Saltar para o conteúdo principal

Nachts im Atelier

Das Logo von women & arts: Dunkellila Schrift auf helllila Grund. Um das Wort "arts" liegt ein orangefarbener Kreis.

Als ich den hellen Raum betrete, ist es draußen schon dunkel. Es sind gar nicht so viele Menschen wie ich dachte. Etwas schüchtern folge ich meiner Begleiterin, die mich hergeschleppt hat. Ich kenne mich mit Kunst nicht aus, denke ich.

Wenn ich im Museum vor Gemälden stehe, liegt etwas zwischen mir und dem Bild. Etwas, das meine Wahrnehmung trübt. Es ist meine Unwissenheit, denke ich, doch dann merke ich dass es eigentlich nur der Gedanke an meine Unwissenheit ist, der mich blockiert.

Aber wir sind heute nicht in einem Museum. Wir sind in einem Atelier. In der Kölner Südstadt haben an diesem Wochenende viele Ateliers ihre Türen geöffnet. Und weil ich dieses Wochenende in Köln bin und die Freundin, die ich besuche, kunstverrückt ist und ich kunstneugierig, stehen wir schließlich im Hauptraum des Atelier V11, das 15 Künstlerinnen und ihre Kunst beherbergt.

Der Raum ist eher schmal und erstreckt sich schier unendlich in das Gebäude hinein, ich kann die hintere Wand von der Tür aus nicht sehen. Links und rechts an den Seiten ist der Raum in Parzellen unterteilt, in denen die Künstlerinnen ihre Werkstätten eingerichtet haben. Schränke, Regale, Tische und Vorhänge fungieren als Raumteiler.

Ich wandere mit der Freundin von Parzelle zu Parzelle. Die ersten Minuten tappe ich ihr linkisch hinterher, dann packen mich die Bilder und ich verliere meine Scheu. Jede Werkstatt ist eine eigene Welt und ich tauche vollständig ein.

Die Künstlerin exxrags macht ihre Bilder aus gebrauchten Stoffen, die sie als Collagen zusammennäht und über einen Rahmen spannt. Ich bleibe vor dem größten ihrer Bilder stehen und lasse die leuchtenden Farben auf mich wirken. Dann wende ich den Blick nach rechts auf die Seite und sehe dort übereinandergestapelte Plastikkisten stehen, in denen die Künstlerin ihre Stoffe aufbewahrt. Direkt daneben ihr Tisch, auf dem eine Nähmaschine steht.

In der nächsten Parzelle hat Marleen Maxeiner nicht nur großformatige Bilder an den Wänden, sondern auch den Boden bemalt. Wo entdeckst du Kunst?, fragt der Schriftzug zu meinen Füßen. Links in der Ecke steht ihr Werktisch, darauf mehrere Dosen mit Pinseln und ein riesiger Spachtel, gut 30 Zentimeter breit.

Ich gucke und staune. Es übt eine besondere Faszination auf mich aus, dass ich hier nicht nur die fertigen Werke bewundern , sondern die Bilder am Ort und im Kontext ihres Entstehens erleben kann.

Wir gehen weiter und stehen schließlich vor Bildern aus der Wolkenserie von You-Jin Chang. Ich versinke augenblicklich. Das Bild mit den roten Wolken nimmt mich in seinen Bann. Ich spüre einen unwiderstehlichen Sog und vergesse alles.

Ich vergesse, wer ich bin und was mich hierher geführt hat. Ich vergesse meine Begleitung. Vergesse, welchen Tag wir haben und wann mein Zug morgen geht. Vergesse alles, was wichtig und unwichtig ist.

Vor diesem Bild bin ich einfach nur da.

Als ich mich schließlich doch losreiße, hat mein Herz einen Entschluss gefasst, einen Entschluss, den ich in den letzten Jahren schon oft gefasst habe und den ich immer wieder erneuere. Dass ich Kunst in meinem Leben haben will. Dass Kunst ein zentraler Bestandteil meines Lebens sein soll.

Wir gehen weiter und sprechen mit Maike Würker, die uns mit leuchtenden Augen erklärt, wie das Bild mit den fließenden Farben entstanden ist. Dass es ihr darum gehe, es buchstäblich fließen zu lassen, nicht nachzudenken. Den Prozess nicht kontrollieren zu wollen. Sie arbeitet mit viel Wasser und verlässt das Atelier, wenn die Farben noch nass sind. Es sei jedes Mal eine Überraschung, wie das Bild am Ende aussieht. Sie zeigt auf Details, die zufällig entstanden sind, und sie lächelt und strahlt, und ich sage ihr, dass ich genau weiß, was sie meint.

Denn ich weiß genau, was sie meint. Dass es nichts Schöneres gibt als sich von der eigenen Kunst überraschen zu lassen.

