
Liebe Leser*innen,
falls Sie diese Mail auf Ihrem Arbeitsweg lesen, wünscht der TITANIC-Wochenrückblick Ihnen eine gute Fahrt! Das gilt besonders, wenn Sie gerade auf dem Weg zum Mond sind. Die Redaktion hofft, dass Sie sich genug Butterbrote geschmiert und daran gedacht haben, die Uno-Karten einzupacken. Sollten Sie als Öltankerkapitän arbeiten, ist Ihr Arbeitsweg die letzten Wochen ohnehin umständlicher geworden. Und nun kommt noch ein weiteres Hindernis hinzu:

(Abre numa nova janela)Trump hat bereits angekündigt, den Wal kontrolliert zu sprengen, fordert aber die Unterstützung Deutschlands. Die Bundesrepublik bat allerdings um Bedenkzeit, da sie erst mal ausrechnen will, ob sich eine solche Sprengung lohnt: Gerüchten zufolge hat der Wal eine teure Bartenzusatzversicherung abgeschlossen. Der Wegfall dieser Walbeiträge würde die Krankenkassenreform noch dringlicher machen und die Bundesregierung zu folgenden Maßnahmen zwingen:

Wiedereinführung der Praxisgebühr (1000 Euro/Quartal)
Facharzttermine gibt es nur noch als Zusatzleistung
Ende der kostenlosen Mitversicherung für Herz und Leber
Eine KI-App übernimmt Psychotherapien (und rät zu Suizid)
Der Krankenkassenbeitrag steigt auf 200 Prozent des Bruttogehalts
Medikamente gegen Bluthochdruck werden durch Medikamente für stärkeren Bluthochdruck ersetzt
Wer raucht, muss sich den Blutdruck zwangseinstellen lassen
Operationen werden ab der Vollendung des 60. Lebensjahres durch Sterbehilfe ersetzt
Kostenlose Puffbesuche für die Vertreter des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen
Zahnarztbesuche? Ahahaha!
Zahnbehandlungen werden Prognosen zufolge bald so selten sein, dass sie als das »Eldorado (zu Deutsch: zahngoldenes Land) der Kassenleistungen« gelten werden. Die Bundesregierung überlegt bereits, das Bundesverdienstkreuz durch Rabattgutscheine für eine professionelle Zahnreinigung zu ersetzen. Vor diesem Hintergrund ist die Geste des Kanzlers gegenüber dem syrischen Präsidenten besonders rührend:

Auch Krankschreibungen sollen reformiert werden: In Zukunft gilt die erste AU für eine Dreiviertelstunde. Außerdem sollen Ärzt*innen höchstens fünf Krankschreibungen pro Quartal ausstellen dürfen. Diese Neuerung wird auch die Arzt-Patienten-Beziehung revolutionieren:

(Abre numa nova janela)Sollten Sie gerade Ihre ärztlich verordnete zwanzigminütige Bettruhe abliegen, haben Sie ja noch etwas Zeit, um die neue Kolumne von Torsten Gaitzsch zu lesen:

Heute: Pech gehabt
Es ist ja fast schon ein Klischee, dass nichts von dem, was wir über das Mittelalter zu wissen glauben, wahr ist. Pestärzte mit Schnabelmasken? »Ein Trugbild« (Geo). Dreckige Städte? »Die Straßen waren nicht mit Müll bedeckt, und es gab keine meterhohen Schlammschichten.« (battlemerchant.com (Abre numa nova janela)) William von Baskerville? Kein Engländer, sondern ein Schotte (Sean Connery)!
Und nun lese ich auf Wikipedia dies: »Dass bei Belagerungen von Burgen kübelweise heißes Pech durch Wehrerker […] auf die Angreifer gegossen wurde, kam jedoch – wenn überhaupt – nur selten vor, da die Herstellung großer Mengen Pech aufwendig und teuer war.« Was die Frage aufwirft, ob die Produktion von Pech inzwischen günstiger und einfacher ist. Deutschland sollte hier eine Vorreiterrolle einnehmen. Wenn »wir« uns demnächst wieder an einem Krieg beteiligen, sollte die Bundeswehr über ein beeindruckendes Pecharsenal verfügen! (Ist Arsenal das richtige Wort? Das Internet sagt, dass man bei ABC-Waffen auch von Arsenalen spricht, also ja.) Man könnte sich dabei von Österreich inspirieren lassen, wo das Pechölbrennen im östlichen Mühlviertel von der Unesco 2013 zum Immateriellen Kulturerbe erklärt wurde.
Und wo kriegt man als Normalsterblicher heutzutage Pech her? In Apotheken? Auf dem Forstamt? Bei Ebay jedenfalls nicht. In einem Astronomieforum bin ich auf einen Thread von 2018 gestoßen, in dem ein User genauestens erklärt, wie er unter anderem mit Pechhaut einen Spiegel schleift. Pech wird nämlich als Poliermittelträger verwendet, etwa beim Teleskopbau. Wo der selbsternannte »Glasquäler« das Material bezogen hat, gibt er leider nicht preis. Immerhin weiß ich nun, dass die zu schleifende, mit Polierrot (alternativ: Ceroxid) eingesalbte Glasfläche mit einer Zeitung und einer sog. PGM-Matte bedeckt wird, auf welcher das Pech in honigflüssigem Zustand verteilt und mit einem warmen, mit Aceton gereinigten »Tool« sowie Zusatzgewicht nach Wahl beschwert wird. Wenn das Pech ausgehärtet ist, kann das Überstehende »wie Schokolade« abgebrochen und später wiederverwendet werden. Mit einem Foucault-Tester lässt sich die Sphäre des Spiegels ermitteln.
Na ja, mein Punkt ist: Im kommenden Weltkrieg Numero 3 möchte ich nicht nur epische Seeschlachten sehen (vgl. »Zweite Tasse« #75), sondern auch den großflächigen Einsatz von Pech!
Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:
Ihre TITANIC-Redaktion
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(Abre numa nova janela)Auf der Suche nach Antworten fahren Carla, Carlo, Kramer und Rosalie von Hannover nach Lissabon und finden dort irgendetwas anderes.
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