in Deutschland ist seit zehn Jahren nicht gestiegen.

Wie wahr, wie wahr, Herr Kanzler.

Wenn man einmal von der manischen Attest-Produktion absieht! Und dem Gejammer und Genöle, das in diesem Land seit Kurzem Hochkonjunktur hat! Auch da sollte man sich mal wieder ein Beispiel an unserem Kanzler nehmen, der es so schwer hat wie noch kein Kanzler vor ihm (kein Gejammer).

Friedrich Merz bekommt sehr viel Zustimmung für die Dinge, die er sagt.

Junge, Junge, ist das wahr.

Zum Beispiel von unseren Journalisten und Kolumnisten! Außerdem werden in den Medien vorwiegend Leute gezeigt, die unseren Kanzler kritisieren, nur weil diese deutlich in der Mehrheit sind. Viel zu selten sieht man Menschen vor den Mikrofonen, die ihm öffentlich voll und ganz zustimmen und ihn nur hinter seinem Rücken verachten. Auch fehlen wichtige Unterstützer wie sein Nachbar Ansgar, der ihn immer noch jeden Tag lieb grüßt, obwohl Merz seinen Sohn überfahren und sich dann beschwert hat, dass er nicht in die Schule geht.

Merz hat niemandem persönliche Faulheit unterstellt.

DING-DONG! VOLLTREFFER!

Bei uns hat sich jedenfalls niemand diesbezüglich gemeldet … wahrscheinlich auch dazu zu faul. Man muss sich ja dazu nur die Anekdoten anhören, die der Kanzler uns mitgebracht hat.

Die Vermögenssteuer verstößt gegen den Gleichheitsgrundsatz und ist verfassungswidrig.

IST WIRKLICH WAHR! WIRKLICH!

Gerade einkommensschwache Bürger wären von einer Vermögenssteuer wieder einmal ausgenommen. Um derlei Unfairness zu vermeiden, zielen die Reformen bewusst nach unten. Aber gehen sie auch weit genug? Gibt es nicht noch zu viele Leute, die weniger als 60 Stunden die Woche arbeiten und sich wie Krösus persönlich die Instantnudeln mit Warmwasser auf dem Cordsofa zubereiten können? Unsere Kolumnisten meinen dazu: »Schlabber, schlabber, schleck, das ist aber ein leckerer Herrenschuh, Herr Kanzler! Ist das ein Budapester? Aber mal kritisch gefragt: Können wir noch einen davon haben?«

Merz arbeitet wirklich unermüdlich: Neben dem Geben von Sommerinterviews, Einbrüchen ins Freibad und dem Treffen der Entscheidung, Menschen nach Afghanistan abzuschieben, schafft er es auch noch, einen Kommentar zum spanischen WM-Sieg abzugeben:

Porträts von Tony Burham, Friedrich Merz, Donald Trump der den WM-Pokal in der Hand  hält, Wladimir Putin und Julian Nagelsmann

»Moment: Spanien? Die haben uns die militärische Unterstützung verweigert, nur weil ich gedroht habe, die iranische Zivilisation auszulöschen! Außerdem hatte ich meinem Freund Milei versprochen, dass Argentinien gewinnt. Verbindet mich so schnell es geht mit Gianni: Das Endspiel muss wiederholt werden.«

Donald Trump, Fußballer des Jahres

»Aufregend: Da dreht sich wochenlang alles um diese kleine, unbedeutende Kugel! Aber auch das Spahn-Baby wird bald wieder aus den Schlagzeilen verschwunden sein. Wie bitte? Ach so: Herzlichen Glückwunsch, Spanien, zur Fußballweltmeisterschaft!«

Friedrich Merz, Kommunikationsstratege bei Schwarz-Rot

»Wir hatten seit Turnierbeginn sämtliche Atomraketen auf New York ausgerichtet und waren fest entschlossen. Aber was soll ich sagen: diese WM hat einfach Laune gemacht. Haaland, der so ulkig vom Platz gegangen ist! Die rassistischen Beleidigungen gegen Mbappé! Und dann in der Halbzeitshow die singende Schweinepuppe ›Shakira‹! Die westliche Hemisphäre hat mal wieder geliefert. Lassen wir sie vier weitere Jahre stehen.«

Wladimir Putin, Mentalitätsmonster

»Glückwunsch zum Titel! Spanien ist im Fußball seit jeher Weltmacht. Das sieht man bis heute auch in den ehemaligen Kolonien wie Paraguay. Wir sind quasi gegen den späteren Turniersieger ausgeschieden, da kann man erhobenen Hauptes abtreten.«

Julian Nagelsmann, neuer Trainer bei Wattenscheid 09

»Ich bin froh, dass Spanien gewonnen hat, so aggressiv wie sich die argentinische Regierung zuletzt mit Blick auf die Falklandinseln geäußert hat. Ach so, Verzeihung! Ich habe mich nicht vorgestellt: Ich bin der neue britische Premierminister. Halt, bleiben Sie hier! Ich bin wirklich der neu…«

»Andy Burnham«, Hochstapler

Wie würden diese O-Töne klingen, wenn die Befragten hochintelligent wären? Niemand kann das wissen. Denn hochintelligente Menschen antworten anders, ergab eine Studie. Wie genau, das zeigen Ihnen die fünf Antworten, die nur hochintelligente Menschen geben:

Zwei junge Frauen, die vor einer Tafel stehen und direkt in die Kamera schauen

»Klar kann ich dir das Dreikörperproblem lösen! Reich mir mal die Serviette da und gib mir fünf Minuten.«

