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Ausgabe #64 — Es geht um mehr als den Post SV

Was die österreichische Nationalmannschaft uns am Sonntagmorgen geboten hat, war Nervenkitzel pur. Eine Achterbahn der Emotionen binnen weniger Minuten. Wir gratulieren dem Nationalteam zum Weiterkommen und halten die Daumen für die KO-Phase der WM 2026.

Gratulieren können wir auch – wenn auch etwas verspätet – dem Fußballteam des Post SV zum Aufstieg in die Stadtliga. Oder wie ich gelernt habe: in die Bim-Liga. Die Daumen drücken dem Verein derzeit allerdings nicht nur die Fußballfans.

(Abre numa nova janela)
Über die Zukunft des Postsportplatzes entscheiden mehrere Akteur*innen. Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen. Alle Parteien wollen eigentlich an einem Strang ziehen. Aber funktioniert das?

Abseits des Aufstiegs wird es diese Woche ernst rund um den Postsportplatz. Diesmal dauert der Nervenkitzel allerdings nicht wenige Minuten, sondern mehrere Jahre.

In den kommenden Tagen veröffentlicht die Österreichische Post AG die Ausschreibung für den zukünftigen Betrieb des Postsportplatzes. Damit beginnt ein Verfahren, das weit über die Zukunft eines Sportvereins hinausgeht.

Der Post SV, der den Platz seit über 100 Jahren nutzt und heute 15 Sektionen mit mehr als 5.000 Mitgliedern umfasst, bangt um seine Zukunft und weiß nicht, ob er sich in der EU-weiten Ausschreibung gegen mögliche Mitbewerber durchsetzen kann.

Archiv Post SV

Woher die Sorge kommt

Zurecht? Darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. In Ausgabe #59 “Wien verliert seine Freiflächen nicht plötzlich” (Abre numa nova janela) habe ich zum ersten Mal über die Pläne der Post AG, den Platz einer Neuordnung zu unterziehen, berichtet.

Konkrete Pläne für eine solche Neuordnung gab es bereits in den Jahren vor 2023. Damals lief der auf 50 Jahre befristete Pachtvertrag von 1973 zwischen der Republik Österreich, der damaligen Eigentümerin der Anlage, und dem Post SV aus.

Nach den damaligen Überlegungen sollten 15 Millionen Euro investiert werden und an den versiegelten Flächen Wohnraum entstehen. Das hätte schon damals bedeutet, dass Teile des Areals, die damals für Sport- und Freizeitaktivitäten genutzt wurden, hätten umgewidmet werden müssen. Aus den sehr konkreten Plänen wurde erstmal nichts.

Visualisierung des Postsportplatzes
Die Planungen für das neue Quartier waren bereits sehr konkret. Quelle: Post AG

Nicht, weil die Post AG von ihren Vorhaben abgekommen wäre, sondern weil es zu Unstimmigkeiten zwischen der Stadt Wien und der Post AG über Details des geplanten Projekts gegeben haben soll. Auf ORF.at (Abre numa nova janela) ist außerdem zu lesen: “Die Post kündigte nun lediglich an, eine Entwicklung im Rahmen der bestehenden Widmung weiterverfolgen zu wollen.”.

Nach den geplatzten Plänen unterzeichneten der Post SV und die Post AG 2022 einen neuen Vertrag. Der Verein bleibt vorläufig Betreiber. Die Befristung beläuft sich auf 5 Jahre. Investiert wird für diesen kurzen Zeitraum nicht.

Nach dem derzeitigen Vertrag läuft die Vereinbarung 2027 aus und das ist der Grund für die Aktiengesellschaft, den Betrieb des Postsportplatzes EU-weit auszuschreiben, was in den nächsten Tagen passieren wird.

Aus den Vorgesprächen mit der Post AG ist von einer Entwicklung im Rahmen der bestehenden Widmung (Sport- und Freizeit) nicht mehr die Rede. Nach Angaben der Post soll auf bereits versiegelten Flächen Wohnraum entstehen. Der Anteil des geförderten Wohnraums wird laut Aussage mit zwei Drittel der Wohngebäude den gesetzlichen Vorschriften der Stadt Wien entsprechen.

Kann der Post SV Betreiber bleiben?

Auf Anfrage wird mir der Post AG zugesichert, dass die Ausschreibung fair sei und der Post SV mit anderen Konkurrent*innen mithalten könne. Die Kriterien seien darauf ausgerichtet, dass das Gemeinwohl erhalten bleiben solle. Dabei habe der Post SV die notwendige Erfahrung und sei somit ein geeigneter Kandidat. Rechtlich seien alle Verträge und Rahmenbedingungen abgesichert. Dass die Ausschreibung EU-weit stattfindet, sei gesetzlich so vorgegeben.

Der Post SV vertritt hier aber eine andere Meinung. Eine vereinsnahe Bürger*inneninitiative startete im März die Petition “Rettet den Post SV” und sammelte damit über 24.500 Stimmen. Über 8.000 Personen kommentierten die Petition (Abre numa nova janela).