Wir holen uns einen Sekt und lassen die Bilder von Julia Pleiter auf uns wirken. Sie zeigt uns ihre Lieblingsfarbe, welchen Song sie beim Malen hörte und welche Stimmung welches Bild inspirierte. Der Abend plätschert dahin und dann ist es auf einmal spät und wir brechen auf, und unter meinem Arm klemmt ein sorgfältig in Luftpolsterfolie eingeschlagener Bilderrahmen mit einem Bild von You-Jin Chang, das mich unbedingt begleiten wollte. (Nicht das große rote Wolkenbild, eine kleinere Schwester.)

Am nächsten Tag nehme ich all diese Eindrücke mit in den Zug nach Berlin, und statt meine Reisetasche zu beschweren, machen sie sie leichter. Ich sitze am Fenster und lasse die Landschaft an mir vorbeiziehen, mein Atem wird ruhiger und mein Brustkorb weitet sich.

Ich habe Künstlerinnen getroffen. Es gibt sie wirklich. Ich bin nicht allein. Wir sind gemeinsam auf dem Weg. Kommst du auch mit?

Alles Liebe

Miriam

❤️

🙌 Wir machen uns gegenseitig groß

Was mich an diesem Abend im Atelier V11 besonders fasziniert hat, war, wie sehr die Künstlerinnen sich untereinander unterstützt haben. Der Erfolg der einen ist der Erfolg von allen. Gemeinsam sind wir groß und bringen uns voran. Darum mache ich an dieser Stelle einen großen Shoutout für die Künstlerinnen des Atelier V11. Schau dir ihre Kunst an, stöbere in den Werken, kaufe ein Bild, schreib ihnen ein gutes Wort.

Hier geht’s also zu den Webauftritten der Künstlerinnen (in der Reihenfolge, wie sie im Text vorkommen):

Atelier V11 auf Instagram: @atelier_v11 (Abre numa nova janela)

exxrags – Website (Abre numa nova janela) und Instagram: @exxrags_artist (Abre numa nova janela)

Marleen Maxeiner auf Instagram: @marleenmaxeiner_art (Abre numa nova janela)

You-Jin Chang – Website (Abre numa nova janela) und Instagram: @changy.art (Abre numa nova janela)

Maike Würger auf Instagram: @maikemaltdalena (Abre numa nova janela)

Julia Pleiter – Website (Abre numa nova janela) und Instagram: @julia.pleiter.art (Abre numa nova janela)

Fußnote: Ihr wisst, dass ich ungern auf Instagram verlinke, aber heute will ich da mal eine Ausnahme machen.

⭐️ In eigener Sache: Die neue Textsprechstunde

Du hast einen Text geschrieben und bist dir damit unsicher. Du wünschst dir professionelles Feedback und Hilfe an bestimmten Stellen, an denen du nicht weiterkommst. Du willst einfach mal hören, ob du auf dem richtigen Weg bist. Du wünschst dir konkrete Tipps, um deinen Stil zu verbessern.

Für all das ist die neue Textsprechstunde da.

Du schickst mir vorab deinen Text und wir treffen uns zu einem 90-minütigen Videocall, um all deine Fragen zu besprechen. Mein ehrliches und immer konstruktives Feedback, das dich ermutigt und voranbringt, inklusive.

Sieh dir hier das Angebot an (Abre numa nova janela) – und schreib mir bei Interesse. Dann treffen wir uns auf ein kostenloses Erstgespräch, in dem wir alles Weitere klären.

Du musst das nicht alleine schaffen! Ich bin gerne an deiner Seite.

💁‍♀️ Wer hier schreibt

Hi, ich bin Miriam.

Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Schreibmentorin. Ich schreibe und bringe andere zum Schreiben.

Ich verfasse Kurzgeschichten und Essays und arbeite derzeit an meinem Romandebüt. In diesem Newsletter nehme ich dich mit auf meine kreative Schreibreise, teile meine Ups and Downs und möchte dir damit zeigen, dass Kunst und kreative Arbeit vor allem eines ist: ein Prozess, dem es zu vertrauen gilt.

Dieses Vertrauen kann man lernen. Darum gebe ich mein Wissen und meine Erfahrung in Schreibkursen und Workshops weiter, die dir dabei helfen, das zum Ausdruck zu bringen, was in dir schlummert. Denn alles, was du zum Kreativsein brauchst, trägst du bereits in dir.

Ich freue mich sehr, dass du auf dieser Reise dabei bist!

🙋‍♀️ Wurde dir dieser Newsletter weitergeleitet?

Willkommen! Dann kannst du dich hier anmelden. (Abre numa nova janela)

⭐️

0 comentários

Gostaria de ser o primeiro a escrever um comentário?
Torne-se membro de WOMEN & ARTS | VON MIRIAM SCHAAN e comece a conversa.
Torne-se membro