»Nee, ›Sein und Zeit‹ hab ich nie gelesen. Ich kann das nicht haben, wenn der Autor so deutlich ausbuchstabiert, was er meint …«

»Ach, ich hab eigentlich nichts Besonderes gemacht am Wochenende: ein bisschen in den ›Metamorphosen‹ geblättert, gemerkt, dass Ovid einen Hexameter verstolpert hat, eine verbesserte Version geschrieben und dann einen kleinen Lexikoneintrag darüber verfasst, das Übliche halt.«

»Ich habe gerade gehört, dass Sie einen Doktor brauchen? Das trifft sich gut, ich habe summa cum laude in Altphilologie promoviert. Ach so, Sie meinten einen Arzt? Noch besser, ich bin auch Professor der Medizin, wo drückt denn der Schuh?«

»Einen Moment, ich rechne schnell im Kopf aus, wie viel Trinkgeld Sie bekommen!«

Besonders intelligente Kolumnisten erkennt man zum Beispiel daran, dass sie ihre Kolumne »Mit Bourdieu am Quengelregal« nennen:

Torsten Gaitzsch trinkt eine Tasse Kaffee und schaut in die Kamera

Heute: Mit Bourdieu am Quengelregal (not sponsored by Netto)

Wenn mir mal wieder gar kein Kolumnenthema einfallen will, greife ich zu einem Trick, der sich bei mir als »Inspirations-Shopping« bewährt hat: »Gehste halt mal in einen Supermarkt, irgendetwas Aufschreibenswertes wird sich dort schon finden!«

Und so bin ich eben zu Netto geschlurft, und zwar in den Nicht-Hunde-Netto. Das muss man ja leider präzisieren; wie kann es eigentlich sein, dass in einem Land, wo jeder Hauch einer Verwechslungsmöglichkeit zwischen konkurrierenden Marken vor Gericht landet, zwei Discounter mit identischem Namen existieren? Nun, ich war jedenfalls in jenem Markt, der in manchen Kreisen einen gewissen Ruf weghat. Ich weiß ganz genau, dass auch einige von Ihnen jetzt die Nase rümpfen: An einem fucking Netto wäre ein Robert Gernhardt nicht mal vorbeigegangen! Tatsächlich kenne ich Leute, die beispielsweise Rewe boykottieren, weil an der Kasse die Körbe und Wägen der Kundschaft per argwöhnischem Spiegelblick auf Diebstahlsversuch kontrolliert werden. Was soll ich sagen? Ich musste auch gerade bei Netto meinen Einkaufswagen um das Kassenband herumschieben, auf dass die Kassiererin hineinschauen konnte. »Ja, genau, ich klaue bei Netto, so seh’ ich aus!« lag es mir früher in solchen Momenten auf der Zunge. Heute stehe ich da drüber.

Allgemein scheint mir bei der Netto-Häme seit je eine Art Klassismus mitzuschwingen. Ich erinnere mich, dass zu meiner Schulzeit der Satz »XY macht ein Praktikum bei Netto« als grobe Beleidigung galt, und unser Mathelehrer pflegte zu sagen: »So was kannste bei Netto an der Kasse machen, aber nicht auf dem Gymnasium!«, wenn etwa jemand einen Bruchstrich so: / statt so: malte.

In den späten Neunzigern begann sich herumzusprechen, dass bei Aldi oder Lidl »mittlerweile auch Geschäftsleute einkaufen«, »Businessdress und Blaumann Seit’ an Seit’« seien dort zu sehen, kolportierten Magazinbeiträge mit angestrengtem Staunen. Bei Netto kam diese Egalisierung nie an, der Laden behielt seinen »Assi-Stempel«. Dabei spricht absolut nichts dagegen, sich dort mit Waren des täglichen Bedarfs zu versorgen. Für wenig Geld! Wo sonst bekommt man (so z. B. diese Woche) das Vitalis-Knusper-Müsli »Cinnamon Roll Style« für 2,22 € oder das Kölln-Müsli in der Limited-Edition »Ritter-Sport Knusperflakes« für 2,49 € (das muss man sich mal buchstäblich auf der Zunge zergehen lassen: Flakes als Basis von Schokolade als Basis von Flakes!!!)? Oder gezuckerte Kondensmilch für 1,- € pro Dose? Oder ein Dreierpack Sensodyne-Zahnpasta für 4,99 €?

Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:

Ihre TITANIC-Redaktion

TITANIC empfiehlt: Die Friedrich-Merz-Disziplinierungs-Tasse

Schwarze Tasse. Friedrich Merz im Profil, der seinen Zeigefinder ausstreckt und gerade etwas sagt. Text neben dem Bild "Wurm". Rechts in der Ecke: TITANIC-Logo (Abre numa nova janela)

Sie wollen einen frisch gebrühten Kaffee im Homeoffice genießen oder einen Erkältungstee im Krankenlager schlürfen? Faule Sau! Zeit, dass der Kanzler persönlich Sie wieder auf Spur bringt: Mit dem original »Wurm!« -Pott werden Sie daran erinnert, dass man sich Heißgetränke verdienen muss.

Auch in den Varianten »Du bist nichts!« und »Faules Stück!« erhältlich:

Schwarze Tasse. Friedrich Merz im Profil, der seinen Zeigefinder ausstreckt und gerade etwas sagt. Text neben dem Bild "Du bist nichts!". Rechts in der Ecke: TITANIC-Logo (Abre numa nova janela)Schwarze Tasse. Friedrich Merz im Profil, der seinen Zeigefinder ausstreckt und gerade etwas sagt. Text neben dem Bild "Faules Stück". Rechts in der Ecke: TITANIC-Logo (Abre numa nova janela)

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