Der Post SV hofft dabei auf eine ganz andere Lösung und sagt, es hätte den neuen Vertrag von 2022 gar nicht gebraucht. In der Zwischenzeit sei 1990 das Sportstättenschutzgesetz in Kraft getreten. Demnach genießen Sportstätten dieser Art besonderen Schutz und ursprüngliche Befristungen gehen in unbefristete Verträge über.

Warum gab es den Vertrag 2022 überhaupt?

Der Post SV scheint darüber nicht Bescheid gewusst zu haben, verhandelte und unterzeichnete. Ist der Vertrag von 2022 also nichtig? Der Verein sagt, vielleicht ja. Die Post AG sagt, nein und schreibt aus. Wir haben die rechtlichen Einschätzungen angefragt und bleiben auch in dieser Sache dran.

Es geht um mehr als den Post SV

Es geht um die größte zusammenhängende Sportfläche in Wien und mit dem geplanten Wohnbau einhergehende Umwidmungen, die wiederum von der Stadt Wien gewollt und genehmigt werden müssten. Im Dossier (Abre numa nova janela) sind wir ins Detail gegangen und haben uns sowohl die aktuellen Widmungen als auch die angedachten Flächen angesehen: Hier geht’s direkt zur Grafik. (Abre numa nova janela)

Welche Flächen für den Bau von Wohnraum in Erwägung gezogen werden? Von links nach rechts die Auffassungen der Post AG, die publizierte Grafik des Post SV und der dazugehörige aktuelle Stand der Widmungen. Details zu den Positionen der Akteur*innen findest du in unserem Dossier. Klicke dazu einfach auf das Bild. (Abre numa nova janela)
Welche Flächen für den Bau von Wohnraum in Erwägung gezogen werden? Von links nach rechts die Auffassungen der Post AG, die publizierte Grafik des Post SV und der dazugehörige aktuelle Stand der Widmungen. Details zu den Positionen der Akteur*innen findest du in unserem Dossier. Klicke dazu einfach auf das Bild.

Wer hat die Millionen für die Modernisierung?

Darüber, dass die Patina am Platz dringend eine bauliche Retusche braucht, sind sich alle einig. “Der Post SV hat sich in der Vergangenheit finanziell tragen können und im gesamten Zeitraum immer wieder in die Anlage investiert.”, so Eva Bauer. Sie hilft dem Post SV unter anderem mit der Petition und betreut die Presseagenden. Es gäbe auch einen ausgearbeiteten Zukunftsplan. Hier habe man Investitionen von etwa 200.000 Euro pro Jahr einkalkuliert. Die Post AG habe diese Pläne aber nie gesehen, heißt es weiter. Der geschätzte Investitionsbedarf liegt jedoch den vergangenen Angaben nach zu urteilen in ein- bis zweistelliger Millionenhöhe. Diese zu stemmen, wird für den Post SV schwer.

Jetzt kommen mehrere Interessen zusammen. Wien braucht zusätzlichen Wohnraum. Gleichzeitig gehört Hernals zu den Bezirken mit vergleichsweise wenig öffentlich zugänglichen Grünflächen. Nach den bisherigen Aussagen sollen die bestehenden Sportflächen erhalten bleiben, während auf bereits versiegelten Flächen Wohnraum entstehen könnte. Gestritten wird also weniger darüber, ob gebaut wird, sondern was, wo und wie viel.

Ein Gedanke hat mich bei der Recherche trotzdem nicht losgelassen: Wenn auf den versiegelten Flächen heute theoretisch auch Wohnbau diskutiert wird – warum eigentlich nicht ihre Entsiegelung? Warum spricht niemand darüber, dort zusätzliche öffentliche Grün- oder Freizeitflächen zu schaffen? Mir ist klar, dass das derzeit ein eher theoretisches Szenario ist.

Was tatsächlich passieren wird, erfahren wir in den kommenden Monaten. Spannend wird es jedenfalls mit und nach der Veröffentlichung der Ausschreibung.

Was wird ausgeschrieben? Ist die rechtliche Lage wirklich so klar, dass der Post SV oder ein neuer Betreiber 2028 starten kann? Und welche Rolle spielen eigentlich die Anrainer*innen? Gibt oder gab es eine Flächenwidmungsbeteiligung?

Archiv Post SV

Diese Recherche ist noch nicht abgeschlossen. Wir ergänzen das Dossier laufend, sobald neue Dokumente und Informationen vorliegen.

Wenn du Informationen zu diesem Thema hast, antworte gerne auf diese Nachricht.

Details zu Positionen, zeitlichen Abläufen und Reaktionen, findest du hier:

https://wienerflaneur.com/die-zukunft-des-postsportplatzes-was-wir-bisher-wissen/ (Abre numa nova janela)

Komme gut durch die heißen Tage!

Bis zur nächsten Ausgabe wünsche ich dir eine gute Zeit.

Liebe Grüße,
Alexandra Folwarski, Herausgeberin Wiener Flâneur

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